Deckelbild The Crossing, Passagierschiff Taiping

Modell: The Crossing
Hersteller: Meng
Maßstab: 1/150
Material: Kunststoff, Aufkleber, LED-Leiste
Art.Nr.: OS-001
Preis: ab 154 € (bei NNT)

Wer nach einem historischen Dampfer mit dem Namen "The Crossing" sucht, wird sich eher schwer tun, denn "The Crossing" ist gar nicht der Name des Schiffes im Bausatz, sondern der Titel zweier chinesischer Abenteuer- und Liebes-Filme aus den Jahren 2011 und 2014. Das als Vorlage dienende Schiff selbst hieß Taiping und dient als Mittelpunkt der Handlung der Filme, die um einen historischer Kern - den Untergang des Schiffes - gestrickt wurde. Den Filmtrailer - in dem auch das Schiff in einzelnen Sequenzen zu sehen ist - und Bilder eines gebauten Modells findet man auf der Homepage von Meng.

Das Original

Laut der Homepage von Meng handelte es sich bei der Taiping um einen Fracht- und Passagierdampfer, der 1920 auf der Manitowoc Schiffswerft (am Lake Michigan in Wisconsin) gebaut wurde. Seine ersten Dienstjahre verbrachte er auf den großen nordamerikanischen Seen zwischen den USA und Kanada. Im Zweiten Weltkrieg diente das Schiff als Nachschubtransporter für die amerikanischen Streitkräfte in Asien. Nach Kriegsende in einer chinesischen Werft umgebaut zu einem Passagierdampfer verkehrte es hauptsächlich zwischen Shanghai und Keelung (im heutigen Taiwan). In den Wirren des Chinesischen Bürgerkrieges brachte die Taiping Tausende von Flüchtlingen, die vor den kommunistischen Truppen flohen, auf die noch von Chiang Kai Sheks Nationalisten gehaltene Insel Taiwan. Auf einer dieser Fahrten kollidierte das abgedunkelt fahrende, mit angeblich 1500 Passagieren und Besatzungsmitgliedern heillos überladene Schiff mit einem Frachter und sank am 29. Januar 1949 mit Mann und Maus.

In Keelung erinnert heute noch ein Gedenkstein an die Opfer einer der größten Schifffahrtskatastrophen des 20. Jahrhunderts. In Europa ist das Schicksal der Taiping weitgehend unbekannt, in China (und in Taiwan) werden die Auswirkungen der Tragödie mit dem Untergang der Titanic verglichen. Aber auch um einen (leicht hinkenden) Vergleich mit der Mayflower, die 1620 die ersten englischen Siedler nach Amerika brachte, kommt die Taiping nicht herum, da mit ihr tausende chinesische Flüchtlinge und Siedler in ihre neue Heimat Taiwan kamen.

Der Bausatz

Vom Originalschiff sind nur sehr wenige und kaum aussagekräftige Bilder bekannt, so dass sich das Modell an der extra für den Film in Originalgröße rekonstruierten Schiffsreplik orientiert. Insgesamt wirkt es ein wenig gedrungen. Inwieweit es tatsächlich den Abmessungen des historischen Originals in seinem letzten Bauzustand entspricht, entzieht sich meiner Kenntnis. Das Modell ist 53,3 cm lang, 8,8 cm breit und 20,8 cm hoch.

Der erste Eindruck besticht mit einer aufwendig gestalteten Verpackung. Auch im Karton gibt es so manch positive Überraschung. Die Bauanleitung ist ein edles, gebundenes, mehrfarbiges Booklet in Querformat. Das Modell verfügt über eine Innenbeleuchtung und die Holzdecks liegen als vorbedruckte Aufkleber bei. Der einteilige Rumpf ist bereits zweifarbig gespritzt, das Unterwasserschiff in rotem, das Überwasserschiff in schwarzem Kunststoff. Die Aufbauten liegen als weiße, die (Holz)Decks als braune Bauteile in der Schachtel.

Die Passung der Einzelteile ist hervorragend und in wenigen Minuten lässt sich zumindest ein Trockenbau der Taiping zusammenstecken, der Lust auf mehr macht! Auch die "snap-fit"-Verbindungen, die häufig bei Steckbausätzen zu finden sind, erleichtern die exakte Montage der tragenden Einzelteile.

Rumpf

Außen zweifarbig mit rot abgesetztem Unterwasserschiff zeigt der robuste Rumpf innen die Aufnahme für die Beleuchtung und stabile Steckverbindungen, auf die das dreiteilige Deck aufgesetzt werden kann. Neben den Öffnungen für den Modellständer ist im Schiffsboden auch noch eine größere Öffnung für den USB-Anschluss des Beleuchtungssets.

