Modellsuche

Suchen


Französischer Kreuzer Dupleix 1903 von Wolfgang Kring Drucken
Montag, 13. Dezember 2010 um 07:00

Französischer Kreuzer Dupleix 1903 von Wolfgang Kring

„Was ist das denn? Schaut das schräg aus!“ Und: „Das Ding will ich haben!“, waren die ersten Gedanken, nachdem ich Bilder der DUPLEIX im Internet gesehen hatte. Doch zum Einen hatte ich noch nie von einer russischen Firma „U-Boat-Laboratorium“ aus St. Petersburg gehört, zum Anderen waren mir die drei kleinen französische DESAIX Kreuzer von 1903 so ziemlich unbekannt. …ist ja auch eine im Kreise der Modellbauer bis dato eher vernachlässigte Schiffsklasse.
Beide Wissens-Defizite konnte ich mit ein paar Mails nach Russland, an Eduard Zhuravlev, dem Eigentümer von U-Boat-Laboratorium schließen. Ein paar Wochen später hielt ich dann auch meine eigene DUPLEIX in der Hand.

Das Original

Die DUPLEIX war eine von drei leichten Kreuzern der DESAIX-Klasse (Desaix, Dupleix, Kleber). 1898 in Rochfort auf Kiel gelegt, lief sie 1900 vom Stapel und trat 1903 ihren Dienst an. Konzipiert war sie als Flaggschiff auf Auslandsstationen in einer der zahlreichen französischen Kolonien.
Den Beginn des ersten Weltkriegs erlebte die Dupleix in Hongkong. Von dort aus operierend brachte sie zwei deutsche Frachter auf, die Nachschub und Kohlen für Graf Spees Ostasien Geschwader an Bord hatten. Danach nahm sie ohne Erfolg an der Jagd auf den Handelsstörer „SMS EMDEN“ teil und eskortierte britische Truppentransporter zwischen Indien und dem Suezkanal. Im Frühjahr 1915 verlegte sie ins Mittelmeer. Dort nahm sie an der Beschießung türkischer Positionen bei Bodrum teil. Den Rest des Krieges verbrachte sie am Suezkanal. Ein Jahr nach Ende des Weltkrieges wurde sie außer Dienst gestellt und 1922 abgewrackt.

Die DESAIX lief 1901 in Saint-Nazaire vom Stapel. Ihre Karriere im ersten Weltkrieg verlief relativ ruhig. Sie patrouillierte im östlichen Mittelmeer vor dem Suezkanal und der syrischen Küste, wo sie 1915 bei einer Rettungsaktion von Armeniern aus Antiochia teilnahm. Im Jahr danach verlegte sie nach Dakar an der afrikanischen Westküste. Dort wurden ihre vier 100mm Kanonen ausgebaut, um französische Handelsschiffe damit zu bewaffnen, außerdem wurden zwei ihrer vier 47mm Kanonen zur Flugabwehr umgerüstet. Auch das Ende des Krieges verbrachte sie auf Patrouille, dieses Mal im Atlantik.

Die KLEBER war der Unglücksrabe dieser Klasse. Schon beim Stapellauf in Bordeaux wurde sie am Rumpf beschädigt und blieb in der Werft. Auch Bei den anschließenden Maschinentests gab es Probleme. 1915 strandete sie unter feindlichem Feuer vor den Dardanellen. Sie konnte nach zwei Tagen wieder flott gemacht werden, nur um kurze Zeit später bei Mudros mit einem britischen Transporter zu kollidieren. Nach erneuter Reparatur lief sie am 27. Juni 1917 auf eine deutsche Miene und sank, wobei 42 Mann Besatzung ihr Leben verloren.

Das Modell

Die DUPLEIX ist ein sauber gegossenes Model aus weißem Resin ohne Blasen, Löcher oder sonstige Mängel, die Resinmodelle gerne aufweisen und die sonst laut nach zeitintensiven Schleif- und Spachtelarbeiten schreien, auch die typischen Angüsse und Sockel fielen hier angenehm klein aus. Macken waren auf den ersten Blick an den Bauteilen des Modells nicht zu erkennen. Typisch für einen Resin Bausatz war allerdings der stolze Preis, aber - und das schon Mal vor ab gesagt: Die DUPLEIX ist jeden Cent wert.

Der Rumpf bestand aus zwei Teilen und war entlang der Wasserlinie getrennt. Das erleichtert, je nach Vorliebe, die Wahl zwischen Standmodell und/oder Diorama. Außerdem war er – ungewöhnlich für einen Resinbausatz - hohl gegossen. Das wiederum erleichterte die Handhabung während des Zusammenbaus erheblich, sparte ebenfalls einen Haufen Schleifarbeit und ich hatte nicht ständig das Gefühl einen Ziegelstein zu bearbeiten. Damit wurde der Bau dieses Resinmodells genau so einfach, wie der eines Plastikbausatzes.

