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Matchbox-Deckelbild

Modell: HMS Exeter B-Class Cruiser
Hersteller: Matchbox
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: PK-62
Material: Polystyrol (Spritzguss)
Preis: nicht mehr in Produktion
Alanger-DeckelbildModell: Exeter
Hersteller: Alanger
Maßstab: 1/700
Art. Nr.: 40061
Material: Polystyrol (Spritzguss)
Preis: ca. 9 Euro (bei NNT)

Original

Exeter, wie ihre Halbschwester York, war das Ergebnis eines Versuchs einen kleineren Schweren Kreuzer zu entwickeln, um höhere Stückzahlen bauen zu können. Im Vergleich zu den Schweren Kreuzer der County-Klasse hatten York und Exeter weniger Freibord mittschiffs und achtern, einen 20,3 cm Zwillingsturm weniger und verdrängten etwa 2000 t weniger, waren aber besser gepanzert. Exeter unterscheidet sich von der älteren Halbschwester York durch eine niedrigere, stromlinienförmigere Brücke, nicht geneigte Masten und Schornsteine, ein V-förmiges Katapult und Zwillingstürme mit nur 50° Rohrerhöhung statt 70° bei der York.

Exeter war 175,25 m lang und 17,68 m breit. Der Tiefgang betrug 6,17 m und die Verdrängung voll beladen 10 620 t. Mit 80 000 PS erreichte sie 32 kn.

Bewaffnung 1931
6 x 20,3 cm L/50 Mk VIII (3 Mk II Zwillingstürme)
4 x 10,2 cm L/45 Mk V (4 Mk IV-Einzellafetten)
2 x 4 cm Mk II (2 Pdr, Mk II-Einzellafetten)
4 x 4,7 cm (3 Pdr, Salutgeschütze)
6 x 53,3 cm (2 TRIII Torpedodrillinge)
1 x Bordflugzeug

Bewaffnung 1939
6 x 20,3 cm L/50 Mk VIII (3 Mk II Zwillingstürme)
4 x 10,2 cm L/45 Mk V (4 Mk IV-Einzellafetten)
2 x 4 cm Mk II (2 Pdr, Mk II-Einzellafetten)
4 x 4,7 cm (3 Pdr, Salutgeschütze)
8 x 1,27 cm Mk III (2 Mk I-Vierlinge)
6 x 53,3 cm (2 TRIII Torpedodrillinge)
2 x Supermarine Walrus Bordflugzeuge

Bewaffnung 1942
6 x 20,3 cm L/50 Mk VIII (3 Mk II Zwillingstürme)
8 x 10,2 cm L/45 Mk XVI (4 Mk XIX-Zwillingslafetten)
16 x 4 cm Mk VIII (2 Pdr, Mk V-Achtlinge)
0 x 2 cm Oerlikon (6 Positionen vorbereitet, aber statt dessen nur zwei 1,27 cm Vierlinge)
8 x 1,27 cm Mk III (2 Mk I-Vierlinge)
6 x 53,3 cm (2 TRIII Torpedodrillinge)
2 x Supermarine Walrus Bordflugzeuge

Die Exeter wurde von 1928-31 auf der Marinewerft Devonport gebaut. Am 13.12.1939 war sie zusammen mit den Leichten Kreuzern HMS Ajax und HMNZS Achilles vor der Rio de la Plata-Mündung am Gefecht gegen den deutschen Schweren Kreuzer (Panzerschiff) Admiral Graf Spee beteiligt, wobei Exeter schwer beschädigt wurde. Nach dem Reparaturen und einer Modernisierung in Devenport wurde Exeter als Teil der ABDA-Streitkräfte eingesetzt. In der Schlacht in der Java-See am 27.2.1942 erhielt sie einen 20,3 cm Treffer von einem japanischen Schweren Kreuzer der Myoko-Klasse, der den achteren Kesselraum zerstörte und die Geschwindigkeit auf 16 kn reduzierte. Nach Behelfsreparaturen in Surabaya wurde Exeter beim Rückzug am 1.3.1942 in der Sunda-Straße erneut von den vier japanischen Schweren Kreuzer der Myoko-Klasse abgefangen und versenkt.

Bausatz

Der Matchbox-Bausatz der Exeter stammt aus dem Jahre 1977. Die Formen wurden später von Revell gekauft. Die russische Firme Alanger bietet den Bausatz momentan in Lizenz an. Ich bespreche hier nur den Inhalt eines Matchbox-Bausatzes, da mir kein Alanger-Bausatz vorliegt. Ich gehe davon aus, dass der Inhalt identisch ist. Die Matchbox-Bausatz ist ab und zu noch auftreibbar – meist aber zu vollkommen übertriebenen Preisen, die eigentlich nur Sammler, aber keine Modellbauer zahlen sollten. Der Alanger-Bausatz ist zwar nicht überall erhältlich, stellt aber eine billige Möglichkeit dar, an diesen Bausatz zu kommen.

Der Bausatz stellt die Exeter im Zustand des Gefechts am Rio de la Plata im Dezember 1939 da. Auf der ersten Blick wirkt der Bausatz sehr gut. Er gehört sicher zu den besseren Schiffsmodellen von Matchbox. Die Abmessungen des Rumpfes und der Gesamteindruck stimmen.

Es liegen drei Spritzrahmen vor, die – typisch für Matchbox - in drei verschiedenen Farben gehalten sind:

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Dazu gibt es noch eine britische Flagge als Abziehbild.

Anleitung

Die Anleitung ist übersichtlich in einzelne Schritte gegliedert:

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Die Farbangaben beziehen sich Humbrol Authentic-Farben. Der Anstrich bestand 1939 aus 507 C Hellgrau für die vertikalen Flächen, der Großteil des Decks war beplankt und die Stahldecks – Aufbauten, Backdeck mittschiffs - waren 507A Dunkelgrau.

