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HobbyBoss: Großer Kreuzer SMS Seydlitz (1/350) Drucken
Mittwoch, 13. Dezember 2017 um 06:00

SMS Seydlitz Deckelbild

Modell: SMS Seydlitz
Hersteller: HobbyBoss
Maßstab: 1/350
Material: Polystyrol, Fotoätzteieile, Metallkette
Art.Nr.: 86510
Preis: ca. 80 €

Das Original

Im Februar 1911 wurde der Kiel des Großen Kreuzers "J" auf den Helgen der Werft Blohm & Voss gestreckt. Es handelte sich dabei um einen etatmäßigen Ergänzungsbau gemäß der aktuellen Flottengesetze, die letztendlich darauf abzielten, dass die kaiserliche Hochseeflotte ein zu starker Gegner werden sollte, als das Groß-Britannien sich einen Seekrieg erlauben könnte. Dem lag der sogenannte Risikogedanke von Tirpitz zu Grunde.

Beim Stapellauf im März 1913 wurde das Schiff nach dem Reitergeneral der Armee Friedrichs des Großen, Freiherr von Seydlitz-Kurzbach auf den Namen SMS Seydlitz getauft. SMS Seydlitz war eine Weiterentwicklung der vorangegangenen Moltke-Klasse mit erhöhtem Freibord im Vorschiff sowie einer um 14 m vergrößerten Länge bei einer um einen Meter verringerten Breite. So wurde der Schiffskörper insgesamt schlanker, wodurch höhere Geschwindigkeiten möglich waren. Durch die Erhöhung des Vorschiffs sollte einem Überspülen desselben bei schwerer See entgegengewirkt werden. Die wesentlichen Gefechtswerte, allen voran die Artillerie, blieben im Endeffekt aber unverändert, so dass auch SMS Seydlitz eine Hauptbatterie von 10x 28 cm SK L/50 aufwies. Allerdings befand sich diese, bedingt durch das höhere Vorschiff, auf nunmehr drei Ebenen. Die Maschinenanlage leistete bei forcierter Fahrt über 89.500 PS womit eine maximale Geschwindigkeit von 29,1 kn erreicht werden konnte.

Nach ihrer Indienststellung im Mai 1913 wurde SMS Seydlitz bis August des Jahres den üblichen Erprobungen unterzogen bevor sie dem Verband der Aufklärungsstreitkräfte zugeteilt und hier das Flaggschiff des Befehlshaber wurde. Diese Funktion behielt sie auch bis Ende 1917 bei.

Ihre ersten Gefechtseinsätze erlebte SMS Seydlitz bei den Vorstößen gegen die britische Küste zur Beschießung von Yarmouth und Hartlepool. Mit diesen Aktionen sollte der Gegner herausgelockt und mit überlegenen Kräften zum Kampf gestellt werden.

Dies gelang letztlich im Januar 1915 auch, allerdings nicht in der erhofften Form, denn es wurde verabsäumt, eine Deckung durch das Gros der Hochseeflotte zu veranlassen. Somit sah sich der Verband von Hippers einem weit überlegenen Gegner gegenüber, so dass nur der Rückzug blieb. Bei dem sich daraus entwickelnden Gefecht auf der Doggerbank wurde unter anderem der veraltete Große Kreuzer SMS Blücher versenkt und auch SMS Seydlitz blieb nicht unbeschädigt. Sie erhielt einen schweren Treffer im Magazin von Turm D, was zur Explosion der dort gelagerten Munition führte. Der Verlust des Schiffes wurde nur durch die schnelle Reaktion des Pumpenmeisters Wilhelm Heidkamp verhindert, der die glühenden Ventile öffnete und die Magazine flutete. Später wurde, um diese Tat zu ehren, ein Zerstörer der Kriegsmarine nach ihm benannt.

Der nächste Einsatz richtete sich im Mai 1916 erneut gegen die britische Küste, allerdings erlitt SMS Seydlitz hierbei noch auf dem Anmarsch einen Minentreffer, so dass sie in Begleitung mehrerer Torpedoboote nach Wilhelmshaven zurückkehrte.

