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Baubericht Brigg Irene (1/50) - Teil 24 Anker Drucken
Freitag, 23. Januar 2009 um 07:00

Und wieder gibt es eine kleine Verzögerung beim Bau. Schuld sind diesmal die Anker, die ich normalerweise schon am Modell montiert haben wollte. Die Anker habe ich schon relativ früh im Zubehör gekauft (schon kurz nach Baubeginn) und zu dieser Zeit eigentlich für schön befunden. Als sie jetzt wieder das Licht der Welt erblickten und einer neuerlichen Begutachtung unterzogen wurden, war das Ergebnis nicht mehr so positiv.

Der Ankerschaft war bei beiden Ankern ziemlich verbogen, was auf dem Bild nicht so richtig zu erkennen ist. Außerdem ist der Ankerstock aus einem Stück (real waren es zwei) und dessen Maserung verläuft in die falsche Richtung. Hinzu kommt auch noch das ich nur zwei gekauft hatte aber drei Stück brauche und das sie eigentlich zu klein sind. 
Das I-Pünktchen war dann noch das Ergebnis einer versuchten Korrektur das Ankerschafts - naja, hätte ich mir denken können, dass man Spritzguss nicht kalt verformen kann.

Nach reiflicher Überlegung überwand ich mich dann Neuland zu betreten. Und zwar die Anker selbst aus Zinn zu gießen. Hierzu gibt es im Internet ja genug Infos. Hauptbeweggrund war die Tatsache, dass alle drei Anker der Irene gleich groß waren.

So, als erstes musste eine Form her. Für dessen Herstellung wiederum galt es erstmal einen Rohling herzustellen. Der Anker ist im Buch von Petrejus maßstabsgetreu abgebildet. Petrejus stützt sich dabei auf einen von Steel wiedergegebenen Admiralitätsanker aus dem Jahr 1794. Die Maße ergeben sich aus dem Gewicht von 1016 kg. Um den Aufbau eines solchen Ankers etwas zu verdeutlichen möchte ich ein paar Zeilen aus dem Buch anführen:

"Ein Anker bestand aus einer Reihe zusammengeschmiedeter Eisenstäbe. Der Schaft war rund oder achtkantig mit Ausnahme des Kopfendes, das als Vierkant geschmiedet war, um so ein Drehen des dort angebrachten Stockes zu vermeiden. Die Verbindungsstelle zwischen Schaft und Armen nannte man das Kreuz. Die „Flunken“ oder „Hände“ bestanden aus breiten dreieckigen Platten, die etwas in die doppelt so langen Arme eingelassen und mit ihnen vernietet waren."

Für die Herstellung eines Rohlings entschloss ich mich für die inzwischen doch recht weit verbreitete Methode mit Klebeetiketten. Also den Anker schnell mal auf ein selbstklebendes Etikett (ich benutze A4-Etiketten) gedruckt, auf entsprechende Holzteile geklebt und diese dann bearbeitet. Nach der entsprechenden Bearbeitung und dem Zusammenleimen kam dann dies als Ergebnis heraus:

Die rote Farbe diente zum besseren Erkennen der unten anzubringen Anfasung.

Mit diesem Rohling habe ich dann die folgende Form aus Silikonkautschuk hergestellt. Hierbei habe ich ein wenig von Laszlo (flämische Galeone) abgekupfert, der mir vor geraumer Zeit eine ähnliche gezeigt hat.

Normalerweise sollte aus dieser Form ein kompletter Anker herauskommen. Leider lief das Zinn aber nicht in die sehr engen Vertiefung für die Flunken (Waagrechte Platten auf den Ankerarmen). Nach drei oder vier Gießversuchen habe ich kurzerhand entschieden die Flunken separat herzustellen und anzubringen.

Aus diesem Grund habe ich diese dann wieder vom Rohling entfernt und zum Gießen in der Form belassen, so dass dann dieses Ergebnis zum Vorschein kam:

Oben links sieht man wie ich das Zinn mit dem Eislöffel meiner Frau und dem Fonduebrenner zum Schmelzen gebracht habe. Im übrigen hab ich stinknormales Lötzinn verwendet, da nichts anderes so schnell zur Hand war.
Danach folgte dann die Herstellung der Flunken aus Zinkblech und der Ankerstöcke

Für die Stöcke fand schon seit Baubeginn gelagertes Nussbaumholz endlich seine endgültige Bestimmung (jedenfalls ein kleiner Teil davon).
Und so sieht das Ganze dann zusammengebaut aus:

Die Flunken sind mit einem Spezialkleber aufgeleimt.
Es war zwar ein großer Aufwand, ich denke aber, dass es sich gelohnt hat

Jürgen Nicklis