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HobbyBoss: K-141 Kursk, russisches SSGN der Oscar-II-Klasse (1/350) Drucken
Donnerstag, 10. Juli 2014 um 05:00

Seitentitel

Modell: Russian Navy SSGN Oscar II Class Kursk Cruise Missile Submarine
Hersteller: HobbyBoss
Maßstab: 1/350
Material: Polystyrol, Nassschiebebilder, Fotoätzteile
Art.Nr.: 83521
Preis: ca. 27,99 €

Das Original

Als Nachfolger der Echo II-Klasse, der ersten U-Plattform für Marschflügkörper, entworfen, um große feindliche Überwasser-Kampfschiffe - besonders die Flugzeugträger - zu vernichten, wurden die gewaltigen U-Schiffe der Oscar-Klasse mit einer überzeugenden Seeziel-Bewaffnung ausgestattet. Zwei erste U-Schiffe - Archangelsk und Murmansk - bildeten die 11 m kürzere und 1400 ts weniger verdrängende Oscar I-Klasse, die jetzt bei der Nordflotte aufgelegt ist. U-Schiffe der Oscar II-Klasse führten 24 Marsch-FK (SLCM/SSM) in zwei Bänken zu je 12 beiderseits des Turms. Elf Einheiten wurden in Severodvinsk gebaut; von ihnen sind drei zur weiteren Verwendung aufgelegt. Eine 12. Einheit - Belgorod - lief im August 1999 vom Stapel, wurde aber nicht fertig gestellt. Die Hauptbewaffnung bilden 24 Antischiffraketen vom Typ P-700 Granit. Je zwölf Startcontainer vom Typ SM-225 sind zwischen dem Druckkörper und dem Hüllkörper jeweils an Backbord- und Steuerbordseite mit einem Neigungswinkel von 40° fest eingebaut. Eine Klappe für jeweils zwei Startcontainer sorgt für den Verschluss mit dem Hüllkörper – also der Außenhaut – des U-Kreuzers. Die maximale Tauchtiefe zum Abfeuern der Raketen beträgt 50 m bei einer Geschwindigkeit von 5 kn. Ein kurz hintereinander erfolgender Salvenstart von mehreren Raketen (im 5 Sekunden-Abstand) mit der dazu notwendigen schnellen Austrimmung des Trägerschiffes ist möglich. Dabei vermögen die einzelnen Salven unterschiedliche Ziele anzufliegen, wobei die Raketen der jeweiligen Salve sehr eng beieinander verbleiben können.

K-141 Kursk wurde am 22. März 1990 in Sewerodwinsk auf Kiel gelegt. Der Stapellauf war am 16. Mai 1994 und am 1. März 1995 erfolgte die Übergabe an die Nordmeerflotte.Bei einem Manöver der russischen Nordflotte in der Barentsee sank die Kursk während einer Waffenerprobung am 12. August 2000. Über die Ursache wurde viel spekuliert: Sabotage, schlechte Wartung, Kollision mit einem westlichen U-Boot oder Verlust duch eine Mine aus dem Zweiten Weltkrieg. Doch dies schien alles unwahrscheinlich. Die Kursk war ein leistungsfähiges U-Schiff mit einem erfahrenen Kommanddanten, der es seit 1995 führte. Kurz vor dem Unglück hatte sie erfolgreich einen SLCM/SSM SS-N-19 Shipwreck (Chelomey Granit) ohne Gefechtskopf aus einem ihrer 24 äußeren Startschächte abgeschossen. Die nächste Phase der Erprobung kann der Abschuss eines Torpedos Zkval WA III mit Raketenantrieb gewesen sein - eine geheime Waffe. Danach überschlugen sich die Ereignisse mit schrecklichen Folgen. Sonaraufzeichnungen der USS Memphis (SSN-691) lassen als wahrscheinlichste Ursache der Katastrophe erkennen, dass der Torpedo in der vorderen Abteilung detonierte. Möglicherweise begann eine Nickel-Cadmium-Batterie heiß zu werden und eine Warnleuchte in der Zentrale löste den verzweifelten Versuch aus, den Torpedo mit seinem E-Motor aus dem Bugrohr ausschwimmen zu lassen. Hierbei kam es zu einer ersten Explosion, die teilweise den 210-kg-Gefechtskopf hochgehen ließ, als die Raketenmotoren mit dem instabilen Gemisch aus Kerosin und Wasserstoffperoxid vorzeitig zündeten, und der 135 Sekunden später eine zweite folgte, als die Gefechtsköpfe der übrigen Waffen in der Abteilung detonierten. Das Ergebnis war eine völlige Zerstörung des vorderen Teils des U-Schiffes. Alle, die sich vor der Reaktor-Abteilung aufhielten, wurden getötet, darunter auch die Besatzung der Zentrale. Es blieb keine Zeit, die Tauchzellen auszublasen, um noch auftauchen zu können, während sich der Reaktor automatisch abschaltete. Als das zerstörte Vorschiff voll lief, ragte wahrscheinlich das Heck der Kursk etwa 45 m aus dem Wasser, ehe es versank. Rund ein Dutzend Seeleute blieben vermutlich in den Räumen am Heck zwei Tage lang am Leben.