Im gleichen Monat des gleichen Jahres nahm sie, nach einem kurzen Intermezzo in der Ostsee, als zweites Schiff der 1. Aufklärungsgruppe Franz von Hippers an der Skagerrakschlacht teil. Zwar gelang es ihr im Laufe des Gefechts im Zusammenwirken mit SMS Derfflinger die britische HMS Queen Mary zu versenken, allerdings erhielt SMS Seydlitz dabei selbst insgesamt über 20 Treffer schwerer und mittlerer Kaliber sowie auch Torpedotreffer. Dies hatte zur Folge, dass sie im Vorschiff mehr als 5.300 ts Wasser übernahm. Dadurch konnte sie nur unter großen Schwierigkeiten nach Wilhelmshaven eingebracht werden. Da das Vorschiff hierdurch so tief eintauchte, dass das Oberdeck zeitweise überspült wurde, musste man teils sogar rückwärts fahren.

Die restliche Dienstzeit bis Ende des Krieges verlief, wie auch für den Rest der Flotte, relativ ereignislos, da man die großen Einheiten nicht riskieren wollte. SMS Seydlitz gehörte zu den laut Waffenstillstandsbedingungen auszuliefernden Einheiten und lief somit im Verband mit den anderen betroffenen Einheiten weisungsgemäß nach Scapa Flow um hier interniert zu werden. Hier lag sie zusammen mit dem Rest der Flotte, als am 21. Juni 1919 der Befehl Konteradmirals von Reuter zur Selbstversenkung erging, um so die Flotte dem Zugriff der Siegermächte zu entziehen.

Das Wrack wurde 1924 von der britischen Admiralität verkauft, 1928 gehoben und 1929 schließlich abgebrochen. Verblieben sind ein in der Skagerrakschlacht beschädigtes Geschützrohr, das im Marinemuseum in Wilhelmshaven zu besichtigen ist, sowie die Schiffsglocke die im Marineehrenmal Laboe verwahrt wird.

Der Bausatz

Die Teile des Bausatzes verteilen sich auf 13 Spritzlinge, ergänzt um vier Fotoätzteilplatinen und eine Kette. Dies alles befindet sich in einem schönen stabilen Stülpkarton, der grade so ausreicht um alles zu fassen. Der Rumpf liegt separat auf einem Zwischenboden unter dem sich die restlichen Bauteile befinden. Alle in eigenen Tüten verpackt, abgesehen von jenen Spritzlingen, die zweimal vorhanden sind. Die feinsten Teile sind nochmals mit einer Schaumstofffolie geschützt. Alles in Allem eine vorbildliche Verpackungslösung.

Spritzling A:
Beide Rumpfhälften sind sauber gespritzt, es gibt keinerlei störende Auswerfermarken im Sichtbereich oder Fischhaut. Da der Rumpf entlang der Mittschiffslinie geteilt ist wird der geneigte Wasserlinienmodellbauer hier ggf. zur Säge greifen müssen. Die Wasserabweiser über den Bullaugen sind hauchfein wiedergegeben, so dass man bei der Bearbeitung des Rumpfes wird entsprechend sorgfältig vorgehen müssen, denn diese ist durch die Gussnähte in Verlängerung der Schlingerkiele zwingend notwendig. Am Bug und am Heck zeigen Vertiefungen an, wo die Wappenschilde und Namenstafeln anzubringen sind. Dies ist allerdings etwas inkonsequent, denn beides wurde mit Beginn des Krieges von Bord gegeben, während der Bausatz SMS Seydlitz während des Krieges zeigt.

Spritzling B:
Dieser besteht aus zwei Teilen, in der Anleitung als B1 und B2 gekennzeichnet und umfasst weite Teile des Oberdecks, inklusive vier Barbetten für die 28 cm SK. Die Plankenstruktur ist ein wirkliches Highlight des Bausatzes und sehr gut umgesetzt. Mit der entsprechenden Bemalung wird man getrost auf ein Echtholzdeck verzichten können, so denn in Zukunft ein solches am Markt erhältlich ist. Die Oberlichter sind ebenfalls sehr gut detailliert, wie auch die Luken der Niedergänge. Was allerdings weniger schön ist, sind die Vertiefungen, welche die Positionen der Bootslager angeben sollen. Wie bei allen großen Einheiten wurde die Beibootsflottille bis auf das absolut Notwendige von Bord gegeben inklusive der dafür notwendigen Einrichtungen, was sich auf entsprechenden Aufnahmen nachvollziehen lässt. Somit zeigt sich hier ein weiteres Mal das Problem des darstellbaren Rüstzustandes.

