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Kombrig: österreichisch-ungarischer Spähkreuzer SMS Saida (1/700) Drucken
Dienstag, 11. September 2018 um 05:00

SMS Saida Deckelbild

Modell: SMS Saida Austro-Hungarian Navy Light Cruiser, 1914
Hersteller: Kombrig
Maßstab: 1/700
Material: Resinteile, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: 70485
Preis: 33 Britische Pfund bei Starling Models UK

Das Original

Der sogenannte Rapid-Kreuzer SMS Saida (nach einem Gefecht bei Saida benannt, das während der Orientkrise von 1840 stattgefunden hatte) und seine Schwesterschiffe SMS Novarra und SMS Helgoland, waren Weiterentwicklungen des Kreuzers SMS Admiral Spaun, die im März 1911 im Rahmen des Flottenausbaus der K.u.k. Marine in Auftrag gegeben wurden.

Die Konstrukteure der Schiffe erreichten durch das Weglassen der Marschturbine eine Gewichtsersparnis von 52 t, von denen 21 t für die Verstärkung der Schotten und des Schiffskörpers und 31 t für die Verstärkung der Artillerie verwendet wurden. Längere Zeit war der Einbau von 15 cm-Geschützen im Gespräch, der jedoch zu Gunsten einer Einheitsartillerie von 10 cm-Geschützen aufgegeben wurde. In der Folgezeit erwies sich diese Entscheidung allerdings als fatal, denn die Schiffe dieser Klasse waren der Artillerie der vergleichbaren Kreuzer der Entente, die in der Regel mit 15 cm-Geschützen ausgestattet waren, im Gefecht allein schon durch die Reichweite der 15 cm-Geschütze unterlegen.

Baugleich mit dem Typschiff SMS Helgoland, legte man die Saida am 9. September 1911 bei der Cantiere Navale Triestino in Monfalcone auf Kiel. Der Stapellauf erfolgte am 26. Oktober 1912 und die Indienststellung am 1. August 1914. Obwohl der Kiel der Saida sechs Wochen vor dem der Helgoland gelegt worden war, galt sie nicht als das Typschiff, da man die Baugenehmigung für die Helgoland als erste erteilt hatte. Durch die Doppelstaatlichkeit Österreich-Ungarns wurde der Bau aller drei Kreuzer auf zwei Werften verteilt. Die Vertreter des Königreichs Ungarn wachten, besonders bei Rüstungsprojekten, eifersüchtig über die Einhaltung ihrer Rechte und Privilegien, und so wurde die Saida, wie schon erwähnt, bei der Cantiere Navale Triestino in ungarischem Auftrag gebaut, Novarra und Helgoland gingen an die Werft Ganz, Co+Danubis in Fiume (heute Rijeka).

Die Cantiere Navale Triestino war eine Neugründung der Schifffahrtslinie Austro-Americana & Fratelli Cosulich und der Spedition Schenker. An dieser Werft hielten wiederum zwei große deutsche Reedereien das größte Anteilspaket, der Norddeutsche Lloyd und die Hamburg-Amerika-Linie. Diese Konstellation führte dazu, das SMS Saida nicht wie ihre Schwesterschiffe AEG-Turbinen erhielt, sondern solche vom Typ Melms-Pfenniger. Deren Technologie war allerdings für die junge und unerfahrene Werft problematisch und schwer in den Griff zu bekommen, was zu dauernden Problemen mit diesen Turbinen und dem halten des Dampfdrucks auf der Saida führte. So war SMS Saida im ersten Kriegsjahr 1914 wegen Maschinenhavarien die meiste Zeit in Reparatur. Sie erreichte nie die Geschwindigkeit ihrer, mit AEG-Turbinen ausgerüsteten Schwesterschiffe. Eine der Folgen daraus war, das die drei Schiffe nur sehr selten gemeinsam eingesetzt wurden.

1915 war Saida dann mit der gesamten K.u.k.-Flotte am Angriff auf die italienische Ostküste und die Beschießung von Ancona beteiligt. Am 22./23.11.15 und 5./6.12.15 stieß SMS Saida mit SMS Helgoland zu Erkundungszwecken in die Straße von Otranto vor, die von den Alliierten der Entente mit großem Aufwand gesperrt worden war, um die K.u.k.-Flotte am Auslaufen ins Mittelmeer zu hindern.

