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S.M. Wohnhulk Oldenburg (Pro-Model, 1/250) von Michael Kaintoch - Teil 1: Rumpf Drucken
Donnerstag, 26. Februar 2009 um 07:00

Das Original

Es soll ja Leute geben, die unbedingt eine Bismarck bauen wollen. Ich will keine Bismarck. Ich will eine Hulk!

Im Gegensatz zur Bismarck sind Hulken nicht gerade bekannt, geschweigedenn populär. Deswegen erstmal eine kleine Definition, zitiert aus Wikipedia:

"Als Hulk bezeichnet man ein Schiff, das keinen Antrieb mehr hat, insbesondere Segelschiffe, deren Masten verloren gegangen oder entfernt worden sind. Auch ehemalige Dampf- und Motorschiffe, die ohne funktionsfähigen Antrieb im Hafen oder auf Reede liegen, so genannte Auflieger, werden als Hulk bezeichnet. [...] Hulken dienen vielen Zwecken, zum Beispiel als Wohnschiffe, Gefängnisse, Lagerräume oder als Kohlebunker."

So zog z.B. das Aufkommen des Torpedobootes ab den 1870er und 1880er Jahren einen vermehrten Bedarf an Wohnraum nach sich. Die damaligen Torpedoboote waren schlichtweg zu klein, als dass ihre Besatzung hätte dauerhaft an Bord wohnen können. Diesen Bedarf deckte man z.B mit Wohnhulks, die man durch Abrüsten aus veralteten Kampfschiffen gewann. Häufig wurde dem Schiff dabei auch ein großes, hölzernes Deckshaus aufgesetzt, was weiteren Wohnraum ergab. Ein schönes Beispiel ist die SMS Hansa, ein ehemaliges Kasemattschiff, die als Kasernenschiff der II. Torpedoabteilung im Kieler Torpedobootshafen lag (Postkarte um 1900).

Das Modell

Ausgangsmodell

Eine Hulk gibt es nicht als Modell zu kaufen, da ist man auf Selbstbau angewiesen. Schlimmer noch, es gibt auch keine geeigneten Schiffsmodelle, die man umbauen könnte. Immerhin, es gibt wenigstens von einem Kasemattschiff der Kaiserlichen Marine einen Bogen, allerdings weder von der SMS Hansa noch von der SMS Kaiser (die beide als Wohnhulks endeten) sondern von der SMS Oldenburg, die ja bekanntlich als Zielschiff aufgebraucht wurde. Da ich den Mehraufwand eines vollständigen Selbstbaus aber nicht auf mich nehmen wollte (als Vater eines Kleinkindes und Dosenöffner einer Hauskatze darf man so bequem sein!) und mir für ein historisch korrektes Modell auch die nötigen Unterlagen fehlen, habe ich mich dann dazu entschieden, die Geschichte großzügig zu verbiegen und meine Hulk auf der Basis der Oldenburg zu bauen.

Ursprünglich wurde die Oldenburg als gedruckter Bogen im Maßstab 1:200 von dem Polnischen Verlag Pro-Model herausgebracht, den hätte ich für meine Zwecke auf alle Fälle einscannen und überarbeiten müssen. Einstweilen ist der identische Bogen auch als Download von GreMir Models (www.gremirmodels.com/) erhältlich. Leider sind die Grafikdaten durch einen speziellen Viewer vollständig vor einem direkten Zugriff verborgen, das macht einige notwendige Änderungen nicht gerade einfach. Ich habe mich, der besseren Druckqulität wegen, dennoch für den Download entschieden.

Vorarbeiten

Zunächst müssen die einzelnen Bögen ersteinmal ausgedruckt werden, und dabei nehme ich auch schon die erste Veränderung vor: Durch ein simples Umstellen des Druckertreibers auf Graustufendruck verwandle ich das 74er schwarz/gelb der Oldenburg in das vorschriftsmäßige 95er schwarz/grau für "Betriebs- Werft-, Lotsenfahrzeuge, Hulks, Prähme u.ä., Kasernenschiffe". Alle Bullaugen und Oberlichter färbe ich dann noch blaugrau (Copic Marker B45 "Smoky Blue"). Außerdem drucke ich die Bögen mit 80% ihrer ursprünglichen Größe aus um auf meinen üblichen Maßstab von 1:250 zu kommen.

