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Dragon: Zerstörer Z 39 (1/350) Drucken
Freitag, 18. November 2011 um 07:00

 

Zerstörer-Spezialwoche (Typ 1936A/B)

 

Seitentitel

Modell: German Z-39 Destroyer
Hersteller: Dragon
Maßstab: 1/350
Material: Polystyrol / Messingätzteile
Art.Nr.: 1037
Preis: ca. 55,- €

Das Original

Z 39 wurde am 21.8.1943 nach Verzögerung in Dienst gestellt. Nach einem anfänglichen Einsatz im Skagerrak und Kattegat verbrachte das Schiff den Rest seiner Dienstzeit in der Ostsee. Dort wurde Z 39 wie die meisten anderen Kriegsmarineeinheiten zur Unterstützung der Abwehrkämpfen an der Ostfront eingesetzt. Am 23.6.44 wurde er in Baltischport (heute Paldiski) durch eine russische Fliegerbombe beschädigt und musste zur Instandsetzung nach Kiel. Bei einem erneuten Fliegerangriff wurde das Schiff durch eine weitere Bombe am Heck beschädigt und war am 28.2.45 wieder fahrbereit. Den Rest des Krieges verbrachte Z 39 mit der Unterstützung von Heereseinheiten, Geleitsicherung und der Evakuierung von Flüchtlingen und Wehrmachtsangehörigen.

Nach der Kapitulation wurde der Zerstörer Anfang Juli nach Plymouth überführt und am 11.7.45 an die Amerikaner übergeben. Nach der Atlantküberquerung nach Boston verlies am 14.9.45 die deutsche Restbesatzung das Schiff und es wurde als DD-939 in die US Navy eingegliedert. 1947 an Frankreich verkauft diente Z-39 dort als Ersatzteillager für andere von den Franzosen übernommene und in Dienst gestellte Zerstörer des gleichen Typs. Letztendlich wurde das ausgeschlachtete Schiff 1964 abgewrackt.

Quelle: Die deutschen Kriegsschiffe; Hildebrand, Röhr, Stinmetz; Band 6; keine ISBN

Der Bausatz

Nach den letzten Neuheiten von Dragon im 1/350er Schiffssektor, welche sich fast ausschließlich mit Einheiten der US Navy befassten, kommt nun nach der Scharnhorst eine zweite deutsche Einheit als Bausatz heraus. Die Entwickler von Dragon haben sich dabei nicht auf das populärste Thema, nämlich U-Boote, konzentriert sondern auf die „Arbeitspferde“ der Marine – den Zerstörern. Mein Modellbauhändler meinte einmal: Für den Modellbauer hat der Krieg erst 1943 begonnen. Getreu diesem Motto fiel die Wahl auf späte Einheiten der Zerstörerklasse 1936 mit verstärkter Fla-Bewaffnung (auch als „Barbara-Bewaffnung“ bekannt).

Wie gewohnt erscheint der Bausatz in einer stabilen Pappschachtel, welche allseitig bedruckt neben dem Titelbild auch Darstellungsvarianten und die verschiedenen Details zeigt.

Beim Blick in die Schachtel wird man, ähnlich wie bei dem Trumpeter Z 25 Modell, von einer Flut von Spritzlingen für so ein kleines Modell überrollt. Die Bauteile verteilen sich auf 16 Spritzlinge. Weiter ist ein Ständer, das separate Überwasserschiff, drei kleine Ätzteilplatinen, ein kleiner selbstklebender Bogen mit den Flaggen und die Bauanleitung enthalten.

Prinzipiell gilt auch bei diesem Bausatz das, was ich schon in den vorherigen Bausatzbesprechungen von Dragon sagte. Höchste Formenbau- und Spritzgusskunst gepaart mit einer sehr interessanten Vorbildwahl. Deswegen will ich hier hauptsächlich auf die wichtigsten Besonderheiten eingehen und die Bilder für sich sprechen lassen.

Der Bug des Überwasserschiffes ist extrem scharfkantig und zum besseren Schutz in einem extra Blister verpackt. Das Unterwasserschiff hat angeformte, hinterschnittige Schlingerkiele und Kühlwasserein- bzw. austritte. Das Totholz ist auch korrekt wiedergegeben. Ebenfalls ist ein kleines Sonardom mit angespritzt. Das wohl bemerkenswerteste am Unterwasserschiff ist, dass die Wellen wie beim Original, bedingt durch die Anordnung der Kessel- und Turbinenräume, in unterschiedlichen Winkeln und Positionen aus dem Heck austreten.

Im direkten Vergleich gefallen mir die Minenschienen auf dem Achterschiff des Trumpeter Z 25 wegen höherer Detaillierung besser.

