Modellsuche

Suchen

GTranslate

English French Italian Japanese Russian Spanish Swedish

Bronco Models: Landungsschiff USS San Antonio (1/350) Drucken
Dienstag, 10. Januar 2017 um 06:00

USS San Antonio Deckelbild

Modell: USS San Antonio (LPD-17)
Hersteller: Bronco Models
Maßstab: 1/350
Material: Kunststoff, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: 5051
Preis: 129,99 €

Das Original

Die USS San Antonio ist eines von bislang sechs in Dienst gestellten “Amphibious Transport Docks”. Aufgabe dieser Schiffe ist es, amphibische Verbände anzulanden. Dies erfolgt im Rahmen einer „Expeditonary Strike Group“. Diese Angrffsverbände gruppieren sich um ein amphibisches Angriffsschiff (Amphibious Landing Ship - Wasp-Klasse oder America-Klasse). Eskortiert werden diese Gruppen von Zerstörern oder Kreuzern sowie U-Booten. Die amphibischen Dockschiffe übernehmen die Transportkomponente für die anzulandenden Bodentruppen, bestehend aus bis zu 800 Soldaten einschließlich Fahrzeugen.

Hierfür stehen rd. 2.300 m³ Laderaum zur Verfügung. Weiterhin können bis zu 700 m³ Laderaum für Munition und 1.200 m³ Laderaum für Treibstoffe genutzt werden. Flugzeuge und Hubschrauber sind auf den Schiffen der San Antonio-Klasse nicht dauerhaft stationiert. Für die zwischenzeitliche Aufnahme stehen aber Decksflächen und Hangars inklusive Personal zur Verfügung.

Im Einsatzfall erfolgt die Einschiffung der Landungstruppen über ein flutbares Welldeck im Inneren des Schiffes (unter dem Flugdeck). In diesem Deck ist Platz für ein Mehrzweck Landungsboot (Landing Craft Utility), zwei Luftkissen-Landungsfahrzeige (Landing Craft Air Cussion) oder bis zu zwölf AAV7 (”Amtrac” Landungsfahrzeuge).

Die Schiffe der San Antonio-Klasse sind 208,5 m lang und 31,9 m breit. Der Tiefgang liegt bei 7 m. Zum Vergleich: Der Tiefgang der um rund 50 m kürzeren Arleigh Burke-Klasse beträgt 9,50 m. Die Schiffe der San Antonio-Klasse wurden nach den Prinzipien der Stealth-Technologie konstruiert. Durch geneigte Flächen und den Verzicht auf herkömmliche Masten sollte das Breitseitenecho des Schiffes reduziert werden. Das dies nicht vollkommen erfolgreich war, ist eines der Probleme, mit denen die San Antonio-Klasse zu kämpfen hat. Aber dazu später mehr. Die Geschwindigkeit der San Antonio wird mit über 22 Knoten angegeben. Die Bewaffnung der San Antonio-Klasse ist im Wesentlichen defensiv ausgerichtet. Am Bug und achtern befindet sich jeweils eine 30 mm Bushmaster II Maschinenkanone, die zur Nahbereichsverteidigung gegen anfliegende Ziele und kleinere Oberflächenfahrzeuge (z.B. Speedboote) eingesetzt werde kann. Zusätzlich befindet sich am Bug und achtern jeweils ein Startern für 21 RIM-116 Rolling Airframe Missles (RAM). Dieses System dient der Abwehr von anfliegenden Seezielflugkörpern. Die Effektivität dieses Systems wird mit 95% angegeben. Um sich die Option einer offensiven Komponente offen zu halten, wurde bei der Konstruktion der San Antonio-Klasse das Zusatzgewicht für ein VLS-Systems (Vertikal-Launch-System) reserviert. Großes Augenmerk wurde auch auf die elektronische Kriegsführung gelegt. Auf der San Antonio-Klasse wird das sogenannte System SLQ-32 eingesetzt. Dies ist ein Warn- und Klassifizierungssytem, das unmittelbar mit den Abwehrmaßnahmen gekoppelt und damit reaktionsschneller ist. Zur Torpedoabwehr verfügt die San Antonio-Klasse über ein SLQ-25 Nixie-System. Gegen anfliegende Flugkörper werden Mark 36 SRBOC oder Mark 53 Nukla-Täuschkörper eingesetzt.

