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Oceanmoon: chinesischer Geschützter Kreuzer Hai Yung (1/700) Drucken
Dienstag, 01. Dezember 2015 um 06:00

Deckelbild Geschützter Kreuzer Hai Yung (1/700)

Modell: Imperial Chinese Navy Armour Deck Cruiser Hai Yung
Hersteller: Oceanmoon
Maßstab: 1/700
Material: Resin, gedrehte Messingrohre, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: WM03203
Preis: ca. 42,5 € (bei Ebay-Händler ss-model)

Das Original

Der chinesische Geschützte Kreuzer Hai Yung (海容, Hairong) war das erste Schiff einer Klasse von drei Kreuzern. 1896 bestellte China diese drei kleineren Geschützen Kreuzer der Hai Yung-Klasse bei Vulcan und zwei größere Geschützte Kreuzer der Hai Chi-Klasse bei Armstrong. Diese Bestellung sollte einen Teil der Verluste aus dem Chinesisch-Japanischen Krieg von 1894/95 kompensieren.

Die Hai Yung-Klasse waren typische Geschützte Kreuzer der Epoche mit erhöhter Back und Poop. Im Gegensatz zur ersten Generation von chinesischen Geschützten Kreuzern erhielt sie Schnellfeuergeschütze leichteren Kalibers. Zwei 15 cm-Geschütze standen auf der Back, eines auf der Poop, dazu acht 10,5 cm-Geschütze auf dem Oberdeck mittschiffs. Eventuell beruhte die Klasse auf der etwas größeren Irene-Klasse, die 1886-89 u.a. auch bei Vulcan gebaut wurde. In der Literatur wird auch oft die britische Apollo-Klasse und die niederländische Gelderland-Klasse als Vorbild genannt, wobei letztere auf der Apollo-Klasse beruht, aber als Glattdecker ausgelegt ist und diesbezüglich der Hai Yung-Klasse nicht ähnelt.

Von der Klasse wurden 1897-98 drei Schiffe gebaut: Hai Yung (海容, Hairong), Hai Chou (海籌, Haichou) und Hai Chen (海琛, Haichen). Alle drei Geschützten Kreuzer dienten bis 1937, als sie im Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg versenkt wurden.

Die Hai Yung war 100 m lang, 12,4 m breit und verdrängte 2950 t. Der Antrieb bestand aus acht Kesseln und zwei Dreifach-Expansionsdampfmaschinen mit insgesamt 7500 PS, die eine Geschwindigkeit von 19,5 kn ermöglichten (20,7 kn bei den Probefahrten).

Bewaffnung
3 x 15 cm L/40-Geschütze
8 x 10,5 cm L/40-Geschütze
6 x 3,7 cm 1-Pfünder-Hotchkiss-Geschütze
3 x 35,6 cm-Torpedorohre (eines am Bug, zwei mittschiffs)

Die Hai Yung wurde 1897-98 bei Vulcan in Stettin gebaut und nach der Überführung nach China Teil der Nordflotte (Beiyang-Flotte). 1900 erfolgte im Boxerkrieg die Invasion Chinas durch Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan, Österreich-Ungarn, Russland und die USA. Die Hai Yung war damals Flaggschiff. Sie erklärte sich neutral und wurde von der westlichen Flotte vor Taku praktisch unter "Hausarrest" gestellt. Als die US-amerikanische Great White Fleet 1908 Amoy (Xiamen) besuchte, nahm sie  Hai Yung mit ihren Schwesterschiffen in Empfang. Bei Ausbruch der Chinesischen Revolution 1911 war sie immer noch Flaggschiff und bombardierte im Oktober Positionen der Revolutionäre am Jangtse. Da diese aber die Basis der Schiffe in Kiangnan eroberten und die Besatzungen mit den Revolutionären sympathisierten, lief der Großteil der Flotte im November zu den Revolutionären über - darunter auch die Hai Yung. Nach dem Sieg der Revolution und der Gründung der Republik wurde die Hai Yung 1913 eingesetzt, um in Shanghai Positionen der Kuomintang, die einen Aufstand gegen die Regierung gestartet hatten, zu beschießen.

Am 27. April 1916 kollidierte Hai Yung bei Fochow mit dem Transportschiff Xinyu, das sank, wobei 700 Menschen umkamen. 1918 nahm die Hai Yung an der alliierten Intervention in Wladiwostok während des Russischen Bürgerkriegs teil. In den 1920ern stieg der Einfluss von einzelnen Kriegsherren in China, woraus sich eine Reihe von Bürgerkriegen entwickelten, in die auch die Hai Yung wiederholt verwickelt wurde. So wurde sie 1923 zusammen mit dem Kreuzer Ying Swei eingesetzt, um Amoy für die Regierung zu sichern. 1933 versuchte sie erfolglos zusammen mit den Kreuzern Yat Sen und Hai Chou (oder Ning Hai) das Überlaufen der Kreuzer Hai Chi, Hai Chen und Chao Ho nach Kanton zu verhindern.

Das Ende des fast 40 Jahre alten Kreuzers kam 1937 im Zweiten Chinesisch-Japanischen Krieg: Hai Yung wurde zusammen mit ihren Schwesterschiffen als Blockschiff im Jangtse versenkt, um einen Vormarsch auf die Hauptstadt Nanjing (Nanking) zu verhindern. 

