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Jagdflugzeug British Aerospace Sea Harrier FRS.1 (1/48, Kinetic) von Frank Spahr Drucken
Mittwoch, 18. Juli 2018 um 05:00

Das Original

Der Harrier wurde in den 1960er Jahren von Hawker Siddeley entwickelt. Das unterschallschnelle Flugzeug zeichnete sich durch Kurz- und Senkrechtstartfähigkeit (STOL/VTOL) aus. Es sollte im Kriegsfall auch bei Zerstörung der NATO-Flugplätze von improvisierten Flugfeldern in der Aufklärungs- und Bodenangriffsrolle eingesetzt werden.

In den 1970er Jahren verlor die britische Marine ihre konventionellen Flugzeugträger; die neuen Flugdeckkreuzer der Invincible-Klasse waren primär dazu entwickelt worden, um nennenswerte Mengen an U-Jagd-Hubschraubern auf See und in die Angriffswege der sowjetischen U-Boote zu bringen. Eine kleine Anzahl Jagdflugzeuge, die von diesen Schiffen operieren konnten, wurden als wertvolle Fähigkeit angesehen, und sei es nur, um sowjetischen Seeraumüberwachungsflugzeugen begegnen zu können.

Der Sea Harrier FRS.1 wurde entwickelt, um als Jagdflugzeug, Aufklärer und Träger von Atomwaffen eingesetzt zu werden. Das Flugzeug wurde einerseits für den Trägereinsatz verstärkt und besonders gegen Korrosion geschützt, das Cockpit wurde zur Verbesserung der Sicht höher angeordnet, und ein leistungsfähiges Blue Fox-Radar in der neu gestalteten Rumpfnase angebracht. Von der Bestellung 1975 dauerte es bis 1978 zur Auslieferung des ersten Flugzeugs. Die Einsatzbereitschaft auf dem neuen Träger Invincible und dem alten Träger Hermes wurde 1981 festgestellt. In der Zwischenzeit waren beide Schiffe mit der neuen „Skischanze“ ausgerüstet worden. Diese ermöglichte den Harriern einen Kurzstart mit deutlich erhöhter Nutzlast gegenüber dem Senkrechtstart, ein deutlicher Vorteil im Einsatz.

Sehr kurz nach der Einsatzbereitschaft musste sich der Sea Harrier im Kriegseinsatz im Südatlantik bewähren. Praktisch alle verfügbaren Maschinen wurden eingesetzt, unterstützt von einer Anzahl von Harriern der RAF. Die Sea Harrier wurden hauptsächlich als Luftüberlegenheitsjäger benutzt, mit Bodenangriffen als sekundärer Rolle. Ihre kurzfristige Ausrüstung mit Sidewinder- Raketen der neusten Generation war ein Hauptgrund für ihre guten Ergebnisse im Luftkampf. Das Fehlen von luftgestütztem Frühwarnradar hingegen stellte ein großes Risiko für die gesamte Einsatzgruppe dar. Von 28 eingesetzten Harriern wurden zwei vom Boden aus abgeschossen, vier gingen durch Unfälle verloren.

Die Flugzeuge wurden im Südatlantik routinemäßig mit Zusatztanks ausgestattet, von der frühen, kleineren Baureihe. Sie nutzen die Sidewinder-Rakete, aber auch Bomben und Bordkanonen. Sie operierten hauptsächlich von den beiden Trägern und improvisierten Flugfeldern, aber auch im Notfall von einem der eingesetzten LPD.

Der Sea Harrier wurde in die Variante FA.2 weiter entwickelt und intensiv in den 1990ern und Anfang der 2000er eingesetzt, bis er 2006 außer Dienst gestellt wurde. 2011 folgten die übrigen Harrier, die in der Zwischenzeit noch eine gewisse Präsenz aufrecht erhalten hatten. Derzeit besitzt die Royal Navy keine Starrflügler für den Bordeinsatz. Dieser Zustand wird bis zur schließlichen Einsatzbereitschaft der Lockheed F-35 auf den beiden neuen Flugzeugträgern anhalten.

