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Deutscher Zerstörer Z 5 (1/350, Iron Shipwright/Trumpeter) von Jörg Schäfer Drucken
Montag, 21. April 2014 um 05:00

Da mich der Typ 1934A eines deutschen Zerstörers der Kriegsmarine reizte, entschloss ich mich es doch mal mit der amerikanischen Firma Iron Shipwright zu versuchen. Überraschungen inklusive!

Das Original

Der Zerstörer Z 5 Paul Jacobi gehörte zum Typ 1934A, einer verbesserten Version der ersten Klasse (Typ 1934) von Zerstörern, die für die Kriegsmarine gebaut wurde. Z 5 war 119 m lang, 11,3 m breit und verdrängte voll beladen 3110 t. Der Antrieb bestand aus zwei Sätzen von Dampfturbinen, die 63000 PS leisteten und eine Höchstgeschwindigkeit von 38,2 kn ermöglichten. Die Bewaffnung bestand aus fünf 12,7 cm L/45-Einzellafetten, zwei 3,7 cm L/83-Zwillingslafetten, sechs 2 cm L/65-Einzellafetten und zwei 53,3 cm-Vierlingstorpedorohren. Dazu konnten Wasserbomben und bis zu 60 Minen mitgeführt werden. Die Besatzung bestand aus 325 Mann.

Z 5 wurde von 1935-37 bei AG Weser in Bremen gebaut. Im Zweiten Weltkrieg war Z 5 u.a. an der Besetzung Norwegens 1940 und dem Kanaldurchbruch 1942 beteiligt. Nach dem Krieg wurde das Schiff an Großbritannien ausgeliefert, das es an Frankreich weiter gab, wo es 1947 als Desaix wieder in Dienst gestellt wurde. Schon 1949 wurde Desaix zur Reserveflotte verlegt und 1954 in Rouen abgewrackt.

Das Modell

Ich habe dieses Modell begonnen, als es auf dem deutschen Markt noch keinen Zerstörer der 1934-Klasse zu kaufen gab. Also ließ ich ihn über den großen Teich kommen und erlebte eine große Überraschung beim Auspacken des Models. MES-Kabel (Entmagnetisierungskabel) und Schlingerkiele wiesen immense Lücken auf, eine große Lamelle fehlte an der Lüftung und alle Resinteile hatten einiges an Lufteinschlüssen. Gut dass der Bausatz nur 77 € gekostet hat (ohne Verschiffen), sonst wäre ich sauer gewesen.

Dafür entschädigt dann aber die sehr ausführliche Bauanleitung.

Der Rumpfschaden, welcher am meisten auffiel, das defekte MES-Kabel, habe ich mit dünnen Evergreen Profilen aufgefüllt, ebenso den Lüfter. Die Löcher, die beim Gießen des Resins entstanden sind, wurden verspachtelt und geschliffen. Danach wurde der Rumpf grundiert und voilà:

Da auch die überwiegende Anzahl der Kleinteile einfach nicht zu gebrauchen war, musste ein Teilelieferant gefunden werden. Dazu eignete sich hervorragend der Z 43 Zerstörer von Trumpeter. So ging es los mit dem Antrieb des Bootes. Der originale Rumpf von ISW hatte lächerlich kleine und viel zu weit mittschiffs angebrachte Wellenhosen. Also wurden diese entfernt und Z 43 konnte sich das erste Mal beweisen. Nach der ersten Stellprobe der Wellenanlage war klar, das haut hin.

Jetzt konnten die Grundfarben lackiert werden und eine erste Rumpfpatinierung wurde aufgetragen. Auch musste ich bei diesem Modell die Reihenfolge von Lackieren und Bauen ein wenig abändern. Normalerweise lackiere ich die Aufbauten, bevor ich sie auf dem Deck verklebe. War bei dem Resinklotz natürlich nicht möglich, da sie sich ja schon teilweise dort befanden. Also bekamen diese auch ein erstes Washing.

Nun fiel der erste gravierende Fehler auf: Die oberen Aufbauten mittschiffs sollten eigentlich mit dem Schornstein abschließen und nicht einfach im leeren Raum aufhören. Mal davon abgesehen, dass der Balkon viel zu lang war, fehlten Richtung Bug auch noch zwei Lüfterkästen. Warum hatte ich vorher schon befürchtet meine Styrenprofile wieder einsetzen zu müssen?! Nun denn, Balkon gekürzt und besagten Lüfter angefertigt. Noch die Kabine zum Schornstein hin verlängert und auf den nächsten Fehler gestoßen. Steuerbord fehlte die Hälfte der Plattform. Auf dieser befindet sich eines der Beiboote. Also noch eine Styrenplatte aus meinem Schränkchen geholt und den Fauxpas korrigiert. Auch mein Trumpeter Baukasten musste wieder Federn lassen. Von ihm übernahm ich die Torpedorohre, die aber ein wenig zu lang waren und die ich daher ebenfalls angepasst habe. Vordere und hintere Plattform für die Bewaffnung wurden noch lackiert und angebracht.

