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29.12.1812 - 200 Jahre USS Constitution vs. HMS Java

 

USS Constitution vs. HMS Java

Quelle: Wikipedia

Das Original

HMS Java wurde ursprünglich 1805-09 als La Renommée als 40-Kanonen-Fregatte für die französische Marine gebaut und 1811 von der britischen Marine erbeutet. Sie beruhte auf einem Entwurf von Jacques-Noël Sané, nach dem der Großteil der 18-Pfünder-Fregatten der französischen Marine während der Napoleonischen Kriege gebaut wurden.

Die britische Marine befürchtete während des Amerikanischen Unabhängigkeitskriegs quantitativ unterlegen zu sein, nachdem Frankreich sich auf die Seite der Vereinigten Staaten geschlagen hatte. Deshalb baute sie ab 1778 mit 18-Pfündern statt 12-Pfündern ausgerüstete Fregatten, um eine qualitative Überlegenheit zu erzielen. Die französische Marine musste deshalb reagieren. Sie liess von mehreren Konstrukteuren mit 18-Pfündern ausgerüstete Fregatten entwerfen. Dabei erwies sich die von Jacques-Noël Sané entworfene La Vénus von 1781 als optimal, so dass dieser Entwurf in Serie gebaut wurde. Ab 1810 sollten alle 18-Pfünder-Fregatten nach diesem Entwurf gebaut werden. Der Entwurf wurde graduell verbessert, wobei sich die Abmessungen leicht unterschieden und die Aufbauten verändert wurden. Die frühen Schiffe hatten auf dem Achterdeck und der Back noch langrohrige 8-Pfünder, die späteren erhielten zusätzlich 24-Pfünder-Karronaden. Insgesamt wurden 73 Schiffe folgender Unterklassen gebaut: Vénus/Hébé-Klasse (6 Schiffe), Virginie-Klasse (10 Schiffe), Hortense-Klasse (7 Schiffe) und Pallas-Klasse (54 Schiffe). Die Ursache der Differenz aus der Gesamtzahl nach The History of the French Frigate 1650-1850 und der Summe aller Einzelklassen laut Wikipedia habe ich nicht überprüft (möglicherweise sind dies Schiffe, die nie für die französische Marine fuhren). Die Einzelklassen beruhen anscheinend auch nicht auf zeitgenössischen französischen Quellen. Die ab 1810 gebauten Schiffen wurden offiziell nach dem Entwurf der 1794 auf Kiel gelegten Justice (ex Courageuse, laut der modernen Einleitung ein Schiff der Virginie-Klasse) gebaut - nicht nach dem Entwurf der Pallas, die 1806 auf Kiel gelegt wurde, die laut der modernen Einteilung ihr Typschiff gewesen sein soll. Das letzte französische Schiff war die Armide, die 1823 fertig gestellt wurde.

Die britische Marine erbeutete insgesamt 24 dieser Schiffe. Die Hébé, die bereits 1782 erbeutet wurde, wurde der Prototyp für die britische Leda-Klasse, von der zwischen 1799 und 1856 47 Schiffe gebaut wurden. Eines davon, die Penelope, wurde als Schaufelradfregatte fertig gestellt, während als letztes die Fox als Schraubenfregatte fertig gestellt werden sollte, aber nur als Transporter und Hulk eingesetzt wurde. Nachdem Entwurf von Jacques-Noël Sané wurden also nicht nur die meisten französischen 18-Pfünder-Fregatten gebaut, sondern er bildete auch die Grundlage für einen wesentlichen Teil der britischen 18-Pfünder-Fregatten.

Auch andere Marinen setzten ursprünglich für die französische Marine nach dem Entwurf von Sané angefangene Schiffe ein: Neapel (1813 abgetretene Carolina), Niederlande (sieben Schiffe, die entweder abgetreten wurden oder unvollständig erbeutet wurden), Österreich-Ungarn (sechs Schiffe, die entweder abgetreten wurden oder unvollständig erbeutet wurden) und Spanien (die erbeutete Cornélie) sowie eventuell die Türkei (die Justice, die von der britischen Marine erbeutet und an die Türkei übergeben wurde).