Das Modell

Bausatz: Kinetic K 48035
Spritzguss, Klarsichtteile, Nasschiebebilder
Preis: @ 45 €

Zubehör:
Eduard
- Ätzteilsätze #49769 Sea Harrier Interior #48887 Sea Harrier Exterior
- Lackiermasken EX 508

Master
- Gedrehtes Staurohr und Neigungsindikator, AM-48-070

Aerobonus
- British Sea Harrier pilot, Falklands war, Resinfigur, # 480 086

Skunkworks
- Royal Navy Tow Tractors, Spritzguss, ergibt zwei Traktoren, zwei Einstiegsleitern, zwei Zugstangen und mehrere Figuren #48017

InfiniModel
- Tie Down Point Set, IMP-48001R1(Drehteile und Ätzteile)
- Tie Down Device Set A IMP-48002R1 (Ätzteile, Drehteile und Ketten)

Der Bausatz

Der Bausatz von Kinetic ist modern, hochdetailliert und gut durchdacht. Die Teile sind sehr sauber gespritzt, es liegt ein praktisch vollständiges Angebot an Außenlasten vor, und der Decalbogen erlaubt, praktisch jeden frühen Harrier der britischen und indischen Marine zu markieren.

Die Bauanleitung ist ebenso umfassend und recht klar. Der Abschnitt über die Markierungen geht auch auf die diversen Umtarnungen im Falklandeinsatz ein. Trotzdem gibt es ein paar kleinere Auslassungen und Ungenauigkeiten in der Anleitung, und ich empfehle dringend, jedes einzelne Teil trocken anzupassen, weil einige eben doch Nacharbeit benötigen.

Kombiniert mit den ausgezeichneten Ätzteilen von Eduard, ist der Bausatz von Kinetic ein sehr guter Bausatz eines interessanten und historisch bedeutsamen Flugzeugs.

Der Bau

Wie bei den meisten Flugzeugbausätzen, begann ich mit dem Bau des Cockpits. Die sehr guten Ätzteile von Eduard, farbig bedruckt, werteten das Cockpit deutlich auf. Ich hatte nur Schwierigkeiten mit den Sitzgurten, aber irgendwie bekam ich es hin. Später sollte ich feststellen, dass das Cockpit so nicht in den Rumpf passte, und ich musste auf beiden Seiten Material abtragen. Soviel zu meiner Empfehlung mit dem Trockenpassen …

Parallel zum Cockpit begann ich diverse andere Baugruppen, primär diejenigen, die in den Rumpf hinein gehörten, also die Fahrwerkschächte und die Lufteinläufe mit dem großen Turbinenrotor. Die Vektordüsen wollte ich von vornherein nicht justierbar machen, also bereitete ich die Teile so vor, dass ich sie später gut einkleben konnte.

Darüber hinaus ging ich frühzeitig die Fahrwerke, die Räder und die Außenlasten und ihre Pylone an. Ich hatte eine ebenso typische wie umfassende Beladung gewählt: Neben den Zusatztanks (und zwar die kleineren im Bausatz enthaltenen, die größeren wurden erst nach dem Falklandkrieg benutzt) bekam mein Harrier Sidewinders, eine Bombe und zwei Kanonenpods für die 30 mm ADEN-Kanone. Ich achtete darauf, die Pylone zu markieren, so dass klar war, welcher wohin gehörte. Die Bauteile für die Außenlasten passten gut und benötigten nur wenig Spachtel und etwas Nachgravieren.

Alle Teile wurden gemäß der Bauanleitung und ggfs. Vorbildfotos bemalt. Ich benutzte hauptsächlich Vallejo ModelAir, und AK Interactive True Metal für die Metallteile. Ich benutzte nicht alle Ätzteile von Eduard, einiges davon war jenseits meiner Fähigkeiten oder ich sah keinen Vorteil darin. Aber der Großteil wurde schon verbaut.

