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Schlachtschiff USS Missouri (1/96, Eigenbau) von Albrecht Baier und Ernst Knell Drucken
Mittwoch, 20. Juli 2011 um 07:00

Missouri

Amerikanisches Schlachtschiff BB-63 USS MISSOURI

im Ma├čstab 1:96, L├Ąnge ca. 2,80 Meter. Zu etwa 90% scratch gebaut.
Anzahl: urspr├╝nglich drei St├╝ck, zwei Mal Zweiter Weltkriegs-Version und ein Mal modern mit Hubschrauberlandedeck und Cruise Missile-Startern.
fertig hergestellt wurden zwei Modelle in der Zweiter Weltkriegs-Version.
Bauzeit 24 Jahre (warum steht im Bericht)

Angefangen hat alles im Sommer 1984 an einem Strand in Portugal. In einer Modellbauzeitschrift fanden wir dort einen Artikel ├╝ber ein Bismarckmodell im Ma├čstab 1:100. K├Ânnen wir das auch? Es war hei├č und wir hatten den ganzen Tag Zeit dar├╝ber nachzudenken und uns ├╝ber Modelle zu unterhalten.

Wir, das sind Ernst Knell und ich, Albrecht Baier, aus Darmstadt. Damals noch 25 Jahre alt, mit jeder Menge Ideen f├╝r ein ferngesteuertes Modell. Es sollte auf jeden Fall etwas gro├čes werden und nat├╝rlich, wie wir es bei allen unseren Modellen in der Vergangenheit gemacht hatten gleich doppelte Ausf├╝hrung, so dass jeder von uns eins zur Verf├╝gung haben sollte. Was auch feststand: keine Bismarck! Damals war die Szene schon voll mit Bismarck-Modellen und wir wollten lieber mal was anderes bauen. Zur Wahl standen Vorbilder wie Yamato, Prince of Wales, Scharnhorst und auch die Missouri.

Wieder zur├╝ck in Deutschland ├╝berlegten wir uns erstmal was ÔÇ×kleinesÔÇť zu bauen, um zu sehen, ob wir f├╝r so ein Gro├čprojekt mit Glasfaserrumpf und herstellen der meisten Teile im Eigenbau, auch geeignet w├Ąren. Die Wahl zum ausprobieren, fiel auf einen Flugzeugtr├Ąger der Midway-Klasse im Ma├čstab 1:200, gut 1,50 m als Modell lang. Der Rumpf in Spantbauweise, beplankt mit Balsa Holz und dann mit Glasfaser und Harz aus dem Bootsbau ├╝berzogen. Das Holz diente nur als Formgeber. Glasfasermatten und Harz werden normalerweise f├╝r Hochseeyachten benutzt, sind Salzwasser best├Ąndig, haben eine hohe Schlagfestigkeit, sind frostsicher und als Werkstoff sehr gut zu verarbeiten. Die beiden Flugzeugtr├Ąger waren bei t├Ąglichem Bauen innerhalb von zw├Âlf Monaten fertig und kamen zum Einsatz. Alles lie├č sich ohne Probleme umsetzen und somit stand dem Gro├čprojekt nichts mehr im Weg.

Entschieden hatten wir uns dann als Gro├čprojekt f├╝r die Missouri. In Deutschland den RC-Modellbauern so unbekannt wie die R├╝ckseite des Mondes. Durch Freunde und gute Kontakte zur US-Army, konnten wir Pl├Ąne, Blaupausen, Detailzeichnungen und Spantenrisse der Missouri bekommen. Diese kamen, soweit wir das verfolgen konnten, aus der Marinewerft in San Diego/Kalifornien. Im Juni 1985 fiel der Startschuss. Inzwischen waren wir zu dritt und wollten drei Modelle bauen. (Der dritte Mann, der die moderne Variante bauen wollte, hat aber nach f├╝nf Jahren das Handtuch geworfen.) War im alles zu aufwendig und zu lang.