Spritzling C:
Dieses eine Teil stellt das Backdeck inklusive eines Teils der vorderen Aufbauten dar. Auch hier sind Oberlichter, Luken, Bullaugen und Plankenstrukter wunderbar anzusehen. Das Teil ist frei von störenden Auswerfermarken und die Angüsse sind so platziert, dass eine Versäuberung keinen allzu großen Aufwand mit sich bringt. Allerdings zeigt sich hier auch ein recht augenfälliger Schwachpunkt des Bausatzes: Die Zuluftschächte für die Maschinenräume. Zu deren Darstellung sind die Lamellen stumpf als eine Art Treppe an die Aufbauten gespritzt. Es gibt keinerlei Struktur oder ähnliches. Selbst die mittlerweile über 10 Jahre alten Bausätze der König-Klasse von ICM, um mal bei der thematischen Ausrichtung zu bleiben, geben dieses auffällige Element wesentlich besser wieder. Will man hier eine vernünftige Darstellung erreichen, so ist damit ein doch recht hoher Mehraufwand verbunden. Es bleibt unverständlich, warum man es sich hier von Seitens Hobby Boss so einfach gemacht hat, vor allem im Vergleich zum Rest des Bausatzes.

Spritzling D:
Hier sind die vier Wellenaustritte zu finden. Wie gut diese sich in die Vertiefungen am Rumpf fügen, kann letztlich nur der zukünftige Bau zeigen.

Spritzling E:
An diesem Spritzling befinden sich Teile der Aufbauten sowie der Schornsteine und Masten. Sehr schön gelungen sind die Geräte für den Steuerstand, wie z.B. der Kompass und auch die Mastteile sind wunderbar filigran. An den Teilen der Schornsteine zeigen die Vertiefungen schon, wo später die Stagen zu platzieren sind. Auch findet sich hier der erste der 5 Türme, genauer Turm E. Die Nietenstruktur ist wunderbar filigran und auch die Öffnungen der Beobachtungsgeräte sind geöffnet dargestellt.

Spritzling F:
Dieser Spritzling ist nochmals in Schaumstofffolie eingeschlagen, befinden sich hier doch die Filigranteile für Flaggenstock und Gösch sowie des Wellenbrechers. Ergänzt um einige Boote der Beibootsflotille. Ebenfalls sind hier ein paar der Spanten zu finden mit denen man den Rumpf verstärken soll.

Spritzling G:
Die insgesamt nur vier Teile dieses Spritzlings stellen sowohl den vorderen Kommandostand als auch den mittleren Zuluftschacht, ergänzt um einen weitern Luftschacht, dar. So filigran und sauber die Teile auch sind, so sehr fällt mal wieder die einfach Darstellung der Lamellen und der Schächte an sich auf.

Spritzling H:
Auch dieser Spritzling besteht aus insgesamt nur vier Teilen. Hier erkennt man, was an anderer Stelle möglich gewesen wäre. Die Zuluftöffnungen sind wunderbar dargestellt. Entsprechend vertieft und mit einer feinen Gitterstruktur versehen kommen sie dem Vorbild schon wesentlich näher.

Spritzling J:
An diesem zweimal vorhanden Spritzling befindet sich hauptsächlich die Artillerie. Die Türme sind ebenso fein detailliert wie schon weiter oben angesprochen. Auch die Rohre machen einen sehr guten Eindruck, allerdings dürfte die Versäuberung der Angüsse etwas aufwendiger sein, will man die runde Form erhalten. Auch die Scheinwerfer, Poller und 8,8 cm BaK sind sehr sauber gearbeitet und detailliert. Mit entsprechender Bearbeitung sollte das alles gut zur Geltung kommen und positiv zum Gesamteindruck des Modells beitragen.

Spritzling K:
Den Abschluss bildet der zweimal vorhandene Spritzling K. Dieser enthält die letzten Teile der Beibootsflottille und die Anker sowie auch Oberdecksausrüstung. Alles in allem machen auch hier die Teile wieder einen hervorragenden Eindruck.

Die Fotoätzteile

Die Fotoätzteile verteilen sich auf insgesamt vier Platinen, allerdings ist deren Verwendung, im Gegensatz zu anderen Bausätzen auf dem Markt nicht optional sondern zwingend notwendig. Ein Umstand der verdeutlicht, dass dieser Bausatz nur etwas für erfahrene Modellbauer ist.

Platine A:
Diese Platine enthält Leitern, Flaschenzüge und Reling sowie auch Teile für die Brücke, den Steuerstand. Auch die Teile für die Bootslager sind hier zu finden wie auch die ersten der Stage für die Schornsteine. Die Teile sind sauber geätzt, ohne Überätzungen oder ähnliche Beeinträchtigungen.

