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Deutsches Schlachtschiff Tirpitz (1/700, Trumpeter) von Norbert Thiel Drucken
Dienstag, 18. Oktober 2016 um 05:00

Das Original

Das deutsche Schlachtschiff Tirpitz war das zweite Schiff der Bismarck-Klasse. Dies waren die ersten richtigen Schlachtschiffe der Kriegsmarine, denn die vorhergehende Scharnhorst-Klasse war eine Weiterentwicklung des letzten Schlachtkreuzer-Entwurfs der Kaiserlichen Marine. Aber auch die Bismarck-Klasse beruhte zum Teil auf einem Entwurf aus dem Ersten Weltkrieg, z. B. in der Anordnung der Panzerung, die der Baden-Klasse der Kaiserlichen Marine ähnelte. Die Stärke des Seitenpanzers fiel aber schwächer aus (auch schwächer als bei der Scharnhorst-Klasse), während die Deckspanzerung verstärkt wurde. Offiziell wurde die Standardverdrängung mit 35.000 ts angegeben, um innerhalb der Grenzen des Deutsch-Britischen-Flottenabkommens zu bleiben. Tatsächlich erreichte die Standardverdrängung bei Tirpitz 42.900 ts. Tirpitz unterschied sich in einigen Details von der Bismarck, u. a. wurde die Reichweite verbessert und Torpedorohre eingebaut. Beides waren wohl Anpassungen an die wahrscheinliche Rolle als Handelsstörer, da nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs klar war, dass der Aufbau einer neuen Schlachtflotte unmöglich war. Der deutlichste Unterschied zwischen Tirpitz und Bismarck war, dass die Flugzeugkräne bei der Tirpitz ein Deck höher aufgestellt waren.

Die Tirpitz war 251,0 m lang, 36,0 m breit und verdrängte voll beladen 53.500 t. Der Antrieb erfolgte über zwölf Kessel und drei Sätze Dampfturbinen mit insgesamt 163.026 PS, womit 30,8 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 2500 Mann.

Bewaffnung
8 x 38 cm L/47 SK C/34 (vier Zwillingstürme)
12 x 15 cm L/55 SK C/28 (sechs Zwillingstürme)
16 x 10,5 cm L/65 C/37 (acht Zwillingslafetten)
16 x 3,7 cm L/83 C/30 (acht Zwillingslafetten)
64 x 2 cm (14 C/38-Vierlingslafetten, zehn C/30-Einzellafetten)
8 x 83,3 cm-Torpedorohre (zwei Vierlingsrohre)

Die Tirpitz wurde 1936-41 von der Kriegsmarinewerft in Wilhelmshaven gebaut. Sie war im Sommer 1941 nach der Versenkung ihres Schwesterschiffs Bismarck einsatzbereit. Im Januar 1942 wurde sie nach Norwegen verlegt. Dort wurde sie gegen die Geleitzüge PQ 12 und QP 8 sowie PQ 17 eingesetzt. Beim ersten Einsatz (Unternehmen Sportpalast) im März 1942 verfehlte sie den Geleitzug und wurde erfolglos von Fairy Albacore-Torpedobombern der HMS Victorious angegriffen. Der zweite Einsatz im Juni 1942 (Unternehmen Rösselsprung) bewirkte, dass die Royal Navy den Konvoi PQ 17 auflöste. In der Folge wurden 24 von 36 Handelsschiffen von deutschen U-Booten und Flugzeugen versenkt.Tirpitz dritter und letzter Einsatz richtete sich im September 1943 zusammen mit dem Schlachtschiff Scharnhorst und neun Zerstörern gegen alliierte Einrichtungen auf Spitzbergen (Unternehmen Sizilien).

