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Sea Lynx (Airfix, 1/72) von Frank Spahr Drucken
Mittwoch, 24. Januar 2007 um 00:43

Baubericht Airfix 1:72 Sea Lynx


Hin und wieder gibt es auf Modeling Madness Gruppenbauprojekte, nicht als Wettbewerb, sondern oft als Anreiz für viele, tatsächlich mal ein Modell zu [i]bauen[/i]. Es gab schon interessante Themen, und im letzten Juli hieß das Thema: Hubschrauber von Airfix. Es hieß, diese seien weltweit leicht aufzutreiben. Direkt danach ging Airfix Pleite (nicht daß das eine etwas mit dem anderen zu tun gehabt hätte), und es wurde deutlich schwerer, die Kits zu bekommen. In meinem Heimatort fand ich nichts im Laden. Ich entschied mich schließlich für den Lynx, weil er aktuell bei unserer Marine im Einsatz steht, und erstand ihn im Versandhandel. In der Adventszeit setzte ich mich schließlich, nachdem ich die passenden Farben bekommen hatte, hin und baute das Modell.

Das Vorbild


Der Westland Lynx (Erstflug 1971) ist seit mittlerweile 30 Jahren bei zahlreichen Land- und Seestreitkräften im Einsatz und wird immer noch weiterentwickelt. Seine durch den Vierblattrotor kompakte Größe macht ihn besonders geeignet als Bordhubschrauber mit der Möglichkeit, Unter- und Überwasserfahrzeuge mit Torpedos bzw. Luft-Boden-Raketen zu bekämpfen. Daneben unterstützt er mit montiertem MG die sogenannten Boarding-Teams bei der Untersuchung verdächtiger Schiffe, wie sie bei den heutigen Auslandseinsätzen der Marine oft gefordert werden. Die deutsche Marine benutzt seit 1981 den Lynx, zuerst in der von der britischen Marineversion HAS.3 abgeleiteten Exportversion, später durch Zukauf und Modernisierung der vorhandenen Geräte in der jetzt aktuellen Version Super Lynx Mk. 88A. Diese ist äußerlich erkennbar durch effizientere Rotorblätter mit keulenförmigen Enden, einen neuen Heckrotor, geänderte Fahrwerk - "Sponsons" und eine neu gestaltete Nase mit wesentlich erweiterten Ortungsmöglichkeiten, zu denen auch ein optionaler FLIR - Turm gehört. Der Lynx wird vom MFG 3 "Graf Zeppelin" in Nordholz zwischen Bremerhaven und Cuxhaven betrieben, augenblicklich hat die Marine 22 Lynx im Inventar.


Der Bausatz

Dieser ist schon älter (wie ja auch der Lynx schon länger im Dienst steht), aber er ist zwischenzeitlich um zusätzliche Teile aktualisiert worden. Laut dem Airfix Tribute Forum wurde er 1978 zuerst herausgebracht. 1988 wurde er ohne Änderungen an der Form als HAS.3 wieder aufgelegt. 2001 wurden die neuen Spritzlinge hinzugefügt, diesen Bausatz mit der Nummer 03063 habe ich gebaut.






