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Titel Titel: Oakley Lifeboats. An Illustrated History of the RNLI´s Oakley and Rother Lifeboats
Verlag: Tempus Publishing
Autor: Nicholas Leach
Umfang: 192 Seiten
Erscheinungsdatum: 2003
ISBN: 0 7524 2784 9
Preis: ca. 20 Euro
In Großbritannien obliegt die Seenotrettung an der beträchtlichen Küstenlänge dem RNLI (Royal National Lifeboat Institution), einer seit 1854 bestehenden Gesellschaft, die sich hauptsächlich aus Spenden und öffentlichen Zuwendungen finanziert. Sie untersteht dem Verkehrsministerium. Derzeit unterhält das RNLI an 231 Stationen insgesamt 323 Rettungsboote unterschiedlicher Größe sowie 4 Luftkissenboote. Zum Vergleich: Unsere DGzRS betreibt an der (kürzeren) deutschen Küste zur Zeit 61 Fahrzeuge an 54 Stationen. 20 dieser Fahrzeuge sind Rettungskreuzer, der Rest kleinere Boote.
Die britischen Rettungsfahrzeuge sind mit einer größten Länge von 17 Metern generell kleiner als die deutschen. Das liegt daran, dass in Großbritannien mehr Stationen auf vom Strand oder über eine Bootsslip aus einer Halle einzusetzende Boote angewiesen sind. Beides begrenzt die mögliche Größe und Gewicht. Über viele Jahre bestand die Flotte des RNLI deshalb aus kleinen, offenen und eher langsamen Booten, deren Betrieb in Seenotsituationen immer eine große Gefahr für die Besatzungen darstellte.
Bereits zur Zeit der Gründung des RNLI gab es spezielle Ruderrettungsboote, deren Konstruktion sicherstellen sollte, dass sie sich im Falle des Querschlagens oder Kenterns selbst wieder aufrichteten. Zu diesem Zweck enthielten Bug und Heck Lufttanks, das Boot hatte einen schweren Kiel und Wasserballast. Eben deshalb litten diese Boote jedoch unter geringer seitlicher Stabilität. Als mehrere schwere Unfälle 1886 das Leben ganzer Besatzungen beim Durchkentern kosteten, wurde ein neuer Rettungsboottyp entwickelt, der stabiler war, allerdings nicht selbst aufrichtend. Neuere Boote wurden auch mit Motoren ausgestattet, es änderte sich aber nichts an den Grundprinzipien. Die Mannschaften konnten auswählen, ob sie für ihre Station einen selbstaufrichtenden Bootstyp bevorzugten oder nicht. Die stabileren Boote erwiesen sich als bei den Besatzungen populärer: Nach Ende des zweiten Weltkrieges hatte das RNLI fast keine selbst aufrichtenden Boote mehr.
Mehrere schwere Unfälle mit diesen Booten erweckten jedoch das Interesse an einem selbst aufrichtenden Boot erneut, und der Schiffbauer Richard Oakley bemühte sich in der Nachkriegszeit um einen Entwurf, der gute Stabilität mit der Fähigkeit zum Selbstaufrichten verband. Ergebnis war das Oakley–Rettungsboot, das 1958 eingeführt wurde. Dieses Boot nahm beim Zu-Wasser–Lassen 1,5 Tonnen Wasserballast in seinen Aluminium-Doppelboden auf, der beim Anlanden wieder ablief. Ein backbord angebrachter Trimmtank in Verbindung mit einem ausgeklügelten Ventilsystem verlagerte diesen Ballast automatisch so, dass das Boot bei zu starker Schlagseite nach Steuerbord komplett durchkenterte und nach backbord sich wieder aufrichtete. Zwar wurde dieses System nur ein einziges Mal im Einsatz aktiv, es rettete dabei aber bis auf einen die Mitglieder der Besatzung. Die Motorisierung wirkt aus heutiger Sicht sehr schwach, war damals jedoch angemessen. Die Unterbringung der Geretteten war sehr beengt und spartanisch, die Mannschaft vor dem Wetter praktisch ungeschützt. Trotzdem ist das Fassungsvermögen eines so kleinen Rumpfes beachtlich.
Technische Daten
Länge: 11,27 m
Breite: 3,5 m
Tiefgang: 0,92 m
Verdrängung: 11,3 t
Antrieb: Zwei Vierzylinder – Diesel zu 52 PS
Geschwindigkeit: 7 kn Marschfahrt, 8,16 kn Höchstgeschwindigkeit
Reichweite: 86 sm
Fassungsvermögen: Neben der Crew bei gutem Wetter 65, bei schlechtem 35
Es wurden insgesamt 26 Oakleys gebaut, die bis in die frühen 1990er Jahre in Dienst standen. Während dieser Zeit wurden sie unterschiedlich nachgerüstet bzw. umgebaut. Eine Radarausrüstung an einem umklappbaren Mast und ein etwas besser vor dem Wetter geschützter geschlossener Fahrstand wurden an vielen Booten eingebaut. Probleme entstanden an einigen Booten durch Salzwasserkorrosion im Aluminium - Doppelboden. Einige Boote wurden aufwendig instandgesetzt, andere frühzeitig ausgemustert. Seit der Umstellung auf größere und leistungsfähige Boote sind keine Oakleys mehr im Dienst. Viele wanderten als Museumsstücke in Ausstellungen, einige wurden an ausländische Rettungsorganisationen abgegeben (Estland, Neuseeland, Argentinien), einige befinden sich in privater Hand und einige wurden verschrottet.
Nicholas Leachs Buch ist eine gute Übersicht für denjenigen, der mehr über diese Boote erfahren will. Neben einem geschichtlichen Überblick wird auf die Entstehung des Entwurfs eingegangen, sowie auf die weitere Entwicklung während der Jahrzehnte im Dienst. Hier finden sich auch einige Zeichnungen, die das Innenleben und die Funktionsweise des Bootes erläutern. Diese sind allerdings nicht besonders klar. Den Hauptteil des Buches nimmt eine Vorstellung aller gebauten Oakleys ein, mit ihrer jeweiligen Chronologie vom Bau bis zum Verbleib. Besonders herausragende Einsätze werden kurz beschrieben und geben einen kleinen Eindruck, was Menschen und Material hier abverlangt wurde. Zahlreiche Fotos, leider nur in Schwarzweiß, zeigen alle Boote in unterschiedlichen Phasen ihrer Karrieren.
Für den Modellbauer hätte man sich mehr Informationen über die Farben der Boote gewünscht, darauf wird im Text nur mit der Knappheit eingegangen, die dieses Thema für alle anderen außer uns verdient.
Dieses Buch ist zu dem Preis nur dem knallharten Oakley-Fan zu empfehlen, für den Modellbauer gibt das Internet genug Informationen her.
BEDINGT EMPFEHLENSWERT

Online - Quellen zum Thema:
Zuerst Wikipedia, wobei die englischsprachige Version hier mehr hergibt

Folgende weitere Websites sind zu empfehlen:

Frank Spahr