Die Teile für das Spantengerüst auf eine Gesamtstärke von 2 mm (im ursprünglichen Maßstab 1:200) zu verstärken, dazu empfehlen die Verlage üblicherweise Graupappe. Graupappe ist aber wirklich ein grauenhaftes Material, man braucht unglaublich viel Kraft um sie zu schneiden und außerdem macht die Graupappe jede Klinge in nullkommanix stumpf. Ich ziehe meine Spanten auf 1,5 mm starke Finnpappe auf, die läßt sich wesentlich besser verarbeiten (Wer nicht weiß, was Finnpappe ist, werfe bei seinem nächsten Kneipenbesuch mal einen Blick unter sein Bierglas. DAS ist Finnpappe!).

Die Decks bedürfen auch noch der Nacharbeit, die Plankentextur ist zu grob und die Farbe (blaßgelb!) grausig (auch wenn von der natürlich nichts mehr übrig ist). Die Grafikdaten kann ich ja, wie gesagt, nicht bearbeiten, also gehe ich so vor: Als erstes erzeuge ich mir eine Deckstextur nach meinem Gusto und bedrucke damit großzügig einen Bogen Karton. Dann schneide ich die Markierungen für die Poller, Lüfter, Oberlichter und Ähnliches (darf ruhig grob sein) aus den Decks der Oldenburg aus, danach die Beplankung (das muß jetzt genau gehen). Nachdem ich die Decks mit Fixogum (o.ä.) auf meiner Textur fixiert habe, lege ich die ausgeschnittene Beplankung zurück in den Bogen und markiere die Positionen für die Poller etc. Dann schneide ich die neue Beplankung vorsichtig entlang des ursprünglichen Bogens aus. Zuletzt ziehe ich die Decks auf die Verstärkungspappe auf, wobei ich natürlich meine neue Beplankung verwende. Dieser Aufwand beschränkt sich im Übrigen auf Back und Schanz, da alle anderen Decksflächen ja unter dem großen Deckshaus verschwinden werden.

Rumpf

Nach diesen Vorarbeiten beginnt der eigentliche Rumpfbau, wie üblich, mit dem Spantengerüst. Das geht wirklich flott, die Spanten werden zusammengesteckt und sorgfälltig ausgerichtet. Dann läßt man dünnflüssigen Sekundenkleber in die Stoßkanten laufen, haucht noch einmal drauf und schon hält die Klebung bombenfest.

Sind dann auch noch die Decks montiert, wird das Rumpfgerüst verschliffen bis kein Spant mehr ungebührlich hervorsteht. Danach wird die Außenhaut aufgebracht. Ich habe mit den Bug- und Heckteilen begonnen, gefolgt vom Mittelteil und der oberen, eingezogenen Bordwand. Besser ist es allerdings zuerst Bug-, Mittel- und Heckteile miteinander zu verkleben und dann als Ganzes über das Rumpfgerüst zu stülpen.

Nach den Bordwänden werden noch die Kasematten montiert. Wie auch beim Rumpf sind die Geschützpforten ausgeschnitten und mit selbstgezeichneten Fenstern hinterlegt.

Eine weitere Modifikation betrifft die Ankerklüsen: Die waren im Original mit Klappdeckeln verschlossen. Diese Deckel waren an den Hulken aber entfernt worden und so muß ich noch die Kettenrohre ergänzen, die am Modell so nicht vorgesehen sind.

Ausblick

Der Rumpf meiner Hulk ist jetzt fertig, als nächstes kommt die Gestaltung der Deckshäuser.

Weiterführende Links

Mein Baubericht auf Kartonbau.de, einschließlich Klatsch, Tratsch und Monty Python's Flying Circus:
www.kartonbau.de/wbb2/thread.php

Jürgen Dülls Baubericht der SMS Oldenburg als Panzerkorvette auf Kartonist.de:
www.kartonist.de/wbb2/thread.php

Wilhelmshaven-maritim mit zahlreichen Postkartenansichten von Wilhelmshaven zur Kaiserzeit; unter den Motiven auch mehrere Wohnhulks:
whv-maritim.blogspot.com/2007_01_01_archive.html  und
whv-maritim.blogspot.com/2007_02_01_archive.html

Michael Kaintoch