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Baubericht - DeHavilland Sea Venom (Novo 1/72) von Lutz Fuhrmann Drucken
Sonntag, 20. September 2009 um 07:00

DeHavilland Sea Venom (Novo 1/72) von Lutz Fuhrmann

Neben dem Flugzeughersteller Gloster war DeHavilland in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg der zweitwichtigste britische Produzent von Flugzeugen mit Strahlantrieb. Charakteristisch für DeHavilland Jets waren die zweigeteilten Rumpfholme –Twin booms genannt- die Mitte der 40er Jahre bei der „Vampire“ eingeführt wurden und bis zur „Sea Vixen“ in den späten 60ern beibehalten wurden.
Die zweisitzige „Sea Venom“ ist eine navalisierte Variante des Nachtjägers „Venom NF.2“und die geht wiederum auf das einsitzige RAF-Jagdmuster „Venom“ zurück. Die Hauptunterschiede zur Landversion sind eine V-förmige Verlängerung des Triebwerkhecks zur Aufnahme des Fanghakens, Anschlusspunkte für das Katapultseil und ein verstärkter Rumpf. Die Tragflächen erhielten einen Klappmechanismus und wurden verstärkt, wodurch nun auch Außenlasten mitgeführt werden konnten und die Zusatztanks an den Flügelenden konnten nicht mehr abgeworfen werden. Die Flugerprobungen an Bord der HMS Illustrious begannen im July 1951 und der offizielle Zeitpunkt der Truppeneinführung war der 10. März 1954 bei der 890 Squadron in Yeovilton unter der Bezeichnung FAW.20 (Fighter All Weather).

DeHavilland Sea Venom (Novo 1/72) von Lutz Fuhrmann

Das einzige 1/72 Modell dieses umgewöhnlichen und interessanten Flugzeugs kam aus dem Hause Frog. In den 1980er Jahren wurde das Modell von den Herstellern wie Toko, Novo, Pioneer, PM, Eastern Express mit wechselnden Decals wieder aufgelegt.
Die Form und die Hauptmaße sind stimmig wiedergegeben. Der Kit hat 48 Teile und die Passgenauigkeit ist trotz des Alters erstaunlich gut. Darüberhinaus kam der weiße Kunststoff meiner geplanten Lackierung mit schwarz-gelben „Suez-stripes“ sehr entgegen.

Aber natürlich kann der Bausatz sein Alter nicht ganz verbergen. Das Canopy besteht aus extem dickem Plastik und ist ca. 2mm zu kurz, alle Gravuren sind erhaben dargestellt, das Cockpit besteht lediglich aus einer Bodenplatte und zwei Sitzen. 99,9 % aller Modellbauer verwenden deshalb die Vakuumhaube von Aeroclub und von Airwaves das Cockpitinteriorset AC72162 und das Exteriorset AC72163.

Das Modell entstand im Rahmen eines Modellbauwettbewerbs. Zugelassen waren Flugzeugbausätze, die mindestens 30 Jahre alt waren. Erschwerend kam hinzu, dass Zurüstteile von Drittanbietern -mit Ausnahme von Decals- nicht erlaubt waren. Allerdings durften alle Bestandteile des Bausatzes, einschließlich Plastikreste und Verpackung zum Bau verwendet werden.

Zunächst wurde das Cockpit aus Teilen der Kartonverpackung nachgebildet. Die Sitze wurden überarbeitet und kleine Applikationen aus Kunststoffresten dienten zur Darstellung von Hebeln und Schaltern. Später wurden Decals einer Sea Fury zur Darstellung der Instrumente und Armaturen verwendet.  Die faserige Oberfläche des Kartons konnte mit verdünnten Weißleim geglättet und versiegelt werden.
 

Cockpit aus KartonLackiertes Cockpit

 Der größte Schwachpunkt des Bausatzes ist das Cockpitdach. Die Glaskuppel war bis zu 2,5mm dick, schlierig und nicht besonders gut abgeformt.

AußenseiteInnenseite

Nachdem die Außenseite plan geschliffen war wurde die Wandstärke von der Innenseite aus mit viel Fingerpitzengefühl auf unter 1mm abgefräst. Anschließend wurde das Bauteil mit immer feineren Körnungen geschliffen und anschließend poliert, bis es wieder durchsichtig war. Die ursprüngliche Transparenz konnte aber leider nicht wieder erzeugt werden. Die folgenden Bilder entstanden während der Bearbeitung.

Geshliffene AußenseiteGeschliffene Innenseite

Es zeigte sich, dass die Kanzel fast 2mm zu kurz war. Da die Verwendung alternativer Bauteile im Rahmen des Contests nicht zugelassen war, wurde das Canopy in drei Teile geschnitten und geöffnet eingebaut. Dadurch fällt es kaum auf, dass die Cockpitöffnung größer ist als der geliftete Teil des Canopies. Die Montage des Rumpfes verlief unspektakulär. Alle erhabenen Gravuren wurden entfernt und mit Sticheln und Nadeln neu angelegt. Die Querruder wurden aus den Tragflächen herausgeschnitten und leicht angestellt positioniert.