Danach kam die Tirpitz nicht mehr zum Einsatz. Die Briten setzten aber alles daran, sie zu versenken. Die meisten Schäden verursachten die folgenden Angriffe: Am 22. September 1943 legten die britischen Kleinst-U-Boote X6 und X7  zwei Minen unter dem Schiff, die u. a. die Maschinen schwer beschädigten (Operation Source). Am 3. April 1944 griffen 40 Fairey Barracuda-Sturzkampfbomber und 40 Hellcat- und Corsair-Jagdflugzeuge der Träger Furious, Victorious, Emporor, Fencer, Pursuer und Searcher die Tirpitz an und erzielten 15 Bombentreffer, wodurch 135 Mann derTirpitz getötet wurden (Operation Tungsten). Am 15. September 1944 erzielten 23 Avro Lancaster-Bomber, die in Russland gestartet waren, einen Treffer mit einer 5,4 t schweren Tallboy-Bombe im Vorschiff (Operation Paravane). Danach wurde die Tirpitz aus dem Altafjord nach Süden nach Tromsø verlegt, womit sie sich in Reichweite von landgestützten Bombern aus Großbritannien befand. Am 12. November griffen 32 Lancaster-Bomber an und erzielten mindestens zwei Treffer mit Tallboy-Bomben, die die Tirpitz zum Kentern brachten (Operation Catechism). 1204 Mann der Besatzung wurden getötet, nur 890 überlebten, von denen 80 durch in den Rumpf geschnittene Löcher aus dem Schiff befreit wurden. Aus dem Wrack bargen die Deutschen später einige Teile, nach Kriegsende auch die Briten. Zwischen 1948 und 1957 wurde das Wrack von einer norwegischen Firma abgebrochen.

Das Modell

Das Modell stellt die Tirpitz im Altafjord dar und wurde von mir vor etwa 5 Jahren aus dem Trumpeter-Bausatz des Schlachtschiffs im Maßstab 1/700 gefertigt. Zum Einsatz kamen dabei außerdem ein Holzdeck der Firma Mk-Models, Geschützrohre der Marke NNT und Ätzteile der Firmen GMM und Voyager. Mein Modell zeigt die letzte bekannte Tarnung der Tirpitz ca. ab Sommer 1944. Der Steuerbord-Kran fehlt bereits. Die 2 cm-Vierlingsflaks (14!) habe ich aus Beständen von Ätzteilen der H-Klasse unter Zuhilfenahme von Plastikteilen ergänzt. Nachdem ich den zweiten Band der hervorragenden Bücher von Leon/Asmussen erhalten hatte, kam mir die Idee, das Modell im Zustand nach dem Tallboy-Angriff vom 15. September 1944 darzustellen. Aus diesem Grund habe ich den Tallboy-Treffer im Vorschiff mit einer Plane abgedeckt, die beim Original die starke Beschädigung verbergen sollte. In diesem Zustand war das Schiff nicht mehr seetauglich und allenfalls als schwimmende Batterie verwendungsfähig.

Der aus meiner Sicht bereits hervorragende Bausatz von Trumpeter wird durch das Holzdeck von Mk-Modells weiter verbessert, da es die beim Einsetzen der Decksteile entstehenden Fugen verdeckt. Die Bemalung des Holzdecks war eine Premiere für mich, gelang aber mit relativ trockenen Humbrol Emailfarben problemlos (trocken, um Kriechen der Farbe im Holz zu vermeiden). Das Modell wurde mit selbstgemischten Farben aus der Revell Acryl-Serie gespritzt und alle Details mit Humbrol- und Agama-Farben mit dem Pinsel ausgeführt. Die Takelage ist aus gezogenem Plastikmaterial (schwarz), die Flaggen stammen von einem Bogen der Firma Tauro. Der Sockel ist der bei mir übliche Holzsockel und die Wasserfläche ist Holzspachtel aus dem Baumarkt, der mit einem Spatel aufgetragen und anschließend mit Revell-Farben und viel Lack behandelt wurde. Da ich ein Modell der Firma Fine Art-Models im Maßstab 1/200 besitze, konnte ich viele Details dieses Modells auf die kleine Tirpitz übertragen.

Dieser Trumpeter-Bausatz gibt mit sehr wenig Nacharbeit das Original sehr treffend wieder und gibt auch sehr gute Möglichkeiten andere Bauzustände des Schiffs darzustellen. Besonders gelungen finde ich die Beiboote des Schiffs, die allerdings auch noch mit GMM-Ätzteilen aufgewertet wurden. Ein wichtiges zu ergänzendes Detail für Tirpitz-Modelle ist die Überdachung vor dem oberen Kommandoturm, die nach meinem Wissen nur von Voyager zu bekommen ist (Achtung, diese Ätzteile kann man nur einmal biegen!).

Norbert Thiel

(Text über Original von Lars)