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Flugzeugträger USS Tarawa (1/350, Trumpeter) von Albrecht Baier Drucken
Donnerstag, 12. April 2012 um 07:00

CV-40 USS Tarawa, amerikanischer Flugzeugträger der Essex-Klasse.

…oder CV-14 Ticonderoga mal anders…..

Die CV-14 ist ein Essex-Träger der long hull-lasse. Der Rumpf ist länger als bei den ersten gebauten short hull Essex-Trägern. Eine genaue Aufstellung, welches Schiff der Essex-Klasse long hull oder short hull ist, findet sich bei Wikipedia oder auf vielen anderen Webseiten zur Essex. Auf Bildern sind die beiden Varianten gut an der Bugansicht zu unterscheiden. Die long hull hatten zwei Wannen mit 40 mm-Vierlingen, die short hull nur eine Wanne. Beim long hull beginnt das Flugdeck erst hinter diesen beiden Geschützständen, beim short hull ist es weiter nach vorn gezogen.

In meiner Sammlung gebauter Flugzeugträger, wollte ich auch ein Modell, das die Lücke Anfang bis Mitte der 1950er Jahre schließt. Bisher gibt es von den bekannten Herstellern kein Modell in 1/350 für diese Zeitspanne. Kurzerhand habe ich das Trumpeter Modell der CV-14 Ticonderoga in 1/350 „umgebaut“. Um das ganze nicht ausufern zu lassen habe ich mich für die CV-40 Tarawa als zu bauendes Modell entschieden. Die Gründe sind einfach. Tarawa wurde als einziger Essex-Träger nach dem Krieg nicht den umfangreichen Umbauten der 1950er Jahre unterzogen. Am Träger wurden bis zu seiner Außerdienststellung 1960 nur wenig verändert.

Die Tarawa wurde im Mai 1945 vom Stapel gelassen und beendete ihre Laufbahn 15 Jahre später im Mai 1960. Das Schiff ist nicht zu verwechseln mit der LHA Tarawa, die in den 1970er Jahren in Dienst gestellt wurde.

Beim Öffnen des CV-14 Modell von Trumpeter gewinnt man den Eindruck, dass es eigentlich gar nicht so viele Teile sind und der Bau ohne Probleme zügig fertig sein wird. Wie die meisten Trumpeter Kits ist der Rumpf an der Wasserlinie getrennt. Für Waterliner eine tolle Sache, für alle anderen bedeutet das, spachteln und schleifen. Einmal komplett um den Rumpf entspricht einer Länge von gut 1,50 Metern.
Man klebt nun das sehr gut passende Hangardeck ein und hat schon ein großes Modell in Händen. Erst jetzt wird einem bewusst, dass die Bordwände oberhalb des Hangars noch komplett fehlen. Diese bestehen aus vielen kleinen einzelnen Stücken, die auf dem Hangardeck positioniert werden müssen. Da die Option besteht, auch den Hangar zu zeigen, sind diese Bordwandteile auch noch einmal komplett von der Hangarseite als extra Teile vorhanden und müssen verbaut werden. Also Innen- und Außenseite. Bei den Bordwandstücken muss sehr sauber gearbeitet werden, um weiteres Spachteln und Schleifen nach Möglichkeit zu vermeiden. Im Bugbereich um den vorderen Aufzug passen die Wände nicht. Wer den Aufzug später abgesenkt zeigen möchte, muss hier schon jetzt einiges umbauen. Ein Trockenauflegen des Decks zeigt, dass die inneren Wände viel zu weit hinten sitzen und in die Aussparung des Aufzugs im Flugdeck hineinragen. Das ist auch mir passiert. Da ich aber den Aufzug sowieso in Deckshöhe einbauen wollte, war es aber nicht dramatisch. Allerdings müssen auf der Unterseite des Decks die Laschen, die sich an diese Bauteile anfügen, entfernt werden. Sonst liegt das ganze Deck nicht mehr plan auf.

Entgegen der Bauanleitung habe ich dann am Heck angefangen die Bordwände zu verbauen. Die vielen Rolltore zu den Hangars sind am Modell alle geschlossen angegossen. Mit einem Cutter habe ich einige ganz oder nur teilweise weggeschnitten, um später einen Blick in den Hangar zu zeigen. Geplant hatte ich, einige Flugzeuge auch im Innern unterzubringen. Letztendlich wurde daraus nichts, da ich alle gebauten Flieger auf dem Deck gebraucht habe.

Zum Verfeinern des Modells wurde die beiden Eduard Fotoätzteil-Sätze für die CV-14 Ticonderoga benutzt. Immer wieder muss ich bemängeln, dass bei diesen Ätzteilen der Sekundenkleber ewig braucht bis er hält. Am Kleber liegt es nicht. Es wurden schon verschiedene Sorten probiert. Bei GMM Ätzteilen habe ich mit Sekundenkleber null Probleme. Also liegt es wohl an den Eduard-Metallteilen.