Mit der Kanzel kam ich in Schwierigkeiten, weil ich mir zu viel Mühe gab. Der Bausatz enthält Decals für die innenliegende Sprengschnur, die bei Auslösung des Schleudersitzes eine Öffnung in die Kanzel sprengt. Um diese möglichst gut anbringen zu können, tauchte ich die Kanzel zuerst in Future und ließ sie trocknen. Später brachte ich das Decal an. Nun maskierte ich die Kanzel mit den vorgeschnittenen Masken von Eduard und füllte alle Freiräume mit Humbrol Maskol aus. Trotzdem wanderte beim Lackieren Farbe unter die Abklebung, und ich bekam nachher weder die Farbe komplett weg noch die Kanzel wieder richtig klar. Glücklicherweise bekam ich von Kinetic eine kostenlose Ersatzkanzel, obwohl ich ihnen gegenüber gesagt hatte, dass es an meinem Ungeschick gelegen hatte. Bei dieser ging ich auf Nummer Sicher. Ich bemalte die erhaben geprägte Sprengschnur am Klarsichtteil mit weißer Ölfarbe und verzichtete auf Future. Die Kanzel war auch so klar genug.

Die beiden Drehteile von Master schauen ziemlich gut aus, besonders das Staurohr, weil der Angle of Attack Indicator so winzig ist, dass man ihn kaum sieht. Es bedarf etwas Ruhe, die Basis des Kunststoffteils des Staurohrs zur Aufnahme des Drehteils aufzubohren.

Bemalung und Markierungen

Das Modell wurde mit lösungsmittelbasierter Grundierung aus der Spraydose (aus dem Autolackbedarf) eingesprüht. Wie bereits erwähnt, benutzte ich primär Vallejo ModelAir und AK Interactive True Metal. Ich hatte mich frühzeitig entschieden, den Harrier ZA 191 von der 899 NAS zu bauen, von dem ich ein schönes Foto gefunden hatte, wie er festgelascht am Deck der Hermes im schweren Sturm steht. Das Lackierschema war eher unkompliziert, Extra Dark Sea Grey über alles mit weißen Fahrwerkschächten. Ich konnte auf den Vorbildfotos keine Belege für größere Ausbleichungen finden, die deutliches Pre-, Post- und sonstiges Shading für mich gerechtfertigt hätten. Ich sah einen gewissen Seidenglanz, ich sah Ausbesserungen und ich sah Spuren von Abnutzung an manchen Oberflächen. Auf manchen Fotos fiel auf, dass die Farbe an den Außenlastträgern deutlich abgeplatzt war. Nachdem ich es doch nicht hatte lassen können und etwas Preshading aufgetragen hatte, lackierte ich das Flugzeug mit leicht variiertem EDSG.

Die Pylone erhielten Abplatzungen mit der Marmite-Methode, wie ich sie bei Tom Grigat zuerst gesehen habe. Ich bin zwar ziemlich anglophil, das Zeug schmeckt mir aber wirklich nicht. Zum „Chipping“ funktioniert es gut. Ich trug Marmite mit einem Microbrush-Applikator über die Grundfarbe auf und lackierte dann EDSG. Nach dem Trocknen ging ich mit einem Borstenpinsel über die Oberfläche, wobei sich das EDSG mitsamt dem Marmite sehr schön ablöste. Ein bisschen Washing hier und da und ein paar „Ausbesserungen“ der Lackierung mit dem Pinsel komplettierten die Bemalung.

Nachdem ich es soweit geschafft hatte, legte ich mir selbst noch ein Ei ins Nest. Ich überzog das Modell vor dem Auftragen der Decals mit Acryl-Hochglanzklarlack von Humbrol. Dieser lässt sich wunderbar verarbeiten und ergibt eine sehr schöne Oberfläche. Nur verträgt er sich nicht mit Micro Sol Decal-Weichmacher, wie ich bald zu meinem Schrecken herausfinden sollte. Die Oberfläche sah nun wie mit Frost überzogen aus. Glücklicherweise stellte ein weiterer Auftrag des Klarlacks den ursprünglichen Glanz wieder her, aber diese Unverträglichkeit habe ich mir gemerkt!

