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Deutsches Torpedoboot T 15 (1/700, HP Models) von Matthias Pohl Drucken
Montag, 19. Juni 2017 um 05:00

Schon lange steht T 15, das Torpedoboot der Deutschen Kriegsmarine, auf dem mein Vater Kurt F. Pohl als Torpedomechaniker seinen Dienst versah, auf der Liste der „must have“-Schiffsmodelle.

Einziger Anbieter im Maßstab 1/700 ist HP-Models. Auf die bereits lange zurückliegende Bausatzvorstellung von Martin Kohring aus dem Jahr 2003 (!) sei hier verwiesen. Bislang hat jedoch wohl noch niemand ein T-Boot der 1937er Klasse von diesem Hersteller gebaut…

Das Original

Zur Entwicklung und Geschichte dieser Bootsklasse, welche T 13 bis T 21 umfasste, verweise ich auf diese Seite.

Das Modell

Ergänzend zu Martins Bausatzbesprechung vor fast 15 Jahren kann ich lediglich anmerken, dass die (mäßige) Qualität des Bausatzes immer noch gleich geblieben ist. Das Modell stellt den letzten Rüstzustand aus dem Jahr 1945 dar. Hier wurde im Zuge des Barbara-Programms – simultan zu den Umrüstungen der Zerstörerwaffe – die Flak-Bewaffnung massiv verstärkt, um der alliierten Lufthoheit zu begegnen. Auf dem achteren Deckshaus wurde bei den 1937er T-Booten ebenso wie anstelle des hinteren Torpedorohrsatzes ein 2 cm Flak-Vierling montiert, die 2 cm Einzellafetten wurden als Doppellafetten ausgeführt. Die Umrüstung wich jedoch von Boot zu Boot ab. Der Austausch von 2 cm Einzellafetten gegen die 3,7 cm Flak M43 variierte.

Für meinen Zweck galt es allerdings, das Boot zurückzurüsten, wollte ich doch den Bauzustand vom 12. Februar 1942 darstellen, zum Zeitpunkt des berühmten "Kanaldurchbruchs", des "Unternehmens Cerberus", wie sie offiziell hieß (engl. "The Chanel Dash"). T 15 fuhr seinerzeit die backbord achteraus-Sicherung für Prinz Eugen, die Erzählungen meines Vaters dazu kenne ich seit meiner frühen Kindheit.

Die Vorbildlage ist extrem spärlich, dennoch für meine Zwecke ausreichend, was insbesondere den später aufzubringenden Tarnanstrich zum Zeitpunkt von "Cerberus" anging. Doch der Reihe nach!

HP bietet die T-Boote der 1937er Klasse (im Bausatz ist T 19 von 1945 vorgesehen) als Resin-Bausatz. Seit einiger Zeit ist der Bausatz auch als „High Tech“-Bausatz im Angebot und beinhaltet eine Ätzplatine von Eduard. Ich habe sie mir im Nachhinein zusätzlich besorgt, jedoch nicht verwendet. Der massiv gegossene Rumpf ist verzugfrei und eben, die Unterseite muss nur wenig beschliffen werden. Die wenigen Kleinteile befinden sich auf einer Resin-Trägerplatte. Hieraus müssen die Bauteile gelöst und von ihrer Ansatzfläche befreit werden. Martin verwies bereits zu Recht darauf, dass die Gussqualität insbesondere der Kleinteile sehr mäßig ist und diese durch Teile aus anderen Bausätzen ersetzt werden sollten. Diesem Hinweis folgte ich und schlachtete einen Trumpeter-Bausatz eines DKM-Zerstörers (Z 7) aus, von dem ich schon andere Teile für ein weiteres Projekt „geräubert“ hatte.

Da T 15 gemeinsam mit Prinz Eugen und Z 29 in ein größeres Diorama platziert werden sollte, unterfütterte ich den Rumpf mit einer 1 mm starken Polistyrolplatte. Dies soll verhindern, dass nach der Wassergestaltung das Boot zu tief in die See eintaucht, was schlichtweg unrealistisch aussieht.

Der erste, allerdings massive Fehler im Baustz, der mir auffiel, war die Tatsache, dass der Brückenaufbau nahezu 2 mm (!) zu schmal geraten war! Im Original schloss dieser mit der Bordwand bündig ab!

Da blieb mir nicht viel anderes übrig, als die komplette Brückenwand mit Plastikplatten neu zu gestalten! Den Rand der Bordwand ergänzte ich mit 0,1 mm starkem Messingdraht. Dieses Material nutzte ich auch dazu, die Minenablaufschienen zu ersetzen. Sie waren mit vielen Luftblasen und sehr unregelmäßig gegossen worden – also: Runter damit und neu machen!

Zum Glück konnte ich auf ein reichhaltiges Sortiment von FlyHawk- und Eduard-Fotoätzteile zurückgreifen, um die sehr spärlich ausgestatteten Aufbauten ein wenig zu beleben. So fanden Schotten, Lüftergrätings und Leitern ihre vorbildgerechten Plätze. Auch die Festmacher und den Schraubenschutz gestaltete ich aus 0,1 mm Messing-Rundmaterial neu. Der Schornstein samt Kappe aus dem Bausatz waren schlichtweg unbrauchbar, sie habe ich durch einen angepassten achteren Schornstein von Z 7 ersetzt.

