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25.04.1982 - 40 Jahre Falklandkrieg

 

Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Deckelbild


Vor 40 Jahren, am 25. April 1982, war das britische Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance an der Operation Paraquet, der Rückeroberung Südgeorgiens beteiligt (siehe Jahrestage auf Modellmarine). HMS Endurance blieb danach überwiegend in den Gewässern um Südgeorgien, um dieses zu schützen.

Modell: HMS Endurance
Hersteller: MT Miniatures
Maßstab: 1/700
Material: Resin, Weißmetall, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: MTM074
Preis: 29,95 Britische Pfund

Das Original

Das britische Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance (A171) wurde 1967 gekauft, um den bisher hierfür genutzten Netzleger HMS Protector zu ersetzen. Endurance war ursprünglich 1956 als eisgängiges Frachtschiff Anita Dan für die dänische Reederei Lauritzen gebaut worden. Sie konnte neben Fracht auch zwölf Passagiere unterbringen. Lauritzen verfügte damals über eine größere Flotte von eisgängigen Frachtschiffen, die Frachtfahrten nach Grönland und Nordkanada, aber auch für Forschungsexpeditionen für zahlreiche Polarforschungsorganisationen verwendet wurden. Anita Dan wurde u.a. für den Handel nach Grönland, Finnland und Kanada verwendet. 1967 wurde sie an die Royal Navy verkauft und zum Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance umgebaut. Über der zweiten Ladeluke wurde ein Bootsdeck mit zwei großen Davits für Vermessungsboote errichtet. Hinter den Aufbau wurde ein großer Hubschrauberhangar und ein Hubschrauberdeck ergänzt.

Endurance war 93,6 m lang, 14,4 m breit und verdrängte voll beladen 3658 t. Der Antrieb erfolgte durch einen Dieselmotor mit 2900 PS, womit 14,5 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus 119 Mann, zudem konnten zwölf Wissenschaftler untergebracht werden. Als Bewaffnung waren zwei 2-cm-Geschütze vorhanden. 1982 während des Falklandkriegs waren zwei Westland Wasp-Hubschrauber an Bord, zeitweise ergänzt durch eine Westland Wessex. Ab 1987 waren zwei Westland Lynx an Bord.

Endurance wurde 1956 von der Krögerwerft in Rendsburg als Anita Dan für Lauritzen gebaut. 1959 wurde sie vor Ostgrönland für drei Wochen im Eis eingeschlossen bis sie sich befreien konnte. Am 18. Januar 1960 kollidierte sie bei Emden mit einem französischen Schiff und wurde zeitweise aufgegeben, da man dachte, dass die Papiermasse-Ladung sich durch das Leck so voll saugen würde, dass der Rumpf zerstört würde. Ein Teil der Besatzung ging aber wieder an Bord, setzte sie zeitweise auf Grund und brachte Anita Dan danach nach Emden für Reparaturen ein.

1967 wurde Anita Dan an die Royal Navy verkauft und in Endurance umbenannt. 1968 brachte sie die Bergungsmannschaft und deren Ausrüstung auf die Falklandinseln, die dort SS Great Britain für den Rücktransport nach Großbritannien vorbereite. 1972 war sie an den Rettungsarbeiten für das aufgelaufene Kreuzfahrtschiff Lindblad Explorer beteiligt (dieses Schiff sank 2007, ihr Wrack wurde von der der nächsten HMS Endurance entdeckt und untersucht). Das Schiff sollte 1982 nach den Sparplänen von Thatcher außer Dienst gestellt. Kurz vor Ausbruch des Falklandkriegs landete Endurance ihre Marines auf Südgeorgien, die am 3. April bei der argentinischen Landung die Korvette ARA Guerrico beschädigten und einen Hubschrauber abschossen, aber dann doch kapitulieren mussten. Am 25. April war Endurance an der Rückeroberung Südgeorgiens (Operation Paraquet) beteiligt, ihre Wasp-Hubschrauber waren dazu daran beteiligt, das U-Boot ARA Santa Fé so schwer zu beschädigen, dass es erbeutet werden konnte. Am 19. und 20. Juni war Endurance an der Operation Keyhole beteiligt, der Rückeroberung von Thule Island (Morrel-Insel) beteiligt, der letzten Aktion des Falklandkriegs.

Endurance blieb nach dem Falklandkrieg weiter im als Antarktispatrouillenschiff im Dienst, hatte aber immer wieder technische Probleme. 1989 kollidierte sie mit einem Eisberg und wurde nach den Reparaturen als nicht mehr einsatzfähig gesehen und 1991 außer Dienst gestellt. 1992 wurde sie nach Pakistan zum Abwracken verkauft. Ihr Ersatz, die Polar Circle, wurde in HMS Endurance umbenannt.

Der Bausatz

Der erste Bausatz von MT Miniatures im Maßstab 1/700war ein Bausatz der HMS Endurance (ex Polar Circle, Bausatzbesprechung), der aktuell neueste ist die HMS Endurance (ex Anita Dan).