Obwohl eine Menge der Stencils bei der Übermalung der Unterseiten des Flugzeugs abgedeckt worden waren, dauerte es doch ganz schön lang, bis alle Decals aufgebracht waren. Sie funktionierten gut. Ein weiterer Hochglanzüberzug ließ sie optisch noch besser mit der Oberfläche verschmelzen. Nun mattierte ich die Oberfläche zu einem Seidenglanz, der mir den Vorbildfotos am besten zu entsprechen schien. Jetzt konnten die Klarsichtteile angebracht werden, noch ein wenig Washing, und ich war fertig.

Die Basis

Ich wollte meinen Harrier auf einem Trägerdeck zeigen und freundlicherweise schenkte mir ein Modellbaufreund einen Bausatz mit zwei Flugdeckzugmaschinen der Royal Navy mitsamt Zubehör. Damit war schon ein gutes Stück des Materials vorhanden. Der Traktor ließ sich weitgehend unkompliziert bauen. Er wurde gelb lackiert und einigermaßen kräftig gealtert und mit Abnutzungsspuren versehen. Ich hatte mir auch eine sehr feine fotogeätzte Einstiegsleiter bestellt, fand diese aber letztendlich zu kurz, sodass ich die Kunststoffleiter aus dem Traktorbausatz benutzte. Einen Traktorfahrer und ein Mitglied der Decksmannschaft entnahm ich ebenfalls aus dem Traktorbausatz. Diese wurden gemäß Vorbildfotos bemalt.

Piloten gab es nicht in dem Bausatz, also orderte ich eine Resinfigur, die sehr gut aussah, sich gut verbauen ließ, nur die Bemalungsanleitung stimmte nicht. Ich erfragte die Infos von einem früheren Besatzungsmitglied der HMS Invincible und bemalte den Piloten danach.

Die Basis besteht aus depafit, von dem ich eine Kartonseite entfernte. Dadurch ergab sich gleich eine sehr passende Oberflächenstruktur. Die Tiedowns entstammen dem ausgezeichneten und innovativen Set von InfiniModel. Sie bestehen aus einer gedrehten „Mulde“ und einem geätzten Kreuz. Sie sind für US-Träger gedacht, aber ich habe sie trotzdem benutzt. Die Anleitung enthält auch Hinweise, wie die Zurrpunkte angeordnet werden.

Die Basis wurde mit einer weißen Linie und einem großen H für Hermes lackiert und unregelmäßig in mehreren Farben gespritzt. Ein paar Öl- und sonstige Flecken brachten etwas mehr Leben in die Oberfläche.

Schließlich benutzte ich Zurrgeschirre ebenfalls von InfiniModel. Dieses Set enthält eine sehr feine Kette (die auch sehr gut für manche Ankerketten benutzbar wäre) sowie fotogeätzte und gedrehte Teile, einerseits für die Haken und Spannzüge, die an die Enden der Ketten kommen, aber auch für die Befestigungspunkte an verschiedenen US-Flugzeugen. Ein paar Befestigungspunkte hatte mein Harrier dank Eduard schon, von den anderen suchte ich das heraus, was am besten passte. Die Spannzüge waren anspruchsvoll und knifflig zu bauen, und ich vereinfachte die Konstruktion auch etwas, aber letztendlich ging es. Sie wurden entsprechend abgenutzt bemalt. Ich finde, sie verleihen der Decksszene ein sehr willkommenes Tüpfelchen auf dem I, auch wenn sie auf den ersten Blick gar nicht so sehr auffallen.

Quellen

Fazit

Der Bausatz ist sehr empfehlenswert, schon aus dem Kasten, aber umso mehr mit etwas geätzter Aufhübschung. Er braucht etwas Arbeit und ein offenes Auge, doch das resultierende Modell sieht wirklich stimmig und vorbildgerecht aus. Der Bausatz von Skunkmodel mit den Traktoren und Zubehör ist ebenfalls ausgesprochen willkommen und nützlich, wie auch vielseitig in der Anwendung. Für alle, die Trägerflugzeuge an Deck zeigen wollen, halte ich die beiden Sets von InfiniModel für sehr empfehlenswert.

Frank Spahr