Griechischer Panzerkreuzer Georgios Averoff in Paleo Faliro (Athen) Drucken
Samstag, 11. Januar 2020 um 06:00

Panzerkreuzer Georgios Averoff

Die griechische Georgios Averoff (Γεώργιος Αβέρωφ) ist der letzte heute noch als Museumsschiff erhaltene Exemplar eines Panzerkreuzers. Sie wurde als drittes Schiff der Pisa-Klasse begonnen, wobei es unterschiedliche Angaben gibt, für welche Marine das Schiff begonnen wurde - eventuell war es ein Spekulationsbau. Auf jeden Fall konnte die griechische Marine es mit Hilfe des an den Staat vermachten Vermögens des Geschäftsmanns Georgios Averoff sich das Schiff sichern. Die Pisa-Klasse gehörte zu der letzten Generation von Panzerkreuzern und hatte die Hauptbewaffnung, die aus zwei verschiedenen Kalibern bestand, ausschließlich in Türmen untergebracht. Die Georgios Averoff unterschied sich von ihren italienischen Schwesterschiffen u.a. durch die schweren Geschütze: sie erhielt 23,4 cm-Geschütze statt der 25,4 cm der Pisa und Amalfi. Die 19 cm waren auf der Averoff keine Vickers-Modelle sondern von Armstrong und auch die Türme waren anders geformt. Ein sehr sichtbarer Unterschied waren noch die Masten: die italienischen Schiffe erhielten nur einen Pfahlmast als Großmast (und erst später auch einen Fockmast), während das griechische Schiff zwei Dreibeinmasten erhielt.

Die Georgios Averoff ist 140,1 m lang, 21,0 m breit und verdrängt 10.400 t. Der Antrieb bestand aus 22 Kesseln und zwei Dampfmaschinen, die 19.000 PS leisteten, womit 23,5 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 670 Mann.

Bewaffnung
4 x 23,4 cm L/46,6 Mk X (zwei Zwillingstürme)
8 x 19 cm L/45 (vier Zwillingstürme)
16 x 7,6 cm (ab 1927 nur noch zwölf, vier davon Flak, heute nicht mehr vorhanden)
4 x 4,7 cm (ab 1927 sechs 3,7 cm-Flak, heute nicht mehr vorhanden)
3 x 53,3 cm-Torpedorohre (1927 entfernt)

Georgios Averoff wurde 1909-11 von Cantiere navale fratelli Orlando in Livorno gebaut. Sie wurde schon 1912 im Ersten Balkankrieg eingesetzt, meist als Flaggschiff, so bei der Besetzung der Inseln in der nördliche und östlichen Ägäis. Sie wurde danach mit dem Kern der griechischen Flotte nach Lemnos verlegt, von wo aus sie die osmanische Flotte daran hindern sollte, eine Rückeroberung der Inseln zu unterstützen. Die griechische Flotte umfasst noch die drei Küstenpanzerschiffe Hydra, Spetsai und Psara, die vier Zerstörer der Aetos-Klasse und teilweise weitere Zerstörer. Der griechischen Flotte gelang es in den Schlachten von Elli am 16. Dezember 1912 und Lemnos am 18. Januar 1913 die osmanische Flotte zurück zu schlagen. In beiden Schlachten spielte Georgios Averoff eine entscheidende Rolle, insbesondere durch schweren Treffer auf dem osmanischen Flaggschiff Barbaros Hayreddin (ex SMS Kurfürst Friedrich Wilhelm) in beiden Schlachten. Sie selbst wurde bei Elli drei Mal getroffen, wodurch ein Mann getötet wurde, und zwei Mal bei Lemnos. Im Ersten Weltkrieg kam sie nicht zum Einsatz, auch nicht, als Griechenland auf der Seite der Entente in den Krieg eingriff. Im Griechisch-Türkischen Krieg 1919-22 unterstützte sie die griechischen Armee anfangs bei deren Vormarsch, danach half sie bei der Evakuierung nach deren Niederlage.

1925-27 wurde Georgios Averoff in Frankreich modernisiert, wobei sie neue Kessel erhielt (allerdings immer noch kohlebefeuerte), eine neue Feuerleitanlage (und einen neuen Dreibein-Fockmast) sowie Flugabwehrgeschütze. Im Zweiten Weltkrieg gelang es ihr vor den vorrückenden Deutschen nach Ägypten zu entkommen. Sie wurde danach auf der Seite der Royal Navy zum Geleit von Konvois im Indischen Ozean verwendet. Im Oktober 1944 kehrte sie in das befreite Athen zurück. Sie diente danach noch bis 1952 als Flottenflaggschiff und wurde dann außer Dienst gestellt. Von 1956-83 lag sie in Poros, danach wurde sie nach Piräus gebracht, wo sie 1985 restauriert wurde. Seither ist sie in Palaio Faliro der Öffentlichkeit als Museumsschiff zugänglich.

Von YS Masterpieces gibt es Bausätze der Georgios Averoff im Maßstab 1/700 und 1/350 (siehe Bausatzbesprechung), beide Bausätze zeigen den ursprünglichen Bauzustand. Dazu gibt es im Maßstab 1/700 auch einen deutlich schlechteren, aber auch deutlich billigeren Bausatz von Fairy Kikaku.

Die Georgios Averoff (Seite des Museums) haben wir im Dezember 2019 im Marinetraditionspark Trokadero Marina in Paleo Faliro, einem Vorort von Athen besucht. In diesem Park findet man neben der Georgios Averoff normalerweise (aber nicht als wir dort waren) noch den Zerstörer Velos (ex USS Charrette, Fletcher-Klasse), den man mit dem gleichen Ticket besichtigen könnte. Dazu sind dort das frühere Segelschulschiff Eugenios Eugenides, der Kabelleger Thalis o Milissios und die Triere Olympias erhalten, sind aber nicht zugänglich. In der Nähe kann noch das Passagierschiff Neraida (Seite des Museums) und den (alten) Turm des U-Boots Okeanos besichtigt werden. Hier die Fotos der Georgios Averoff:

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Lars und Steffi