Man kann also aus dem Kasten sowohl einen älteren als auch einen neueren Lynx bauen, mit unterschiedlichen Rotoren, Fahrgestell -"Sponsons" und geänderter Bugpartie, von den zahlreichen die ehemals rekordverdächtige Aerodynamik störenden Antennen und sonstigen Anbauten mal ganz abgesehen. Aber ein so nachgerüsteter Hubschrauber hat ja auch seinen ästhetischen Reiz.
Der Blick in den Baukasten zeigt zuerst die Spritzlinge des Ursprungsbausatzes. Sie haben feine erhabene Gravuren und entsprechen im Standard ihrer Zeit. Pilotenfiguren liegen bei, die Armaturenbretter weisen erhabene Pünktchen auf, Decals hierfür fehlen. Die Sitze zieren schwer zu entfernende Auswerfermarken, die allerdings normalerweise unter den Hosenböden der Piloten verschwinden würden.
Die neuen Teile (Abb.2) sind aus einem andersfarbigen Kunststoff gespritzt; die Form ist generell weich und abgerundet, klare, scharfe Kanten vermisst man. Besonders die Sitze in der Kabine (ich kenne allerdings das Original nicht) wirken extrem abgerundet und detailfrei. Die Teile sind jedoch durchweg sauber gespritzt; leider finden sich einige Auswerfermarken und einige Sinkstellen. Die Passung ist natürlich nicht auf dem Stand heutiger Wunderkits. Generell fehlen die Schutzgitter vor den Lufteinläufen, die die deutschen Lynx meist tragen. Echte Lynx - Spezialisten werden an allen Bausätzen viele Abweichungen vom Original finden, siehe das Link aus dem Flugzeug-Forum am Ende dieses Artikels.
Die Klarsichtteile sind etwas dick, aber klar und wenig verkratzt. Die Bauanleitung führt in 23 Schritten zum Ziel und ist sauber gezeichnet. Die Unterschiede zwischen den vier Vorbildmaschinen sind deutlich gekennzeichnet. In den Schritten 21 und 22 sind Teilenummern durcheinandergeraten zwischen den Abdeckungen für die vorderen Kufenstützen und einer der Blattantennen unter dem Heck. Die Farbangaben beziehen sich wie stets nur auf Humbrol-Farben, hier muß man sich erst einmal heraussuchen, welche Farbtöne damit gemeint sind, z.B. bei IPMS Stockholm (s. Quellen). Einige Farbtöne muten allerdings etwas wunderlich an.
Die Decals erlauben die Markierung von vier Einsatzmaschinen: Eine HMA 8 der Royal Navy von RNAS Yeovilton aus dem Jahr 2000, eine spezielle Antarktisversion HAS 8 ICE für HMS Endurance von 1996, eine Super Lynx Mk. 88 A des MFG 3 der deutschen Marine aus Nordholz von 2001 und schließlich eine Mk. 21A Super Lynx der brasilianischen Marine von 1998. Die Decals sind - wie leider so oft bei Airfix - mit Versatz gedruckt und eher empfindlich in der Verarbeitung.
Mittlerweile habe ich mir auch den Lynx von Revell angeschafft; dieser ist die Wiederauflage des alten Matchbox-Bausatzes und gibt den Rüstzustand der Mk. 88 wieder, der seit etwa 1996 nicht mehr bei der Marine anzutreffen ist - also alte Rotoren, Nase, Sponsons und Antennen. Der Bausatz ist weitgehend anders aufgeteilt und wirkt für mein Empfinden schlechter als der Airfix - Lynx, was Detaillierung und Formwiedergabe angeht - hier wird irgendwie alles rund. Die Gravuren sind Matchbox-typisch entweder leicht erhaben oder ernsthaft vertieft. Enthalten sind jedoch die Abdeckungen für die Lufteinläufe und die beiliegenden Decals sind sauberer gedruckt als diejenigen von Airfix - leider fehlt jedoch ein deutsches Kreuz. Bei meinem Bausatz war die Frontscheibe zerbrochen, ich warte noch auf Abteilung X.







Der Bau


Vor dem Bauen stand hier die Frage: Wie weit willst Du gehen? Ich schaute nicht wirklich gründlich und eher alibimäßig nach, ob Eduard Ätzteile für die Lynx anbietet, wurde nicht fündig und gab die Idee auf, mehr als aus dem Kasten zu bauen. Dann fragte ich mich, welche Farben hier zu benutzen sind. Ich schrieb mir die entsprechenden Bezeichnungen der Humbrol-Farben heraus und schaute, was ich an passenden Döschen besaß. Eine Nachfrage im Modellboard brachte den Verweis auf Jens Popps Seiten zu Tarnfarben und den Hinweis auf die passenden RAL-Farben für die Marinefliegerversion, die ich bauen wollte. Ich hatte auch ein sehr nettes Telefonat mit Jens und erhielt einige Tips zur Verwendung seiner Acrylfarben. Da er augenblicklich die Rezepturen umstellt, um den neuen EU - Richtlinien zu genügen, dauerte es etwas, bis ich die Farben vom Versandhändler bekam. Das Tarnschema ist ganz einfach und besteht aus RAL 7012 Basaltgrau für die Oberseiten und RAL 7035 Lichtgrau für die Rumpfunterseite.

Die Verglasungen wurden vorsichtig mit Weißleim eingeklebt, nachdem die Schleiferei soweit beendet und das Modell gesäubert war. Die vorderen unteren Sichtfenster wurden aus Weißleim = Kristal Kleer erstellt. Vor dem Lackieren wurden die Klarsichtteile mit Parafilm M maskiert.
Beim Bau begann ich damit, die benötigten Teile herauszulegen und in der Bauanleitung zu markieren, welche Wahl ich wo treffen mußte. Wo möglich, baute ich Unterbaugruppen zusammen, die ich spachteln und schleifen konnte. Spachteln und schleifen war dann auch eine meiner Hauptbeschäftigungen, denn auch wenn die Passung nicht wirklich schlecht war, gut war sie wirklich nicht. Es ist eben ein alter Bausatz, der durch die zahlreichen neuen Teile nicht einfacher geworden ist. Der Übergang zwischen Rumpf und Nase schluckte einiges an Spachtel, ebenso wie die Mittelnaht und besonders die Abdeckplatten am Boden für die Kufenaufnahmen. Aber auch die Sponsons und Teile der Sensoren mußten gespachtelt werden.


