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Heller: Schnelle Geleitschiffe Typ E 50 und E 52 (1/400) Drucken
Dienstag, 12. Februar 2019 um 06:00

E50 Deckelbild

Modell: Escorteurs rapide E50
Hersteller: Heller
Maßstab: 1/400
Material: Spritzguss, Abziehbilder, Metallkette
Art.Nr.: 81093
Preis: 37,99 € (UVP)

E52 Deckelbild

Modell: Escorteurs rapide E52
Hersteller: Heller
Maßstab: 1/400
Material: Spritzguss, Abziehbilder, Metallkette
Art.Nr.: 81094
Preis: 37,99 € (UVP)

Das Original

Die Escorteures Rapides waren die ersten französischen Kriegsschiffbauten nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie waren als Geleitschiffe mit großer Reichweite und hoher Geschwindigkeit konzipiert. Damit entsprachen sie zeitgenössischen Fregatten, waren aber stärker bewaffnet. Gebaut wurden sie in zwei Hauptgruppen, der Le Corse-Klasse (Typ E50) mit vier Einheiten, und der Le Normand-Klasse (Typ E52), zu der 14 Schiffe gezählt werden. Die letzten drei Einheiten dieser Klasse bildeten eine als Typ 52B bezeichnete Untergruppe. Aber auch die Hauptgruppe des Typs E 52, die auch als Typ E 52A bezeichnet wird, wird nochmals untergliedert in E 52A Typ Le Picard (Le Normand bis Le Savoyard), E 52A Typ Le Breton (Le Breton und Le Basque) und E 52A Typ L'Agenais (L'Agenais und Le Bèarnais). Das letzte Schiff des Typs E 50, Le Bordelais, hatte eine vergrößerte Schornstein-Ummantelung mit geänderter Kappe.

Von der Le Corse-Klasse unterschied sich der Typ E52 dadurch, dass die vier Torpedorohr-Sätze mit ihren Nachlade-Magazinen vom Aufbautendeck vor der Brücke auf das Hauptdeck achterlich des Schornsteins verlegt worden waren und der U-Jagd-Werfer auf dem vorderen Aufbautendeck aufgestellt war. Außerdem hatten die ersten sieben Einheiten (Unter-Typ Le Picard) leicht geänderte Brückenaufbauten. Der Unter-Typ Le Breton erhielt einen vergrößerten Brückenaufbau mit einem etwas vergrößerten Brückenhaus. Beim Unter-Typ L'Agenais wurde dieses Brückenhaus etwas nach vorne verlängert. Bei den Einheiten des Typs E 52B wurde der 375 mm U-Jagd-Werfer auf dem vorderen Aufbautendeck wieder entfernt und durch einen 305 mm Werfer ersetzt, der an die Stelle des 57 mm Geschützes auf dem achteren Aufbautendeck kam. Das 57 mm Geschütz auf dem vorderen Aufbautendeck wurde nach vorne versetzt. Die Nachlade-Magazine für die Torpedos entfielen, und der achtere Torpedorohr-Satz wurde etwas nach vorne verschoben. Der Brückenaufbau entsprach demjenigen des Unter-Typs L'Agenais. Der Schornstein war der gleiche wie bei Le Bordelais.

Die Radaranlage bestand beim Typ E 50 und den ersten sieben Schiffen des Typs E 52 (Unter-Typ Le Picard) aus DRBV-20 und DRBV-30. Ab Le Breton führten die Schiffe auf einem modifizierten Mast DRBV-22 bzw. ab L'Agenais DRBV-22A, und DRBV-31. Später wurden alle Schiffe auf DRBV-22A und DRBV-31 bzw. DRBV-32 umgerüstet.

Anders als die Einheiten der Le Normand-Klasse, wurden die Schiffe der Le Corse-Klasse ohne U-Jagd-Werfer fertig gestellt und erhielten diesen erst in der zweiten Hälfte der 1950er. Le Brestois erhielt 1958 einen 100 mm Turm an Stelle des achteren 57 mm Geschützes, und der U-Jagd-Werfer wurde durch das Leitgerät hierfür ersetzt.

