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Russischer Zerstörer Gromkiy (1/350, Kombrig) von Thomas Schmidt Drucken
Dienstag, 01. Oktober 2013 um 06:00

Das Original

Der Zerstörer Gromkiy (Громкий, auch Gromkij, gehörte zur Groznyi-Klasse) wurde im Frühjahr 1904 auf Kiel gelegt und am 30. Juni 1904 in die Liste der Schiffe der Baltischen Flotte aufgenommen. Nach dem Stapellauf am 25. September 1904, wurde das Schiff in die Minenjagdabteilung des Kapitäns des 1. Ranges (Kapitän zur See) L.F. Dobrotworski aufgenommen und verließ Libau (Kurland) als Teil des Zweiten Pazifik-Geschwaders zur Unterstützung der Pazifischen Flotte am 3. November 1904 in Richtung China.

Während der Schlacht von Tsushima am 14. Mai 1905 hielt sich das Schiff in der Deckung des Kreuzers Oleg und entkam dadurch Beschädigungen. Gegen Abend schloss es sich dem Kreuzer Wladimir Monomach an, mit dem es zusammen die Angriffe japanischer Zerstörer abwehrte. In der Nacht erhielt die Wladimir Monomach einen Torpedotreffer und wurde kampfunfähig. Gegen 5 Uhr morgens wurde am Horizont der untergehende Schlachtschiff Sissoi Weliki gesichtet. Der Kommandant der Wladimir Monomach, Kapitän 1. Ranges Wladimir Alexandrowitsch Popov, befahl der Gromkiy, den Schiffbrüchigen des Schlachtschiffs zu Hilfe zu kommen, doch dieses versank, bevor Gromkiy das Schiff erreichen konnte. Der Kommandant des angeschlagenen Kreuzers Monomach befahl Gromkiy nun nach Wladiwostok durchzubrechen. In diesem Augenblick wurde der japanische Zerstörer Shiranui entdeckt, der sich sofort daran machte, Gromkiy zu beschießen. Um 8:35 Uhr (nach japanischen Quellen) wendete Gromkiy, erhöhte nach und nach die Geschwindigkeit und versuchte, sich der Verfolgung zu entziehen. Der japanische Zerstörer war stärker bewaffnet als Gromkiy, konnte aber nicht an Geschwindigkeit zulegen. Nach zweistündiger Verfolgung war das Maschinenpersonal der Gromkiy endgültig erschöpft. Schon fast 20 Stunden waren die Männer im Dienst, viele Heizer verloren durch massive Überanstrengung das Bewusstsein und bei einigen begannen sich Krämpfe einzustellen. Die Shiranui blieb zurück, aber um 11:40 Uhr tauchte noch ein japanischer Zerstörer auf (Nr. 63). Für Gromkiy wurde die Situation kritisch – es war nur noch etwa 40 Tonnen Kohle übrig, als die Geschwindigkeit erneut erhöht werden musste, sodass die Gefahr bestand, in absehbarer Zeit ganz ohne Treibstoff/Heizmittel zu sein. Der Kommandant fällte die Entscheidung, den Feind mit Torpedos anzugreifen. Gromkiy wendete plötzlich und feuerte zwei Torpedos auf die Shiranui. Der erste Torpedo ging vorbei und der zweite explodierte nicht, nachdem er die Seite des japanischen Schiffes getroffen hatte. Gegen 12 Uhr beschädigten japanische Geschosse zwei Kessel der Gromkiy und die Geschwindigkeit fiel auf 16 Knoten. Ungeachtet dessen setzte die Mannschaft der Gromkiy den verzweifelten Kampf fort; auf dem Zerstörer wurde sogar die im Kampf abgerissene Flagge ersetzt. Der Zerstörer Shiranui wurde mehr als 20 Mal getroffen. Bald erwiesen sich die Verschlüsse der Waffen als überhitzt und von der ganzen Artillerie verblieben lediglich zwei 47-mm-Geschütze, die die restliche auf dem Boot noch vorhandene Munition verfeuerten. Japanische Geschosse setzten alle Kessel der Gromkiy außer Gefecht. Kurz danach verstummte das letzte Geschütz der Gromkiy und die Besatzung fing an mit Gewehren zu schießen. Der Kommandant, Kapitän 2. Ranges (Fregattenkapitän) G. F. Kern, gab das Kommando „rette sich wer kann“ bevor er von einem feindlichen Geschoss tödlich getroffen wurde. Während des Kampfes verlor Gromkiy 2 Offiziere, 1 Bootsmann und 20 Matrosen. 3 Offiziere und 23 Matrosen wurden verwundet. Um 12.43 Uhr legte sich Gromkiy nach Steuerbord und ging unter. Die überlebenden Schiffbrüchigen wurden von den Japanern gerettet.