Die kurzen Befestigungszapfen der Doppelrümpfe wurden herausgefräst und durch 3cm lange Gießäste ersetzt, wodurch die Verbindung von Tragfläche und Rumpfholm sehr viel stabiler wurde. Am abgebildeten obere Holm erkennt man den eingefügten, ca. 10mm weit hervorstehenden Gießast

alt

In der Rumpfunterseite wurden die Öffnungen der vier MG und die Hülsenauswürfe aufgebohrt, sowie die eckigen Befestigungspunkte der Fahrwerkrohre entfernt. Aus gezogenen Gießästen entstanden ergänzende Strukturen in den Radbuchten. Die Ansaugöffnungen in den Flügelwurzeln wurden aufgefräst und die Stabilisierungsstreben aus Kunststoffabfall angefertigt und eingeklebt.
 Um z.B. solche Streben herzustellen, wurden Gießäste vorsichtig über einer Kerzenflamme erwärmt und zwischen zwei polierten Kupferplatten flach gepresst. Durch wiederholtes Erwärmen und Pressen können verhältnismäßig dünne Platten erzeugt werden. Das so entstandene Plattenmaterial ließ sich beliebig zuschneiden und war im Rahmen des Bauwettbewerbs regelkonform. Nach dieser Methode entstanden unter anderem die Antennen auf der Rumpfunterseite und Teile des Cockpits und des Fahrwerks.

Herstellung von FlachmaterialOberseiteUnterseite

Die Bausatzteile der Fahrwerksbeine waren zu dünn und hatten anstelle eines runden Querschnitts einen Rechteckigen. Passende Ersatzbeine konnten relativ problemlos aus Gießästen des Bausatzes angefertigt werden. Sie wurden in Form geschnitzt und mit gezogenen/geplätteten Kleinteilen ergänzt. Die Felgen wurden mit 0,3mm Löchern versehen und die schlecht passenden Naben wurden nach dem Anbau der Räder verspachtelt. 

Fahrwerk Bild 1Fahrwerk Bild 2Fahrwerk Bild 3
 

Die Klappen der Fahrwerkschächte wurden dünner geschliffen und mit Scharnieren, die aus dem Papier der Bauanleitung entstand, ausgestattet. Das sehr lange Bugfahrwerk ließ den Rumpf sehr hochbeinig erscheinen. Aus diesem Grund wurde der untere Teil des Fahrwerks abgetrennt und in einem flacheren Winkel wieder angeklebt.

Um die Standsicherheit des hecklastigenModells zu gewährleisten, wurden zusätzliche Bleigewichte im Bug eingesetzt.

Die beiliegende Schubdüse ist nur ein abgesetzter Plastikring und ähnelt dem Originaltriebwerk in keinster Art und Weise. Eine gefällige Triebwerksdüse entstand aus aus zwei  Teilen aus zusammengerolltem Papier der Bauanleitung. Weitere Kleinteile, die aus Papier und Plasteresten entstanden, waren das Zielvisier. der Scheibenwischer vor der Frontscheibe, diverse Antennen und die Schwenk- und Verriegelungsteile des Canopies.

TriebwerksdüsePapierdüse

Die Lackierung des Flugzeugs begann mit den gelben Flächen für die Suez-Stripes, mit denen die Maschinen während der Suez-Kriese 1956/57 gekennzeichnet waren. Anschließend wurden die gelben Streifen abgeklebt und die schwarzen Bereiche einschließlich Pre-shading lackiert. Während des Lackierens wurden die Scheiben mit BareMetal Folie abgedeckt.

Die schwarzen Bereiche der Suez-Kennzeichnung wurden nun komplett abgedeckt und dann die Unterseite in RAF-Sky gesprüht.  Die Sky-Bereiche wurden danach maskiert und die restlichen Flächen in DarkSeaGrey lackiert.

Lackierung SuezstripesDark Sea Grey

Für die schwarzen Tanks, die Nase, die roten Seitenleitwerke und für kleine Nachbesserungen wurden Teilbereiche selektiv abgeklebt und lackiert. Hier zeigten sich prompt Probleme durch schlechte Lackhaftung. An beiden Rumpfverlängerungen und am Bug riss das Klebeband Teile der Lackierung ab.

Lackfehler 1Lackfehler 2
  
Lackfehler 3Lackfehler 4

Die beschädigten Bereiche wurden angeschliffen, erneut abgeklebt und nachlackiert. Zusätzlich konnte dieses Mißgeschick dazu genutzt werden, um die mit Weißleim befestigte Frontverglasung neu zu verspachteln, deren Klebenähte nach dem Durchhärten keinen guten Eindruck machten. Im Anschluss daran folgte eine Zwischenversiegelung mit einer Schickt Klarlack.

KlarlackLackfehler 4

Die russischen Original Bausatzdecals waren qualitativ absolut unbrauchbar. Speziell für die Sea Venom existierte in der Ersatzteilbox aber noch einen polnischer Satz, der nun zum Einsatz kam. Leider waren diese Nassschiebebilder extrem steif und zerlegten sich beim Kontakt mit Mr.MarkSofter, so dass letztendlich eine Mischung aus SeaFury-, Harrier- und Phantomdecals zurückgegriffen werden musste. Wenigstens gelang es, den roten Phöenix des Originalsatzes, das Staffelabzeichen der 809 Squadron unversehrt auf dem Modell anzubringen. Nachdem die Decals mit Klarlack versiegelt waren, folgte ein dezentes Ölfarbenwashing in Dunkelgrau und Anthrazit. Mit Hilfe von Pigmenten wurden streifige Verschmutzungen auf Rumpf und Tragflächen sowie Ruß- und Anlaufspuren im Triebwerksbereich dargestellt. Mit Ausnahme der Nase bekam der gesamte Flieger zum Abschluß einen seidenmatten Klarlacküberzug.

Einige Bilder des fertigen Modells:

Bild 1Bild 2Bild 3 
Bild 4Bild 5Bild 6
 
Bild 7Bild 8Bild 9

Lutz Fuhrmann