Die Entwicklung und der Bau der Schiffe der San Antonio-Klasse lässt sich unter dem Stichwort “Pleiten, Pech und Pannen” zusammenfassen. In den 90er Jahren des letzten Jahrtausends begann man mit den Planungen zur San Antonio-Klasse. Querelen bei der Planung führten dazu, dass der erste Bauauftrag 1998 erst vergeben werden konnte. Zwei Jahre später, im Jahr 2000, wurde das erste Schiff auf Kiel gelegt. Nach drei Jahren Bauzeit lief die erste Einheit (LPD-17) vom Stapel und ging in die Endausrüstung. Trotz erheblicher Mängel wurde die LPD-17 von der Navy akzeptiert. Die Mängel reichten von Problemen mit Korrosion bis zu Zweifeln an der Hochseetauglichkeit. Dies wurde in einem Prüfungsbericht als “poor craftmanship” (frei übersetzt: armselige Handwerkskunst) bezeichnet. Das kann man gerne als “schallende Ohrfeige” bezeichnen.

Die nachfolgende Endausrüstung zog sich, u.a. infolge des Hurricans Katrina, bis 2008 hin, zehn Jahre nach Erteilung des Bauauftrages. Und als wäre das nicht genug, haben sich die ursprünglich mit 750 Mio Dollar angesetzten Baukosten im Schnitt mehr als verdoppelt (1,3 - 1,8 Mrd Dollar je Schiff). Man sieht, auch die USA haben ihren Flughafen BER oder ihre Elbphilharmonie (wobei letztere zumindest fertig wurde).

Der Bausatz

Ich weiß ja nicht, wie es anderen Modellbauern geht, aber ich liebe diesen Moment, wenn man den Karton das erste Mal in den Händen hält und ihn öffnet. So war es auch hier.

Mein erster Eindruck war, dass die Verpackung auf den ersten Blick etwas billig und wenig stabil wirkt. Aber die Bauteile sind dennoch ausreichend gut und sicher verpackt. Einmal geöffnet, ist es nicht einfach, den etwas “wabbeligen” Karton wieder unfallfrei zu verschließen. Aber wir wollen ja keinen Karton, sondern ein Modell bauen. Und das hat es in sich.

Ich werde bei diesem Bericht nicht jeden Gussast einzeln beschreiben, sondern einfach mal locker der 26-seitigen Bauanleitung in Heftform folgen und das Schiff „im Kopf“ bauen.

Was den Dioramenbauer erfreuen wird ist, dass das Unterwasserschiff und das Überwasserschiff getrennt sind und sich so eine Wasserlinienvariante des Schiffes ohne große Säge- und Schleifarbeiten bewerkstelligen lässt. Eine erste Probepassung zeigt, dass die beiden Teile ohne Probleme, spalt- und verzugfrei, aufeinander passen.

Das dritte große Teil ist dann der der Decksaufbau. Dieses Teil umfasst den wesentlichen Teil der Aufbauten. Zusammen mit dem auf Gußast B befindlichen Bugteil und dem Radom vom Gußast C hat man eigentlich schon ein fast fertiges Schiff. Wenn, ja wenn da nicht das Innenleben wäre. Die USS San Antonio verfügt nämlich über ein vollständiges Welldeck (inklusive geätzter Reling!) und einen Hangar, der zum Recherchieren und entsprechenden Nachdetaillieren geradezu einlädt. Warum nicht mal einen Hubschrauber nebst Wartungspersonal im Hangar darstellen? Oder das Welldeck beleuchten? Die Möglichkeiten sind hier vielfältig.

Schon in der 2. Baustufe beschäftigen wir uns mit dem Welldeck und hier könnte auch das erste Mal Farbe ins Spiel kommen, um das Welldeck zu bemalen und gegenfalls eine Wasserfläche und Fahrzeuge (Stichwort Diorama) einzubauen. Letztendlich haben wir damit aber bis zur 16. Baustufe Zeit. Die dritte Baustufe beschäftigt sich mit dem Hangardeck. Die vier zugehörigen Teile befinden sich auf dem Gußast A. Auch hier bietet es sich an, mit zusätzlichen Details, Licht und Farbe der Modellbaulust freien Lauf zu lassen. In der 4. Baustufe widmen wir uns dem oben erwähnten, größeren Aufbautenteil. Hier ist im Wesentlichen das Hangardeck einzubauen und ein zwei seitliche Bootsdecks zu ergänzen. Die Teile befinden sich auf dem Gußast C.