Der nächste Klopper ließ nicht lange auf sich warten. Auch die Brücke war völlig fehlerhaft. Es fehlte zwischen Brücken- und Kartenhaus ein Tunnel. Schanzkleider waren nur teilweise vorhanden und der Abschluss vom Artilleriedeck war nicht korrekt dargestellt........

Dremel raus und einen Fräser eingespannt. Hat mich aber schon ein wenig Überwindung gekostet, das Teil zu zerschreddern. Danach ein neues Stück Deck eingefügt und zwei Türen angebracht. Das Schanzkleid wurde geschlossen und fehlende Wellenabweiser aus Profilen gefertigt. Damit waren die Aufbauten fertig gestellt und ich konnte mit dem Kleinkram beginnen.

Jetzt kamen die gefährlichen Abschnitte des Baues an die Reihe. Ruck zuck verbiegt man nun, was eben noch verklebt wurde. Um dem entgegen zu wirken, befestige ich meine Pötte für diese Bauabschnitte immer auf einer Holzlatte, so dass man sie vernünftig anfassen kann. Ich verarbeitete erst alle Teile, die im Zentrum des Schiffes liegen. Danach kamen die äußeren Strukturen an die Reihe wie etwa Kran, Beiboote, Reling und ähnliches. Auch meine Styrenplatten waren wieder im Einsatz, da die Plattform für den Suchscheinwerfer fehlte. Nebenbei bemerkt, auch die Scheinwerfer konnte ich nicht gebrauchen: Resinguß, wie er nicht sein sollte. Zum Glück befanden sich in meinem Lager noch zwei WWII Suchscheinwerfer von "Voyager Model" mit hervorragenden Oberflächendetails. Langsam wurde es immer kniffeliger. Doch ich konnte die innere Reling und die Niedergänge verbauen, ohne etwas anderes abzureißen. Allerdings war ich auch hier nicht hundertprozentig zufrieden. Ich musste den Unzulänglichkeiten des Bausatzes wieder Rechnung tragen und bei der Reling doch ganz schön schnipseln. Aber im Großen und Ganzen hatte es funktioniert.

Die beiden Kräne mussten aber noch erstellt werden, denn auch hier war die Beteiligung des originalen Bausatzes minimal. Nur den Ausleger des Krans konnte ich gebrauchen.

Der Rest musste von mir wieder im Scratchbau erstellt werden: Styrenprofile für den Mast, der Krankopf wurde aus der Grabbelkiste gefischt, die Kabeltrommeln von Z 43 ergaben die Umlenkrollen und die Flaschen. Zum Schluss noch ein selbst geschnitzter Haken. Das alles wurde zusammen gefügt und anschließend mit den Beibooten aufs Deck geklebt.

Den Schornsteinen bekam noch ein Hütchen aufgesetzt und ich näherte mich damit langsam dem Ende.

Jetzt konnte ich mich den Masten und der Takelage zuwenden. Vorher musste aber noch eine kleine Scheinwerferplattform erstellt werden, die am Hauptmast fehlte. Danach konnten endlich die Strippen gezogen werden. Als letztes fehlte dann noch die äußere Reling. Auch sie fand nicht mein hundertprozentiges Gefallen. Bei den Pollern besitzt die Reling normalerweise Aussparungen. Da die Reling aber nicht vom Originalbausatz stammte und an den entsprechenden Stellen Querverstrebungen im Weg waren, konnte ich diese Aussparungen nicht freischneiden. Besonders unschön für mein Befinden war zum Schluss noch die fehlerhafte Bugform, die mir aber erst sehr spät auffiel und die ich daher nicht mehr ändern konnte. Der Bau war schon zu weit fortgeschritten. Letzte Ungereimtheiten des Modells, die mich aber schon ein wenig ärgerten.

Nachdem der letzte Arbeitsschritt also getan war, fehlte dem Schiffchen nur noch ein schöner Liegeplatz. Ich entschloss mich für eine kleine Vitrine um den Schlingel vor Staub zu schützen. Damit hatte ich den American Way of Fail abgeschlossen und mein Nervenkostüm war wieder ein wenig dünner geworden. Als Entlohnung gab es dann aber 2013 in Eindhoven die Silbermedaille und bei der EURO MODEL EXPO 2014 in Heiden Bronze!

Jörg Schäfer

(Text über Original von Lars)