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Titel Titel: Der Weg über den Atlantik
Verlag: Heyne-Verlag
Autor: John Maxtone-Graham
Umfang: 460 Seiten
Erscheinungsdatum: 1999
ISBN: 978-3453157194
Preis: nur noch antiquarisch erhältlich
Inhalt:

BeispielseiteNoch bevor ich nach vielen Jahren wieder ernsthafter mit dem Schiffsmodellbau anfing, fiel mir eines Tages Anfang Mai auf dem Wühltisch einer Kölner Buchhandlung dieses Taschenbuch in die Hände – als preisreduziertes Mängelexemplar nahm ich es spontan mit. Als ich mich kürzlich mit der RMS Mauretania beschäftigte, las ich es einmal mehr, mittlerweile zum dritten oder vierten Mal, und ich muss sagen: Dieses Buch ist mir eins der liebsten und lesbarsten in meiner Fachliteraturecke, und ich kann es jedem an der Geschichte der Passagierschifffahrt auf dem Atlantik Interessierten nur wärmstens empfehlen.
Warum? Einerseits, weil der Autor ein sehr umfassendes Buch verfasst hat, das sich mit praktisch allen Aspekten der großen Zeit der Passagierschifffahrt befasst; es werden die beteiligten Nationen, Reedereien, Schiffe, die Entwicklungen über die letzten etwa 100 Jahre beschrieben. Die Auswahl ist natürlich subjektiv, aber dazu steht der Verfasser auch – ebenso wie zu seinen persönlichen Überzeugungen.
Viele interessante Fotos sind enthalten (die in der gebundenen Ausgabe vermutlich besser reproduziert sind als in meiner Taschenbuchausgabe). Es werden alle wesentlichen Gruppen beschrieben, die mit der Schifffahrt zu tun hatten: Reeder, Konstrukteure, Designer, Kapitäne, Offiziere, Zahlmeister, Stewards, Matrosen, Heizer, Passagiere aller Klassen und Arten vom britischen Thronfolger über professionelle Falschspieler bis zu den Heerscharen der Emigranten.
Das ist die eine Seite. Die andere ist der persönliche Ton des Buches, die Begeisterung des Autors, der offensichtlich weiß, wovon er spricht, und der es vermag, diese faszinierende Epoche so wieder auferstehen zu lassen, dass sie mit allen Sinnen fassbar wird, bis zum spezifischen Geruch auf britischen Schiffen und dem besten Kirschkuchen der Welt, der an Bord der Schiffszüge von Southampton nach London serviert wurde. Obwohl oder gerade weil viele subjektive Meinungsäußerungen des Autors enthalten sind, liest sich das Buch faszinierend, wird nie langweilig und vermag regelrecht zu fesseln, weil auch die ganze Spannweite der Gefühle nicht ausgeblendet wird.

Von den Anfängen zu Charles Dickens´ Zeiten über den Übergang zu reinen Dampfschiffen, den Wettstreit um Tonnage, Geschwindigkeit und Komfort, über das Auftreten der deutschen und französischen Konkurrenz, das Titanic–Desaster, den ersten Weltkrieg mit dem Verlust der Lusitania und Britannic und den Dienst als Truppentransporter, das Wiederaufleben der Schifffahrt in den Zwanziger Jahren bis zu ihrem Fast-Zusammenbruch in der Weltwirtschaftskrise, den zweiten Weltkrieg, die kurze Blüte in der Nachkriegszeit bis zum endgültigen Aus durch das Flugzeug Ende der Fünfziger Jahre – es wird alles abgehandelt. Aber eben auch viele Kleinigkeiten, Anekdoten und Geschichten, die das Bild farbig und lebendig machen.
Der Autor hat dieses Buch 1972 verfasst, kurz nachdem Cunard die Queen Mary und die Queen Elizabeth ausgemustert hat. Damals waren die Erinnerungen noch relativ frisch. Er ist einer der bekanntesten Fachleute für die Passagierschifffahrt, hat reichlich ein Dutzend Bücher verfasst und ist auch heute noch als Vortragender an Bord und Berater mehrerer Schifffahrtslinien aktiv.
Das Buch ist aktuell als Wiederauflage in gebundener Ausführung erhältlich.
Meiner Meinung nach ist es der optimale Einstieg in dieses Thema und auch vom Preis-Leistungs-Verhältnis her sehr überzeugend.
SEHR EMPFEHLENSWERT

Frank Spahr