In den folgenden zwei Baustufen (5 und 6) geht es um den Zusammenbau der polygonalen, geschlossenen Masttürme (mir fällt da gerade keine bessere Beschreibung ein), den RAM-Startern und letztendlich einem größeren Segment des Decks, einschließlich der geschlossenen Sat-Kuppeln. Dieser Bereich sowie weitere Decksaufbauten (alle mit schrägen Wänden) werden in der folgenden Baustufe auf das große Aufbautenteil gesetzt. In diesem Zuge wird das Deck mit diversen Kleinteilen, wie z.B. die Behälter der Rettungsinseln, die 30 mm Bushmaster, vervollständigt (Baustufe 7). Ich schätze mal, dass man diese Baustufe am zweiten Abend erreicht haben wird, wenn man das Welldeck und den Hangar nicht weiter detailliert und unter Berücksichtigung einer Trocknung der großen Klebenähte (Rumpfsektion) über Nacht.

Die 8. Baustufe widmet sich der Brückenvorderwand. Im Bereich der Brückenfenster sollte man sich frühzeitig über die richtige Reihenfolge der Bauschritte Gedanken machen. Die Brückenfenster sind als Klarsichtteile einzusetzen und mit geätzten Scheibenwischern zu bestücken. Das könnte beim Bemalen einige Probleme bereiten. Wahrscheinlich macht es mehr Sinn, die Scheibenwischer nach erfolgter Lackierung anzubringen. In der folgenden 9. Baustufe werden die Motorbarkassen und Speedboote sowie ein Lagerungsgestell gebaut. Diese werden in den nächsten drei Baustufen (10 bis 12) im mittleren Bootsdeck platziert. Weiterhin wird das Bootsdeck mit diversen Kleinteilen, einschließlich des aus drei Teilen bestehenden Krans, bestückt. In der Baustufe 12 wird auch die Hangarwand gebaut, wobei das Hangartor offen oder geschlossen dargestellt werden kann. Der Einbau der Hangarwand sowie die Restarbeiten am großen Aufbauteil werden mit den Baustufen 13 und 14 abgeschlossen.

Die Baustufe 15 beschäftigt sich mit dem Backdeck. Die aufgeprägten Ankerketten sehen gar nicht so schlecht aus und müssen m.E. nicht zwingend gegen echte Ketten ausgetauscht werden. In der Baustufe 16 sollen nun das Backdeck und das große Aufbautenteil auf den Rumpf gesetzt werden. Aufgrund der vielen Kleinteile stelle ich mir eine Fixierung z.B. mittels Gummibändern sehr schwierig und unfallträchtig vor. Ich denke, dass ich diesen Schritt direkt nach der Baustufe 2, d.h. dem Zusammenbau des Rumpfes, gesetzt hätte. Alle kleinen Teile könnte man dann nach und nach, ohne die Gefahr von Beschädigungen, einbauen. Auch den erst in der nächsten Baustufe vorgesehenen Einbau des Hecks könnte man schon nach der 2. Baustufe vornehmen. Das Tor des Welldecks kann man natürlich offen oder geschlossen darstellen. Die letzten beiden Baustufen beschäftigen sich mit dem Flugdeck. Hier sind Laufgänge und geätzte Netze zu ergänzen.

Und ganz am Ende steht dann die unglaublich anspruchsvolle Baustufe 21. Hier ist nicht weniger zu tun, als das Namensschild auf den (unglaublich einfallslosen) Sockel zu kleben und die USS San Antonio auf eben diesen zu setzen. Und damit ist dieser Bausatz fertig. Und die nächsten kleineren Bausätze können begonnen werden.

USMC CH-46E „Sea Knight“

Dieser, aus acht Teilen bestehende, Hubschrauber liegt insgesamt zweifach vor. Die Rotorblätter können entfaltet oder eingefaltet dargestellt werden. Die Teile liegen alle auf einem transparenten Spritzling (Hb) vor. Ob man dieses sehr spröde Material mag oder nicht, ist Geschmackssache. Ich stehe mit diesem Material eher auf Kriegsfuß. Aber das kann auch meiner Unzulänglichkeit zuzuschreiben sein.

