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Flugzeugkreuzer SMS Stuttgart 1/350 von Wolfgang Kring Drucken
Sonntag, 14. Februar 2010 um 07:00

Flugzeugkreuzer SMS Stuttgart 1/350 von Wolfgang Kring

Das Original

Die SMS Stuttgart, einer von drei kleinen Kreuzern der Stettin-Klasse, wurde 1905 in Danzig auf Kiel gelegt. Mit ihrer 13200 PS starken Maschinenanlage erreichte sie eine Geschwindigkeit von annähernd 24 Knoten, bei einer Wasserverdrängung von 3500t.

Im Ersten Weltkrieg nahm sie ohne Feindberührung an der Skagerrakschlacht teil und wurde Anfang 1918 zum Flugzeugkreuzer umgebaut. Flugzeuge wurden im Ersten Weltkrieg von der deutschen Marine vorrangig als Aufklärer verwendet. Da sie zu dieser Zeit noch nicht die erforderliche Reichweite besaßen, um von deutschen Stützpunkten aus die strategisch wichtige Nord-, bzw. Ostsee zu kontrollieren, unternahm die Marine mehrere Versuche, Flugzeuge in irgend einer Form in die Flotte zu integrieren.

Bereits in den ersten Jahren des Krieges benutzte die Kaiserliche Marine umgebaute zivile Frachter als Flugzeugmutterschiffe. Diese, mit Hangars für mehrere Wasserflugzeuge ausgestatteten Einheiten, waren aber zu langsam um der Flotte zu folgen. So fuhr z.B. die SMS Santa Elena (Kennung: FS 2) mit 11 Knoten nur etwa halb so schnell wie die Kriegschiffe, die sie begleiten sollte. Außerdem mussten die ungepanzerten und oft nur spärlich bewaffneten Flugzeugmutterschiffe zum Aussetzen und Einholen ihrer Bordflugzeuge stoppen, was sie zusätzlich zum leichten Ziel werden ließ und den Abstand zur Flotte weiter vergrößerte. Auf der Suche nach Alternativen viel 1917 die Wahl auf den kleinen Kreuzer SMS Stuttgart einem älteren Schiff, dessen Kampfwert eh nicht mehr den Erfordernissen entsprach, aber in Punkto Geschwindigkeit die Vorgaben erfüllte.

Flugzeugkreuzer SMS Stuttgart 1/350 von Wolfgang KringFlugzeugkreuzer SMS Stuttgart 1/350 von Wolfgang KringFlugzeugkreuzer SMS Stuttgart 1/350 von Wolfgang Kring

Ein Nachteil der Stuttgart war ihre geringe Breite, die lediglich einen Hangar für nur zwei Flugzeuge zuließ.
Geplante weitere Umbauten von Kreuzern zu Flugzeugmutterschiffen (Stettin, Roon) wurden bis zur Kapitulation Deutschlands im November 1918 nicht mehr verwirklicht. Die Stuttgart musste nach dem Ersten Weltkrieg an England abgegeben werden und wurde Anfang der Zwanziger abgebrochen.

Der Bausatz

Grundlage für die Stuttgart war der schon ausführlich besprochene Bausatz des kleinen Kreuzers SMS Emden von Revell in 1/350 (trotz kleiner Unterschiede beider Schiffsklassen). Während ich den geringen Längenunterschied in diesem Maßstab noch übergehen konnte, erwarteten mich einige Umbauten auf dem Deck des Schiffes. Neben dem Hangar zeigte sich dies am Auffälligsten bei den Schornsteinen. Anders als auf der Emden standen die drei Schornsteine der Stuttgart nicht im gleichen Abstand zueinander entfernt. Die Anordnung ihrer Maschinenanlagen führte dazu, dass der hintere Rauchabzug weiter abgesetzt (detachiert) stand. Das Vorschiff der Stuttgart schien mir auf den Fotos etwas länger zu sein, und auch die Brücken beider Schiffsklassen unterschieden sich deutlich. Die der Stuttgart war länger und der Fockmast stand in ihrer Mitte (auf der Emden dahinter).

Der abgesetzte Schornstein der STUTTGART fällt auf Im direkten Vergleich zu einem EMDEN-Rohbau sind die Umbauten schön zu sehen Im direkten Vergleich zu einem EMDEN-Rohbau sind die Umbauten schön zu sehen

Brücke und Vorschiff

Als Vorlage zu meinen Umbauten dienten mir die wenigen (mir) bekannten Bilder des kleinen Kreuzers. Für die Brücke verwendete ich die dem Bausatz beiliegende Hälften. Ich verlängerte sie mit Plastiksheet, konstruierte ein längeres Dach und baute die abweichende Manöverbrücke mit ihren weit hinten liegenden „Flügeln“. Auch der hintere Unterbau der Brücke wurde scratch gebaut. Dem Fockmasten, den ich aus verschieden starken Kunststoff-Rundstäben und Stahldraht herstellte verpasste ich den charakteristischen, konischen Mastkorb, für den ich einem Kugelschreiber die Spitze absägte. Die Brücke, samt eingesetztem Mast, legte ich dann wegen der folgenden Umbauten am Rumpf erst einmal zur Seite.

Das Vorschiff verlängerte ich mit Plastiksheet knapp vier Millimeter in die Kuhl hinein. Im gleichen Arbeitsschritt ersetzte ich die vorderen, auf Deck stehenden 10,5 cm-Geschütze durch 8 cm-Flak, die ich aus einem König-Bausatz von ICM räuberte.