Kleinteile

Die Aufbauten sind in weißem Kunststoff, zahlreiche Kleinteile, wie Masten und Schornstein, in schwarzem und die drei Bauteile des Hauptdecks in braunem Plastik gegossen. Die Strukturen sind sauber und scharf ausgeführt, die Passgenauigkeit lässt keine Wünsche offen. Der Aufbau der Einzelteile ist einfach und durchdacht, so dass es bei der Montage zu keinerlei Schwierigkeiten kommen dürfte.

An den Decks ist bereits die Reling mit angegossen, das mag dem einen gefallen, dem anderen vielleicht weniger, aber es vereinfacht zumindest die Montage aller noch benötigten Stützen (zu den darüber liegenden Decks) erheblich. Die Reling ist in Spritzguss natürlich um einiges kompakter als bei Ätzteilen und auch im Maßstab 1/150 ist ihre Wirkung am fertigen Modell immer noch überproportioniert, aber auch durchaus vertretbar. Natürlich bleibt es jedem Modellbauer selber überlassen, geätzte Reling aus dem Zurüstmarkt zu verwenden. Formtechnisch gut gelöst sind die Abgänge der Decks, die fix und fertig als separat gespritzte Bauteile beiliegen. So erspart man sich die Bruchgefahr beim Abtrennen dieser feinen Bauteile aus einem Gussrahmen.

Für alle geöffneten Luken und Bullaugen liegen Klarsichtteile im Bausatz, die entweder einzeln oder als Leisten von innen an Rumpf und Aufbauten anzubringen sind. Ausreichend Klebekanten beugen durch Kleberreste "erblindete" Scheiben vor.

Beleuchtungsset

Ein etwa 30 cm langer Streifen mit 17 LEDs, der in den Rumpf einzubauen ist, sorgt für leichte und dezente Beleuchtung von innen durch die Schiffsluken. Zwei Schrauben mit passendem Schraubendreher werden gleich mitgeliefert. Besonders gut kommt das Licht durch die Bullaugen an den schwarzen Bordwänden zur Geltung. Nach dem Einbau des Streifens erfolgt die „Stromzufuhr“ über einen USB-Anschluss am Boden des Rumpfes.

Sonstiges

Eine die Bemalung des Modells sehr vereinfachende Idee sind die beiliegenden Aufkleber für die Holzdecks, die ähnlich den Echtholzdecks des Zurüstmarkts einfach aufzukleben sind. Natürlich sind diese verhältnismäßig einfach gestaltet, aber immerhin mit Plankenstößen bedruckt. Aber auch dem Bemalen der Decksbereiche steht nichts im Wege, denn auch die Oberflächen der Kunststoffdecks sind entsprechend strukturiert. Wer allerdings nicht auf richtiges Holz verzichten möchte, kann auf gelaserte Decks der Firma Artwox zurückgreifen (Art.-Nr.: AW50049).

Zudem finden sich schwarze großflächige Aufkleber für die Stahldecks der Aufbauten und auch der Namenszug für das Heck sowie u.a. das weiße Rumpfband liegen als Aufkleber bei.

Die Anleitung

Die Bauanleitung ist als Buch gestaltet. Abgesehen davon, dass der historische Teil und die Erklärung zum Film - der Vorlage für das Modell - ausschließlich auf Chinesisch verfasst sind, führt sie klar und leichtverständlich durch das Projekt. Die jeweils benötigten Bauteile sind Seite für Seite farbig hervorgehoben. Die Bemalungshinweise beziehen sich auf Aqueos Farben. Mit auf dem Bemalungsplan findet sich auch eine rudimentär eingezeichnete Takelage; ein ausführlicher Takelplan wäre vor allem bei den Kranbalken der Masten wünschenswert gewesen.

Fazit

Der für Schiffsmodellbauer eher untypische Maßstab von 1/150 bringt den Vorteil, die Taiping mit zahlreichen Figuren aus dem Eisenbahnzubehör bestücken zu können - Spur N im Maßstab 1/160 dürfte ebenso passen, wie 1/144'er. Das eröffnet viel Spielraum beim Bau von Dioramen.

Ob historisch nun wirklich korrekt oder nicht: Bei Mengs "The Crossing" handelt es sich um ein ausgesprochen interessantes, ziviles Schiffsmodell, das bei den Schiffsbauern in unseren Breiten definitiv mehr Aufmerksamkeit verdient hätte. Auch der Umbau zu einem fahrtüchtigen RC-Modell ist bei der Größe des Modells möglich.

alt empfehlenswert

Wolfgang

Wir danken Glow2b für das Bausatzmuster