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HMS Douglas Deckelbild

Modell: Flotilla Leader Scott Class HMS Douglas
Hersteller: AJM Models
Maßstab: 1/350
Material: Resin, Fotoätzteile, gedrehte Messingteile, Ankerkette, Abziehbilder
Art.Nr.: 350-006
Preis: ca. 100 €

Das Original

Zu jeder britischen Zerstörerflotille gehörte ein Flotillenführer. Diese Schiffe waren größer als die zeitgenössischen Zerstörer, um Platz für den Flotillenstab und die erforderlichen Kommunikationseinrichtungen zu bieten. HMS Douglas war einer von acht britischen Flotillenführern der Scott-Klasse aus dem Ersten Weltkrieg. Die Einheiten dieser Klasse wurden nach einem Admiralitätsentwurf gebaut und nach historischen schottischen Anführern benannt.

Die HMS Douglas wurde im Juni 1917 bei Cammell Laird in Birkenhead bei Liverpool auf Kiel gelegt und am 30. August 1918 in Dienst gestellt. Von 1919 bis 1921 wurde sie in Reserve gehalten.

Zu Beginn des 2. Weltkriegs war die Douglas in Gibraltar stationiert und gehörte zur Mittelmeerflotte. Hier führte sie Patrouillen durch und gehörte zu den Sicherungsschiffen der Flotte. Ab Februar 1941 wurde sie dem Western Approaches Command in Liverpool unterstellt und eskortierte ab dann Konvois. Schon früh im Krieg wurde das mittlere 12 cm-Geschütz ausgebaut und durch zwei einzelne 40 mm-Maschinenkanonen ersetzt. Der hintere Schornstein wurde gekürzt, um das Schussfeld dieser Waffen zu erweitern. Nach der Kollision mit einem US-Zerstörer in einem Sturm Anfang 1942 wurde das Schiff überholt und dabei zu einem Geleitschiff mit kurzer Reichweite (Short Range Escort) umgebaut. Die Wasserbombenbewaffnung wurde deutlich auf 70 Stück verstärkt. Zwei weitere Geschütze und einer der beiden Drillings-Torpedosätze wurden von Bord gegeben, anstelle des vordersten Geschützes wurde ein "Hedgehog" Wasserbombenwerfer eingebaut. Drei 20 mm-Oerlikon-Flak wurden eingerüstet, später wurden die beiden 40 mm-"Pom-Pom" auch durch Oerlikons ersetzt. Das Schiff erhielt zuerst ein Radar vom Typ 286, später waren es die Typen 290 und 271. Auch ein HF/DF-Funkpeilempfänger wurde nachgerüstet.

Die HMS Douglas diente auf Geleitrouten von der Arktis bis zum Mittelmeer. Sie gehörte auch zur Sicherung des verlustreichen Konvois PQ 17. Nach der Außerdienststellung im Februar 1945 wurde das Schiff rasch zum Abbruch verkauft.

Der Bausatz

Der polnische Hersteller AJM Models bietet hier einen praktisch vollständigen Bausatz dieses interessanten Schiffes im Zustand nach der Umrüstung 1942 an. Neben einem an der Wasserlinie geteilten Rumpf enthält der Bausatz 71 verschiedene, teils mikroskopisch kleine Resinteile. Eine große und vier kleine Ätzteilplatinen, fünf Stücke unterschiedlich dicken Messingdrahts, drei gedrehte Messingteile, Ankerkette, ein kleiner Bogen mit Nassschiebebildern sowie die vierseitige Bauanleitung komplettieren den Inhalt.

Alle Resinteile wurden per CAD entwickelt und die Urmodelle digital gedruckt. Die Teile sind sehr sauber und haben eine leicht raue Oberfläche, aber keine unmittelbar sichtbaren Spuren des Digitaldrucks. Interessant wird es sein, wie die Teile nach dem Grundieren aussehen werden. An beiden Rumpfteilen ist jeweils flächig ca. 2 mm an Material zu entfernen, bis sie zusammengesetzt werden können. Das macht Arbeit, und im Anschluss muss das Unterwasserteil noch angepasst werden, weil es in der achteren Hälfte breiter ist als das Überwasserschiff. Das Überwasserteil weist in meinem Fall zahlreiche Lufteinschlüsse auf, die sich knapp unter der Oberfläche abzeichnen, und hoffentlich nach dem Grundieren nicht mehr sichtbar sein werden. Ansonsten würde das erhebliche Mehrarbeit bedeuten. Die sehr große Zahl an weiteren Resinteilen ist sehr schön gestaltet, bis auf ein paar Bläschen gut abgegossen, aber sehr lieblos in zwei Plastiktüten verpackt. In meinem Fall haben sich ein paar Dutzend der sehr kleinen Kleinteile dadurch vom Gussast gelöst. Das ist schade, denn so kann leicht etwas verloren gehen, und ein Bemalen der winzigen Teile am Gussast ist nicht mehr möglich. Zerbrochen scheint jedenfalls nichts zu sein.

