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Italienischer Leichter Kreuzer Ancona (1/700, HP Models) von Jim Baumann, Teil 1 Drucken
Montag, 21. März 2016 um 06:00

Das Original

Der Leichte Kreuzer RN Ancona wurde ursprünglich für die deutsche Kaiserliche Marine als Kleiner Kreuzer SMS Graudenz auf Kiel gelegt und wurde 1914 in Dienst gestellt.

Sie war 142,7 m lang und verdrängte 6382 t. Ihre Maschinen leisteten 26.000 PS, womit sie eindrucksvolle 27,5 kn erreichte. Sie war mit sieben 15 cm SK L/45 und vier 50 cm-Torpedorohren bewaffnet.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs erhielt Italien sie 1920 als Beute und nannte sie in Ancona um. Sie wurde zwischen 1921 und 1924 modernisiert und instand gesetzt und am 6. Mai 1925 in den Dienst der italienischen Marine gestellt. Um ein Macchi M7-Flugboot einsetzen zu können, wurde 1928-29 ihr Bug und ihr Vorderdeck stark umgebaut, um dort ein Katapult einbauen zu können. Hierfür erhielt sie einen relativ eleganten Klipperbug, der das Vorschiff auf die für das Katapult notwendige Länge brachte.

Die Ancona blieb bis 1932 in Dienst als sie zur Reserveflotte verlegt wurde. 1937 wurde sie aus der Liste der Schiffe der italienischen Marine gestrichen und danach abgewrackt.

Das Modell

Obwohl die Ancona in italienischen Diensten mit ihrem langen überhängenden Klipperbug ein Schiff mit einzigartigen Aussehen war, scheint es nicht viele Fotos von dem Schiff zu geben. Ich verbrachte viele Stunden damit, die wenigen vorhandenen Bilder des Schiffs in deutschen und italienischen Diensten zu vergrößern und genau zu studieren, um festzustellen, wie genau das Schiff aussah. Diese verglich ich mit dem Plan von Franco Gay, den er 1962 gezeichnet hatte. Die verschiedenen Bögen des Plans erwiesen sich als wunderschönes Kunstwerk und scheinen in Bezug auf die Dimensionen vorbildgetreu zu sein. Allerdings sind sie im Vergleich zu den Fotos nicht in jedem Detail perfekt.

HP Models stellt einen Resinbausatz der Ancona her, der auf den Plänen von Franco Gay basiert und soweit ich feststellen konnte, haben sie in Bezug auf die Dimensionen eine ordentliche Arbeit abgeliefert. Allerdings finde ich es sehr eigentümlich, dass sie es geschafft haben, den grundlegende Fehler zu machen, das Schiff mit einem holzbeplankten Deck darzustellen, obwohl alle allgemein zugänglichen Fotos das Schiff in deutschen und italienischen Diensten mit Stahldecks zeigen. Das war eine der zahlreichen Herausforderung, denen ich mich beim Bau des Modells stellte. Mit einer flachen Stanley Klinge und einer Micro Meißel gelang es mir vorsichtig die Darstellung des Holzdecks von dem Rumpfteil zu entfernen und eine glatte Oberfläche zu erhalten. Das war eine mühsame und langsame Arbeit, die Entschlossenheit und Vorsicht benötigte, um keine nicht korrigierbaren Schäden zu verursachen.

Im Zuge dieser Arbeit wurden alle angegossenen Details entfernt. Diese mussten später durch Eigenbauten ersetzt werden.

Schließlich erhielt ich ein zufriedenstellendes Ergebnis und schnitt auch noch gleich die Öffnungen für die Torpedorohre auf.

1 Öffnungen für Torpedorohre

Die massive Verarbeitung des Vorderdecks hatte das Höhenverhältnis der Back zum Hauptdeck bzw. zur Wasserlinie bzw. zu den Bullaugen beeinträchtigt. Deshalb stellte ich die ursprüngliche Höhe wieder her, in dem ich eine Plastikplatte aufklebte.

1 Wiederherstellung der Deckshöhe mit einer Plastikplatte

Die Pläne zeigen eine seltsame Einbuchtung am Bug an Backbord. Die Fotos des Originals bestätigten die Pläne, so dass ich diese auch in mein neues flaches Vorderdeck schnitt – ich weiß immer noch nicht, für was diese gedacht war.

