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Heller: französischer Flugabwehr-Kreuzer Colbert (1/400) Drucken
Dienstag, 21. Januar 2014 um 06:00

Deckelbild

Modell: Colbert
Hersteller: Heller
Maßstab: 1/400
Material: Polystyrol
Art.Nr.: 81040
Preis: 37,99 € bei Glow2B

Das Original

Der Flugabwehr-Kreuzer Colbert (C 611) war das sechste Schiff der französischen Marine, das nach Jean-Baptiste Colbert (1619-1683), dem Finanzminister Ludwig XIV. benannt wurde. Von 1956 bis 1991 diente sie in der französischen Marine. Anschließend lag sie ab 1993 als Museumsschiff in Bordeaux, bis im Jahre 2007 verfügt wurde, sie nach Landévennec/Brest zum Abwracken zu verbringen.

Die Kiellegung der Colbert fand im Jahr 1953 in der Marinewerft von Brest statt. Ihre Bewaffnung war sehr stark ausgelegt, um von vornherein jeder Gefahr aus der Luft massiv begegnen zu können. Sechzehn 127 mm Geschütze in acht Doppeltürmen, sowie zwanzig 57 mm Geschütze in zehn Doppeltürmen waren in der Lage, einen tödlichen Geschossvorhang vor jedes angreifende Flugzeug zu legen.

Nach ihrem Stapellauf am 24. März 1956 und den folgenden Testfahrten ab dem 5. Dezember 1957, wurde sie am 5. Mai 1957 in den aktiven Dienst in der Marine National übernommen. Sie gehörte zu einer Gruppe von fünfzehn Schiffen, deren Hauptaufgaben die Flugabwehr-Sicherung der französischen Flugzeugträger, Küstenbeschießung bei Landeoperationen und die eventuelle Evakuierung französischer Staatsbürger aus Krisengebieten waren. Während des schweren Erdbebens in Agadir/Marocco 1960, leisteten französische Marinekräfte, unter ihnen auch die Colbert, Hilfe für die betroffene Bevölkerung. Im Juli 1961 blockierten die tunesischen Streitkräfte die französische Marine-Basis im Hafen von Bizerte. Tunesien hoffte dadurch, Frankreich zur Aufgabe des Flottenstützpunkts zu bringen. Die Krise gipfelte in einer dreitägigen militärischen Auseinandersetzung zwischen tunesischen und französischen Truppen, die 630 Tunesiern und 24 Franzosen das Leben kostete. Der Kreuzer Colbert lag zusammen mit anderen Schiffen vor der tunesischen Küste, gab aber keinen Schuß ab. 1963 schloss Frankreich dann doch den Stützpunkt in Bizerte.

Nach der 1964 durchgeführten Reorganisation der französischen Marine wurde Colbert das Flaggschiff der Escadre de la Méditerranée (französische Mittelmeerflotte) in Toulon, die hauptsächlich aus Flugzeugträgern und Fregatten bestand.

In seiner Rolle als Flaggschiff der Mittelmeerflotte hatte das Schiff aber auch repräsentative Aufgaben für die Französische Republik zu erfüllen. 1961 fiel der Colbert die Aufgabe zu, die Gebeine des französischen Marschalls Hubert Lyautey nach Frankreich zu repatriieren und 1964 wurde sie endgültig zum “schwimmenden Elysee-Palast”, als der damalige französische Staatspräsident General Charles De Gaulle das Schiff zu einer ausgedehnten diplomatischen Reise nach Südamerika nutzte. Von Juni bis Juli 1967 war das Schiff dann wieder „Staatsjacht” und brachte De Gaulle zu einem offiziellen Staatsbesuch nach Kanada. De Gaulle wollte an der 100-Jahr-Feier der Nation in Kanada und der Weltausstellung 1967 teilnehmen, provozierte jedoch die Empörung der Kanadier, als er in Montréal vor einer Menge von 100.000 Québécois ausrief: „Es lebe das freie Québec!“. Die dadurch in Kanada hervorgerufene Regierungskrise und die Empörung kanadischer Politiker führten zum Abbruch des Besuchs und De Gaulle kehrte auf der Colbert nach Frankreich zurück. 1988 repräsentierte die Colbert die französische Nation zur 200 Jahrfeier Australiens.

