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Modelsvit: sowjetisches Experimentalflugzeug Berijew WWA-14 (1/72) Drucken
Dienstag, 16. Mai 2017 um 05:00

Berijew WWA-14 Deckelbild

Modell: VVA-14
Hersteller: Modelsvit
Maßstab: 1/72
Material: Spritzguss, Abziehbilder
Art.Nr.: 72014
Preis: ca. 50 €

Das Original

Bevor wir uns mit dem Original dieses exotischen Experimentaljets befassen, scheint ein kleiner Exkurs zu den Unterschieden zwischen der lateinischen Schrift, die wir in Westeuropa verwenden, und dem kyrillischen, in Russland verwendeten Alphabet ratsam, um Begriffsverwirrungen vorzubeugen. Da prangt über dem Bild des Fliegers ganz groß "BBA-14" als Name auf der Schachtel. Der ukrainische Hersteller Modelsvit verwendet Kyrillisch, und das kyrillische „B“ entspricht den lateinischen „V“ bzw. „W“ und wird auch als solches ausgesprochen. Das ergibt dann "unsere" Schreibweise, bei der sowohl VVA-14 als auch WWA-14 vorkommen kann. Um die unterschiedlichen Begrifflichkeiten rund um diesen Flugzeugtypen zu komplettieren, werden auch die Bezeichnung Berijew WWA-14 (nach der Herstellerfirma - wobei hier das "B" auch wirklich für "B" steht) und auch Barini WWA-14 (nach dem Konstrukteur des Flugzeuges) verwendet. Die Zahl 14 steht für die ursprünglich geplanten vierzehn Triebwerke. Alle Klarheiten beseitigt?

Von dem Amphibienflugzeug waren drei Prototypen zu Versuchszwecken geplant. Insgesamt wurden aber nur zwei fertiggestellt. Der Bau des dritten Flugzeugs wurde eingestellt. Da die zweite Maschine einem Brand zum Opfer fiel, wurden alle relevanten Versuche mit dem zuerst gebauten Prototypen durchgeführt.

Ursprünglich war die WWA-14 als Amphibienflugzeug geplant, das dank seiner 14 Hubtriebwerke in der starken Mittelsektion senkrecht starten und landen können sollte. Diese Fähigkeit wird im heutigen, englisch dominierten Sprachgebrauch als VTOL (vertical take-off and landing) bezeichnet und auch heute noch besonders bei trägergestützten Flugmustern, wie z.B. Harrier und V-22 Osprey, sehr geschätzt.

Der Erstflug der WWA-14 fand am 4. September 1972 in der südrussischen Hafenstadt Taganrog am Asowschen Meer nahe der Stadt Rostow am Don statt - allerdings noch ohne Schwimmer und nicht im Senkrechtstart. Aufblasbare Schwimmer wurden 1974 eingebaut, aber nur wenig später durch stabile, feste Schwimmer aus Metall ersetzt. Diesen Bauzustand stellt das Modell dar. Letztendlich wurden die Hubtriebwerke nie eingebaut und das Projekt wenige Jahre später eingestellt.

Bedauerlicherweise verrottet dieses Unikat heutzutage unter freiem Himmel im "Zentralen Museum der Luftstreitkräfte der russischen Föderation in Monino" in der Nähe von Moskau. Auf youtube gibt es ein paar nette Filmchen über Starts, Landungen und Flug der WWA-14.

Der Bausatz

Modelsvit produziert im Short run-Verfahren, was bekanntlicherweise nicht ganz so detailliert ausfällt , gröbere Materialstärke aufweist und manchmal auch nur mit ausreichend Druck und Nachhilfe passgenau wird. Zudem sind die Druckformen qualitativ nicht so hochwertig wie im "normalen" Spritzgussverfahren, so fehlen unter anderem Steckverbindungen und Fixierstifte an den Teilen. All das macht sich auch bei der Berijew WWA-14 mal mehr, mal weniger bemerkbar.

188 Bauteile verteilen sich auf 19 hellgraue Spritzlinge, einen Spritzling aus klarem Plastik für Fenster und Kanzel, sowie zwei große Einzelteile. Das stattliche Modell wird nach Angaben des Herstellers 38,1 cm lang und 41,7 cm breit.

Ein kleiner Maskierbogen für die Bemalung der Glasteile und ein Abziehbilderbogen mit der einzig möglichen Registrierung liegen ebenfalls bei.

Wie zu erwarten, ist die Materialstärke besonders der Klappen der Fahrwerkschächte viel zu massiv, während die Fahrwerke selbst, aber auch das Cockpit-Innenleben für short run ausreichend detailliert sind. Andere Baugruppen hingegen fallen wiederum sehr rudimentär aus und sollten nachbearbeitet werden.

Die Anleitung

Die Bauanleitung führt in 32 klar strukturierten und übersichtlichen Einzelschritten zum fertigen Modell. Die Farbangaben beziehen sich auf das Sortiment von Humbrol. Für die Bemalung und das Anbringen der Abziehbilder liegt eine zweiseitige, farbige Anweisung bei.

Fazit

Bei der Beriev VVA-14 verhält es sich wie überall: Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Dennoch ist alleine die Wahl dieses exotischen Vorbilds weit ab jeglichen Mainstreams fast schon einen extra Stern in der Bewertung wert. Mit der zu erwartenden Mehrarbeit (dank short run) wieder gegengerechnet, ergibt das zusammen immerhin noch solide:

alt guter Durchschnitt

Wolfgang