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S-Model: chinesische Geschütze Kreuzer Chaoyong/Yangwei (1/700) Drucken
Dienstag, 13. März 2012 um 07:00

Deckelbild

Modell: The Imperial Chinese Navy Chao Yung & Yang Wei
Hersteller: S-Model
Maßstab: 1/700
Material: Spritzguss, gedrehte Rohre und Masten, Fotoätzteile, Abziehbilder (2 Modelle!)
Art.Nr.: PS700003
Preis: 25 $ (bei Free Time Hobbies, ca. 19 €)

Das Original

Die in diesem Bausatz enthaltenen chinesischen Geschützten Kreuzer Chaoyong (auch Chao Yung geschrieben) und Yangwei (Yang Wei) waren Schwesterschiffe der japanischen Tsukushi (ex Arturo Prat). Diese Schiffe gehörten zu den ersten Geschützten Kreuzern überhaupt. Ihr Konzept war eine Weiterentwicklung der Rendel-Kanonenboote, d.h. sie waren mit sehr schweren Geschützen auf einem kleinen Rumpf ausgestattet. Im Gegensatz zu den Kanonenbooten sollten die neue Schiffe, laut ihrem Konstrukteur George Rendel und der Werft Armstrong, eine billige Alternative zu den Panzerschiffen darstellen, denen sie von der Geschwindigkeit her überlegen sein sollten. Die drei Kreuzer beruhten also auf der Idee, dass sie stärker als alle schnelleren Schiffe und schneller als alle stärkeren Schiffe sein sollten.

Ihre Geschütze waren damals nach den Geschützen auf den italienischen Panzerschiffen der Duilio-Klasse und dem britischen Panzerschiff Inflexible die stärksten. Die drei Kreuzer erhielten nur ein schwaches Panzerdeck und Kohlebunker als Schutz, die schweren Geschütze standen in leicht gepanzerten "Türmen" mit Öffnungen nach vorne bzw. hinten und zu beiden Seiten. Neben der leichten Panzerung war der niedrige Rumpf mit kaum vorhandenem Freibord und damit eine geringe Seetüchtigkeit der Preis für die Kombination aus starker Bewaffnung und hoher Geschwindigkeit. Armstrong konnte erst Chile als Kunden für dieses Konzept gewinnen, das aber das bestellte Schiff, die Arturo Prat, vor der Fertigstellung an Japan verkaufte, wo sie als Tsukushi fuhr. Zwischenzeitlich bestellte China zwei Schiffe, eben Chaoyong und Yangwei. Chile kaufte eine vergrößerte, etwas seetüchtigere Variante, die Esmeralda (die spätere japanische Izumi). Darauf kaufte Italien ein weiteres, noch mal leicht vergrößertes Schiff (Giovanni Bausan), während Japan die beiden Schiffe der Naniwa-Klasse kaufte.  In Italien wurden vier weitere Schiffe (Etna, Vesuvio, Stromboli und Ettore Fieramosca) und in den USA eines (Charleston) nach Plänen von Armstrong gebaut. Nach dieser Serie von Geschützten Kreuzern mit niedrigen Freibord ging Armstrong zu seetüchtigeren Schiffen über, von denen sie zahlreiche weitere an die amerikanische, argentinische, brasilianische, chilenische, chinesische, italienische, japanische, österreichisch-ungarische, portugiesische, rumänische, spanische und türkische Marine verkaufen konnten: die berühmten Elswick-Kreuzer.

Im Vergleich zu den für die britische Marine - auch von Armstrong - gebauten Geschützten Kreuzer waren die Exportschiffe stärker bewaffnet, hatten einen geringeren Fahrbereich und waren weniger seetüchtig - das galt insbesondere für Chaoyong, Yangwei und Tsukushi.

Die drei Schiffe waren 64 m lang, 9,75 m breit und verdrängten 1350 ts. Der Antrieb erfolgte über zwei Verbunddampfmaschinen, die 1912 PS (2887 PS mit erhöhten Dampfdruck) leisteten, womit 14,3 kn (16,5 kn mit erhöhten Dampfdruck) bei den Probefahrten der Chaoyong erreicht wurden.

