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USS Buchanan bei der Bergung Schiffbrücher in 1/350 von Sven Schönyan Drucken
Montag, 11. April 2011 um 07:00

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Das Original

In der einschlägigen Literatur werden die 96 Einheiten umfassende letzte vor dem Zweiten Weltkrieg für die US Navy gebaute Zerstörerklasse gerne als Benson-/Gleaves-/Livermoore- und Bristol-Klasse bezeichnet. Dabei dient die Unterteilung hauptsächlich zur Unterscheidung verschiedener technischer bzw. vor dem Krieg waffentechnischer Details. Ende des Krieges waren alle verbliebenen Zerstörer dieses Typs hinsichtlich der Bewaffnung sehr ähnlich.

Bei der Benson-Klasse handelt es sich um eine Weiterentwicklung der Sims-Klasse. Erstmalig wurde auf Zerstörern die Antriebsanlage in Kesselraum - Turbinenraum – Kesselraum – Turbinenraum unterteilt. Somit führte ein Torpedotreffer in einem dieser Räume im Gegensatz zu früheren zusammengefassten Antriebsräumen nicht zwangsläufig zum Ausfall der Antriebsanlage.
 

Technische Daten:


Verdängung:          2590 ts vollbeladen
Länge:                  106,2 m
Breite:                  11 m
Tiefgang:              5,4 m
Antriebsleistung:    50.000 PS auf zwei Wellen
Geschwindigkeit:    35 kn
Fahrtstrecke:         3880 sm bei 20 kn
Besatzung:            17/228

 Quelle und weiterführende Literatur: Stefan Terzibaschitsch, Zerstörer der U.S. Navy, Bechtermünz Verlag, ISBN 3-86047-587-8

 Das Modell

Die Szene stellt USS Buchanan bei der Bergung Schiffbrüchiger dar. Dies ereignete sich nach einem Nachtgefecht mit japanischen Einheiten vor Guadalcanal am 9. August 1942.
Das Schiff hat gestoppt und bereitet sich auf die Bergung der neben dem Schiff in Rettungsflößen treibenden Schiffbrüchigen vor. Der Steuerbordkutter wird gerade zu Wasser gelassen und das Kletterrettungsnetz ist ausgebracht. An Oberdeck steht die Freiwache bereit die Überlebenden zu versorgen bzw. das Geschehen zu beobachten.

Als Grundlage diente der hervorragende Dragon-Bausatz der USS Buchanan im Bauzustand 1942. Zuerst wusste ich nicht so recht, wie das Schiff dargestellt werden sollte. Jedoch war von Anfang an klar, daß ich das aufwendige Dreifarbton-Tarnschema des Schemas 12 aufbringen wollte und nicht das langweilige alternative Ende 1942 gefahrenen Schema 21 (Blau über alles). Also suchte ich ein Ereignis, an welchem die Buchanan teilnahm und wobei sie das aufwändige Tarnmuster führte. Kurz nach dem Kauf des Bausatzes legte ich mir das Heft der Serie Warship Pictorial über die Buchanan zu. Darin fand ich schließlich im Table Record of Movement die hier dargestellte Szene.

Wegen der hervorragenden Qualität des Bausatzes verzichtete ich zunächst auf den Zukauf von Ätzteilen der Firma WEM oder GMM. Cyber Hobby hatte für diesen Bausatz einen entsprechend zugeschnittenen Ätzsatz, welcher hauptsächlich die Reling und die Radarantennen ergänzte, im Angebot. Dies war für mich ausreichend. Als ich dann nach langem Warten die Platine bestellen wollte, war sie ausverkauft und auch nicht mehr in Übersee zu bekommen.

Was nun? Irgendwann entschied ich mich dann den für den Tamiya Fletcher zugeschnittenen Ätzsatz der Firma Eduard zu kaufen und entsprechende Teile zu verwenden. Dies beschränkte sich auf die Reling und das Radargerät der Feuerleitstandes. Für das im Top des Hauptmastes angebrachte SC-Radar bestellte ich noch das US Navy WWII Radar Set von WEM.

Der Bau selbst stellte keine Probleme dar. Hier und da wird es etwas knifflig, da z.B. für die 20 mm Oerlikon Flak sieben Teile verbaut werden sollen. Auf den Rumpf klebte ich die Decks. Die Aufbauten beließ ich zum besseren Lackieren in einzelne Decks. Zuerst wurde das Unterwasserschiff mit Revell 37 und der Wasserlinienstreifen mit Gunze H77 Lackiert. Danach bekamen die Decks eine Lackierung mit Gunze H56. Die Decks wurden anschließend maskiert und die Seitenflächen der Aufbauten und das Überwasserschiff mit Gunze H317 lackiert.

Mein eigentlicher Plan war, das Tarnschema des Rumpfes, welches im Bauplan im Maßstab 1/350 abgedruckt ist, zu kopieren und auf Masking Tape zu übertragen. Da dies aber nicht so recht funktionierte, habe ich das Muster schließlich mit dem Pinsel frei Hand aufgetragen. Für das dunkle Blau verwendete ich Gunze H54 das Hellgrau ist Model Master 1728. Die Turmdecken (H56) und die Tarnflecken auf den Aufbauten und den Schornsteinen (1728) habe ich ebenfalls gepinselt.