Ich trennte die anmodellierten Lüftungsgitter über dem Heckrotorgetriebe heraus und ersetzte sie durch fotogeätzten Maschendrahtzaun von Saemann. Dieses Material, weichgeglüht, zurechtgeschnitten und - gebogen, benutzte ich auch für die Schutzgitter über den Lufteinläufen. Ich bin nicht zufrieden mit ihnen, aber wollte irgendwann einfach nicht mehr.
Wo möglich, wurde frühzeitig bemalt, das galt etwa für die Rotoren und die Inneneinrichtung. Ich füllte die Auswerfermarken an den Sitzen so gut wie möglich, bedachte aber auch, daß durch die eher dicken Scheiben sowieso nicht viel zu sehen sein würde. Die Kabinentüren wurden zugeklebt, um unerwünschte Einblicke zu vermeiden.
Als nächstes wurde das Modell mit Emailfarbe grundiert, um übriggebliebene Macken sichtbar zu machen. Nach den notwendigen Korrekturen konnten die meisten Anbauteile, von denen ein moderner Lynx übersät ist, angeklebt werden. Dann konnte die Unterseite mit RAL 7035 gespritzt werden.


Ich bin noch am Lernen, was Acrylfarben angeht. Man muß immer wieder mit dem Druck und dem Gemisch experimentieren und aufpassen, daß sich nicht an der Saugkappe oder um die Düse Farbe sammelt, die dann plötzlich vom Luftstrom mitgerissen wird und ein häßliches Klecksmuster (ich nenne es "Sprotz") hinterläßt. Regelmäßiges und sehr vorsichtiges Reinigen der Saugkappenmündung mittels eines in Azeton getränkten Pinsels ist empfehlenswert. Die Mischung sollte nicht zu dünn, aber auch nicht zu dick sein; als Verdünner eignet sich sowohl der Verdünner von JPS als auch (destilliertes bzw. entmineralisiertes) Wasser; nach meinen positiven Erfahrungen mit den Xtracrylix - Acrylfarben habe ich auch hier mit Sidolin Streifenfrei gut arbeiten können. Im Gegensatz zu Xtracrylix funktioniert hier jedoch kein reiner Alkohol als Verdünner, nur mit Wasser verdünnter - sonst kommt es zu Ausfällungen!
Was mir generell an Acrylfarben gut gefällt, ist der fehlende Farbunterschied zwischen gespritzter und gepinselter Farbe, der Nachbesserungen einfacher macht. Die neuen Flaschen von JPS gefallen mir auch gut, sie sind sehr ergiebig, gut dosierbar, risikoarm hinsichtlich Umkippen und sie machen den Eindruck, als sei Eintrocknen kein Thema.


Grundsätzlich brauchen die neuen Farben nicht mit einer Grundierung verarbeitet zu werden und haften trotzdem gut am (entfetteten) Kunststoff. Allerdings bedeutet diese verbesserte Haftung am Kunststoff auch, daß Klarsichtteile im Gegensatz zu der früheren Rezeptur auf jeden Fall abgeklebt werden sollten.
Zum Auftragen der Decals überzog ich die seidenmatte Farbe mit einer hochglänzenden Schicht Future, was sich als sehr gute Entscheidung herausstellte, denn die Decals zeigten sogar jetzt noch eine besorgniserregende Tendenz zum Silbern. Zudem waren sie sehr empfindlich, neigten dazu, sich zusammenzukringeln oder gleich mal auseinanderzureißen. Die MARINE - Schriftzüge mußte ich denn auch nachbessern. Der Versatz machte sich ebenfalls störend bemerkbar und führte zu Nacharbeiten. Schließlich erreichte ich den Punkt, an dem ich nicht mehr weiter wollte, überzog das Modell mit seidenmattem Klarlack, entfernte die Maskierungen, brachte die letzten Kleinteile an, setzte den Rotor auf und sagte Hasta la vista.


Fazit


Wenn man sich die Zusammenstellung der Experten im Flugzeug-Forum durchliest, kommt man schlecht um den Airfix-Bausatz herum, wenn man einen aktuellen Lynx bauen will. Und dann muss man eben mit den Unzulänglichkeiten dieses Kits klarkommen. Für einen Schnellschuss, der in wenigen Tagen gebaut wurde, gefällt mir meiner auf eine gewisse Entfernung recht gut. Kriegt er eben wie eine alternde Diva einen Vertrag, der Nahaufnahmen verbietet ;-)


Quellen:


Natürlich Wikipedia:
de.wikipedia.org/wiki/Westland_Lynx
en.wikipedia.org/wiki/Westland_Lynx

Eine sehr schöne Seite mit vielen Informationen über den Lynx von einem "Spotter":
etmn-nordholz.de/lynx.htm
Das Airfix Tribute Forum über alle Aspekte der englischen Traditionsfirma:
airfixtributeforum.myfastforum.org
Ein Diskussionsthread über die erhältlichen Bausätze aus dem Flugzeug-Forum
www.flugzeugforum.de
Farbtabellen zur Identifikation der Humbrol-Farben bei IPMS Stockholm
ipmsstockholm.org/colorcharts/
Jens Popps sehr hilfreiche Farbübersichten zum Umsetzen der Modellbaufarben in die korrekten RAL-Farben sowie seine RAL-Farben:
www.jpsmodell.de

von Frank Spahr