USMC MV-22B Osprey

Die Osprey ist nun wirklich ein Bausatz in sich. Es sind insgesamt 21 Teile zu verbauen, bei denen man sich zwischen der eingefalteten Maschine oder der Version mit ausgefalteten Flügeln und Rotoren entscheiden kann. Beide haben ihren Reiz und da zwei Ospreys zu verbauen sind, kann man auch beide Versionen bauen. Auch diese Bausätze liegen als transparente Bauteile vor, was bei den Rotorblättern nicht zwingend die optimale Wahl ist.

USMC LCAC

War der Osprey schon ein echtes Schmankerl, rauben mir die beiden Luftkissenboote wirklich den Atem. Über vier Baustufen werden, wenn ich mich nicht verzählt habe, 77 Kunststoff- und Ätzteile verbaut.

USMC AV-8B „Harrier II“

Die beiden beiliegenden Harrier sind hingegen schnell verbaut. Die Maschinen bestehen aus sechs bzw. sieben Teilen. Hier besteht die Möglichkeit zwischen zwei Varianten zu wählen. Entweder verbaut man den Harrier mit der vollständigen Kanzel oder man schleift diese an den Rumpfteilen vorhandenen Kanzeln ab und verbaut das Kanzelteil Hc 7. Ich muss gestehen, dass sich mir der Sinn dieses Unterfangens noch nicht so richtig erschließt.

USMC MH-53E „Sea Dragon“

Auch die beiden „Sea Dragon“ Hubschrauber sind echte Preziosen. Aus rund 40 Einzelteilen bestehend, wobei Teile aus undurchsichtigem und transparentem Kunststoff und Ätzteilen zu verbauen sind, fügen sich zu zwei Modellen im Modell. Die Rotorblätter können wahlweise eingeklappt oder ausgeklappt und aus Kunststoff oder Ätzteilen dargestellt werden.

USMC MH-60S „Knighthawk“

Der Rumpf der beiden Knighthawk Hubschrauber besteht im Wesentlichen aus transparenten Kunststoffteilen. Die aus Ätzteilen bestehenden Rotorblätter können auch hier eingeklappt oder ausgeklappt dargestellt werden.

USMC AH-1W Super Cobra Kampfhubschrauber

Diese Hubschrauber setzen sich wiederum ausschließlich aus transparenten Kunststoffteilen zusammen. Das ist grundsätzlich in Ordnung, aber im Falle der Rotorblätter nicht wirklich die beste Wahl.

Nun kommen wir zu den Fahrzeugen, mit denen wir die Luftkissenfahrzeuge bestücken können.

M1114 Up Armoured Tactival Vehicle

Der Hummer, es liegen zwei Fahrzeuge bei, besteht aus drei Teilen und macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck.

USMC M1A1 Abrahams

Die beiden aus vier Teilen bestehenden Abrahams Panzer liegen, wie übrigens alle Landfahrzeuge, auf einem olivgrünen Spritzling vor. Die sehen auch nicht schlecht aus, allerdings kann man die Staukörbe mit Ätzteilen sicherlich etwas filigraner gestalten.

USMC AAVTP7A1

Diese Schwimmpanzer bestehen aus sechs Teilen und machen einen sehr guten Eindruck.

Auch wenn es Jammern auf sehr hohem Niveau ist, hätte ich mir durchaus noch ein paar weitere Fahrzeuge zusätzlich gewünscht. Aber sicherlich kann man da von anderen Anbietern noch einiges zukaufen.

Die Fotoätzteile

Abziehbilder

Fazit

Die USS San Antonio ist ohne Zweifel ein großartiges Modell und verspricht viele glückliche Modellbauabende. Die positiven Punkte überwiegen erheblich gegenüber den wenigen, kleinen Wehrmutstropfen. Der Preis geht völlig in Ordnung und auch ohne zusätzliche Verfeinerungen steht am Ende des Baus ein sehr schönes Modell. Mir, und nun wird es persönlich, juckt es in den Fingern die USS San Antonio zu bauen.

alt sehr empfehlenswert

Jens

Wir danken Glow2B für das Bausatzmuster