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Modell: Hanse Kogge
Hersteller: Zvezda
Maßstab: 1:72
Material: Kunststoff
Bauteile: 138
Art.Nr.: 9018
Preis: ab 35,00€

Das Vorbild

Kogge und Hanse sind zwei Begriffe, die untrennbar miteinander verbunden sind. Ohne leistungsfähige Schiffe wäre ein ausgedehnter Seehandel nicht möglich und die Hanse hätte sich nicht zur marktbeherrschenden Wirtschaftsmacht Nord- und Westeuropas entwickeln können.
Bis zum Fund der Bremer Kogge 1962 beschränkten sich die Quellen über diesen bedeutendsten Schiffstyp des Mittelalters auf die Siegelbilder jener Zeit.
Über den Ursprung der Kogge weiß man wenig. Das Aussehen des Schiffstyps wird in erster Linie durch die fast geraden Steven und den hochbordigen klinkerbeplankten Bootsrumpf bestimmt. Der mächtige Mast führte ein rechteckiges Segel, welches durch zwei Schote bedient wurde. Eine bedeutende Neuerung im Schiffsbau Nordeuropas war die Einführung eines Steuerruders am Heck des Schiffes, welches erstmalig um 1188 nachgewiesen wurde. Zum Schutz vor Angriffen wurden zunächst am Heck und später auch am Bug Kastelle errichtet.

Das Modell

Mit dem Modell der Hanse-Kogge bietet Zvezda ein Schiffsmodell einer im Modellbau lange vernachlässigten Epoche an. Damit wird die Lücke zwischen den Wikingerschiffen des 10. Jahrhunderts und den Galeonen des späten 16. Jahrhunderts ein wenig kleiner.
Die erste positive Überraschung beim Auspacken des Bausatzes bieten die Spritzlinge für den Rumpf. Der Rumpf ist zweiteilig ausgeführt; das Unterwaserschiff ist eine separate Schale. Dieses läßt die Möglichkeit zu, ein Wasserlinienmodell zu bauen, ohne den Rumpf zersägen zu müssen. Besonders fällt die massive Ausführung der Bordwände mit einer Wandstärke von 3mm auf.



Die Oberfläche der Rumpfteile zeigt eine schöne Holzmaserung und selbst die Nagelköpfe sind deutlich nachgebildet. Auch die Decks weisen ein sehr saubere Gravur der Decksplanken auf.


Die Detailierung des Modells macht einen sehr gelungenen Eindruck. Die wenigen Anbauten und Decksaufbauten sind sehr treffend wiedergegeben.


Das Ruderblatt lässt sich beweglich am Rumpf anbauen; hiermit bleiben beim Bau eines Dioramas sicherlich alle Möglichkeiten offen.


Unangenehm fallen an der Innenseite der Bordwände die Auswerferstellen auf. Diese liegen auf den erhabenen Spanten, so dass unter Einsatz von Schleifpapier davon wohl nichts zu sehen bleibt. Bei den Spritzlingen mit den Kleinteilen setzt sich das Problem der Auswerferstellen leider fort. Dort erwartet den Modellbauer also reichlich Schleifarbeit.
Besonders gelungen ist die Besegelung. Auch hier werden zwei Möglichkeiten geboten: das Schiff kann mit gerefftem oder gesetztem Segel dargestellt werden. Erwähnenswert ist auch Struktur des Segeltuchs.


Für das Finish des Modells liegen Decals und Papierflaggen für drei der großen Hansestädte bei: Hamburg, Rostock und Lübeck.


Die Bauanleitung ist sehr übersichtlich gestaltet und gestattet auch dem Einsteiger ins Hobby den Bau dieses Modells. Die Takelanleitung stellt keine großen Herausforderungen an den Modellbauer dar, da auch beim Orginal keine übermäßig aufwändige Takelage vorhanden war. Die Jungfern beispielsweise sind bereits als Plastikteil ausgeführt. Hier wäre gewiß noch Spielraum für individuelle Verbesserungen. Das benötigte Takelgarn wird selbstredend mitgeliefert, und sollte für das Modell ausreichend sein.

Fazit

Mit Ausnahme des Großdecks, bei welchem die Anordnung der Decksplanken nicht stimmt, wenn man die Bremer Kogge als Referenz heranzieht, sind keine gravierenden Fehler zu erkennen. Standardmäßig werden bei Koggen die ersten Plankengänge zwar kraweel geplankt, doch ist mit der Poeler Kogge auch ein vollständig klinkergeplanktes Schiff nachgewiesen.
Zuerst muss man Zvezda für den Mut loben, ein Nischenmodell auf den Markt zu bringen. Für Freunde historischer Segelschiffe ist die Kogge mit Sicherheit ein Modell, welches Sie nicht enttäuschen wird.

Danksagung

Vielen Dank an Thomas Schünecke (Modellboard-Nick: heavytank) für die Fotos und die Beschreibung des Bausatzes.