HMS Java wurde für die französische Marine als 40-Kanonen-Fregatte La Renomée von 1805-09 in Nantes nach Plänen von Jacques-Noël Sané gebaut und nach der modernen Einteilung als Schiff der Pallas-Klasse bezeichnet. Am 20.5.1811 von einem britischen Geschwader in der Schlacht von Tamatave erbeutet. Sie wurde im August 1812 als 38-Kanonen-Fregatte Java in den Dienst der Royal Navy gestellt. Sie war mit 28 18-Pfündern auf dem Batteriedeck und zwei 9-Pfündern und 16 32-Pfünder-Karronaden auf den Aufbaudecks bewaffnet. Am 29.12.1812 traf Java vor der Küste Brasiliens bei Salvador da Bahia auf die amerikanische 24-Pfünder-Fregatte Constitution. Die Java musste nach einem 3,5 stündigen Gefecht die Flagge streichen und wurde wegen der schweren Beschädigungen versenkt. Von der Besatzung der Java starben 22 und 102 wurden verletzt.

Vénus-Plan

Von der ersten von Sanés 18-Pfünder-Fregatten, der La Vénus, hat Jean Boudriot bei Edition Ancre einen Plan herausgebracht, der in Bezug auf die Rumpfform auch die Grundlage für den Bau eines Modells der Java sein könnte.

Plan der Vénus

Die Planzeichnungen von historischen Segelschiffen von Jean Boudriot zählen zu den besten und verlässlichsten die man bekommen kann. Zusammen zu den Plansätzen gibt es sogenannte Monographien. In denen wird der Hintergrund des jeweils behandelten Schiffes und die Planzeichnungen erläutert.

Der Plansatz der La Vénus besteht aus 13 gefalteten Bögen und ist in 1/72, Details in 1/36 abgedruckt. In die jeweiligen Ansichten (Ausnahme die Querschnitte) sind alle sichtbaren Details eingezeichnet.

Plan der Vénus Plan der Vénus

So lassen sich beispielsweise aus den Draufsichten der Decks die genaue Formgebung der Decksplanken entnehmen sowie die Positionen der Holzdübel.

Plan der Vénus

Die letzten drei DIN A0 großen Blätter widmen sich dem Takelplan. In diesem ist jedes Tau des laufenden Gutes mit einer in Rot abgesetzten Nummer beschriftet und in einer weiteren Draufsicht mit derselben Nummer die Position des jeweiligen Belegnagels gezeigt.

Plan der Vénus

Fazit

Zur Besprechung lag nur der Plansatz der La Vénus vor. Deswegen kann ich über die Monographie kein Urteil fällen. Die Zeichnungen sind durchweg sehr sauber und in dünner Linienstärke gedruckt. Der Maßstab 1/72 erlaubt es alle Details in einer Größe zu zeigen, so dass sie noch deutlich erkennbar sind die Blätter aber noch überschaubar bleiben.

alt uneingeschränkt empfehlenswert

Weitere Quellen

Von der Java ex La Renommée selbst konnten wir keinen Plan finden. Allerdings gibt es im Zustand bei der französischen Marine als La Renommée ein Modell im Musée de la Marine. Leider wissen wir nicht, ob es aktuell in eine der Zweigstellen dieses Museums ausgestellt ist. 30 Fotos davon sind in Modèles historiques Tome 2 Musée de la Marine aus der Editions Ancre enthalten, die dabei helfen können, die Abweichungen von der Vénus zu berücksichtigen.

Dazu enthalten einige Bücher Pläne von Sanés 18-Pfünder-Fregatten, die in Bezug auf die Unterschiede zwischen den frühen französischen Fregatten wie Vénus und den späteren wie La Renommée sowie die britischen Umbauten nützlich sind:

The History of the French Frigate 1650-1850 von Jean Boudriot, Rotherfield, 1993

Dieses Standardwerk über die französischen Fregatten enthält folgende Pläne von Sanés Fregatten:

Dazu enthält dieses Buch noch ein Fotos eines Modells der La Renomée, der späteren Java, aus dem Musée de le Marine: eine Seitenansicht (S. 362).