Techn. Daten:
Verdrängung: 405 t
Länge: 64 m
Breite: 6,4 m
Tiefgang: 2,54 m
Geschwindigkeit: ca. 26 Knoten

Bewaffnung:
1x 75 mm Geschütz
5x 47 mm Geschütze auf Einzellafette
2x 7,62 mm MG
2x 457 mm Torpedorohre

Besatzung:
4 Offiziere
68 Unteroffiziere und Mannschaften

Das Modell

Mein Modell stellt den Torpedozerstörer Gromkiy während der Seeschlacht von Tsushima (14. bis 27. Mai 1905) dar. Das Modell von Kombrig ist in der gewohnten, erstklassigen Qualität gefertigt und bereitet beim Zusammenbau keine Schwierigkeiten. Der Rumpf ist an der Wasserlinie getrennt, das Unterwasserschiff liegt separat bei. Somit ist auch der Bau eines Vollrumpfmodells möglich. Der beiliegende Fotoätzsatz beinhaltet die wichtigsten Teile für den Bau, aber (wie immer bei Kombrig) keine Reling. Hier muss die Ersatzteilschublade geplündert werden. Die Geschützrohre liegen in Resin bei, leider waren einige der 47 mm Rohre aufgrund ihrer Filigranität gebrochen und mussten durch Stahldraht ersetzt werden. Das 75 mm Rohr könnte man durch ein aus Messing gedrehtes ersetzen, ich habe aber darauf verzichtet. Überhaupt ist alles an diesem gerade mal 16 cm langen Modell sehr klein und man muss sehr konzentriert arbeiten, um Bruch zu vermeiden.

Begonnen habe ich mit der Verfeinerung des Rumpfes durch das Aufbohren der Bullaugen. Diese wurden dann mit abgeflachten Ringen (immerhin 78 Stück, nicht gezählt sind die, die dann mal so weg fliegen) aus ausgeglühtem Kupferdraht versehen.

Gromkiy Originalfoto

Quelle: Wikipedia Commons

Danach kommt schon die Lackierung des Rumpfes und der Aufbauten in den Farben der baltischen Flotte. Um umfangreiche Abklebearbeiten kommt man leider nicht herum. Es war für mich schwierig, die Farbgebung dieser Schiffe heraus zu finden, da meine Literatur über die Kaiserlich Russische Flotte sehr „schmal“ ist. Daher hier noch mal mein Dank an Lars, der mir sehr geholfen hat! Die Lackierung erfolgte mit Acrylfarben, glänzend der Fa. Gunze Sangyo. Nach der Trocknung wurden mehrere Washings mit verdünnten Ölfarben durchgeführt. Im Anschluss an einen Überzug mit Mattlack, führte ich eine ausführliche Trockenbemalung durch, das verleiht dem Modell eine zusätzliche Plastizität.

Danach wurden alle, ebenfalls schon lackierten und ebenso behandelten Kleinteile angebracht. Die Masten wurden aus Messingdraht auf die im Bauplan angegebenen Längen zugeschnitten, gelötet und angebracht. An beiden Masten habe ich Positionslampen aus Plastikteilen von Evergreen hinzugefügt. Verspannt wurde das Modell mit Uni Caenis 20 Den Fliegenfischerleine. Die Flagge wurde aus Zigarettenpapier geschnitten und bemalt. An der Singalleine habe ich die Flaggen entsprechend meiner Initialen und meines Wohnorts angebracht.

Die Ankerkette ist zwar auf der Fotoätzplatine vorhanden, ich habe jedoch nach mehreren vergeblichen Biegeversuchen auf dieses Teil verzichtet und eine aus Kupferdraht geflochtene Ankerkette verwendet.

Um ein wenig Leben auf das Schiff zu bringen, habe ich ein Torpedorohr am Verschluss geöffnet und ausgebohrt. Dazu habe ich einen kleinen Schlitten aus einem passenden Fotoätzteil zurechtgebogen, auf die Schienen auf dem Deck gestellt und einen Torpedo aus einem anderen Bausatz darauf geklebt. Ein Teil der Besatzung, rekrutiert auf dem Programm der Fa. Preiser, ist auf dem Schiff bei der Arbeit. Die Bemalung dieser kleinen Figuren kann einen schon fast in den Wahnsinn treiben. Ich habe versucht, die horizontal gestreiften Hemden der Matrosen auf die kleinen Herren zu malen; keine Chance!!! Zum Glück gab es in der russischen Marine auch leinenfarbene Hemden, die sind wesentlich leichter darzustellen.

Das fertige Modell wurde auf eine von unten bemalte Wasserfolie aus dem Modellbahnprogramm der Fa. Busch gesetzt, die wiederum auf einer Styrodurplatte in einem selbstgefertigten Holzrahmen befestigt wurde. Die Wellenstruktur der Wasserfolie eignet sich hervorragend für ruhiges Wasser, die Bug- und Hecksee wurde mit Acryl Gel geformt und anschließend mit weißer Humbrolfarbe, Matt bemalt.

Alles in allem ist die Gromkiy von Kombrig kein schwieriges Modell, wenn man jedoch mit der nötigen Konzentration und Geduld arbeitet, steht am Ende ein tolles Modell in der Vitrine.

Vielen Dank an Frau Kathrin Orth für die Übersetzung des historischen Teils des Kombrig Bauplans und ebenfalls vielen Dank an Dr. Lars Scharff für die Hilfe bei der Farbgestaltung des Modells.

Thomas Schmidt