Mit fortschreitender Technik, speziell in der Entwicklung überschallschneller Kampfflugzeuge, wurde die Verwendung von mit Kanonen bewaffneten Kreuzern überflüssig. Ende der sechziger Jahre wurde die Colbert durch Schiffstypen ersetzt, die auf die Bedrohung aus der Luft besser gerüstet waren, die Lenkwaffenkreuzer- und zerstörer. Zwischen 1970 und 1972 wurde Colbert daher in Brest grundlegend modernisiert, um aus dem veralteten Flak-Kreuzer einen Lenkwaffen-Kreuzer zu machen. Die sechzehn 127 mm Geschütze wichen zwei 100 mm Flugabwehrgeschützen, von zwanzig 57 mm Kanonen blieben zwölf (modernere) übrig. Dazu kamen zwei 12,7 mm Fla.Kanonen und als Hauptwaffen ein Doppelstarter für Masurca Boden-Luft Raketen sowie vier Startrampen für den Schiffsbekämpfungsflugkörper MM-38 Exocet.

So ausgerüstet, wurde die Colbert ab 1976 wieder zum Flaggschiff der französischen Mittelmeerflotte. In ihrer Rolle als Lenkwaffen-Kreuzer nahm die Colbert 1991 noch an der Operation Salamander im Ersten Golfkrieg teil, wenige Monate bevor sie außer Dienst gestellt wurde (24. Mai 1991).

Zwischen 1993 und 2007 war das Schiff im Hafen von Bordeaux als Museumsschiff vertäut. In diesen Jahren erfreute sich die Colbert zahlreicher Besucher aus dem In- und Ausland, sie war ein beliebtes Ausflugsziel vieler Touristen. 2004 war sie das am meisten besuchte Museumsschiff Frankreichs. Nach der Übergabe aus dem Staatsbesitz an eine „Vereinigung der Freunde der Colbert“ entstanden schnell enorme finanzielle Schwierigkeiten, die darin gipfelten, dass die Vereinigung nicht genug Geld zum Unterhalt und der Pflege des Schiffs aufbringen konnte. Auch wurden Proteste aus der Bevölkerung immer lauter, das nunmehr unansehnliche Schiff sei ein Schandfleck für die Stadt. Unter dem Druck des Bürgermeisters und anderer städtischer Institutionen und auch aus Geldmangel musste das Museum am 2. Oktober 2006 endgültig schließen.

Am 31. Mai 2007 wurde die Colbert nach Landevennec/Brest zum “Einmotten” geschleppt. Aufgrund vieler technischer Gemeinsamkeiten mit dem Hubschrauberträger Jeanne d'Arc, kannibalisierte die französische Marine das Schiff zusehends, um benötigte Teile wie Kessel und Turbinen auszutauschen. Mit der Ausserdienststellung der Jeanne d'Arc im September 2010 wurde die Colbert zur Verschrottung freigegeben.

Bewaffnung
16 × 127 mm Flugabwehrkanonen in Doppeltürmen
20 × 57 mm mod 51 Flugabwehrkanonen in Doppeltürmen

Nach dem Umbau
4 × MM-38 Exocet-Starter
1 Masurca Boden-Luft-Raketenstarter
2 × 100 mm Flugabwehrkanonen in Doppelturm
12 × 57 mm mod 51 Flugabwehrkanonen in Doppeltürmen
2 × 127 mm Flugabwehrkanonen in Doppelturm

Quelle: www.netmarine.net

Der Bausatz

Mit der Wiederauflage des Flak-Kreuzers Colbert kommt ein doch recht betagtes Modell auf den „Basteltisch“. Ich selbst erinnere mich, das Modell als Teenager gebaut zu haben, ich bin jetzt 53 ! Das heißt jedoch nicht, dass da etwas Unmögliches aus der Schachtel kommt!