Plan der L'Érigone Modell der La Renomée

The Heavy Frigate von Robert Gardiner, London, 1994

Dieses Buch beschreibt die Entwicklung der britischen 18-Pfünder-Fregatten von 1778-1800 und enthält auch einiges Material über erbeutete französische Fregatten, darunter auch einige von Sanés 18-Pfünder-Fregatten:

Frigates of the Napoleonic Wars von Robert Gardiner, London, 2000

Dieses Buch war ursprünglich als zweiter Band von The Heavy Frigate gedacht, wurde aber vom Konzept geändert, um auch die 24-Pfünder-Fregatten und Razées der Napoleonischen Kriege zu beschreiben. Dafür wurde darauf verzichtet, die Entwicklung der 18-Pfünder-Fregatten nach den Napoleonischen Kriegen zu beschrieben.

Plan der Laurel Plan der Pomone

 Warships of the Napoleonic Era von Robert Gardiner, London, 1999

Dieses Buch ist eine Sammlung von Plänen aus britischen Quellen:

British Warships in the Age of Sail 1793-1817 von Rif Winfield, London, 2005

In diesem Buch werden alle britischen Kriegsschiffe aus den Napoleonischen Kriegen aufgelistet.

Über die HMS Java (ex La Renomée) sind technische Daten und die Geschichte des Schiffs enthalten (S. 181).

Fleet battle and blockade. The French Revolutionary War 1793-1797 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 1996

Dieser Band aus der Serie Caxton Pictorial Histories (auch Chatham Pictorial Histories) beschreibt den Seekrieg von 1793-1797. Neben zahlreichen zeitgenössischen Bildern sind auch einige Pläne enthalten, darunter auch einer von Sané entworfenen 18-Pfünder-Fregatten:

The Campaign of Trafalgar. 1803-1805 von Robert Gardiner (Herausgeber), London, 2005

Dies ist der dritte Band über die Koalitionskriege (Napoleonischen Kriege) der Serie Caxton Pictorial Histories/ Chatham Pictorial Histories (der zweite, hier nicht erwähnte, ist Nelson Against Napoleon: From the Nile to Copenhagen, 1798-1801).

The Victory of Seapower. Winning the Napoleonic War 1806-1814 von Richard Woodman, London, 1998

Der vierte Band dieser Serie (dazu gibt es noch The Naval War of 1812 über den Britisch-Amerikanischen Krieg).

Diese Bücher enthalten auch Zeichnungen der Leda-Klasse, d.h. der britischen Variante von Sanés Hébé-Klasse. Insbesondere Heavy Frigate und Frigates of the Napoleonic Wars enthalten hier mehrere Pläne, die für Modelle im Maßstab 1/350 und 1/700 ausreichend sein dürften. Zwei britische Schiffe sind heute noch als Museumsschiff erhalten: HMS Trinconmalee in Hartlepool und HMS Unicorn in Dundee. Über erste gibt es das Buch Trincomalee: the last of Nelson’s frigates von Andrew Lambert, Rochester, 2002, das einen einfachen Plan der Trinconmalee enthält.

Fazit

Für den Bau der Java empfiehlt sich der Plan der Vénus als Grundlage für den Rumpf. Die Fotos des Modells der La Renomée im Musée de la Marine (z.B. in Modèles historiques Tome 2 Musée de la Marine, eventuell auch vom Museum erhältlich, die Inventarnummer ist laut The History of the French Frigate 1650-1850 17MG8) zeigen den Zustand vor der Erbeutung durch die Royal Navy. Der Plan der Amelia (ex La Proserpine), abgedruckt in The Heavy Frigate, zeigt die typischen Umbauten für Schiffe in Dienst der Royal Navy. Sehr ähnlich zu Java dürften insbesondere Laurel und Pomone gewesen sein, von denen Pläne in Frigates of the Napoleonic Wars abgedruckt sind. Dazu gibt es die diversen Abbildungen des Gefechts mit der Constitution, die aber nicht unbedingt zuverlässige Quellen darstellen.

Wir danken Knut Gerling für seine Hinweise!

Lars und Sven