Die beiden unterschiedlichen Brücken der beiden SchiffsklassenVogelperspektive: So könnte ein Marineflieger die STUTTGART sehen könnenVogelperspektive: So könnte ein Marineflieger die STUTTGART sehen können

Schornsteine

Für die Darstellung des abgesetzten Schornsteins reicht es nicht, einfach nur den letzten Schornstein weiter nach hinten zu setzten, …wie ich es anfangs der Einfachheit halber gehofft hatte. Doch so wäre er mitten in den Hangars gerutscht.

Beim Vergleich der mir zur Verfügung stehenden Original-Abbildungen der Stuttgart - vor ihrem Umbau - und der Emden fand ich heraus, dass eigentlich der letzte Schornstein bei beiden Klassen annähernd am gleichen Platz stand, während die ersten beiden Schornsteine der Stuttgart weiter nach vorne gerutscht waren. Aber auch die einzelnen Aufbauten zwischen den Schornsteinen in der Mittellinie des Schiffes unterschieden sich. So entschied ich mich den gesamten Aufbau des Mittelschiffes, der im Revell-Modell auf dem Deckteil mit angegossen war zu entfernen und zum Teil unter Verwendung der frei gewordenen Teile und einigen Selbstbauten neu aufzubauen. Nun hätte ich die Schornsteine an ihre richtige Position kleben können, entschied ich mich aber, auch hier den Einbau des Hangars abzuwarten

Das Hangartor ist hochgezogen und die Besatzung steht zum Einholen des Flugzeugs bereit Ein paar Figuren reichen, um dem Diorama ein wenig Leben zu verleihen Einfache Lösung: Geschlossener Hangar auf Grund fehlender Originalbilder

Hangar

Im Gegensatz zur Brücke musste der Hangar vollkommen scratch aufgebaut werden. Zu ihm gehört nicht nur der kastenförmige Halle für die Flugzeuge, sondern auch verschiedene weitere Anbauten wie die Werkstatt und Lüfter. Der Boden des Hangars lag auf Höhe des Hauptdecks, zwischen dem dritten Schornstein und dem (weiter nach hinten versetzten) Hauptmast. Für das Modell bedeutete dies, dass ich einen Teil der Bordwände in dem erwähnten Bereich bis aufs Hauptdeck abschneiden musste. Auch die hinteren Schwalbennester fielen dem zum Opfer. Zuerst entnahm ich so gut es ging den Originalbildern die Maße, zeichnete mir auf Millimeterpapier mehrere Skizzen. Umgerechnet auf 1/350 begann ich dann mit der Planung des Hangars. Was ich nicht messen konnte improvisierte ich; aber das weiß ja niemand, … oder?

Die Plattformen, sowie der untere Teil des Großmastes sind dem Revell-Bausatz entnommen und nur leicht modifiziert worden. Den oberen Teil habe ich aus Stahldraht hergestellt. Besonders für die Mastspitzen und Rahen verwende ich sehr gerne den harten Stahldraht, er lässt sich (mit unsichtbarem Nähgarn) auch etwas „auf Zug“ verspannen, ohne sich zu verbiegen.

Bemalung

Was die farbliche Gestaltung der Schiffe im Ersten Weltkrieg angeht, so zeigte sich die deutsche Marine nicht so experimentierfreudig wie andere Flotten. Auch die Stuttgart trug den typisch hellgrauen Anstrich, der im Laufe des Krieges ein wenig zu leiden hatte. Besonders bei der Backbordseite versuchte ich, die Stuttgart anhand eines Fotos möglichst vorbildgetreu zu altern.

Die schlanke Silhouette war der Nachteil des Flugzeugkreuzers Das kleine Bordflugzeug ist ein Selbstbau aus Plastik und geätzter Reling Der Mastkorb war mal die Spitze eines Kugelschreibers

Diorama

Ursprünglich hatte ich die Stuttgart als Standmodell geplant. Doch bei meinen Recherchen kam mir das soeben erwähnte Foto unter, auf dem das Einholen eines Bordflugzeuges abgelichtet war. Es zeigte den Backbordkran, an dessen Haken eines der Bordflugzeuge hing und mehrere Mannschaftsmitglieder, die im Hangar warteten um den Doppeldeckers mit Stangen herein ziehen zu können. Für mich eine sehr spannende Szene, die ich auch von Bildern anderer Flugzeugmutterschiffen kannte.

Da das Modell der Stuttgart kein besonders hohes Unterwasserschiff hatte, brauchte ich es nicht abzusägen. Es reichte, den Rumpf in die ca. 1cm starken Untergrundplatte zu versenken. Diese bestand aus meinen Standard-Zutaten, einer Styroporplatte, Acrylgel und Farbe in einem Holzrahmen.

Das Flugzeug vom Typ „Friedrichshafen 33“ ist ein Eigenbau aus Plastiksheet, geätzter Reling als Streben zwischen Rumpf, Flügeln und den Schwimmern und am Computer verkleinerter Abziehbilder der Lozenge-Tarnung.

Fazit

Ich liebe Exoten. Mit dem Umbau zur Stuttgart konnte ich ohne allzu großen Aufwand mit Revells Dresden-Modell eine weitere Klasse, deutscher Leichter Kreuzer aus dem Ersten Weltkrieg abdecken. Der Bau der Stettin oder der Nürnberg wäre mehr als konsequent. So ergibt sich das Eine aus dem Anderen. Vielleicht haben wir WW1 Modellbauer auch mal das Glück, z.B. eine Scharnhorst aus dem Ersten Weltkrieg auf den Basteltisch zu bekommen.

Wolfgang Kring