Mit weiteren Fotoätzteilen wertete ich das Modell ein wenig auf:

Auch Relings und die die konisch zulaufenden Masten aus Messing stammen von FlyHawk und wurden passend abgelängt

Am unteren Ende des Hauptmastes befestigte ich eine kleine Plattform, die später das charakteristische FuMo28-Ortungsgerät tragen sollte. Dieses bezog ich wiederum aus einem Satz sehr schön geätzter Ortungsgeräte der Kriegsmarine von FlyHawk.

Die Stützen des Hauptmastes kamen, ebenso wie die Kreuzrah (Ätzteil), aus dem Z 7-Bausatz. Bei der Lackierung begann ich zunächst mit unterschiedlichen Holztönen für das Brückendeck. Nach der ersten Schicht klebte ich schmale Tamiya-Tape-Streifen ab, um eine dunklere, abgetönte Farbschicht Vallejo-Farbe aufzutragen. Erneutes Abkleben weiterer Planken und eine letzte, nochmals dunkler abgetönte Farbschicht auftragen – reicht. Holzdeck komplett abkleben und die übrigen Decksflächen mit Dunkelgrau lackieren. Erneutes Abkleben und Aufbringen des Tarnschemas, wie es bei Eric Leon und John Asmussen (German Naval Camouflage Vol. 2, 1942 -1945) auf S.139 angegeben wird. Die Boote innerhalb einer Flottille hatten exakt den gleichen Tarnanstrich und die (wenigen) mir vorliegenden Originalfotos von T 15 (großes Dankeschön an dieser Stelle an Falk Pletscher!) bestätigen dieses.

Die Bewaffnung und Ausrüstung mit Kleinteilen erfolgte aus unterschiedlichen Quellen: Die 10,5 cm SK entnahm ich dem bereits gefledderten Zerstörerbausatz, das geringere Kaliber dürfte in diesem Maßstab unter den Tisch fallen. Es kam ja lediglich auf die Form des Geschützturmes an, und der Resinklotz aus dem Bausatz war – na klar! – unbrauchbar! Auch die WaBo-Werfer, der Scheinwerfer für die mittlerer Plattform (durch ein Ätzteil aufgewertet), der E-Messer auf dem Brückendach, die achteren Kräne und die Kräne auf dem Vorschiff stammen von Z 7. Die leichten Fla-Waffen kamen wieder einmal von 3D-Models aus dem USA, die Torpedo-Drillinge wurden aus den (falschen) Bauteilen der Trumpeter- Prinz Eugen korrigiert. Die Rettungsboote aus dem Zerstörer-Bausatz versah ich mit einer Persenning, auch hierzu gibt es Vorbildfotos. Die sehr speziellen Haltungen und Davits der Rettungsboote baute ich aus Messing-Rundmaterial. Ankerketten und -spill sind dem Satz von Flyhawk entnommen, den Wellenbrecher baute ich aus Papier (mit Sekundenkleber verstärkt). Die 2 cm-Plattform auf der Back (im Jargon „Tripperspritze“ genannt) entnahm ich meinem reichlich gefüllten Sortiment an übrig gebliebenen Ätzteilen, die auf ein winziges Gestell aufgebracht wurde, um den Anstieg des Decks auszugleichen. Bemannt wurde mein Modell mit rund 50 farbig bedruckten Seeleuten von Eduard. Das abschließende Rigging: Wieder einmal das geniale 0,01 mm-Garn von Uschis’s.

Schließlich noch ein dezentes Altern der Bordwände mit Tamiya-Pigmenten, Aufbringen der Boots-Kennung in der Form eines Abziehbildes aus der Grabbelkiste und einem Überzug mit Revell-Mattlack.

Die folgenden Bilder irritieren vielleicht ein wenig aufgrund des relativ starken schwarzen Wasserpass, aber das T-Boot soll – wie bereits erwähnt – in ein Diorama eingesetzt werden und darf dabei nicht zu tief eintauchen.

Übergangsweise bekam T 15 einen Platz auf einer der vorgefertigten Dio-Platten von CoastalKits, die es in verschiedenen Größen und Ausführungen gibt. Für eine dauerhafte Verwendung dieser Platten kann man ein wenig Verfeinerung durch Gestaltung der Bug- und Hecksee mittels Acrylgel oder Watte vornehmen, man erhält ein sehr ansprechendes Bild einer Wasserfläche.

Fazit

Es bedarf schon einiger Anstrengungen, um aus dem betagten HP-Models-Baustezsl eines T-Bootes der Klasse 1937 der Deutschen Kriegsmarine zu bauen, welches dem Vorbild zumindest ähnlich ist! Ohne den Einsatz diverser Ätzteile des Aftermarket und Bauteilen von zu „fleddernden“ Schiffsmodellen geht hier kaum etwas. Das bringt zwangsläufig einen gewissen Kostenansatz mit sich. Ist man jedoch bereit, diese Mehrkosten aufzuwenden, erhält man ein zunächst halbwegs passables Modell dieser sehr selten zu sehenden Schiffsklasse. Insgesamt kann mich das Modell – besonders im Hinblick auf die Ausführung des Rumpfes (zu schwach dargestellter Knickspant im Vorschiff, Dimensionen des Hecks) jedoch nicht wirklich überzeugen, leider! In den nächsten Monaten werde ich – mit sehr fachkompetenter Hilfe - sicherlich weitere Versuche einer besseren Darstellung der 1937er-Klasse angehen. Aus meiner Sicht ist der HP-Bausatz in der angebotenen Form unbrauchbar.

Matthias Pohl,
PMC Fritzlar-Homberg e.V./
Modellmarine/IG Modellmarine