Details

Die Details sind, wie bei fast allen älteren 1/700-Spritzgußbausätzen, weniger überzeugend. Die Bullaugen am Rumpf sind erhaben dargestellt. Der typische Knick des britischen Kreuzerbugs ist zu schmal. Er macht nicht einmal ein Viertel der Rumpfhöhe aus, sollte aber fast ein Drittel einnehmen. Die Decks sind relativ wenig detailliert, auf eine Darstellung der Beplankung wurde komplett verzichtet. Der Wellenbrecher auf der Back ist viel zu dick und sollte durch eine dünnere Neuanfertigung ersetzt werden.

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Die 20,3 cm Zwillingstürme sind ok. Die Rohre sind bei meinem Exemplar teilweise verbogen. Vorsicht ist wahrscheinlich bei dem Anbau der Entfernungsmesser (Teil 70) geboten, wenn man Spachtelarbeiten vermeiden will. Die Rohre der 10,2 Flak sehen recht gut aus. Die Lafette ist allerdings total falsch. Diese bestand nicht aus einem Kegel, sondern aus zwei parallelen Platten, so dass die zumindest die Lafette neu hergestellt werden muss. Es sind weder 1,27 cm Vierlings-MGs, noch die 4,7 cm Salutgeschütze vorhanden, wobei die Plattformen für die MGs neben der Brücke korrekt dargestellt sind. Die Salutgeschütze befanden sich auf der Hütte (Teil 22). Die Torpedorohre sind zufriedenstellend, da man sie unter dem Decksübergang nicht gut sichtbar sind. Das Supermarine Walrus-Flugzeug zeichnet sich durch viel zu dicke Flügel, Seiten- und Höhenruder aus. Der Motor zwischen den Flügel ist nur angedeutet. Der Kran sollte durch ein Ätzteil oder ein selbstgebautes Teil ersetzt werden. Für das V-förmige Katapult bleibt einem wahrscheinlich nur ein selbstgefertigtes Teil, da meines Wissens kein entsprechendes Ätzteil erhältlich ist.

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Die Beiboote sind teilweise vielleicht verwendbar. Der Rumpf des Motorboots (Teil 65) ist flach, die Detaillierung der Ruderbänke bei den Teilen 63, 66, 67 und 69 ist nicht sehr überzeugend. Die Oberseiten der Teile 64 und 68 sind nur abgedeckt dargestellt. Die Darstellung der Schlauchboote ist dafür recht gut. Die Bootsdavits und die Bootshalterungen (Teile 60 und 62) sind etwas dick.

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Die Aufbauten sind relativ wenig detailliert, nur vereinzelt sind Türen und Bullaugen angedeutet. Die Brückenfenster sind offen dargestellt. Die Reling des oberen Brückendecks (Teil 21) würden einer 70 bis 100 cm dicken Mauer entsprechen. Ähnliche Probleme gibt es bei den Scheinwerferplattformen (Teile 48, 39, 36) – bei ersteren fehlen die Scheinwerfer – und bei der Hütte (Teil 21). Ob die Darstellung des kugelsicheren Dachs (Teil 55) der oberen Brücke überzeugend ist, bezweifle ich noch. Die Frontseite der Brücke war zwischen diesem Dach und der Reling verglast – was hier nicht dargestellt ist.

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Die Abstützung der Scheinwerferplattform an der Rückseite der Brücke sollte man durch weniger dicke Teile ersetzen – wie auch die Steigrohre an den Schornsteinen. Die Form des oberen Teils der Hütte (Teil 21) entspricht nicht ganz meinen Plänen – sie verengt sich nach oben auch stark.

Die Feuerleitgeräte sind, wie die Masten, recht brauchbar. Nur die Scheinwerfer sollte man ersetzen – wobei sowieso zwei zu wenig enthalten sind.

Wenn man frühere Zustände darstellen will, ist zu beachten, dass anfangs das Backdeck weniger weit nach achtern seitlich geschlossen war, das Katapult bei der Fertigstellung noch nicht an Bord war, die Walrus wohl erst ca. 1939 an Bord genommen wurde (zuvor Fairey Seafox, zuvor Fairey IIIF?) und neben der Brücke statt der MGs einzelne PomPoms an Bord waren.

Der Umbau in den Zustand bei der Versenkung ist aufwendiger. Neben Dreibeinmasten, 10,2 cm Zwillingen, den Positionen für sechs 2 cm Oerlikons (die aber nie vollzählig vorhanden waren!) und die beiden 4 cm Achtlings-PomPoms, muss noch der Radar 279 auf den beiden Mastspitzen, sowie ein HACS (Feuerleitgerät für die schwere Flak) auf der Brücke und der Hütte ergänzt werden. Der letzte Anstrich bestand übrigens aus 507 B Mittelgrau.

Quellen

Fazit

Der Matchbox-Bausatz, der momentan von Alanger erhältlich ist, stellt immer noch die einzige Möglichkeit dar, um diesen berühmten Gegner der Admiral Graf Spee bauen zu können. Der Aufwand, der für die Detaillierung notwendig ist, ist im Vergleich zu anderen älteren Spritzgußbausätzen z.B. von Hasegawa moderat. Der Anfänger kann ohne Änderungen ein durchaus ansprechendes Modell erstellen, während für den Fortgeschrittenen die Basis für eine gute Darstellung der Exeter vorhanden ist. Wegen der notwendigen Änderungen für ein original-getreues Modell ist der Bausatz aber

NUR EINGESCHRÄNKT EMPFEHLENSWERT.

Lars