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Modell: Drakkar "Oseberg"
Hersteller: Heller
Maßstab: 1/60
Teile: 165
Art. Nr.: L 885
Preis: --- (Bausatz wird nicht mehr angeboten)
Modell: Guillaume le Conquérant (Wilhelm der Eroberer)
Hersteller: Heller
Maßstab: 1/60
Teile: 172
Art. Nr.: 80886
Preis: ab 21,78 (SGK-Modellbau)

Der Bausatz "Guillaume le Conquérant" wurde früher auch unter dem Namen "Reine Mathilde" angeboten.

Die Vorbilder

Das Osebergschiff

Das Osebergschiff wurde 1894 am Westufer des Oslofjords in der Nähe von Tönsberg gefunden und ausgegraben. Das Schiff wurde um 815 gebaut. 834 wurde es zur Beisetzung zweier Frauen an Land gezogen und in eine Grube in Tonerde heruntergelassen. Wie auch beim Tune- und Gokstadschiff, ist es der Sitte der Wikinger, ihren Häuptlingen und anderen hochgestellten Persönlichkeiten Dinge des täglichen Lebens mit ins Grab zu legen, zu verdanken, dass das Osebergschiff die Jahrhunderte überdauert hat.

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Besonders bemerkenswert ist die reiche Verzierung des Vorder- und Achterstevens mit Ornamenten. Diese ist bisher bei keinem anderen Wikingerschiff gefunden worden.

Abmessungen

  Vorbild M 1:60
Länge über Alles 21,58m 35,97cm
Breite über Alles 5,20m 8,67cm
Seitenhöhe 1,58m 2,63cm
Tiefgang 0,74m 1,23cm
Freibord 0,84m 1,40cm
Länge des Mastes 13,50m 22,50cm
Länge der Rah 11,90m 19,83cm
Segelfläche 91,11m² 253,08cm²

"Normannenschiff nach dem Teppich von Bayeux"

Auf dem Teppich von Bayeux wird die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer im Jahre 1066 erzählt. Unter den Bildern gibt es auch etliche, die den Bau der Flotte und die Überfahrt zeigen. Aus diesen Bildern lassen sich jedoch keine Details ableiten, die die Rekonstruktion der Schiffe erlauben, zumal auch unterschiedliche Schiffstypen an der Überfahrt beteiligt gewesen sein müssen.

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Mittlerweile stehen mit dem Fund der Roskilde-Schiffe, hier insbesondere dem Langschiff (Fund 2) und dem in Haithabu gefundenen Langschiff verläßlichere Quellen für eine Rekonstruktion eines zeitgenössischen Langschiffs zur Verfügung.

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Die Bausätze

Heller bietet dem interessierten Modellbauer beide Schiffstypen als Modell an. Für den Rumpf beider Schiffe verwendet Heller die gleiche Form. Auch sind die Spritzlinge für die Schilde und Ruder identisch.

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Die Fotos der Spritzlinge sind vom Bausatz der Guillaume le Conquérant. Bei der Oseberg sind die Spritzlinge aus schwarzem Kunststoff.

Nachfolgend Details der Bordwand. Das rechte Bild zeigt einen Ausschnitt der Bordwand des Oseberg-Bausatzes. Deutlich sind die Sinkstellen zu erkennen.

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Die beiden folgenden Bilder zeigen die Schilde und ein Bauteil des Modellständers. Auch hier sind die Sinkstellen deutlich zu erkennen

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Der Schiffständer findet sich bei fast allen historischen Segelschiffen des Herstellers.

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Zuätzlich gibt es zu jedem Bausatz Spritzlinge die entweder für das eine oder andere Modell benötigt werden:

Die Spritzlinge des Osebergschiffs

Die oberen Plankengänge und die Steven des Schiffes

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Die Detailaufnahmen zeigen die sehr schönen Gravuren der Ornamente:

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Die beiden letzten Spritzlinge umfassen das Deck und weitere Details des Schiffes:

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Die Spritzlinge der Guillaume le Conquérant

Für die Guillaume le Conquérant gibt es drei zusätzliche Spritzlinge. Der erste enthält die oberen Plankengänge, der zweite die Ruderbänke und den Boden und der dritte die Steven mit dem berühmten Drachenkopf sowie weitere Details.

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Abschließend ein paar Details:

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Die Segel und die Decals

Für beide Schiffe gibt es ein tiefgezogenes Segel, welches man in dem großen Maßstab besser durch ein Stoffsegel ersetzen sollte. Zusätzlich ist beim Osebergschiff eine Plane vorhanden.
Als Beispiel habe ich nur ein Foto des Segels der "Guillaume le Conquérant" gemacht.

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Die Decalbogen enthalten die Decals für die Schilde. Bei der "Guillaume le Conquérant" sind zusätzliche Punkte für das Segel vorhanden.

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Die Bauanleitungen

Die Bauanleitung des Osebergschiffs umfasst zwei Seiten und ein doppelseitiges Beiblatt mit einer deutschen und englischen Übersetzung.

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Bei der "Guillaume le Conquérant" gehören drei Seiten Zeichnungen und eine Doppelseite mit allgemeinen mehsprachigen Hinweisen zur Bauanleitung

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Fazit

Wer eine historisch korrekte Nachbildung des Osebergschiffes sucht oder eines späten Ruderschiffes wird bei den vorliegenden Bausätzen nicht fündig. Auch wenn das Osebergschiff sehr schön wiedergegeben worden ist, so stimmen die Details (wie z.B.) die Anzahl der Plankengänge) nicht mit dem Vorbild überein.

Beim Normannenschiff lassen sich die Details nicht bewerten, da kein konkretes Schiff zum Vorbild genommen worden ist. Die Drachenköpfe entsprechen den gängigen Vorstellungen, jedoch nicht den Fähigkeiten und Ausführungen der damaligen Handwerker

Bedenklich bei den Bausätzen ist die Verwendung eines identischen Rumpfes für beide Modelle. Zwischen der "Oseberg" und der "Guillaume le Conquérant" liegen 250 Jahre, in denen sich der Schiffbau weiterentwickelt hat. Während z.B. das Osebergschiff nur einen geringen Freibord hat und für das Segeln in den norwegischen Fjorden gebaut worden ist, muss das Freibord des Normannenschiffes erheblich höher sein, um der rauhen Nordsee standzuhalten.

Neben den historischen Fehlern, gibt es auch etliche Sinkstellen und Auswurfmarken bei den Bausätzen, die dem Modellbauer seine Arbeit erschweren. Die Decals der Schilde bei der "Guillaume le Conquérant" weisen einen deutlichen Versatz auf.

Die Bauanleitungen sind bei beiden Modellen übersichtlich. Die Angaben zur Takelage der Schiffe sind jedoch völlig falsch und sollten nicht verwendet werden. Hier sollte der Modellbauer weitere Literatur, wie z.B. das Buch über das Gokstadschiff von Werner Dammann heranziehen.

Trotz der beschriebenen historischen Fehler und Bausatzmängel lassen sich zwei schöne und ausgefallene Modelle bauen. Gerade der Einsteiger in den Bau hisorischer Schiffe wird mit der sehr einfachen Takelage eines solchen Modells nicht überfordert.

Christian