Das Original
Die North American FJ-4 Fury war die letzte Serienausführung der trägergestützten Fury-Familie und zugleich eine weitgehende Neukonstruktion. Ihre Vorgänger FJ-2 und FJ-3 gingen aus der F-86 Sabre hervor, die wiederum aus North Americans früherem FJ-1-Entwurf hervorgegangen war. Während die FJ-2 noch stark auf der Sabre basierte, erhielt die FJ-4 einen neuen, tieferen Rumpf, ein dünneres Tragwerk mit größerer Flügelfläche und deutlich mehr internen Kraftstoff. Dadurch verbesserte sich vor allem die Reichweite, während die Maschine zugleich für den Einsatz von Flugzeugträgern optimiert wurde. Die FJ-4 war ursprünglich als schneller Jagd- und Abfangjäger für die US Navy vorgesehen, wurde aber überwiegend beim US Marine Corps eingesetzt. Die daraus entwickelte FJ-4B war dagegen ein Jagdbomber für konventionelle und taktische Nuklearwaffen sowie für Luft-Boden-Raketen. Von ihr wurden 222 Maschinen gebaut; insgesamt entstanden 374 FJ-4 und FJ-4B. Die Produktion lief von 1955 bis Mai 1958. Im Jahr 1962 wurden die FJ-4 und FJ-4B im neuen Bezeichnungssystem zu F-1E und AF-1E umbenannt.
Die FJ-4 Fury war 11,1 m lang, hatte eine Spannweite von 11,91 m und ein maximales Startgewicht von 10,7 t. Als Antrieb diente ein Wright J65-W-16A-Turbojet mit 34,25 kN Schub. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 590 kn (1.094 km/h). Die Besatzung bestand aus einem Piloten. Zur Bewaffnung gehörten vier 2-cm-Kanonen im Bug mit insgesamt 576 Schuss. Die FJ-4 konnte außerdem Außenlasten bis zu 1.361 kg mitführen; die FJ-4B besaß sechs Außenlaststationen und war für Bomben, Raketen und Luft-Boden-Raketen wie die AGM-12 Bullpup ausgelegt.
Die FJ-4 Fury mit der Bureau Number 139510 gehörte zum Produktionslos der FJ-4. Diese Maschine diente bei der Marine Fighter Squadron 232 (VMF-232), den „Red Devils“. Die VMF-232 erhielt die FJ-4 1956 und setzte sie zunächst in Hawaii ein. Im September 1958 verlegte die Staffel nach Japan und flog dort unter anderem Einsätze im Zusammenhang mit der Taiwanstraßen-Krise. Im Frühjahr 1959 kehrte sie nach Hawaii zurück. Die FJ-4 blieb bis zur Umrüstung auf die F8U-2N Crusader im Jahr 1962 im Einsatz.
Das Modell
Irgendwie kann ich von den „Early Jets“ einfach nicht die Finger lassen. Als mir beim Stöbern der FJ-4-Fury-Bausatz von Hobby Boss in 1/48 für rund 18 € in die Hände fiel, war die Entscheidung schnell gefallen. Mangels eines brauchbaren Bausatzes in 1/72 musste es diesmal eben der größere Maßstab sein. Dafür bekam ich endlich die Gelegenheit, einen meiner Lieblingsjets zu bauen.
Geplant war zunächst ein weitgehend unveränderter direkt aus dem Kasten Bau, bei dem nur die gröbsten Schwachstellen behoben werden sollten. Letztlich kam dann doch etwas mehr Eigenleistung zusammen. Besonders das Armaturenbrett wertet den Bausatz deutlich ab: Statt ausgeprägter Instrumente gab es lediglich ein Relief. Also wurde kurzerhand ein neues Armaturenbrett im CAD konstruiert, anhand von Originalaufnahmen und den Abmessungen des Bausatzteils. Zusätzlich wurden noch die Bremsleitungen ergänzt, unter dem hinteren Kanzelteil wurden noch ein paar Details aufgearbeitet, die Gravuren der Ruder wurden deutlicher ausgeprägt und zu guter Letzt wurde das Frontfahrwerk neu aufgebaut, da es eingefedert dargestellt ist.