Rumpf Rumpf Rumpf
Rumpf Rumpf Rumpf
Rumpf Verpackung der Kleinteile Kleinteile
Kleinteile Kleinteile Kleinteile
Kleinteile Kleinteile Kleinteile
Kleinteile Kleinteile Kleinteile
Kleinteile Kleinteile Kleinteile
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Kleinteile Kleinteile

Die Fotoätzteile

Die beigelegten Ätzteile sind sehr fein gestaltet und geätzt, und sehr vollständig. Alles, was für Schiff und Boote benötigt wird, ist dabei. Die Relings enden unten in einzelnen Stützen und weisen keine Klebekante auf, deshalb werde ich sie durch solche mit Klebekante ersetzen. Ich weiß, dass das weniger vorbildgetreu ist, aber ich bevorzuge die leichtere Verarbeitung und bessere Stabilität.

Neben der Hauptplatine liegen vier weitere kleine Ätzteilplatinen bei. Zwei davon sind in der Bauanleitung verzeichnet und betreffen die beiden 12 cm-Geschütze, die beiden anderen tauchen in der Bauanleitung nicht auf und enthalten Splitterschutzmatten für die Aufbauten, die aber auch nicht in den Baustufen auftauchen.

Fotoätzteile Fotoätzteile Fotoätzteile

Gedrehte Messingteile und andere Metallteile

Die nächste Plastiktüte enthält zwei gedrehte Rohre für die 12 cm-Geschütze. Mit diesen kann das beiliegende komplette Resin-Geschütz ggfs. weiter detailliert werden. Das dritte Drehteil aus Messing ist der sehr schön hergestellte Fockmast. Der Hauptmast war anscheinend als Drehteil geplant, ist aber in der Bauanleitung durchgestrichen.

Fünf Stücke Messingdraht unterschiedlicher Stärke liegen zur Erstellung der Rahen, Gaffeln, Schraubenwellen und diverser Stützen bei. Sie müssen vor der Verarbeitung gerade gerichtet werden. Schließlich ist noch ein Stück Kette enthalten.

Metallteile und Abziehbilder

Abziehbilder

Der kleine Abziehbilderbogen enthält zwei Flaggen, die Tiefgangsmarkierungen und den Schiffsnamen, letzteren in Gold. Er sieht sauber gedruckt aus. Die Trägerfolie scheint durchgehend zu sein.

Die Anleitung

Die Bauanleitung ist teils in Farbe gedruckt. Die Bestandteile des Bausatzes sind abgebildet, wobei die kleineren Resinteile nicht alle leicht identifizierbar sind. Der abgebildete Decalbogen unterscheidet sich vom tatsächlich beiliegenden, letzterer enthält einen White Ensign, der abgebildete deren zwei. Die Farbangaben beziehen sich auf das Programm von Lifecolor, das Farbprofil zeigt das Schiff in einem Western Approaches-Tarnmuster in Weiß und Grün. In der Auflistung der Farben wird zu den grünen Flächen sowohl der grüne als auch der blaue Farbton aus dem WA-Tarnmuster angegeben, anscheinend besteht hier Unklarheit darüber, welcher der beiden Töne am Schiff verwendet wurde. Im Internet zugängliche Originalfotos des Schiffes (z.B. hier) zeigen einen etwas anderen Verlauf der Farbgrenzen als im Profil, hier ist Quellenstudium und Eigeninitiative gefragt.

Anleitung Anleitung Anleitung Anleitung

In der Aufsicht des Farbprofils sind die mit Semtex beschichteten Laufwege zu erkennen, der Rest des Decks ist weiß markiert. Weiter oben ist jedoch korrekt angegeben, dass die Stahldecks in MS 2, einem mittleren Grauton, anzustreichen waren. Die eigentliche Bauanleitung ist in vierzehn Baustufen unterteilt und klar gezeichnet und dargestellt. Für die aus den Drahtstücken herzustellenden Teile sind jeweils Durchmesser und Länge angegeben, bis auf den Hauptmast, bei dem nur die Bezeichnung des Drehteils durchgestrichen ist. Die Länge muss von daher aus dem Seitenriss ermittelt werden.

Quellen

Fazit

Ich halte diesen Bausatz für empfehlenswert. Es ist praktisch alles enthalten, was zum Bau eines hochdetaillierten Modells eines interessanten Schiffes erforderlich ist. Die Tüpfelchen auf dem i wären noch:

Ich freue mich jedenfalls schon auf den Bau dieses Modells!

alt empfehlenswert

Frank Spahr