Der Guss war derart sauber und filigran, dass sogar der erhabene kleine Namenszug „DUPLEIX“ am Heck einwandfrei zu lesen war. Ein weiteres sehr feines Detail waren die Ketten entlang der Schiffsseiten. Auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht weiß, welchem Zweck sie dienten (Möglich wäre, sie sind Teil einer Torpedoschutzvorrichtung, eine Anlegehilfe für Boote, oder, oder, oder…).
Auch die gedrehten Rohre und Masten aus Messing waren absolut fein gearbeitet. Die Rohre der Haupt- und Mittelartillerie waren sauber abgestuft wieder geben und am hinteren Ende mit einem Steckstift zum einfacheren Einkleben in die Geschütztürme versehen. Die Masten verjüngten sich nach oben hin und auch die Rahen liefen an ihren Enden spitz zu.

Dem Bausatz lagen zwei Ätzeilplatinen bei, die neben den Standards (Reling, Leitern, …) auch Davits, Bootszubehör und die sternförmige (achtbeinige) Lafetten für die Schnellfeuergewehre enthielten. Die Reling hatte –aus meiner Sicht leider- keinen durchgehenden Unterzug als Klebeleiste. Andere Modellbauer mag das weniger stören, aber für einen Grobmotoriker wie mich ist das Ankleben einzelner geätzter Reling-Pfosten einfach nichts, weshalb ich die Reling nach mehreren Versuchen durch Reststücke anderer Hersteller ersetzte; dazu aber später.

Zum Modell selbst kamen noch weitere Zutaten, wie Acrylgel, eine Styroporplatte und ein paar Holzleisten zum Bau der Wasserfläche. Als Werkzeug dienten mir ein Sägemesser aus der Küche zum groben Abtrennen der (wenigen) Resinangüsse, unterschiedliche Skalpelle und natürlich Feilen aller Art für die Feinarbeit. Weiteres Utensil war Sekundenkleber, denn Resin lässt sich mit Plastikkleber nicht verbinden.

Bereits vor dem Baubeginn legte ich mich auf die meiner Meinung nach interessantere schwarz-graue Vorkriegs-Bemalung fest. Das in der Bauanleitung angegebene Farbschema von 1904 ist – nach meinem Wissensstand - falsch und erinnerte eher an die zeitgleichen britischen Schiffe, mit schwarzem Rumpf, weißen Aufbauten und gelben Schornsteinen. Da ich selbst in Internet nur schwer Bilder der alten DUPLEIX finden konnte, entschied ich mich, die Decks in rotbraun (Linoleum) zu halten und nicht in grün, oder komplett als Stahldeck (wie ebenfalls im Internet zu lesen war). U-Boat-Laboratorium selbst machte hierzu keine Angaben.
Zuerst bemalte ich die kleineren Einzelteile aus dem Bausatz, wie die Schornsteine, die kastenförmigen Lüfter, Ankerwinden und Andere mit Humbrol 166, hellgrau.
Der Rumpf war im Original schwarz gestrichen. Eine rabenschwarze Rumpfbemalung hätte aber sämtliche Details und Feinheiten des Modells „geschluckt“. Daher folgte ich der weit verbreiteten Empfehlung, dem Maßstab entsprechen den Grundton etwas aufzuhellen und bin mit WEM C06 (Tyre Black) auf ein „helleres“ Schwarz gestoßen, welches meiner Meinung nach wunderbar zum Modell passt, ohne den Gesamteindruck zu verfälschen.
Auch das rotbraun des Bodenbelags pinselte ich bereits vor dem Zusammenbau auf mehrere Teile. Als Farbe wählte ich Revell 83.
Die zahlreichen Beiboote der DUPLEIX hob ich farblich in leicht unterschiedlichen Grautönen vom Rest des Schiffes ab. Dies hat keinen historischen Hintergrund, es durchbricht lediglich das Einheitsgrau des Modells.