Technische Daten
Länge über alles              154 m
Breite (max.)                  18,20 m
Wasserverdrängung         13.900 ts über Wasser, 18.000 ts unter Wasser
Höchstgeschwindigkeit     15 kn über Wasser, 28 kn unter Wasser

Bewaffnung                    24 SLCM/SSM SS-N-19 Shipwreck
                                    2 x 65-cm- und 4 x 53,3-cm-Torpedorohre
Antrieb                          1 x PWR, Leistung 380 MW, 2 Wellen, 2 Propellernaben
Tauchtiefe                     300 m
Besatzungsstärke            107 Offiziere und Mannschaften

Der Bausatz

Vom wahrscheinlich berühmtesten Atom-U-Boot der Gegenwart gab es im Maßstab 1/350 bisher nur den schon etwas antiquierten Bausatz von Revell/Zvezda und die Resin-Version von HP-Models. HobbyBoss bringt nun als Formenneuheit einen brandneuen und lang erwarteten Bausatz der K-141 Kursk in 1/350 auf den Markt und setzt damit seine Serie von modernen Atom-U-Booten in diesem Maßstab erfolgreich fort.

Der Guss ist auf dem Stand der Zeit. Die Gratbildung ist gering, sichtbare Auswerfermarken sind keine vorhanden. Das Modell ist als Vollrumpf-Version baubar, für eine Wasserlinien-Variante muß der Modellbauer nacharbeiten.

Von den Proportionen her ist der Rumpf sehr gut umgesetzt, die Maße in Länge und Breite sind für den Maßstab 1/350 korrekt. Die beiden Rumpfhalbschalen haben sehr gute Oberflächendetails, die Passung zueinander ist gut und ohne Versatz. Lediglich an der Trennlinie muß in Form von Spachtel- und Schleifarbeiten nachkorrigiert werden, um beim Lackieren hier ein gutes Ergebnis erzielen zu können.

Rumpf Rumpf Rumpf

In Spritzling A sind die Teile für den Kommandoturm, die Antriebs- und Ruderanlage und die Klappen für die Raketencontainer. Die beiden Turmdächer bieten eine offen oder geschlossene Darstellung.

Spritzling A Turm Spritzling A

Bei den Öffnungsklappen für die Raketencontainer bietet sich eine offen oder geschlossen darstellbare Variante an. Weiterhin sind enthalten das Punch-Bowl-, Snoophead-ESM-, Pert-Spring (Satelliten-Navigation)-, Shot Gun (VHF/UHF)-, Park-Lamp (VLF/LF)-Radar sowie das Sehrohr. Von sauberem Guss und gratfrei sind auch die beiden siebenblättrigen Antriebsschrauben.

Spritzling A Spritzling A Spritzling A

Die Spritzlinge B und D enthalten die Startrampen für die Raketensilos der 24 Antischiffsraketen P-700 Granit (SS-N-19 Shipwreck). Rechts im Bild der etwas schmucklose Modellständer, den der Modellbauer eventuell durch eine besser Alternative ersetzen kann.

Spritzling C liegt in vierfacher Ausführung vor. Enthalten sind die Startbehälter mit Abdeckklappen für die P-700 Granit. Die Antischiffsraketen selbst sind von der Form her gut getroffen. Anders als beim alten Zvezda/Revell-Kit sind hier die Raketensilos mit allen Raketen offen darstellbar. Hier hat der Modellbauer die freie Auswahl.

Die Fotoätzteile

Die beiligende Fotoätzteilplatine ist von guter Qualität. Enthalten sind die Messingversion der zwei siebenblättrigen Antriebsschrauben, die allerdings noch zurechtgebogen werden müssen, um realistischer wirken zu können. Außerdem findet der Modellbauer hier Teile für die ESM- und Funkantennen und ein reliefgeätztes Namensschild für den Modellständer.

Fotoätzteile 

Decals

Der Decalbogen ist von guter Qualität und versatzfrei gedruckt. Er enthält Lukenmarkierungen, Tiefgangsmarken und Turmabzeichen der Kursk . Andere Einheiten der Oscar-II-Klasse sind aufgrund fehlender Turmmarkierungen nicht darstellbar. Abziehbilder für die Wasserlinie fehlen, hier muss der Modellbauer selbst welche organisieren oder eine schmale Wasserlinie auflackieren. Ebenso fehlt ein Decal für die weiß umrandeten Turmfenster.

  Nassschiebebilder

Die Anleitung

Wie bei HobbyBoss üblich, ist der Bauplan im DIN-A-4-Format übersichtlich in Heftform  gestaltet. In insgesamt sechs gut verständlich dargestellten Bauschritten wird der Modellbauer sicher zum Ziel geleitet. Auch für den Anfänger dürften hier kaum Fragen offen bleiben.

Das Farbschema bezieht sich auf das Sortiment von insgesamt fünf Herstellern und gibt auch Hinweise zur Positionierung der Decals. Für die genaue Farbgestaltung sollte der erfahrene Modellbauer Originalaufnahmen der Kursk organisieren, da beispielsweise, anders als in der Bemalungsanweisung, die Innenseiten der Klappen der Raketencontainer nicht in Weiß, sondern in Rumpffarbe gehalten sind. Gleiches gilt auch für die Farbgebung der Antennen und Periskope im ausgefahrenen Zustand. Hier ist die Farbanleitung falsch.

Bauplan Bauplan Bauplan
  Farbschema

Quellen

  • Kampf unter Wasser, Unterseeboote von 1776 bis heute, von Robert Hutchinson, Motorbuch Verlag, 2006

Fazit

Mit dieser rundum gelungenen und auch lang erwarteten Formenneuheit in 1/350 schickt HobbyBoss den veralteten Zvezda/Revell-Kit in Rente. Ein großer Pluspunkt sind die offen darstellbaren Raketensilos mit den P-700 Granit-Antischiffsraketen im Innern. In wenigen Bauschritten erhält man hier ein zeitgemäßes Modell des wohl berühmtesten russischen Atom-U-Bootes der Neuzeit. HobbyBoss hat ebenfalls eine neue Typhoon-Klasse in 1/350 angekündigt, der Bausatz wird bereits mit Spannung erwartet.

 alt uneingeschränkt empfehlenswert

Jörg