Die Colbert präsentiert sich als Vollrumpfmodell in der Bewaffnungskonfiguration von 1961. Das Modell besteht aus 186 Teilen in einem hellgrauen, stabilen Polystyrol in einer, für heutige Ansprüche, einfachen Ausführung an zwei großen Gußästen.

Der Rumpf hat eine erhaben angedeutete Wasserlinie und durchbrochene Bullaugen, die Länge entspricht dem Original, es fehlen lediglich 0,5 mm.

Alle Decks sind mit erhabenen Gravuren überzogen, die zusammengeschweißte Metallplatten simulieren. Poller, wie auf dem Deckelbild zu sehen, sucht man vergebens am Modell. 

Leider fehlen an den Aufbauten Türen und Fenster, auch die Brücke ist „blind“. Auf- und Niedergänge sind als „Treppenklötze“ dargestellt. Die beiden Gittermasten sind sauber ausgeführt, sollten jedoch besser mit Rundmaterial aus Metall selbst hergestellt werden.

Die Radar-„Schüsseln“ sind sehr grob ausgeführt, hier hilft ein Fotoätzsatz der Firma L'Arsenal aus (natürlich) Frankreich, der alle benötigten Teile enthält. Wie überhaupt viele sinnvolle Ergänzungen aus dem Programm dieser Firma beim Bau dieses Modells hilfreich sein können.

Die zahlreichen Geschütztürme vertragen eine Detaillierung durch den Modellbauer, die dazu gehörenden Geschützrohre sollten ausgetauscht werden.

Beiboote und Rettungsflösse sind brauchbar, der beiliegende Alouette-Hubschrauber nicht. Auf drei Plastikstängelchen stehend, erinnert er mehr an eine Kaulquappe denn an einen Hubschrauber. Auch hier wird sich im Zubehörhandel sicherlich Ersatz finden lassen.

Die unvermeidliche, überdimensionierte Reling liegt diesem Heller-Bausatz natürlich auch bei. Sie sollte ebenfalls durch Fotoätzteile ersetzt werden.

Erfreulicherweise hat Heller dem Bausatz eine metallene Ankerkette im korrekten Maßstab beigelegt.

Auf dem Decalbogen finden sich schwarze Streifen für den Wasserpass, Schiffsname und taktische Kennung, Fenster für die Kommandobrücke und bunte Abziehbilder für die Rettungsflösse. Komischerweise nicht in gelb-schwarz wie auf dem Deckelbild sondern in blau-rot???

Der Bauplan enthält auf drei Seiten Explosionszeichnungen des Modells, auf denen die Zuordnung der Teile leicht fällt. Ein kleiner historischer Abriss sowie Farbangaben in Humbrol vervollkommnen den Bauplan.

Als kleines Kuriosum seien hier noch die beiden Flaggen für das Schiff erwähnt. Sie sind ebenfalls in Polystyrol ausgeführt, im Winde bewegt, aber vollkommen flach! Seltsame Idee. Hier sollte auch ein Austausch stattfinden.

Empfohlene Literatur: Le Crosieur Colbert von Jean Moulin, Marine Edition, Frankreich

Website: Croiseur lance-missile Colbert (netmarine.net)

Fazit

Ein recht betagtes Modell, aus dem aber auch ein Anfänger im Hobby eine ansehnliche Replik dieses bekannten französischen Schiffs erstellen kann. Der erfahrene Modellbauer wird mit diversen Zurüstteilen und einigem Enthusiasmus, sprich scratch building und Umbau ein sehr schönes Modell aus diesem Bausatz zaubern, unter Umständen auch die spätere Version als Lenkwaffen-Kreuzer. Auf jeden Fall ist es zu begrüßen, das solche „alten“ Modelle immer wieder mal neu auf den Markt kommen und wer sich mit diesen Bausätzen beschäftigt, wird mir zustimmen, dass man sich dem diesen Schiffen eigenen Charme nur schlecht entziehen kann.

alt guter Durchschnitt

Thomas Schmidt

Wir danken Glow2B für das Bausatzmuster