Die Passgenauigkeit des Bausatzes ist insgesamt sehr gut. Lediglich an einigen neuralgischen Stellen, etwa am Übergang von Tragflächen und Rumpf, war Nacharbeit nötig. Die Stupsnase ließ sich durch Auftrennen und Spreizen des Bauteils mit überschaubarem Aufwand in Form bringen. Ein echtes Lob verdienen die Klarsichtteile: Sie passen hervorragend und sind qualitativ wirklich erstklassig.
Etwas mehr Aufmerksamkeit verlangte das Fahrwerk. Die Fury sollte natürlich in ihrem charakteristischen, extremen Winkel bei abgestellter Maschine dargestellt werden. Die Stellprobe zeigte zwar, dass der Winkel grundsätzlich stimmt, allerdings war die Fahrwerksschere des Frontfahrwerks nahezu auf Anschlag. Nach weiterer Recherche stellte sich heraus, dass Hobby Boss hier offenbar Fotos abgestellter Maschinen als Vorlage genommen hatte. Für eine normal beladene Maschine ist der auffällig lange Hubkolben deutlich weiter ausgefahren. Also wurde das Fahrwerk entsprechend überarbeitet, ein Metallkolben eingesetzt und Bremsleitungen sowie Zurösen ergänzt.
Lackiert wurde die Fury in den typischen HiViz-Farbtönen, wobei ich mich diesmal bewusst für einen etwas stärker abgenutzten Look entschieden habe. Pre-Shading, dezente Farbnuancen und ein kräftigeres Washing sollten dem Modell den Eindruck einer Maschine etwas gebrauchten Maschine. Gerade die weiße Unterseite bot sich für Ölstriemen und weitere Gebrauchsspuren an. Die Decals ließen sich trotz des relativ dicken Trägerfilms gut verarbeiten. Es war auch das erste mal, dass Gunze Weichmacher besser funktionierte als die Microscale Produkte.
Als Bewaffnung wurden AGM-12 Bullpup dargestellt. Die Fury steht auf einer selbst erstellten Base aus einem Styroporklotz, der mit Gips verspachtelt wurde. Da das Modell trotz reichlich Gewicht im Heck zum Tailsitten neigt, war die Base ohnehin notwendig, da sich ein Tailsitting trotz mehrfachen Nachlegen von Bleilot nicht vermeiden ließ. Ergänzt wurde die Szene durch einen Piloten und eine Leiter aus dem 3D Drucker.
Die Leiter steht rechts vom Flugzeug. Ob das in dieser Form historisch zu 100% korrekt ist, kann ich nicht nachweisen. Allerdings befindet sich die Tanksonde auf der linken Seite und wäre beim Besteigen über eine Leiter durchaus im Weg. Entweder wurden dafür steilere Leitern verwendet oder der Pilot musste sich entsprechend umständlich an der Konstruktion vorbei quetschen. Da ich kein eindeutiges Originalfoto mit Tanksonde und Leiter auf der linken Seite finden konnte, bleibt hier etwas Interpretationsspielraum.
Die Pilotenfigur wurde aus dem 3D-Drucker zunächst versäubert und in Isopropanol gereinigt. Anschließend erfolgte die Bemalung mit Vallejo-Farben und einem 000er-Pinsel, von den tiefsten zu den höchsten Farbbereichen. Die Farben wurden lasierend aufgetragen, anschließend gab es ein Ölfarben-Washing, Mattlack und zuletzt die glänzenden Metallfarben. Sicherlich nicht perfekt, aber für mich als Zubehör im Diorama vollkommen ausreichend.
Ich bin sehr froh, dass ich endlich eine Fury in adäquater Qualität in der Vitrine habe. Seit Kindheitstagen finde ich die Maschine einfach genial. Schön, dass dieses Muster in 1/48 durch Kitty Hawk und Hobby Boss endlich etwas mehr Aufmerksamkeit bekommen hat. Jetzt fehlt eigentlich nur noch ein vernünftiger Emhar-Ersatz in 1/72. Sollte sich einer der großen Hersteller erbarmen, bin ich sofort Kunde.
Stefan Herrmann
(Text über Original von Lars)

