Platine B:
Die restliche Reling für das Modell ist hier zu finden. Alle sind schon passend abgelängt und mit eingeätzten Falzlinen versehen, wo diese nötig sind. Die Anzahl der Durchzüge ist, soweit erkennbar, in allen Bereichen korrekt wiedergegeben.

Platine C:
Die restlichen Stagen für die Schornsteine sowie die Davits finden sich auf dieser zweimal vorhanden Platine wieder. Ergänzt um Niedergänge, Leitern und Seiltrommeln sowie auch die sehr schönen Bugwappen.

Die Kette

Dem Bausatz liegt noch eine ca. 24 cm lange Metallkette bei, mit welcher die Ankerketten dargestellt werden sollen. Sie ist, wie auch die Fotoätzteile nicht optional, da es keine Alternativen aus Kunststoff gibt.

Decals

Die Decals sind randscharf gedruckt und weisen keinerlei Versatz auf. Neben den Fliegerkennungen für die Decken der Türme finden sich hier auch Decals für die Bugwappen und die Namenstafeln. Betrachtet man die Decals unter einem bestimmten Blickwinkel genauer, so stellt man fest, dass sie unregelmäßig, fleckig mattiert bzw. glänzend sind. Ob und inwieweit dies Probleme bei der späteren Verarbeitung mit sich bringt lässt sich so noch nicht beurteilen.

Die Anleitung

Die Anleitung ist schlicht schwarz/weiß gehalten und in A4 quer ausgeführt. Es ist eine Teileübersicht vorangestellt, die sicherlich recht hilfreich sein dürfte. Die insgesamt 37 Baustufen sind übersichtlich gegliedert und klar verständlich aufgebaut, so dass letztlich keine schwerwiegenden Fragen offenbleiben dürften. Auch auf die Fotoätzteile und deren Verarbeitung wird in den betreffenden Schritten entsprechend eingegangen.

Ergänzt wird sie um eine A3-große farbige Bemalungsanleitung. Das Farbschema zeigt SMS Seydlitz im frühen Farbschema mit dem roten Schornstein wie er für Unternehmungen üblich war. Die Farbangaben beziehen sich auf die Paletten von Mr. Hobby, Vallejo, Model Master, Tamiya und Humbrol.

Fazit

Ich fühle mich an machen Stellen an die König-Klasse von ICM erinnert. Denn der Bausatz der SMS Seydlitz gibt verschiedene Zustände in einem Modell wieder. Das Fehlen der kompletten Torpedonetzeinrichtung bedeutet, dass es sich um einen Zustand nach der Skagerrak-Schlacht handelt, demgegenüber stehen jedoch Bugwappen, Namenstafeln und die nicht verplattete 8,8 cm Kasematte in den vorderen Aufbauten um nur die auffälligsten Dinge zu nennen. Auch befindet sich friedensmäßig die gesamte Beibootsflottille an Bord und nicht nur die beiden Boote auf den Turmdecken.

Ein Fazit fällt mir hier deswegen nicht ganz leicht, zugegebenermaßen. Lange schon wartet man auf einen Bausatz eines Großen Kreuzers der Kaiserlichen Marine in 1/350. Allerdings liegen bei diesem Bausatz Licht und Schatten eng beisammen ist er doch nicht in sich schlüssig, da er einerseits in den Details wirklich hervorragendes zeigt, aber ausgerechnet die sehr auffälligen Zuluftschächte wirken sehr lieblos und schlecht gemacht. Hinzu kommen noch die oben erwähnten Unstimmigkeiten bei einem nicht gerade niedrigen Anschaffungspreis.

alt guter Durchschnitt


Mathias Carl

Wir danken Glow2B für das Bausatzmuster

Quellen:
Grießmer - "Große Kreuzer der kaiserlichen Marine 1906-1918"
Koop/Schmolke - "Die Großen Kreuzer Von der Tann bis Hindenburg"
Koop/Schmolke - "Vom Original zum Modell - Die großen Kreuzer Von der Tann, Moltke-Klasse, Seydlitz, Derfflinger-Klasse"
Staff - "German Battlecruisers of World War One: Their design, construction and operations"
Breyer - "Schlachtkreuzer der kaiserlichen Marine Bd. 1 und Bd. 2"
Archiv M.Carl