Hier mal ein paar Worte zu der langen Bauzeit:
├älter geworden und nun mit Familie, entsprechenden Pflichten und Verantwortung trafen wir uns zum Bau der Missouris nur 1x pro Woche. Im Schnitt arbeiteten wir dann pro Person drei Stunden an diesem Abend am Modell. Wenn man Feiertage, Urlaub etc. abzieht bleiben etwa 40 Wochen im Jahr. 3 Std. x 40 ergibt 120 Stunden pro Jahr und Person. Diese 120 Stunden mal 24 Jahre sind 2880 Std. pro Person. Wenn ich diese Zeit auf normale Arbeitstage mit 8 Stunden umlege sind das noch nicht einmal 1 ┬Ż Jahre pro Person zum Bau eines Modells. Wirklich nicht viel Zeit f├╝r Scratchbau in dieser Gr├Â├čenordnung. Das unsere Originalbauzeit 24 Jahre betrug, l├Ąsst sich auch damit erkl├Ąren das der Weg f├╝r uns das Ziel war. Zusammen die Probleme am Modell zu l├Âsen, mal ein Bier dabei zutrinken und zu fachsimpeln war f├╝r uns immer wichtiger als irgendwelche Rekorde zu brechen. Allerdings hatte keiner mit 24 Jahren gerechnet. Anfangs waren 3-5 Jahre ein grober Richtwert.

Die R├╝mpfe waren ohne Probleme relativ schnell gebaut. Schlimm war das Schleifen der Glasfaseroberfl├Ąche. Viel Feinstaub und ohne Atemschutz nicht zu machen. Es folgte der Innenausbau mit Aluminiumplatten, einem doppelten Boden zum Verschrauben alle eingebauten Teile. Auch wurde der Rumpf innen gespachtelt und lackiert, um das Ganze qualitativ besser aussehen zu lassen. Fahrversuche mit vier Wellen und entsprechenden Motoren brachten kein besseres Fahrergebnis als nur wenn nur die beiden ├Ąu├čeren Wellen angetrieben wurden. Somit wurden die beiden innen liegenden Wellen nur blind eingebaut und nicht angetrieben. Die beiden ├Ąu├čeren laufen jede ├╝ber einen wassergek├╝hlten Motor mit 12 Volt. Als Energiequelle f├╝r alle Funktionen sollten sp├Ąter zwei Autobatterien je Schiff dienen.

Das Aluminiumdeck wurde mit ca. 3 mm breiten und ca. 10 cm langen Balsah├Âlzchen beplankt. Eine Wahnsinnsarbeit bei etwa 3 Meter langen Modellen. Daf├╝r hat sich die M├╝he gelohnt. Nach dem Schleifen hatten wir ein sch├Ân beplanktes Holzdeck. Heute w├╝rden wir diesen Arbeitsschritt wesentlich genauer ausf├╝hren und auch einen Klarlack nehmen, der im Lauf der Jahrzehnte nicht so stark gilbt. Aber wer wusste das damals schon?

Die Barbetten der drei gro├čen Gesch├╝tzt├╝rme sowie die je neun 40,6 cm-Gesch├╝tzrohre haben wir nicht selbst gedreht, da wir nicht ├╝ber entsprechendes Equipment verf├╝gten. Eine ortsans├Ąssige Maschinenfabrik ├╝bernahm diese Arbeit. Die Barbetten sind aus Stahl, die Kanonenrohre aus Aluminium, um Gewicht zu sparen. Die T├╝rme sind alle drehbar und laufen auf Kugellagern in den Barbetten, verf├╝gen in der Drehbewegung ├╝ber Endschalter und die Rohre sind auch stufenlos anzuheben. Die Turmgeh├Ąuse aus Messing sind von uns hergestellt und wie auf den Bildern zu sehen, abnehmbar um eventuelle Wartungsarbeiten ausf├╝hren zu k├Ânnen.

Die Aufbauten bestehen gr├Â├čtenteils aus Glasfaser, Messing, Aluminium und Kupferblech. Im Inneren sind pro Modell etwa 300 Meter Kabel verlegt. Sehr viele Kleinteile sind aus Messing gebaut worden. Andere wiederum mit einem einzelnen gebauten Werkst├╝ck in Kautschuk/Silikonformen zigfach gegossen, was den Zeitaufwand unheimlich verringerte. Der Kran am Heck des Schiffs besteht aus gerecktem Kupferdraht. Eine Wahnsinnsarbeit bis alles verl├Âtet war. Lackiert sieht er einfach klasse aus. Er ist ├╝ber Motoren drehbar und kann Lasten ablassen und wieder aufnehmen. Die beiden Curtiss Seahawk Bordflugzeuge wurden mit Motoren best├╝ckt um die Propeller drehbar darzustellen. Wechselblinker am Rumpf und ├╝ber einen Lautsprecher ein entsprechendes Flugzeugmotorenger├Ąusch vervollst├Ąndigen das Ganze. Damit der Start auch optisch passt, ist der Katapult ├╝ber Motoren ausschwenkbar gebaut. Leider fliegen die beiden Flugzeuge nicht. W├Ąre sicher ein interessanter Gimmick.