Der Bausatz

Der chinesische Kleinserienhersteller Oceanmoon hat den meines Wissens ersten Bausatz dieser Kreuzer-Klasse herausgebracht. Der Rumpf ist recht gut detailliert. Die Fugen zwischen den Decksplanken sind allerdings sehr tief. Außerdem ist die Verarbeitung des Urmodells nicht perfekt gewesen, da man einige Unebenheiten und kleine Kratzer sehen kann. Der Rumpf ist an der Wasserlinie 2 mm länger als die in der Literatur angegebene Gesamtlänge, hat aber die richtige Breite. Gute Pläne und genauere Abmessungen sind mir aber leider nicht bekannt, sodass ich nicht überprüfen kann, ob der Bausatz richtig ist. Im Vergleich zu vorhandenen Plänen und Fotos wirkt er korrekt.

Aus Resin sind die Lüfter, Schornsteine, Schutzschilde der 15 cm- und 10,5 cm-Geschütze, Torpedorohre sowie eines der Beiboote. Bei den Geschützen ist leider die Lafette nicht dargestellt. Auch sind die Schornsteine oben nicht aufgebohrt.

Für weitere Details liegt ein Spritzling von S-Models zweimal bei. Von diesem sollen u.a. Beiboote, Kompass, Scheinwerfer und weitere Lüfter genommen werden, sodass hier einige Teile übrig bleiben.

Gedrehte Messingteile

Als gedrehte Messingteile liegen die Untermasten sowie die Rohre der 15 cm- und 10,5 cm-Geschütze bei.

Die Rahe und Spieren fehlen leider als gedrehte Teile und liegen stattdessen als zweidimensionale Fotoätzteile bei (siehe unten).

Die Fotoätzteile

Der Bausatz enthält einen sehr umfangreichen Fotoätzteilsatz. Hier finden sich u.a.: die vordere und hintere Brücke, Reling, Leitern, Niedergänge, Ankerkräne, Fallreeps, Schornsteingrille, Davits, Mastkörbe, Bootshalterungen, 3,7 cm-Geschütze, Bug- und Heckzier, Steuerräder, Pumpen, die Verbindungsbrücke zwischen Back und Poop, Rahe, Spieren sowie das Schanzkleid mittschiffs.

Der Bausatz dürfte bereits alle benötigten Teile enthalten. Die Reling ist zum Teil bereits abgelängt. Etwas unglücklich finde ich die fotogeätzten Rahen und Spieren. Diese sind nur zweidimensional und auch nicht sehr stabil. Sie sollten lieber nur als Vorlage für neue, aus Metallstäben gefertigten Teile dienen.

Abziehbilder

Die Flaggen liegen als Abziehbilder bei. Leider sind diese in meinem Exemplar feucht geworden, sodass sie verklebt sind und beim Auseinandertrennen einrissen.

Außerdem enthält der Bausatz ein fotogeätztes Namensschild.

Die Anleitung

Die Anleitung ist im Vergleich zu den anderen OceanMoon-Bausätzen, die ich habe, sehr detailliert. Die Anleitung ist nur auf Chinesisch, was aber nur bei dem kurzen Text über das Original relevant ist. Die Zeichnungen, die den Zusammenbau in neun Schritten plus einigen Extrabaustufen erklären, dürften auch ohne Chinesischkenntnisse verständlich sein. Die Teile, bei denen eine Nummer angegeben ist, sind Spritzgussteile. Resinteile sind nicht nummeriert, während Fotoätzteile durch eine Nummer mit einem vorgesetzten "Pe" gekennzeichnet sind.

Ein Takelplan und Angaben über den Anstrich fehlen leider. Die Hai Yung trug bei der Auslieferung den typisch viktorianischen Anstrich mit schwarzem Rumpf und ockerfarbenen Schornsteinen und Masten  (restliche Aufbauten und Lüfter weiß?). Im Sommer war sie mit Ausnahme der Masten und Schornsteine weiß gestrichen. Spätestens ab den 1910er Jahren bis 1937 war Hai Yung grau gestrichen. Zuletzt hatte sie eine 4 cm-Flak (Pom-Pom?) auf dem achteren Aufbau, dessen Brückenflügel entfernt worden waren. Eventuell waren noch sechs der leichten Geschütze vorhanden, diese standen auf den vorderen Brückenflügeln sowie auf den Schanzkleidern hinter den vorderen Schwalbennestern und vor dem dritten Paar 10,5 cm-Geschütze.

Quellen

Fazit

Der Bausatz des chinesischen Geschützten Kreuzers Hai Yung ist auf den ersten Blick vollständig, da neben Resin- und Spritzgussteilen auch Fotoätzteile, gedrehte Messingteile und Abziehbilder beiliegen. Leider war wahrscheinlich die Verarbeitung des Urmodells nicht perfekt, sodass am Rumpf einige Unsauberkeiten korrigiert werden müssen. Auch sind die Schornsteine oben nicht aufgebohrt und es fehlen die Lafetten der 15 cm- und 10,5 cm-Geschütze. Dafür ermöglichen die beigelegten Fotoätzteile eine gute Detaillierung. Der Bausatz hinterlässt bei mir damit einen etwas zwiespältigen Eindruck: die Spannweite reicht von sehr guten bis mangelhaften Teilen.

alt guter Durchschnitt

Lars