Wo es technisch machbar ist, setzt Dragon auf das sogenannte Slide Mold-Verfahren. In diesem Fall sind es die Aufbauten für Brückenunterbau, achteres Deckshaus und achteren Schornsteinunterbau, die Schornsteine, Beiboote und die Hauptartillerie.

Auf dem doppelt vorhandenen Spritzling F finden sich allgemeine Ausrüstungsgegenstände. Dies sind Scheinwerfer, E-Messgeräte, Schotten, Luken (!), Winden, Seiltrommeln und Rettungsfloße. Erwähnenswert ist hierbei, dass die Seiltrommeln zweigeteilt sind. Die Rettungsflöße sind nur als Rahmen ausgeführt. Beim Stapeln dieser entsteht somit ein quadratisches Loch. Neu ist auch, dass neben den Schotten nun auch Luken als Spritzgussteile vorliegen.

Sehr filigran sind auch die Torpedovierlinge dargestellt. Die Rohrmündungen sind hohl. Pressluftflaschen und –leitungen sind sehr fein geprägt.

Der wunderschön ausgeformten Kutter besitzt sogar Spanten und Holzbohlen für den Bootsboden. Einzig die Durchbrüche im Dollbord für die Riemen fehlen.

Das Verkehrsboot ist dreiteilig. In den Rumpf wird das Deck samt Aufbau eingeklebt und auf dieses der Wetterschutz gesetzt.

Ebenfalls doppelt vorhanden ist Spritzling H, welcher hauptsächlich Bauteile für die leichte Flak beinhaltet. Die Flakvierlinge können allerdings nur in einer Rohrerhöhung gebaut werden.

Mit jeweils nur drei Einzelteilen kommen die Baugruppen für die Hauptartillerie aus. Dies ist wiederum den modernen Formverfahren zu danken, so dass der Geschützturm bzw. –schild aus einem Guss ist.

Neben dem standardisierten Ständer für Modelle dieser Größenordnung finden sich auch die obligatorischen Besatzungsfiguren in sechs verschiedenen Posen.

Die Fotoätzteile

Zum Standard bei Dragon gehört es, ein oder mehrere kleine Ätzplatinen den Bausätzen beizulegen. Die wichtigsten seien hier erwähnt: die Radar-Matratzen und -Empfänger, Handläufe für die Schornsteine, optionale Schotten, Schutzschilde für die leichte Flak.

Die Flaggen

Die Flaggen liegen wieder in selbstklebender Form bei. Da die aber zu dick sind, sollte man diese durch Zukaufteile ersetzen.

Die Anleitung

Immer noch unübersichtlich. Die verschiedenen Bauabschnitte, 14 an der Zahl, sind nicht deutlich genug voneinander in der ca. DIN A5 großen Anleitung getrennt und es sollen sehr viele Bauteile und/oder Unterbaugruppen je Abschnitt verbaut werden.

Auf den letzten beiden Seiten findet man die beiden zur Auswahl stehenden Markierungsvarianten. Es kann neben dem Z 39 der Kriegsmarine im Bauzustand von 1945 auch die DD-939 dargestellt werden, wie der Zerstörer nach Eingliederung in die US Navy bezeichnet wurde.

Neben den Farbangaben, welche sich auf Gunze und ModelMaster beziehen, wird auch eine Bezeichnung in RAL angegeben. Hier soll das Oberdeck in RAL 7024 lackiert werden. Laut „Anstriche und Tarnanstriche der deutschen Kriegsmarine“ (Dieter Jung, Arno Abendroth, Norbert Kelling, Bernard & Graefe Verlag) besaßen Zerstörer ein Oberdeck in RAL 7016.

Fazit

Nachdem in letzter Zeit das Hauptaugenmerk von Dragon bei Einheiten der US Navy zur Zeit des Zweiten Weltkriegs lag, wird nun endlich ein wichtiger und richtiger Schritt in Richtung deutsche Kriegsmarine gemacht. Es wurde nicht nur mit der Scharnhorst eine Lücke geschlossen, sondern mit kleineren Einheiten der Kriegsmarine nun auch angefangen dieses Segment zu bedienen. Wegen der Komplexität des Bausatzes wendet sich der Bausatz an Fortgeschrittene und Erfahrene und ist für diese

alt sehr empfehlenswert

Mittlerweile ist eine weitere Variation der Zerstörer 1936 erhältlich, nämlich die Z 31. Unter dem hauseigenen Namen Cyber Hobby vertreibt Dragon einen speziell für diesen Bausatz zugeschnittenen Ätzsatz, welcher hauptsächlich Relingteile beinhaltet.

Sven