Die Schornsteine

Die im Bausatz erhaltenen Resinschornsteine sind schlechte Wiedergaben der Originale. Sie haben keinen Schornsteinaufsatz und sind unten auch nicht ummantelt. Ich entschloss mich die Schornsteine aus Aluminiumrohren mit der Hilfe meines Miniaturrohrschneiders herzustellen. Meiner Meinung beeinträchtigen viel zu große fotogeätzte Fußläufe den Eindruck von vielen ansonsten sehr schönen 1/700-Modellen. Die Fußläufe sind oft dicker als die Körper der 1/700-Besatzungsmitglieder und ragen vom Schornstein, umgerechnet auf die Originalgröße, bis zu einem 1 m weit weg. Ich hatte damit experimentiert, mit dem Rohrschneider Vertiefungen in die Schornsteine zu schneiden. In diese legte ich dünnen Kupferdraht, um den Fußlauf zu simulieren. Darunter fügte ich mit dem Bleistift dünne Linien hinzu, um die Schatten der Halter der Fußläufe anzudeuten. Bei dem runden Schornstein funktionierte dies sehr gut. Bei den ovalen Schornsteinen war dies eine weitere Herausforderung. Ich fand heraus, dass es die beste Vorgehensweise war, dünnere Kupferrohre für die beiden ovalen Schornsteine statt des Aluminiumrohrs zu benutzen. Diese ergaben das richtige ovale Querprofile der Schornsteine, wenn sie mit einem Schraubstock zusammengepresst wurden. Um zu verhindern, dass die Kupferrohre im Schraubstock kollabierten, steckte ich einen hölzernen Stab in die Rohre. D.h. ich fertigte erst runde Schornsteine mit Fußläufen an und presste dann zwei davon in einem Schraubstock flacher, um die ovale Form zu erhalten.

Die Abdeckung über der unteren Ummantelung der Schornsteine stellte ich durch dickeren Draht her. Auf diesen klebte ich vorsichtig außen einen weiteren Draht auf, um den größeren Umfang darzustellen. Für die Ummantelung selbst benutzte ich zwei Schichten von Vinylklebeband von Becc.

Die Deckshäuser

Die Deckshäuser des Bausatzes entsprechen von der Form und den Abmessungen ungefähr dem Plan von Franco Gay, aber der Guss und die Detaillierung sind nicht gut. Ein Beispiel sind rechteckige Fenster, die nicht einmal senkrecht zum Deck ausgeführt sind. Da ich die Deckshäuser nicht komplett neu machen wollte, beschichtete ich sie mit Vinylklebeband von Becc. Dadurch erhielt ich auch eine scharfe Kante zum Deck und eine bessere Oberfläche. Die Enden des Klebebands versteckte an den vorderen oder hinteren Enden der Deckshäuser, die durch Masten oder überstehende Decks darüber verdeckt sind. Ich versiegelte alles mit etwas Senkundenkleber, um späteres Schrumpfen zu verhindern.

Die Deckshäuser scheinen auf dem Fotos eine Zierleiste an den Deckskanten zu haben. Diese stellte ich mit Kupferdraht dar, was sehr aufwendig war.

Die Brücke

Die Brücke war ein einschüchtender Teil des Baus, da sie eigentlich das „Gesicht“ des Schiffs ist. Die Resinteile des Bausatzes für die Brücke sind erschreckend schlecht. Sie sind grob ausgeführt, schlecht gegossen und waren völlig unbrauchbar. Insbesondere die Fenster sollte regelmäßig und scharfkantig dargestellt sein. Ich experimentierte mit Leitern auf Plastikstreifen, um das Aussehen zu verbessern. Aber die Proportionen stimmten nicht und das Ergebnis war nicht scharfkantig genug. Ich dachte über selbst gemachte Abziehbilder für die Fenster nach. Sie wären sicher regelmäßig und scharfkantig geworden, aber es hätte der transparente Eindruck gefehlt. Ich hatte Modelle der russischen Kreuzer Nowik und Schemtschug gebaut. Für diese hatte ich einige zusätzliche Fotoätzteilsätze von North Star gekauft, die ich für zusätzliche fotogeätzte Schutzschilde für die 12 cm-Geschütze gebraucht hatte. Dadurch hatte ich einige Fotoätzteile für die Fenster der Steuerhäuser übrig, die die richtigen Proportionen hatten, um sie für die Ancona verwenden zu können. Durch sorgfältiges Schneiden und Verkleben gelang es mir eine neue Brücke mit der korrekten Zahl von Fenstern herzustellen.

Die Teile für die Brücke aus dem Bausatz waren auch sonst grob und nicht korrekt, wenn man sie von oben oder von der Seite betrachtet. Der hintere Teil des Steuerhaus hatte sehr „weiche“ Umrisse und war dazu zu klein. Abhilfe brachten dünne Messingstreifen, die sowohl von der Dicke als auch der Scharfkantigkeit eine Verbesserung brachten.

Teil 2

 

Jim Baumann

(übersetzt aus dem Englischen von Lars)