Im Januar 1967 wurde Le Savoyard der im Dezember 1966 gebildeten Groupe Naval d’Essais de Missiles (Gruope M), einem Erprobungsverband für Raketen, zugeordnet. Später im Jahre 1967 wurde auch Le Basque diesem Verband zugeordnet, 1968 aber durch Le Breton ersetzt. Die Schiffe wurden bei den ersten Versuchen mit der ballistischen MSBS-Rakete eingesetzt. Dazu erhielten alle drei eine TMR-Antenne auf einem kleinen Deckshaus an Stelle des 57 mm Geschützes auf dem achteren Aufbautendeck. Le Savoyard erhielt zudem eine große Antenne vom Typ TMC Télémaque an Stelle des achteren 57 mm Geschützes. Bei Le Basque wurde 1978 zunächst der U-Jagd-Werfer vorne auf dem vorderen Aufbautendeck ausgebaut und später dort ein Starter für OTOMAT-Raketen aufgestellt, um Feuerleit-Einrichtungen für diese Raketen zu erproben. L'Agenais wurde 1978 zum Testschiff umklassifiziert (Kennung: A-784) und zur Erprobung von Tiefensonar-Anlagen (VDS) eingesetzt, zunächst für das System SOREL, dann für die DSBV-61 Anlage. Das Tiefensonar wurde am Heck aufgestellt. Ein Container für die System-Bedienung kam an die Stelle des achteren 57 mm Geschützes. Außerdem wurden die vorderen Torpedorohr-Sätze ausgebaut. 1980 wurde dann auch noch das 57 mm Geschütz auf dem achteren Aufbautendeck entfernt. Le Vendéen wurde 1981 ebenfalls zum Testschiff umklassifiziert (Kennung: A-778) und für die Erprobung von drahtgesteuerten Torpedos eingesetzt. Dazu wurde am Heck ein 550 mm Torpedorohr aufgestellt.

Die vier Schiffe der Le Corse-Klasse wurden 1955/56 als französischer Beitrag zur NATO fertig gestellt. Drei dieser Einheiten waren aus dem amerikanischen Mutual Defense Assistance Programm (MDAP) finanziert worden. Als unmittelbare Nachfolger wurden auch die sieben ersten Einheiten der Le Normand-Klasse aus diesem Programm finanziert. Die Schiffe dieser Klasse wurden 1956-58 fertig gestellt, und die letzten drei Einheiten, der Typ E 52B, folgten 1960. Die Schiffe der Le Corse-Klasse wurde Mitte/Ende der 1970er ausgemustert, ebenso fünf Einheiten der Le Normand-Klasse. Der Rest folgte bis Mitte der 1980er.

Technische Daten

Länge ü.a.: 39,7 m
Breite: 10,9 m
Tiefgang: 4,3 m
Verdrängung: 1250 ts Standard
Maschinenleistung: 20.000 PS, 28 kn
Reichweite: 4000 sm bei 15 kn

Bewaffnung
E 50 und, E 52A:
6 – 57 mm in Zwillingstürmen
2 – 20 mm Einzel-Lafetten
1 – 375 mm U-Jagd-Werfer (6-rohrig)
12 – 550 mm Torpedorohre in Drillings-Sätzen, 24 Torpedos

E 52B:
4 – 57 mm in Zwillingstürmen
2 – 20 mm Einzel-Lafetten
1 – 305 mm U-Jagd-Werfer (4-rohrig)
12 – 550 mm Torpedorohre in Drillings-Sätzen, 12 Torpedos

Der Bausatz

Vor gut 40 Jahren (1977-79) brachte Heller insgesamt sechs Modell der Escorteurs Rapides in 1/400 heraus, und zwar

  • Le Corse F-761 (E 50) im ersten Bauzustand, anders als auf dem Deckelbild aber schon mit U-Jagd-Werfer,
  • Le Brestois F-762 (E 50) mit früher Radarausstattung,
  • Le Bordelais F-764 (E 50) mit früher Radarausstattung, anders als auf dem Deckelbild aber mit vergrößerter Schornstein-Ummantelung,
  • Le Normand F-765 (E 52) mit später Radarausstattung,
  • Le Basque F-773 (E 52) mit großem Brückenblock und kurzem Brückenhaus,
  • L'Alsacien F-776 (E 52B) mit großem Brückenblock und verlängertem Brückenhaus.

