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Mora, Flaggschiff von Wilhelm dem Eroberer, ca. 1066 - Teil 6 Drucken
Dienstag, 19. Februar 2013 um 07:00
Mora Teil 6

Anfertigen und Anschlagen des Segels

Wie schon in meinem letzten Baubericht erwähnt, ist das Nähen von Stoff nicht unbedingt meine Stärke. Das Anfertigen des einen Segels zieht sich daher schon eine ganze Weile hin, insbesondere da der Modellbau im Moment nicht die höchste Priorität hat. Konzeptionell habe ich mich dafür entschieden, das Segel aus einem Stück zu fertigen, die Bahnen im Vorfeld einzufärben und dann mittels eines S-Schlags und Z-Stich von Hand zu nähen.

Als Material für mein Segel wählte ich ein ausgemustertes beiges Herrenhemd, aus welchem ich ein großzügig bemessenes Stück heraustrennte, in Schwarztee auf Alt färbte und mit Reiszwecken auf ein Arbeitsbrett spannte. Sodann wurden die Bahngrenzen unter Zugabe von 5 mm pro Bahn am unteren und oberen Rand markiert und mittels Filzstift als Punktreihen markiert. Der Abstand der Punkte betrug in Vorbereitung des Nähens 5 mm, um eine Orientierung für das Setzen des Stichs zu haben.

Nun erfolgte das Einfärben der Bahnen. Hierzu habe ich aus Pappe eine Schablone gefertigt und mittels Reiszwecken auf dem Segel befestigt. Die schon beim Rumpfbau benutzte Künstlerfarbe wurde mit Wasser verdünnt und mit einem Pinsel aufgetragen. Leider ist die Farbe etwas unter die Schablone gelaufen. Aufgrund des zu nähenden S-Schlags fällt dies allerdings später nicht mehr auf. Ich werde bei meinem nächsten Segel den Versuch wagen, die Bahnen mit Malerkrepp abzukleben.

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Nach Beendigung der Färbearbeiten habe ich das Segel nochmals ausgewaschen, da mir die Farbe zu intensiv erschien.

Als nächstes wartete das Nähen der Bahnen auf mich. Nach anfänglichem Erfolgserlebnis hatte ich hier einen schweren Motivationseinbruch, so dass das Segel ca. 1,5 Jahre unvollendet im Keller lag. Mittlerweile sind aber alle Bahnen genäht.

Warum dieser Einbruch? Im Wesentlichen musste ich die Arbeitsweise entwickeln und üben und nach anfänglichem Erfolg war ich mit dem Ergebnis nicht immer zufrieden. Anfänglich habe ich drauflos genäht, um das Ganze dann wieder aufzutrennen.

Um den S-Schlag im Stoff vorzubereiten, sind zunächst verschiedene Vorarbeiten zu leisten. Zunächst habe ich für jede Bahn einen Überlappungsbereich festgelegt und mittels Filzstift 2 weitere Punktreihen markiert. Die beiden Punktreihen habe ich im Abstand von 6 mm gesetzt, um einen 2 mm breiten Z-Stich zu erhalten. Punktreihe 1 repräsentiert die Sichtkante auf der Rückseite des Segels und ist gleichzeitig Austrittslinie für den von hinten kommenden Faden des Z-Stichs. Die Punktreihe 2 markiert, wo die Sichtkante auf der Vorderseite zu liegen kommt. Der Abstand der Punkte untereinander ist 5 mm und sie sind paarweise senkrecht zur Farbgrenze angelegt. Es ist die Absicht, 2 Z-Stiche pro Punktabschnitt anzulegen. Hierdurch wird das Nähbild regelmäßig. Die Punkte markieren den Beginn des 1. Z-Stichs.

Nun wird das Segel an der vor dem Einfärben gesetzten Punktreihe nach hinten geknickt und diese Kante als Sichtkante vorne gebügelt. Sodann wird der nach hinten geklappte Stoff wieder zurückgelegt und die eben gebügelte Sichtkante bündig auf die Punktreihe 2 gelegt. Einmal drüber gebügelt und der S-Schlag ist vorbereitet. Das Ganze hört sich kompliziert an und lässt sich wahrscheinlich einfacher über die Bilder erklären, ist aber auch eine ziemliche Fummelei.