Bewaffnung Chaoyong und Yangwei
2 x 25,6 cm L/26 25 t-Hinterlader
4 x 12 cm 40-Pfünder Hinterlader
2 9-Pfünder Landungsgeschütze (auf Feldlafetten)
2 x 2,5 cm Nordenfeldt (zwei vierrohrige Geschütze auf den 25,6 cm-"Türmen")
4 x 1,1 cm Gatling (auf den Fotos nicht erkennbar)

Bewaffnung Tsukushi 1883
2 x 25,6 cm L/26 25 t-Hinterlader
4 x 12 cm 40-Pfünder Hinterlader
2 9-Pfünder Landungsgeschütze (auf Feldlafetten)
4 x 1,1 cm Gatling (Position unklar)
2 x 38,1 cm-Torpedorohre

Bewaffnung Tsukushi 1898
2 x 25,6 cm L/26 25 t-Hinterlader
4 x 12 cm Schnellfeuergeschütze?
1 x 7,62 cm Schnellfeuergeschütz
2 x 4,7 cm (Positionen unklar)
2 MG(Positionen unklar)
2 x 45,7 cm-Torpedorohre

Tsukushi wurde 1879-1880, Chaoyong und Yangwei von 1880-81 auf der Armstrong-Mitchell-Werft in Low Walker gebaut. Chaoyong und Yangwei wurden Teil der chinesischen Nordflotte (Beiyang Flotte). Sie kamen im Chinesisch-Französischen Krieg 1884-85 nicht zum Einsatz, wurden aber im Chinesisch-Japanischen 1894 aktiv eingesetzt, obwohl sie und ihre Munition im schlechten Zustand waren. In der Schlacht am Yalu am 17. September 1894 waren beide Teil der Hauptflotte und wurden von den japanischen Geschützten Kreuzern Yoshino, Takachiho, Naniwa und Akitsushima (die ersten drei waren Armstrong-Kreuzer, der letzte wurde nach einem Entwurf von Armstrong gebaut) in Brand geschossen. Chaoyong kollidierte mit dem chinesischen Geschützten Kreuzern Jiyuan und sank im Flachwasser. Yangwei wurde schwer beschädigt auf ein Riff gesetzt, wo sie nach der Schlacht von einem Spierentorpedoboot des japanischen Panzerkreuzers Chiyoda zerstört wurde (in manchen Quellen ist der Schicksal der beiden chinesischen Schiffe getauscht dargestellt).

Tsukushi, die als Arturo Prat von Chile in Auftrag gegeben worden war, wurde 1883 in Dienst der japanischen Marine gestellt. Im Chinesisch-Japanischen Krieg unterstützte sie Landungstruppen, wurde aber nicht in der Hauptflotte eingesetzt. 1898 wurde sie zum Kanonenboot umklassifiziert. Im Russisch-Japanischen Krieg wurde sie erneut zur Unterstützung von Landungen eingesetzt. Während der Schlacht von Tsushima war sie Teil eines Geschwaders, das nicht aktiv eingriff. 1906 wurde sie aus der Marineliste gestrichen und 1910 abgewrackt.

Der Bausatz

Der Bausatz enthält Teile für zwei Modelle, d.h. der Bau beider chinesischer Schiffe ist möglich.

Die für Chaoyong und Yangwei spezifischen Teile finden sich auf einem Spritzling, der zwei Mal enthalten ist:

Die Abmessungen und die Form des Rumpfs, der nur in der Wasserlinienversion baubar ist, sind richtig wiedergegeben. Die Detaillierung der Teile ist gut. Die Klappen über den Öffnungen der 25,6 cm- und 12 cm-Geschütze sind offen dargestellt. Für die der 12 cm-Geschütze liegen auch alternative Fotoätzteile bei. Die Masten und 25,6 cm-Rohre können durch die alternativen Messingteile ersetzt werden. Die Lafetten für die 12 cm-Geschütze (Albini-Lafetten beim Original) sind nicht dargestellt, was man verschmerzen kann, da man sie durch die kleinen Stückpforten wahrscheinlich so gut wie nicht sehen würde.

Dazu enthält der Bausatz einen Spritzling mit allgemeinen Teile wie Beibooten, Davits, Lüfter, Anker leichten Geschützen etc., der bisher jedem Bausatz von S-Models beiliegt und auch extra erhältlich ist. In diesem Bausatz sind zwei dieser Spritzlinge enthalten:

Von diesem Spritzling werden nur Lüfter, Beiboote und Anker gebraucht - die Davits liegen alternativ auch als Ätzteile bei. Das Dollboard der Beiboote ist etwas dick, ansonsten sind die Teile gut. Bei den leichten Geschützen liegt kein Nordenfeldt-Vierlings-MG bei (für ein Original siehe hier die Fotos 13-16, eventuell auch hier die Fotos 27-29, auch im Gosport im Explosion! The Museum of Naval Firepower in Gosport finden sich Nordenfeldt- und Gatling-MG). Für die Gatling-MG kann man sich eventuell mit den Teilen TA4 helfen. Es bleiben zwar einige Beiboote übrig, aber wohl keine entsprechend dem dritten Paar, was auf den Schiffen zeitweise mitgeführt wurde (von der Größte zwischen TA8 und TA29).