In einem Katalog, den ich noch habe, waren allerdings einige Deckelbilder den falschen Modellen zugeordnet. Mitte der 1980er waren dann nur noch Le Brestois, Le Normand und L'Alsacien im Programm. Aber auch sie wurden Anfang der 1990er gestrichen. Nachdem Heller bereits für 2018 eine Neuauflage dieser Modelle angekündigt hatte, sind die beiden Bausätze jetzt erschienen. Sie stellen keine speziellen Schiffe dar, sonder allgemein Escorteurs Rapides, einmal vom Typ E 50 und einmal vom Typ E 52. Die Bauanleitung sieht für den Typ E 50 alternativ den Bau von Le Corse 1958, Le Brestois 1973, Le Boulonais 1957 oder Le Bordelais 1958 vor und für den Typ E 52 alternativ Le Gascon 1957, Le Breton 1961, L'Alsacien 1981 oder Le Provençal 1974. Mit den Bauteilen lassen sich aber auch alle anderen Schiffe und Bauzustände darstellen.

Der Inhalt

Die Bausätze kommen in einem deutlich überdimensionierten Klappkarton. Beim Öffnen der Schachtel erlebt man gleich einmal eine angenehme Überraschung. Sie enthält nämlich jeweils zwei in Plastikfolie eingeschweißte Kits. Das lässt den relativ hohen Preis dann doch recht angemessen erscheinen. Der Karton für den Typ E 50 beinhaltet alle Spritzrahmen, die schon in den früheren Bausätzen der Schiffe dieser Klasse enthalten waren.

Da ist zunächst der aus drei Teilen bestehende Rumpf. An der Unterseite des Decks befinden sich etliche Vorbohrungen, die je nach Modell aufzubohren sind.

Der Rahmen 1A enthält hauptsächlich die Waffen, aber auch Teile für den Unterwasser-Rumpf.

Die Rahmen 2B und 2C enthalten den Mast in der frühen Ausführung (2C) und in der späteren Ausführung (2B).

Am Rahmen 3D befinden sich die Teile für das 100 mm Geschütz und sein Leitgerät.

Der Rahmen 4G liefert die vordere Aufbautengruppe. Im Deck befinden sich zwei leichte Sinkstellen, die auch schon bei früheren Bausätzen vorhanden waren.

Das achtere Aufbautendeck und das dortige Deckshaus sind am Rahmen 5I.

Die Rahmen 6L und 6M enthalten den Schornstein, einmal in Standardausführung (6L) und einmal mit vergrößerter Ummantelung(6M).

Darüber hinaus gibt es noch einen Rahmen, dessen Teile nirgends in den Bauanleitungen auftauchen. Dem Anschein nach dürfte es sich hierbei um die Antennenausrüstung handeln, die für die Erprobung der ballistischen Raketen auf Le Savoyard installiert worden war.

Der Bausatz für den Typ E 52 enthält die gleichen Spritzrahmen, darüber hinaus aber noch weitere Spritzlinge.

Der Rahmen 3F enthält ein durchgehendes Aufbautendeck und den vergrößerten Brückenblock mit dem verlängerten Brückenhaus.

Eine geänderte Version des vorderen Aufbautendecks und die Teile für den separaten achteren Aufbau findet man am Rahmen 4M.

Der Rahmen 5J enthält den Brückenaufbau mit dem modifizierten Brückenblock für die ersten Schiffe des Typs E 52.

