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U-Boot USS Robalo (1/350, AFV Club) von Wolfgang Kring Drucken
Montag, 07. April 2014 um 05:00

Das Original

Die USS Robalo (SS 273), ein U-Boot der Gato-Klasse, wurde am 24. Oktober 1942 in Manitowoc, Wisconsin, aufgelegt und lief am 9. Mai 1943 vom Stapel. Am 28. September des gleichen Jahres in Dienst gestellt, unternahm sie drei Einsätze im Pazifik, auf denen sie einen japanischen Frachter beschädigte. Die zugesprochene Versenkung eines Tankers wurde nach dem Krieg nicht bestätigt. Auf ihrer dritten Feindfahrt meldete sie am 2. Juli 1944 die Sichtung eines japanischen Schlachtschiffes der Fuso-Klasse samt Zerstörer-Eskorte östlich von Borneo. Das war der letzte Kontakt zum Boot. Berichte von überlebenden Besatzungsmitgliedern in japanischer Gefangenschaft verlieren sich im August 1944.

Das Modell

Im Zeitalter des Internets ist das gelegentliche Schmökern in einem dieser „altmodischen“ Bücher eine willkommene Abwechslung. Dabei noch unverhofft auf die Vorlage für ein kleines Diorama zu stoßen, macht solch einen Momente perfekt. Das Bild vom Stapellauf der USS Robalo im Jahr 1943 war die Initialzündung zum Bau dieses Modells. Dabei lag der Schwerpunkt von vornherein auf der Gestaltung des spritzenden Wassers.

Der Bausatz von AFV ist für seine Größe sehr filigran und detailreich. Die beiliegende Ätzteilplatine erhöht den Anspruch noch ein wenig, besonders da - für Ungeübte - keine alternativen Plastikteile beiliegen. So ist AFV’s Gato zwar ein kleines Modell, das aber doch Bau-Erfahrung voraussetzt.

Der Rumpf ist in Über- und Unterwasserschiff getrennt. Zusätzlich gibt es einen mehrteiligen, röhrenförmigen Einbau - eine Art vereinfachter Druckkörper -, der aber beim Zusammenkleben des Rumpfes komplett verschwindet. Persönlich halte ich nicht viel von solchen, am fertigen Modell nicht mehr zu sehenden Elementen, schließlich baue ich auch keine wasserdichten Schotten in ein Titanic-Modell ein. Aber wer weiß, vielleicht ergibt das Ganze im weiteren Verlauf noch einen Sinn.

Da die - echte - USS Robalo während ihres Stapellaufes noch nicht fertig ausgerüstet war, konnte ich am Modell auf mehrere Teile verzichten.

Des Weiteren fiel mir auf dem Originalfoto ein noch unbeplankter Bereich vor dem Turm auf. Mit Skalpell und Sägemesser öffnete ich das Vordeck und siehe da! Da war er wieder, der zuvor verbaute Druckkörper! Also hat er doch einen Sinn, denn nun brauchte ich das offen liegende Innenleben der Robalo nicht komplett neu aufbauen. Und so war dieser Bereich mit ein paar angeklebten Evergreenstücken auch schnell fertig!

Die Stützen der Reling entstanden aus dünnem Messingdraht von Lion Roar. Sie wurden in zuvor gebohrten Löchern entlang des Decks verklebt und anschließend passend abgelängt.

Die gesamte Bemalung erfolgte mit dem Pinsel, lediglich bei der Grundierung des Bootes kam die Spraydose von Tamiya zum Einsatz. Die Robalo erhielt entsprechend dem Foto einen dunkelgrauen Anstrich mit verschiedener Revell- und Humbrolfarben verpasst.

Von einem anderen, nie realisierten Projekt hatte ich noch einen passenden Bilderrahmen übrig, in den ich nun meine Szenerie setzen konnte. Ich füllte ihn mit einer Styroporplatte, die als Untergrund für das Diorama dienen sollte. Zuerst bestrich ich den für die Wasserfläche vorgesehenen Teil der Styroporplatte mit Acrylgel. Danach bemalte ich das Ganze mit einem dreckig-moosgrünen Farbmix. Schließlich kam die Robalo in einem Fluss, und nicht im Meer zu Wasser. Knapp die Hälfte der Fläche füllt das Werftgelände, das ich aus einer 3 mm starken Kunststoffplatte schnitt. Anders als das fabrikneue U-Boot alterte ich den betongrauen Untergrund mit mehreren Washings und ein wenig Trockenmalerei, um ihm den Eindruck eines verdreckten Werksgeländes zu verleihen, dem man ansieht, dass hier gearbeitet wird. Ein Stück Frischhaltefolie, das ebenfalls mit Acrylgel fixiert wurde, bildete das „Bett“ für mein Modell. Die Folie sollte im Anschluss eine wichtige Rolle beim Aufbau der Verdrängungswelle übernehmen. Es dauerte ein wenig, bis das Gel unter der Folie trocknete. Erst danach konnte ich eine Seite mit Gips unterfüttern –ohne Gefahr, die Folie wieder aus ihrer Position zu ziehen- und baute so das „Rückgrat“ der Welle auf. Eine weitere Trockenphase später überzog ich das Ganze mir einer dicken Schicht Acrylgel, um es anschließend in demselben Grünton wie den Rest der Wasserfläche zu Bemalen.

Nun wurde es Zeit, das Boot einzusetzen und es rund herum in Watte zu packen. Dazu klebte ich in mehreren Durchgängen kleine Wattefransen mit Acrylgel an die Welle, sowie zwischen Boot und Kai. Immer mehr als benötigt, damit ich es nach dem Antrocknen mit einem einfachen Kamm wieder in Spritzrichtung ausbürsten konnte. So baute sich Lage für Lage die benötigte Gischt auf. Zum Abschluss kamen ein paar flachgedrückte und wiederum gebürstete Wattestücke zum Einsatz, die ich vor dem Einbau mit Haarspray „härtete“, zurechtschnitt und als oberste Lage auf die Welle setzte. Nach einer kleinen Unterbrechung, in der ich alle herumfliegenden Wattefransen aus meinem Arbeitszimmer saugen durfte, verteilte ich die selbst gebauten Slips und die anderen Kleinteile auf dem Werftgelände.

Die Flaggen und Wimpel über der USS Robalo konnte ich beim besten Willen nicht entziffern, also bediente ich mich der (älteren?) Revellbausätzen, wie der SMS Emden, beiliegenden Flaggen-Alphabeten aus Papier und schrieb dem Modell einen Art Widmung in die Fahnen. Wer Lust hat, kann ja mal versuchen den Text vom Bug bis zum Heck zu lesen.

Das „Seil“ für die Flaggen bog ich aus dünner Kupferlitze, um dieser bewegten Momentaufnahme auch am Modell ein wenig mehr Dynamik zu verleihen. Ein einfacher Faden wäre entweder durchgehangen oder hätte bis zum Reißen gespannt viel zu gerade und steif gewirkt.

Da so ein Boot nicht alleine ins Wasser fällt, kamen rund herum noch ein paar Figuren hinzu. Das Anmalen der nur etwa drei Millimeter kleinen Männchen wurde zur Geduldsprobe. Dagegen war das Aufkleben der auf dem Originalbild zu sehenden Mützen kein großes Problem mehr, auch wenn hin und wieder eines der dafür verwendeten Plastikscheibchen (mit einem Durchmesser von nur 0,8 mm) im Nirvana meines Arbeitszimmers verschwand.

Der Bau hat wegen des Dioramas etwas länger gedauert als erwartet, dafür hatte ich aber auch länger Spaß beim Basteln und Tüfteln.

Wolfgang