Die Fotoätzteile

Es liegen zwei identische Platinen mit Ankerketten, Davits, Wanten, Reling, Niedergängen etc. bei sowie Namenschilder für Chaoyong bzw. Yangwei.

Die Qualität dieser Teile ist sehr gut.

Decals und weitere Teile

Flaggen liegen als Abziehbilder bei.

Dazu gibt es gedrehte Masten und Rohre für die 25,6 cm-Geschütze.

Die Anleitung

Die Anleitung beginnt mit einem kurzen englischen und chinesischen Text über die Originale inklusive technischer Angaben. Als leichte Geschütze werden hier zwei 9-Pfünder, zwei 25 mm-Vierlinge und vier zehnrohrige 11 mm-Gatlinge angegeben - was aber nichts daran ändert, dass diese Geschütze im Bausatz und der sonstigen Anleitung nicht dargestellt sind, was im Falle der beiden 9-Pfünder Landungsgeschütze wohl unproblematisch ist, im Falle der anderen aber unglücklich ist. Der Zusammenbau wird in neun Schritten erklärt, wobei auf die alternativen Fotoätzteile bzw. Messingteile hingewiesen wird. Dazu gibt eine Bemalanleitung für den Zustand bei Indienststellung (1881) und während des Chinesisch-Japanischen Kriegs (1894), die farbig auch auf der Schachtelrückseite abgedruckt ist. Die Farbangaben sind allerdings allgemein, d.h. es gibt keinen Bezug zu erhältlichen Farben.

Auf den Originalfotos ist ein Ladebaum am Großmast erkennbar, der in der Anleitung nicht erwähnt wird, auf dem Deckelbild aber sichtbar ist. Genauso sind die beiden Nordenfeldt-Vierlinge auf Fotos und dem Deckelbild auf den 25,6 cm-"Türmen" erkennbar, fehlen aber sowohl als Bauteile, als auch in der Anleitung. Auch die sonstigen leichten Geschütze sind in der Anleitung nicht erwähnt, auf den Fotos aber auch nicht erkennbar. Eventuell standen vier Gatling-Geschüten an den vier Ecken der Aufbauten. Auf einigen der Fotos sieht man am Fockmast auch eine Rah, die man auch leicht ergänzen kann. Dazu sieht man auf einigen Fotos auch ein drittes Paar an Beibooten an Davits oberhalb der achteren 12 cm-Geschütze. Die Bemalanleitung, die sich auf den Zustand bei Indienststellung und während des Chinesisch-Japanischen Kriegs bezieht, entspricht den Fotos und den mir bekannten Aussagen in Bezug auf den Anstrich. Auf den meisten Fotos ist aber der Rumpf der vorderen Beiboote auch weiß gestrichen - nicht schwarz wie in der Anleitung (was aber auch möglich, da fotografisch belegt ist).

Tsukushi wirkt auf den Fotos sehr ähnlich zu den beiden chinesischen Schwesterschiffen. Im Unterschied zur Anleitung müsste man eine Rah am Fockmast und eine Gaffel und einen Gaffelbaum am Großmast ergänzen. Auf den Fotos sind die leichten Geschütze nicht erkennbar. Auf manchen der Zeichnungen ist ein leichtes Geschütz oberhalb der vorderen 12 cm-Geschütze erkennbar. Eventuell hatte sie vier Gatling-Geschützen oberhalb der 12 cm-Geschütze. Auf den Fotos sieht man überwiegend ein drittes Paar an Beibooten an Davits oberhalb der achteren 12 cm-Geschütze. Tsukushi war bei der Auslieferung wie die chinesischen Schiffe gestrichen: schwarzer Rumpf, weiße Aufbauten und ockerfarbene Schornsteine und Masten. Allerdings wurde der Rumpf vorne für die Überführung provisorisch ein Deck höher gebaut. In Japan wurde der Rumpf dann weiß gestrichen. Später (ab dem Chinesisch-Japanischen Krieg?) erhielt sie einen hellgrauen Anstrich über alles mit einem schmallen schwarzen Band an der Schornsteinspitze.

Quellen

Fazit

Insgesamt ist dieser Bausatz dieses neuen Herstellers, der auch Bausätze des chinesischen Schlachtschiffs Dingyuan (Ting Yuen) und des Geschützten Kreuzers Jiyuan (Tsi Yuan/Chi Yuen) im Maßstab 1/700 anbietet, sehr gut gelungen und dank der enthaltenen Ätzteile, Drehteile und Abziehbilder sehr vollständig. Negativ fallen die etwas grob detaillierten Beiboote und die fehlenden leichten Geschütze auf. Insgesamt ist der Bausatz

alt empfehlenswert

Lars