Nachdem der Lack getrocknet war wurden die einzelnen Baugruppen mit glänzendem Klarlack überzogen. Die senkrechten Flächen bekamen verschiedenen Filter und Washing mit Ölfarbe und anschließend wurden sie mit Model Master 1728 trockengebürstet. Auf das Oberdeck wurden die rutschfesten Bereiche, dargestellt durch Decals, aufgebracht.
Jetzt war es an der Zeit die einzelnen Baugruppen und Decksgegenstände (z.B. Munitionskisten, Peilgeräte, etc.) an den Rumpf zu kleben. Zur Versiegelung der verschiedenen Farbschichten wurde das gesamte Modell mit mattem Klarlack geairbrusht.

Während des Baus betrachtete ich immer wieder die Bilder in dem Heft Warship Pictorial. Irgendwann fiel mir dabei auf, dass auf den querabfeuernden Wabowerfern Details zu erkennen waren, welche sich auch im Modell umsetzen ließen. Um die Wabos nachzuladen, werden diese mit Hilfe von oben aufliegenden Riegeln aus ihren Lagerböcken auf die Werferstation gehoben. Als Riegel klebte ich kleine Stücke Evergreenprofile auf die tonnenförmigen Wasserbomben. Zwischen diese, den Umlenkrollen am Davit und der Belegklampe wurde Angelschnur gespannt.

Die in den Ätzplatinen lackierten (H317) Teile der Reling wurden nun an den entsprechenden Stellen befestigt. Dazu habe ich die Relingstücke vor den Festkleben an die entsprechenden Stellen am Rumpf angepasst/vorgebogen. Zum Befestigen punkte ich die Reling zunächst an einigen Stellen mit Sekundenkleber Gel an und lasse danach sehr dünnflüssigen Sekundenkleber in den Spalt zwischen unterem Steg und Deck laufen.

Als nächstes wurde der abgefierte Kutter an Angelschnur aufgehängt und die herabhängenden Tampen angeklebt. Ebenso stellte ich die Takelage mit Angelschnur dar. Für das Kletterrettungsnetz benutzte ich ein aus einem Panzerbausatz übriggebliebenen engmaschiges Geflecht. Ich schnitt ein entsprechend großes Stück aus dem Geflecht und versah es mit Gunze H27. Dieses wurde an die Bordwand geklebt. Die Halteseile sind ebenfalls aus Angelschnur.

Da die von Dragon beigelegte Hoheitsflagge als Aufkleber ausgeführt ist und dadurch viel zu dick erscheint, verwendete ich als solches ein Anziehbild aus einem alten Decalbogen.
Die Besatzungsfiguren stammen allesamt von Goffy. Jeweils zehn Figuren in derselben Pose sind auf einem Riegel gegossen. Noch auf den Riegeln habe ich die Figuren angepinselt. Anschließend wurde diese matt klarlackiert.
Die Besatzung wurde entsprechend der Szenerie auf dem Schiff verteilt. Der Kommandant, der Fahr-WO und die Brückenbesatzung sind auf die Nocken verteilt. Auf dem Peildeck sind zusätzliche Ausgucks. Auf dem Steuerbordseitendeck findet sich die Bootsmannsgruppe. Mehrere Seemänner helfen beim Abfieren des Kutters. Auf der Back und der Schanz steht die Freiwache bereit. Auf dem Backbordseitendeck gönnen sich die Smuts und ein paar andere Matrosen eine kleine Pause.

Die Rettungsflöße habe ich einen anderen Bausatz entnommen. Vorsichtig habe ich die darin befindlichen Figuren gebogen, um sitzende Posen darzustellen.
Die Wasserfläche des Dioramas habe ich aus einer 20 mm starken Styrodurplatte gefertigt. Die beidseitige wabenartige Struktur wurde mit einem speziellen Syropor-Fräser plan gefräst. Danach habe ich mit einem Schleifaufsatz für die Proxxon die Wellenstruktur geschliffen. Da die Szene in einem ruhigen Gewässer unter Landdeckung stattfindet sollten auch die Wellen gleichmäßig sein. Nun wurde die Position des Schiffes festgelegt und dafür ein entsprechender Ausschnitt in das Styrodur geschnitten.

Die Wasserfläche wurde mit einem Blauton lackiert. Anschließend wurde alles mehrmals mit verdünnten Acrylgel überzogen. Der Spalt zwischen dem danach eingesetzten fertigen Modell und der Grundplatte wurde ebenfalls mit Acrylgel geschlossen. Die Wellenkämme wurden ganz leichte mit Weiß trockengebürstet. Beim späteren Betrachten der Grundplatte samt Modell sagte mir das Wasser dann leider doch nicht so zu, wie ich eigentlich wollte. Nun war das Diorama allerdings schon fast fertig und mir blieb keine Zeit mehr, diesen Umstand zu ändern, da ich es auf der Modellbauausstellung in der Flugwerft in Oberschleißheim präsentieren wollte.
Abschließend klebte ich noch die Rettungsboote auf die Wasserfläche und verband diese mit lackierten Kabellitzen.

 Fazit

Bei meinen Flugzeugmodellen lege ich meistens kaum Wert darauf, ob der Bausatz authentisch genug ist oder nicht. Ab und zu ein paar Ätzteile für das Cockpit, ansonsten nehme ich den Bausatzinhalt hin, wie er ist. Im Gegensatz dazu sollen meine Schiffsmodelle eine reale Situation so gut wie möglich wiedergeben. Entsprechend lange benötige ich somit auch für den Bau eines Modells, da mir immer mehr verbesserungswürdige Details auffallen. Zusammen mit dem Warten auf Zurüstteile hat der Bau des Dioramas etwas über ein Jahr gedauert. Auch wenn ich mit dem Wasser nicht ganz zufrieden bin, erfreue ich mich doch immer wieder an dem Diorama. Ich wünsche Euch viel Spaß beim Betrachten der Bilder.


Sven