Der Bausatz besteht aus einem Rumpf aus Resin, an den bereits die meisten Aufbauten angegossen sind. Der Guss bei meinem Exemplar ist gut, lediglich am Bug und Heck ist der Rumpf an der Wasserlinie auf der Unterseite nicht voll ausgeformt, was man aber von der Seite nicht sieht. Das Urmodell war leider nicht perfekt. Man sieht an einigen Stellen, die Platten, aus denen der Rumpf und die Aufbauten aufgebaut wurden, da die Seiten nicht genau verspachtelt und geschliffen wurden. Einige Details sind auch relativ grob, z.B. die Rettungsinseln am Hangar, die Öffnung des Schornsteins und das Beiboot an Steuerbord, dessen Davits auch nicht dargestellt sind. Die beiden Plattformen für die 2-cm-Geschützen oberhalb der Brückenflügel sind nur sehr vereinfacht dargestellt, die 2-cm-Geschütze fehlen ganz.

Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Rumpf Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Rumpf Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Rumpf
Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Rumpf Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Rumpf Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Rumpf

Problematischer ist meiner Meinung nach, die relativ ungleichmäßig wirkenden Fenster des Aufbaus. Ich werde versuchen diese zu verspachteln und mit Abziehbildern darzustellen. Die Darstellung der Abstützungen des Bootsdecks, der seitlichen Galerien und des Bereichs unter dem Hubschrauberdeck ist suboptimal. Die Abstände der Stützen des Bootsdecks stimmen nicht. Mittschiffs unter dem Aufbau ist das Schanzkleid nicht einmal angedeutet. Noch Problematischer sind die sehr massiven Abstützungen unter dem Hubschrauberdeck, die beim Original sehr viel feinere Stützen in größeren Abständen waren. In der Mitte des Bootsdecks vor der Brücke war auch eine Öffnung, die hier mehr als Lukendeckel dargestellt ist. Diese Punkte lassen sich nur sehr schwer verbessern, z.B. durch Wegschleifen des Boots- und Hubschrauberdecks und den Neubau dieser.

Zur weiteren Detaillierung liegen diverse Weißmetallteile bei: die Masten, Ladebäume, die Vermessungsboote und deren Davits, ein Davit (der besser zu dem Zustand nach dem Falklandkrieg passt, als ein Festkörperschlauchboot an Steuerbord mitgeführt wurde) und eine Satellitenantenne.

Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Kleinteile Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Kleinteile

Die Masten würde ich wahrscheinlich - abgesehen von dem Mast auf dem Vorschiff - durch Metallstäbe ersetzen, die stabiler als die Weißmetallteile sind. Die beiden Vermessungsboote scheinen mir zu klein zu sein, auf jeden Fall sind die beiden massiven fußballtorartigen Davits zu klein.

Hubschrauber sind leider nicht enthalten. Westland Wasp gab es von WEM und SNAFU und gibt es noch von Bogeys Bits.

Die Fotoätzteile

Es liegen zwei Fotoätzteilplatinen bei: ein Satz mit Reling und Netzen für das Hubschrauberdeck sowie die Struktur zwischen den beiden Mastpolen hinter der Brücke.

Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Fotoätzteile

Erste finde ich etwas massiv, letztere dürfte nützlich sein. Bei meinem Exemplar habe ich das Teil beim Herausnehmen wohl etwas verbogen. Es scheint sich aber zurück biegen zu lassen.

Die Abziehbilder

Die Abziehbilder umfassen Markierungen für das Hubschrauberdeck und die Kennnummern.

Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Abziehbilder

Da keine Hubschrauber dabei sind, fehlen leider auch Markierungen für diese.

Die Anleitung

Die Anleitung umfasst eine Seite mit kurzen Angaben zum Original, Farbempfehlungen (Tamiya, Humbol) und diverse Hinweise. Auf der Rückseite finden sich farbige Fotos eines gebauten Modells, um die Positionen der Teile zu zeigen.

Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Anleitung Antarktispatrouillenschiff HMS Endurance Anleitung

Wegen der wenigen Teile sollte die Anleitung vollkommen ausreichend sein, wenn man das Modell aus dem Kasten bauen will.

Quellen

Fazit

MT Miniatures verfolgt weiter die Vervollständigung der Bausatzserie britischer Marineschiffe aus der Zeit des Kalten Kriegs bis heute. Immer wieder, wie im Falle der Endurance, sind Bausätze dabei, die es sonst von niemanden gibt. Leider ist die Qualität nicht perfekt, so dass deshalb Nacharbeit anfällt. Bei diesem Bausatz finde ich insbesondere die Darstellung der Decksstützen des Boots- und Hubschrauberdecks problematisch, da sie zu massiv und mit den falschen Abständen dargestellt sind - und nur sehr aufwendig korrigierbar wären. Wer dennoch ein Modell der Endurance aus der Zeit des Falklandkriegs bauen will - und keinen Eigenbau erstellen will - für den ist der Bausatz

brauchbar


Lars