Am 14./15.5.1917 erfolgte dann, zusammen mit Novarra und Helgoland ein Angriff auf die Sperre bei Otranto. SMS Saida versenkte dabei drei Netztrawler (sogenannte Drifter), die anderen beiden Kreuzer weitere elf Schiffe dieses Typs. An dieser Aktion unter dem Kommando von Linienschiffskapitän Miklós Horthy (dem späteren Oberbefehlshaber der K.u.k.-Flotte und noch später Reichsverweser Ungarns vor und im Zweiten Weltkrieg), waren noch zwei Zerstörer, SMS Csepel und SMS Balaton beteiligt. Ferner wurden drei U-Boote eingesetzt: die österreichischen Boote SMU 4 und SMU 27 sollten vor Valona und Brindisi operieren, das deutsche UC 25 zusätzlich vor Brindisi Minen auslegen. Als Fernunterstützung stand der Panzerkreuzer SMS St. Georg mit zwei Zerstörern und mehreren Torpedobooten bereit. Für den Notfall wurde das Linienschiff SMS Budapest mit drei weiteren Torpedobooten bereitgehalten. Flugzeuge aus Durazzo und Kumbor waren für Aufklärungsflüge eingeteilt. Auf dem Rückweg nach Pola wurde der Kreuzerverband in ein Gefecht mit britischen und italienischen Kreuzern und Zerstörern verwickelt. Dabei musste SMS Novarra von SMS Saida wegen schwerer Treffer im Maschinenraum in Schlepp genommen werden, um nach Bocche di Cattraro zu entkommen. Nur das Eingreifen des Verbandes um SMS St. Georg verhinderte Schlimmeres. Nach einigen Tagen im Hafen von Bocche di Cattaro verlegte SMS Saida mit SMS Novarra zur Reparatur nach Pola. SMS Saida hatte während des Gefechts in der Otrantostraße einen 15 cm Treffer im Vorschiff erhalten, der jedoch keine größeren Schäden verursachte.

Zu einem weiteren Angriff auf die Sperren bei Otranto sollte es im Juni 1918 kommen. SMS Saida sollte gemeinsam mit SMS Admiral Spaun und drei weiteren Zerstörern teilnehmen und befand sich in Wartestellung im Bocche di Cattaro. Der Angriff wurde aber nach der Versenkung des Schlachtschiffs SMS Szent István, das mit einem Großverband von Schlachtschiffen an diesem Angriff teilnehmen sollte, abgesagt.

Bei Kriegsende lag SMS Saida in Pola. Die drei modernen Kreuzer gehörten zu den wenigen Einheiten der K.u.k. Flotte, die für die siegreichen Alliierten von Interesse waren. So wurde SMS Saida den Italienern zugesprochen und am 19.9.1920 in Venezia umbenannt. Unter diesem Namen fuhr das Schiff noch bis 1937 in italienischen Diensten.

Techn. Daten:

Verdrängung: 3946 ts
Länge: 129,65 m
Breite: 12,77 m
Tiefgang: 4,95 m
Antrieb: 16 Harrow-Kessel, 2 x Melms-Pfenniger-Turbinen mit 29.000 PS
Höchstgeschwindigkeit: 27 Kn
Bewaffnung: 9 x 10 cm L/50 K10 Skoda
1 x 7 cm FlaK L/50 K10 Skoda
6 Torpedorohre 53,3 cm in Zwillingssektionen
Panzerung: Gürtel: 60 cm; Deck: 20 cm; 10 cm-Geschützschilde: 8 mm; Kommandoturm: 50 mm
Besatzung: 30 Offiziere, 310 Unteroffiziere und Mannschaften

Der Bausatz

Der russische Hersteller Kombrig ist ja für seine filigranen Schiffsmodelle im Maßstab 1/700 bekannt, doch mit diesem Modell eines österreich-ungarischen Kreuzers hat sich Kombrig noch einmal selbst übertroffen! Die Feinheit der teilweise winzigsten Resinteile ist unübertroffen und verblüffend für jeden, der selbst schon einmal Resinteile gegossen hat.

Doch leider hat die Art der Verpackung bei Kombrig keinen Fortschritt gemacht. Was dazu führt, das eben diese besagten filigranen Teile, gerade am Rumpf bzw. auf dem Deck nach dem Auspacken nicht mehr vorhanden sind!

Doch beginnen wir einfach mal am Anfang:

Nach dem Öffnen der dünnwandigen Pappschachtel findet man zuerst den achtseitigen Bauplan und ein paar eckige Styroporwürfel, die als Schutz für den Inhalt gedacht, doch mehr zerstören als schützen!

Die Anleitung

Der Bauplan ist, wie bei Kombrig üblich, ausschließlich in russischer Sprache verfasst. Da es sich bei dem Text aber nur um den historischen Lebenslauf des Schiffes handelt, ist dieser Umstand zu verschmerzen. Farbangaben sucht man vergeblich.

Der Bauplan erklärt leicht verständlich Schritt für Schritt, wie man alle vorhandenen Teile zu einem befriedigendem Ganzen zusammensetzt. Auf der ersten Seite des Plans ist das Schiff als Vollrumpfzeichnung von Steuerbord und als Draufsicht gedruckt. Dabei fallen gleich mehrere Dinge ins Auge:

Auf der Zeichnung ist die Saida in der Konfiguration nach Mai 1917 dargestellt, erkenntlich am gekürzten achteren Mast. Wer die Saida vor diesem Datum bauen will, muss sich auf die Suche nach den korrekten Maßen des Mastes vor der Umstellung machen. In der Draufsicht ist eindeutig zu erkennen, dass die Bekohlungsluken quadratisch sind und nicht rund, wie am Modell dargestellt. Auf Fotos des Schiffes ist dieser Umstand auch zu erkennen. Abhilfe schaffen hier die Produkte verschiedener Fotoätzteil-Hersteller wie North Star oder White Ensign.

