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Schwedische Korvette Visby (1/350, Orange Hobby) - Ein Erfahrungsbericht Drucken
Freitag, 14. Februar 2014 um 06:00

 

Spezial – Marine 2014

 

Seitentitel

Auf dem vergangenen Waterline Treffen in Laupheim (hier und hier) konnte ich die glückliche Entdeckung machen, dass Ralf von NNT ein 350er Modell der schwedischen Korvette Visby von Orange Hobby vorrätig hatte. Weil ich diese Boote wegen ihres außergewöhnlichen Aussehens äußerst interessant finde und aufgrund der schlechten Erfahrungen in Bezug auf Farbhaftung auf der Modelloberfläche eines Modellbaukollegen, wollte ich mir selbst ein Bild von dem Ganzen machen und erstand den kleinen Bausatz.

Beim ersten Betrachten fiel mir gleich die schmierige Oberfläche des Rumpfes auf. Dabei handelt es sich um ein Silikontrennmittel, das das Entformen erleichtert (das ist das gleiche Prinzip wie beim Einfetten einer Backform). Solche Mittel werden im Rapid Prototyping verwendet, da es trotz der selbsttrennenden Eigenschaften von Silikonformen manchmal speziell bei Hinterschneidungen oder rauen Oberflächen zu Schwierigkeiten beim Entformen kommen kann. Am Rumpf der Visby selbst sind als einzige Hinterschneidungen ein paar seitlichen Öffnungen von ca. 3 mm Tiefe zu finden.

Dieses besagte Trennmittel lässt sich am besten mit einem Silikonentferner abwaschen, welcher in Baumärkten oder im Kfz-Zubehör erhältlich ist. Wie bei allen Lösungsmitteln sollte der Silikonentferner in einem sehr gut belüfteten Raum oder am besten im Freien, und mit Schutzausrüstung, also Einmalhandschuhe, Schutzbrille und Atemschutzmaske, angewendet werden!

Ich wusch die Modellteile sicherheitshalber dreimal ab. Anschließend konnte ich keinen Trennfilm mehr spüren.

Ich verbaute die wenigen Bauteile, so dass der Rumpf schnell lackierbereit war. Um die Farbhaftung noch zu verbessern, dachte ich mir eine Lage Primer aus dem Kfz-Bereich könne nicht schaden. Ich besorgte mir dazu hellgrauen Primer der Firma Motip und besprühte das Modell. Dies hatte ich früher immer bei Spritzgussmodellen, an denen ich viele Ätzteile verbaut hatte, mit guten Ergebnissen getan. Allerdings steht auf der Dose, dass dieser Primer nicht für Kunststoff geeignet wäre. Also machte ich einen Farbhaftungstest indem ich einen Streifen Maskingtape von Tamiya aufklebte und fest andrückte. Beim ruckartigen Abziehen zog das Tape leider Teile des Primers mit ab. Also musste ich den Primer wieder komplett abwaschen, was sehr gut mit Aceton (ACHTUNG: dabei gilt dasselbe wie beim Silikonentferner!) von statten ging.

Mittlerweile benutze ich fast ausschließlich Acrylfarben aus dem Sortiment von Gunze Sangyo. Diese haften sehr gut auf Modelloberflächen und Fotoätzteilen, wobei ein Abwaschen mit Isopropanol als Vorbereitung des Farbauftrags ausreicht. Das kleine Geschütz der Visby beließ ich beim Zusammenbau als einzelne Baugruppe. Weil es in nur einem Farbton des Zwei-Farbton-Schemas der Korvette bemalt ist, wagte ich einen Schuss ins Blaue und lackierte es direkt mit der Gunze Farbe (H57).

Nach ausreichender Trocknungszeit wiederholte ich den Haftungstest mit dem Tape an dem Türmchen. Das Ergebnis war, dass diese Farbe auf der blanken Modelloberfläche sehr gut haftete!

Nun ging ich aufs Ganze und lackierte ohne irgendwelche Primer oder Grundierungen das Modell direkt mit der ersten Tarnfarbe. Weil es sich um eine glänzende Farbe handelte, ließ ich sie eine Woche trockenen. Anschließend maskierte ich die entsprechenden Bereiche und lackierte den zweiten Farbton (H82) auf.

Weil ich dem Frieden trotzdem nicht ganz glaubte, zog ich nach kurzer Trocknungszeit vorsichtig die Maskierung ab. Zu meiner Freude blieb alles ohne Beschädigung und ich konnte wie gewohnt weiterverfahren.

Als nächster Schritt bekam das Modell den obligatorischen Klarlacküberzug mit Tamiyas glänzendem X-22 Lack. Da die Außenhaut der Boote der Visby-Klasse zum Großteil aus Verbundwerkstoffen bestehen, altern diese nicht so wie metallische Flächen. Dennoch brachte ich mit dunkel- und hellgrauer Ölfarbe etwas Patina auf. Winzige Punkte der Ölfarbe platzierte ich an den Modellkanten und wischte sie mit einem in Terpentin getränkten Pinsel nach unten weg. Zum Betonen der Ecken ließ ich Fertigwashing von AK Interactive um die Details laufen. Etwas Trockenbürsten mit Flat Gull Gray von ModelMaster sowie das Bemalen der Brückenfenster mit X-19 und die abschließende Versiegelung mit XF-86 Mattlack schlossen die Farbarbeiten am Modell ab.

Vor dem Bau machte ich mit wie üblich Gedanken, wie ich das Boot darstellen möchte. Dabei kamen drei Szenarien in Frage: die Korvette mit allen Luken verschlossen auf See was den Stealthcharakter besonders hervorhebt, auf See mit dem Turm ausgeschwenkt und bereit zum Feuern oder mit einigen Luken geöffnet im Hafen vertäut. Letztendlich entschied ich mich für Variante zwei und nahm mir vor noch weitere Modelle dieser Klasse in den anderen Varianten zu bauen.

Parallel zum Lackieren bereitete ich eine kleine Grundplatte aus Styropor vor. Diese bemalte ich mit einem Gemisch aus XF-18 und XF-25, was einen für die Ostsee typischen grünlich blau-grauen Farbton ergibt. Mit Acrylgel modellierte ich eine leichte Wellenstruktur sowie die Bug- und Hecksee der mit mittlerer Fahrtstufe übers Meer gleitenden Korvette.

Abschließend brachte ich die vier geätzt beiliegenden Peitschenantennen an. Und wie immer sind es die kleinen Dinge, die das Modell lebendig machen, weil diese Antennen das puristische Stealth-Design ein klein wenig auflockern.

Nachtrag

Erst als ich bereits das Modell mit beiden Tarnfarben bemalt hatte, legte ich mir den Primer von AK Interactive zu. Dieser nennt sich „waterborne Polymer“, ist nahezu geruchslos und bereits spritzfertig eingestellt. Testweise lackierte ich den Bordhubschrauber der Visby und direkt im Anschluss (der Primer trocknet sehr schnell) einen Tamiya-Farbton. Diese Verbindung geht auch eine äußerst gute Haftung mit der Modelloberfläche ein!

Sven