Während die Farbe trocknete, konnte ich mit dem Bau der Wasserfläche beginnen. Aus meiner Sicht sehr einfach und dennoch flexibel gestaltbar ist es, den Umriss des Rumpfes entlang der Wasserlinie auf ein Stück bunter Pappe zu zeichnen, auszuschneiden und dann mit Stecknadeln auf einer Styroporplatte zu pinnen. Der Vorteil des weichen Styropors gegenüber einer harten Untergrundplatte ist, dass ich das Modell bei Bedarf –wie z.B. beim Darstellen von hohem Wellengang- mit etwas Druck problemlos auch schräg in die Szenerie einsetzen kann. Meine DUPLEIX wird aber gerade und in ruhiger See unterwegs sein, da ihre Form selbst schon „schräg“ genug ist.
Eine dünne Schicht Acrylgel schloss die Poren und glättete die Oberfläche. Danach bemalte ich die Platte mit einer Mischung diverser Blau- und Grüntöne, bis ich das gewünschte „Meeresblau“ erreichte, um nochmals mit mehreren Schichten Acryl-Gel darüber zu gehen. Das weiss-cremige Gel aus dem Baumarkt lässt sich einfach verarbeiten und trocknet durchsichtig aus. Mit einem dicken weichen Pinsel ließen sich ganz einfach die Wellenmuster in das noch feuchte Acrylgel eintupfen. Nach dem Austrocknen, was je nach Anzahl und Dicke der aufgetragenen Gel-Schichten mehrere Tage dauern kann, schnitt ich die Pappe mit einem Skalpell entlang ihrer Außenkante heraus und das Modell hatte einen exakten Platzhalter. Zum Einkleben des Schiffs verwendete ich dickflüssigen Styroporkleber (von UHU), der zusätzlich kleinere, mögliche Spalten rund um den Rumpf schloss und sich gleichzeitig zum Aufbau einer dezenten Bugwelle eignete. Zum Abschluss der Wasserdarstellung wurde die Oberfläche trocken gemalt. Mit ganz wenig weißer Farbe an der Spitze eines Borstenpinsels wurden Wellenkämme, Gischt und Bugwelle farblich leicht hervorgehoben. Damit war das Modell von der Wasserlinie abwärts fertig; weiter ging es mit den Aufbauten.

Zuerst klebte ich die Decks der Brücke und die hintere Plattform auf das Schiff. Danach kamen die bereits erwähnten kastenförmigen Lüfter an die Reihe. Von ihnen glich keiner dem Anderen, auch wenn sie sich teilweise auch nur unwesentlich in Höhe oder Durchmesser unterschieden. Das ließ im ersten Moment Verwechslungsgefahr befürchten. Allerdings passte jeder der Lüfter dank individuell geformter Steckverbindung nur an die ihm vorbestimmte Position. Ähnlich einfach gingt der Anbau der vier Schornsteine und der anderen kleineren Details von der Hand.

Aufwendiger gestaltete sich das Anbringen der Ätzteile. Zu erst erhielten die Beiboote ihre Ruderbänke. Anschließend faltete ich die Fallreeps und die sternförmigen Lafetten der kleineren Deckgeschütze. Der Versuch, die mitgelieferten Reling zu montieren endeten in einem Fiasko. Das Ankleben einzelner Pfosten aus wirklich dünnem Messing stellte meine Geduld stark auf die Probe und das Ergebnis glich mehr… aber lassen wir das! Als meine kleine Katze dann den Rest der glänzenden Platine samt Reling und Leitern zerbiss war ich ihr fast dankbar und hatte so das ideale Alibi zum Einsatz diverser Relingstücke (mit Unterzug!) aus meiner Krabbelkiste. Noch ein wenig Farbe dran; fertig!

Die zweite Herausforderung des Bausatzes stellte die Takelage dar. U-Boat-Laboratorium hatte lobenswerter Weise einen exakten Takelplan einer inzwischen (leider) abgeschalteten französischen Marineseite aus dem Internet mitgeliefert. Die Masten der DUPLEIX waren aus Messing, dementsprechend stabil und hielten -ohne sich zu verziehen- mehr Spannung aus als Plastik- oder Resin-masten. Zum Takeln verwendete ich sogenannten „unsichtbaren Nähgarn“ aus dem Kurzwarenladen mit einem Durchmesser von 0,1 mm. Die Ansatzpunkte an Deck und Schornsteinen bohrte ich mit einem Minibohrer (0,3 mm) auf und klebte die passend zurecht geschnittenen Fäden mit Sekundenkleber ein. Jeden dieser Fäden markierte ich zuvor mit einem kleinen gut sichtbaren Aufkleber, denn das „Unsichtbare Nähgarn“ machte seinem Namen alle Ehre. Mit kleinen Knoten und je einem Tröpfchen Sekundenkleber fixierte ich die Takelage an den Masten.

Noch wirkte die DUPLEIX wie ein Geisterschiff; da die Besatzung fehlte. Diese suchte ich mir aus den Sets der Firmen Preiser und Goffy aus, die eine Anzahl verschiedener dreidimensionaler Figuren anbieten

Fazit

Mit der DUPLEIX hat U Boat Laboratorium ein wirkliches Sahnestückchen auf den Markt gebracht. Es ist ein tolles, ungewöhnliches und noch nie da gewesenes Modell, das rundum begeistert! Wer hat schon ein Schiff mit Wespentaille zu Hause? Und noch mal: Die DUPLEIX ist jeden Cent wert!
In naher Zukunft werde ich dieser Epoche der „Vor-dreadnoughts“ wohl auch treu bleiben können. Denkt man an die vielen Neuankündigungen aus dieser Ära im Maßstab 1:350, wie dem französischen Schlachtschiff BOUVET von YS Masterpieces, oder aber der SMS SCHARNHORST und der SISKOY VELIKI von Kombrig, werden sicher einige Bastelstunden mit diesen alten Bügeleisen gefüllt werden.


Wolfgang Kring