Zwischen dem hinterem Gesch├╝tzturm und dem Kran ist ein gro├čes St├╝ck Deck abnehmbar um an Motoren, Wellen und Ruder Wartungsarbeiten vornehmen zu k├Ânnen. Die vielen Kleinteile, mit denen das Schiff best├╝ckt ist, erforderten sehr viel Zeit in der Herstellung. Um das ganze nicht ausufern zu lassen, sind auch Fertigteile mit verbaut. Poller, diverse Luken, T├╝ren usw.

Diesen Sommer (2011) werden beide Modelle noch zu Wasser gelassen, um auch als Fahrmodell ihr K├Ânnen zu zeigen. ├ťber selbstgebaute Ger├Ąuschplatinen f├╝r Kriegschiffalarm, Nebelhorn, startendes Flugzeug etc. verf├╝gen die Modelle noch ├╝ber eine komplette Beleuchtung f├╝r Nachtfahrten, schwenkbarer und funktionsf├Ąhiger Kran / Katapult. Drehbare T├╝rme der Hauptartillerie, h├Âhenverstellbare Rohre. Die Technik im Inneren umfasst stufenlosen Fahrtregler (Eigenbau) f├╝r Vorw├Ąrts und R├╝ckw├Ąrtsfahrt. ├ťber eine Pumpe und Temperaturw├Ąchter wassergek├╝hlte Motoren, elektronischer Wassermelder, der rechtzeitig Wassereinbr├╝che anzeigt sowie der ein oder andere Gimmick zus├Ątzlich.

Abschlie├čend nach 24 Jahren Bauzeit m├╝ssen wir sagen, dass vieles, was wir in den 80er und 90er Jahren am Modell gebaut haben, heute von uns mit einer besseren Qualit├Ąt erstellt werden k├Ânnte. Unsere F├Ąhigkeiten sind an diesem Gro├čprojekt in all den Jahren gewachsen. ├ärgerlich sind z.B. solche Sachen wie die Markierungen an den Flugzeugen. Diese entsprechen nicht den original Nummern. W├╝rde uns heute nicht mehr passieren.

Was man nicht au├čer Acht lassen sollte: Die beiden Missouris wurden als Fahrmodelle und nicht als Vitrinenmodelle von uns gebaut. Bei Fahrmodellen ist nicht ganz soviel Detailverliebtheit notwendig wie bei einem Vitrinenmodell. Es entstehen im Lauf der Zeit Sch├Ąden durch Fahrbetrieb, Transport und Umwelteinfl├╝sse. Wenn mancher das ein oder andere Detail vermisst, liegt darin der Grund.

Auch haben wir nicht das Werkzeuglager wie vielleicht ein Museum. Mancher wird sich wundern mit welch primitiven Mitteln wir oft gearbeitet haben. Vieles wurde mit einer Blechschere in Rohform geschnitten. Unser Feilensatz ist auch nicht gr├Â├čer als bei den meisten Heimwerkern. Auch haben wir keine HiTech-Werkstatt mit den neuesten elektrischen Spielereien. Aber wir hatten den Willen diese Modelle zu bauen. Wir haben das mit unseren H├Ąnden geschafft, was auf den Fotos zu sehen ist. Und wenn nicht alles zu der 100% Zufriedenheit der Kritiker gebaut wurde, so ist es immer noch besser als nur aus B├╝chern zu zitieren, wie etwas denn im Original ausgesehen hat, ohne je selbst ein Modell gebaut zu haben.

Was sich nach der Fertigstellung der beiden ÔÇ×RiesenÔÇť mehr als deutlich zeigt:
Der Transport zum See, die ganze Logistik, vom entsprechendem Kleintransporter, ├╝ber die Anzahl der Helfer (mindestens 4-5 Personen) ist derma├čen aufwendig, das die Modelle sicher nicht oft zu Wasser gelassen werden.

Der Fahrspa├č ist aber bestimmt unbezahlbar. Diesen Sommer (2011) wird noch die erste Fahrt erfolgen. Die beiden P├Âtte in Aktion zu sehen wird f├╝r viele Zuschauer ein Erlebnis. Das entsch├Ądigt dann f├╝r die lange Bauzeit. Ein wenig Wehmut kommt auf, wenn Zuschauer denken, das Modell ist ein Bausatz und man kann diesen an einem Wochenende mal schnell zuhause zusammenkleben und Sonntagabend noch ne Runde auf dem See drehen.

Na dannÔÇŽ.in diesem Sinn
Gru├č Albrecht und Ernst

Link zur Bildergalerie mit mehr Fotos der beiden Modelle