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Nun erfolgt das eigentliche Nähen mit einem Z-Stich. Es gilt nun möglichst genau den Einstich und den Ausstich auf den vorgezeichneten Punkt zu bringen. Problematisch ist hierbei der zweite Stich zwischen den Punkten. Hier hilft genaues Hinsehen, ja sogar zählen der Webfäden. In meinem nächsten Projekt werde ich die Anzeichnung der Hilfspunkte wohl noch exakter ausführen.

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Nach Fertigstellen aller Segelbahnen wird das Segel ausgeschnitten und es steht das Säumen an. Halt, hier genau ist ein schwerer Fehler passiert. Nach 1,5 Jahren war ich hier zu ungeduldig und habe tatsächlich vergessen, die Randdoppelung vorzunehmen. Das lässt sich nicht mehr korrigieren und damit werde ich wohl leben müssen. Alternativ müsste ich ein neues Segel anfertigen :-(

Zum Säumen werden 2 Stücke Takelgarn mit etwas Textilkleber als Liektau an den Rand geklebt, eines als Rahliek am Kopf des Segels und ein zweites als umlaufendes Liektau an den 3 übrigen Seiten (Seiten- und Fußliek). Hierbei werden Schothorn und 2 Legel bereits vorgeformt. Die Enden von Rahliek und umlaufendem Liek sollen überstehen als Basis für das Spleißen des Nocklegels.

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Im Anschluß ein paar Bilder vom Spleißen des Nocklegels. Wie schon früher erwähnt, leistet ein Nähnadeleinfädler hier unschätzbare Dienste beim Durchziehen der Tauenden.

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Das Annähen des Segelstoffs an das Liektau ist der nächste Schritt, der wieder genaues Hinsehen erfordert, da der dünne Faden exakt im Schlag des Liektaus liegen soll. Dies ging aber überraschend schnell. Bei der Gelegenheit werden auch gleich die Legel und die Schothörner vernäht.

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Nun rächte sich die früh getroffene Entscheidung, das Segel vor dem Nähen einzufärben. Es fehlt der Zierstreifen am Kopf des Segels. Beim Modell der Mora ist der Zierstreifen ca. 3 cm breit, weiße Rechtecke mit innenliegendem roten Punkt auf hellblauem Grund. Ich entschied mich, diesen Streifen separat einzufärben und als Doppelung von vorne auf das Segel aufzunähen.

Fürs Einfärben schnitt ich aus der Planvorlage die weißen Rechteckfelder aus und entfernte die Fläche für den roten Punkt mittels einer Schere. Diese Felder klebte ich mit Prittstift auf einen Stoffstreifen, der ebenfalls schon mittels Schwarzteebad grundiert war. Sodann färbte ich zuerst die roten Felder und nach Trocknen den blauen Rand mit Künstlerfarbe aus der Tube. Hierbei passierte mir beim ersten Mal ein Missgeschick. Ich verwendete etwas Wasser, um die Farbe zu verdünnen, die dann natürlich unkontrolliert unter die Papierabdeckung lief. Beim zweiten Versuch verwendete ich keine Verdünnung. Leider ließ sich dann das Papier nicht mehr sauber abziehen. Beim Versuch, den Kleber und anhaftende Papierreste zu entfernen, ist dann doch etwas Farbe auf die abgedeckte Stellen gelangt. Wahrscheinlich war das dann doch noch nicht vollständig durchgetrocknet. Auch hier wusch ich die Farbe aus, da sie mit zu kräftig erschien. Insgesamt sieht der Streifen jetzt verwaschen aus, so dass die unerwünschten Farbreste nicht weiter auffallen sollten. Nun wird der Stoffstreifen auf das Segel aufgenäht.

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Um das Vergessen der Doppelungen zu kaschieren, habe ich anschließend parallel zu den Kopf- und Fußlieks eine Ziernaht gelegt.

Nun wurde das Anschlagen mittels Kopfbänsel vorbereitet. Mit einer Nadel habe ich das Segel durchstochen, ein dünnes Tau durchgesteckt und jeweils vor und hinter dem Segel mit einem Knoten gesichert. Auf ein Ausnähen der Gatschen habe ich bewusst verzichtet, da die beiden Knoten diese sowieso verdecken würden.

Das Anschlagen an der bereits hängenden Rah verlief ohne Probleme. Das hintere Tauende wird einmal um die Rah geschlungen und vorne mit dem vorderen Faden zu einem Doppelknoten verschlungen.

Bruno Schilli