Die Takelung des Schiffes ist in der Zeichnung gut zu erkennen, für die Antennenanlage zwischen vorderem und achteren Mast ist Eigeninitiative gefragt, die benötigten Ringe dafür bietet Kombrig nicht an (White Ensign hat eine Platine damit im Angebot).

Die Fotoätzteile

Nachdem wir den Plan beiseite gelegt habe, finden sich zwei Fotoätzrahmen (ein großer und ein ganz kleiner) in der Schachtel. Auf dem kleinen Rahmen finden sich 13 Leitern, auf dem großen Rahmen alles, was was für den Bau des Modells und die Verfeinerung braucht, außer, wie bei Kombrig üblich, die benötige Reling. Manche Fotoätzteile sind allerdings so winzig, dass ich jetzt schon Angst habe, sie aus dem Rahmen zu lösen! Die Fotoätzrahmen sind übrigens von North Star Models produziert, was die Qualität der Kombiring-Bausätze noch steigert, wie ich finde.

Die Abziehbilder

Des weiteren haben wir dann noch zwei Abziehbilderbögen mit Flaggen und Wimpeln der K.u.k.-Flotte, die für die Beflaggung von mindestens zehn bis zwölf großen und kleinen Einheiten ausreicht. Eine sehr schöne Beilage! Die Abziehbilder sind sauber und versatzfrei gedruckt.

Die Resinteile

Kommen wir nun zu Hauptsache, dem Modell der SMS Saida an sich.

Der in einem Stück gegossene Rumpf erlaubt nur die Darstellung als Wasserlinienmodell. Er entspricht in Länge und Breite exakt dem Original! Der Panzergürtel mittschiffs ist in der korrekten Form dargestellt. Die Öffnungen der Bullaugen befinden sich laut Zeichnung und vorhandener Fotos an den richtigen Stellen. Auf dem Deck ist die Beplankung sehr fein wiedergegeben, leider ohne Pallung, also durchgängig. Alle auf dem Deck schon vorhandenen Teile sind von einer unglaublichen Feinheit, die leider (bei meinem Modell sind die Poller betroffen) von der groben Verpackung teilweise zerstört wurden.

Alle anderen benötigten Resinteile finden sich angegossen an 16 Barren unterschiedliche Länge. Diese Teile befinden sich alle zusammen in einer (!) kleinen Plastiktüte. Was dazu führt, das man beim Auspacken die Tüte sorgfältig auf abgebrochene Teile überprüfen muss (siehe Foto).

Hier ist wiederum die Detaillierung der Teile beeindrucken! Die Beiboote sind eine Wucht und die Torpedorohre (mit geladenem Torpedo!) sind nach ihrer Verfeinerung mit den vorgesehenen Fotoätzteilen schon kleine Modelle für sich!

Die Aufbauten befinden sich auf einer kleinen Resinplatte und sind leicht von dieser zu lösen. Die Gussqualität ist einfach perfekt und lässt meiner Meinung nach keine Wünsche offen.

Wie bei Kombrig üblich, müssen Masten und Rahen selbst angefertigt werden, entsprechende Maßangaben finden sich im Bauplan. Warum die Masten allerdings aus vielen kleinen Teilabschnitten zusammengesetzt werden sollen, erschließt sich mir nicht. Auch die Bootsdavids müssen selbst angefertigt werden. Messingdraht eignet sich am Besten für diese Arbeiten, es gibt aber von Master Models schon fertige Masten und Rahen die, auf die benötigten Längen gekürzt, eine sehr gute Alternative zur „Handarbeit“ sind. Eine Arbeitserleichterung, die wohl nur von Puristen verschmäht wird.

Quellen

  • Die K.u.k.Flotte 1900-1918, Wladimir Aichelburg
  • Die Kreuzer der K.u.k. Marine, Erwin Sieche
  • Die Schiffe der K.u.k.Kriegsmarine im Bild, Band 2 1896-1918, Lothar Baumgartner, Erwin Sieche

Fazit

Abschließend ist zu sagen, das dieses Modell eine wirklich erstklassige Wiedergabe des Rapid-Kreuzers SMS Saida ist! Kompliment an den Hersteller!!

Aufgrund der Komplexität des Modells und der Vielzahl an kleinen und kleinsten Teilen, ist dieser Bausatz nur etwas für Modellbauer, die schon Erfahrung mit solchen Modellen haben. Bei Anfängern ist Frustration vorprogrammiert! Trotzdem......

alt sehr empfehlenswert

Thomas Schmidt