Der Rahmen 5K liefert schließlich noch den vergrößerten Brückenblock mit dem verlängerten Brückenhaus.

Außerdem findet man in beiden Bausätzen die ominösen Heller-Relings.

Ebenso vorhanden ist die von alten Heller-Bausätzen bekannte Ankerkette, die für diesen Schiffstyp aber erheblich überdimensioniert wirkt.

Die Abziehbilder

Der Abziehbilder-Bogen enthält beim Typ E50 Teile zur Darstellung des Wasserpasses, die Kennungen aller vier Schiffe dieser Klasse und die bei französischen Kriegsschiffen üblichen Motivtafeln sowie Flaggen.

Der Abziehbilder-Bogen für den Typ E 52 ist entsprechend ausgelegt. Neben den Kennungen für die vier in der Bauanleitung vorgesehenen Schiffe sind jedoch Zahlen und der Buchstabe F vorhanden, aus denen sich die Kennungen der übrigen Schiffe bilden lassen.

Außerdem gibt es in beiden Bausätzen zwei Bögen mit auf Glanzpapier gedruckten Signalflaggen.

Die Anleitung

Die Bauanleitungen zeigen den Zusammenbau in 15 bzw. 17 Schritten recht anschaulich, wenn man sich an das System gewöhnt hat. Eingangs der Anleitungen sind jeweils vier Schiffe gezeigt, die mit a bis c gekennzeichnet sind. Diese Buchstaben kennzeichnen dann auch in den einzelnen Baustufen die Unterschiede für die jeweiligen Schiffe.

Die Bemalungshinweise beruhen auf Humbrol-Farben, und zwar anscheinen noch auf denjenigen aus den 1970er Jahren. Humbrol 64 ist zwischenzeitlich jedenfalls deutlich dunkler als damals und für den Anstrich von Rumpf und Aufbauten ungeeignet. Eine ganz brauchbare schnelle Mischung liefert Revell 374 und 05 im Verhältnis 2:1. Um den exakten Farbton zu treffen, müsste man allerdings noch etwas Blau und eine Spur Rot beimischen. Da bin ich aber selbst noch am Experimentieren.

Quellen

  • Robert Dumas, Bertrand Mageur: Les Escorteurs Rapides (2018)
  • David Miller: The Illustrated Dictionary of Warships from 1960 to the Present (2001)
  • Conway's All the World's Fighting Ships 1947-1995 (1995)
  • Francis Dousset: Les navires de guerre français de 1850 a nos jours (1975)
  • Jane's Fighting Ships (div.Jahrgänge)

Fazit

1/400er Schiffsmodelle sind nicht gerade breit gestreut. Daher kommen diese Wiederauflagen sehr gelegen. Seinerzeit waren diese Modelle recht gut. Den hohen heutigen Standards entsprechen sie allerdings vor allem bei der Detaillierung nicht mehr ganz. Verglichen mit einigen Bausätzen aus den 1980ern, die ich noch im Keller habe, scheinen die Formen überarbeitet worden zu sein. Die beiden Sinkstellen stellen kein Problem dar, da man die aufgeprägte Gitterstruktur ohnehin entfernen sollte. Die neuen Abziehbilder sind dagegen voll auf der Höhe der Zeit. Damit entspricht die Qualität der Bausätze für sich betrachtet eigentlich eher Mittelmaß. Mit Nachrüst-Teilen (geätzte Relings von Saemann Ätztechnik oder L'Arsenal 2.0, verschiedene Resin- und Ätzteile von L'Arsenal 2.0) lassen sich jedoch ganz ordentliche Modelle bauen. Neben dem guten Preis-Leistungs-Verhältnis ist ein großes Plus der Bausätze, dass man jeweils zwei Modelle daraus bauen kann und dabei die Wahl zwischen mehreren von Varianten dieses interessanten Schiffstyps hat. Dies macht die Bausätze insgesamt doch

alt empfehlenswert

Falk Pletscher

Wir danken Glow2B für das Bausatzmuster