Als nächstes wurde das Flugdeck gebaut. Warum Trumpeter die Decks immer in drei Teile zerlegt ist ein ewiges Rätsel. Als ein ganzes Bauteil würde es auch in die Modellpackung passen. Die Trennnaht sauber zu verkleben gelingt so gut wie nie. Bei meiner Saratoga, hatte ich schon dieses Problem, hier war wieder genau das gleiche. Was aber noch viel schlimmer ist, die drei Decksteile weisen unterschiedlich tiefe Strukturen auf. Das Mittelstück und die Aufzüge sind gleichmäßig und sehr schön detailliert. Das Heckstück des Flugdecks hat nicht so tiefe Strukturen und das Bugteil noch weniger. Als unbehandeltes Plastikteil fällt es nicht wirklich auf. Aber bei Washings und Trockenmalen treten die Unterschiede deutlich heraus. Das Deck habe ich mehrmals neu bemalen müssen, bis ich überhaupt ein komplett zufriedenstellendes Ergebnis hatte. Das hat den Bau des Modells weiter verzögert und nicht gerade Lust aufs Weiterbauen gemacht. Letztendlich habe ich ein für mich zufriedenstellendes Ergebnis erzielt. Da vielleicht der ein oder andere überrascht sein wird, das Holzdeck und Jets zusammen gezeigt werden, hier Links zu einem Originalbild: die Tarawa bei der Einfahrt in den Panamakanal 1954 (falls der Link nicht funktioniert, siehe hier) (siehe auch hier).

Die großen Decksnummern am Modell sind abgeklebt und mit Airbrush nicht deckend in weiß auflackiert. Zu der Zeit in Weiß ohne Schatten und schmale längliche Zahlen. Für die kleinen Markierungen und die an den Aufzügen habe ich die Decals benutzt. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es besser gewesen wäre diese auch zu lackieren. Das Flugdeck wird bis zum Schluss als eigenständiger Bauabschnitt komplett fertig gestellt, mit Ätzteilen versehen und erst dann auf den Rumpf aufgeklebt.

Sämtliche Einzelflak entfällt, da diese in den 1950er Jahren nicht mehr an Bord war. Übrig bleiben die 12,7 Geschütze und die Bofors-Vierlinge.

Der dritte eigenständige Bauabschnitt ist die Insel. Auch diese wird komplett fertig gebaut, bevor sie auf dem Deck montiert wird. Da die Insel sehr schmal und hoch ist, hat sie die Angewohnheit ständig zu kippen oder beim Arbeiten vom Tisch zu stürzen. Nach Murphys Gesetz immer auf den Radarmast. Am besten von Anfang an mit einer dritten Hand arbeiten. Auch hier ist durch die vielen Anbauten einiges zu spachteln und zu schleifen. Die offene Essex Brücke aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs wurde mit ein paar Evergreen Profilen zur geschlossenen Brücke umgebaut. Fummelarbeit gibt es auch um die Nummern seitlich am Kamin anzubringen. Diese sind aus Resten von Decals hergestellt, da es die „40“ auch nicht als fertiges Decal in weiß und dieser Ausführung und Größe gibt (Nummern der modernen Träger haben ein anderes Schriftbild). Die Steuerbord Turmnummer beim Original war nicht immer an dieser Stelle, sondern variierte und war zeitweise auch mittschiffs hoch am Rumpf angebracht.

Der vierte und letzte Bauabschnitt sind die Flugzeuge. Einige Kleinserienhersteller bieten für den 1950er Jahre Zeitraum verschiedene Flugzeuge in 1/350 an. z.B. die:

  • Grumann F9F Panther,
  • Grumann F9F Cougar, die Weiterentwicklung der Panther,
  • F4U Corsair, Überbleibsel aus dem WWII oft noch bei den Marines Staffeln
  • McDonnell F2H-2 Banshee
  • Douglas A1 Skyraider

Mit diesen Modellen habe ich mein Modell bestückt.

Bevor jetzt jemand den Finger hebt: Einen Zeitpunkt beim Original zu finden, bei dem alle fünf oben aufgeführten Varianten Flugzeuge zusammen auf der Tarawa zu finden waren, ist sicher unmöglich. Der Übergang ist fließend und die Flugzeugvielfalt war im ständigen Wechsel. Mir ging es auch mehr um den Gesamteindruck eines „mittfünfziger-Trägers“ und nicht ums Nietenzählen oder 100% historische Genauigkeit..

Mein wirkliches Problem war: es gibt keinerlei Decals um diese Airwings korrekt darzustellen. Bei den Modellen der Panther, Cougar und Skyraider werden überhaupt keine Decals mitgeliefert. Die Banshees und Corsairs haben Decals, aber keine für die Tarawa. Selbst der Decal-Hersteller „starfighter decals“, der alles Mögliche an Navy-Markierungen in diesem Maßstab anbietet, hatte nichts. Scheinbar sind die 1950er Jahre für Flugzeugträgermodelle ein Tabu, an das niemand herangehen möchte. Sicher wird es noch lange dauern bis 1/350 Tiger, Cutlass, Skyray, Demon, und andere Navy Flugzeuge/Markierungen auf den Markt kommen.

Also habe ich improvisiert und versucht die Flugzeuge in einem fiktiven Outfit wenigstens so aussehen zu lassen, dass es vom Gesamtbild passt. Die benutzten Decals sind von GMM und aus der „Restekiste“. Die Jets habe ich erstmal trocken auf dem Deck aufgestellt und nachdem alles seinen Platz gefunden hatte, einzeln mit Sekundenkleber aufgeklebt. Zum Schluss kamen noch 200 „Eduards“ als Figuren dazu. Ein abschließender matter Klarlack, lies die Klebestellen des Sekundenklebers dann noch verschwinden. Das auf dem Ständer verschraubte Modell, erhielt noch ein Holzbrett mit Namensschild und ist jetzt nach sechs Monaten Bauzeit endlich fertig. Einer genaueren Überprüfung hält das Modell nicht stand. Trotzdem bin ich zufrieden einen US Flugzeugträgertyp der 1950er Jahre mit in meiner Sammlung zu haben.

Albrecht Baier