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3. Minensuchgeschwader (1/500, Möwe Verlag) von Joachim Frerichs Drucken
Mittwoch, 05. Juli 2017 um 05:00

3. Minensuchgeschwader in 1/500 von Joachim Frerichs

Die Geschichte des Geschwaders

Das 3. Minensuchgeschwader wurde am 2. Oktober 1956 in Bremerhaven in Dienst gestellt und noch im selben Monat nach Wilhelmshaven verlegt. Das Geschwader wurde mit zehn Räumbooten der ehemaligen Kriegsmarine sowie dem Tender Ems ausgestattet. Bereits am 1. August 1958 verlegte das Geschwader nach Kiel. Zwischen 1959 und 1963 wurden die Räumboote gegen zehn neu in Dienst gestellte Schnelle Minensuchboote der Schütze-Klasse ausgetauscht. Als Ersatz für den Tender Ems erhielt das Geschwader 1964 den neuen Tender Isar. Aber bereits zwei Jahre später, am 15. Februar 1968 wurde dieser der Reserveflottille zugeteilt.

Da sich an mehreren Minensuchbooten der Schütze-Klasse schon bald nach der Indienststellung größere Materialmängel zeigten, wurden acht der dreißig Boote frühzeitig außer Dienst gestellt. Die restlichen Boote wurden im 1. und 5. Minensuchgeschwader zusammengefasst und das 3. Minensuchgeschwader erhielt als Ersatz zwischen 1973 und 1974 acht Binnenminensuchboote der Ariadne-Klasse aus der Reserveflottille. Knapp 20 Jahre später, am 23. September 1992, wurden das 3. Minensuchgeschwader sowie alle acht Boote außer Dienst gestellt.

Am 1. April 1996 wurde das 3. Minensuchgeschwader in Olpenitz neu aufgestellt. Es wurde nach Kiel verlegt, existiert noch heute und verfügt über alle verbliebenen Minenabwehreinheiten der Deutschen Marine.

Die Geschichte der Binnenminensuchboote

Die Binnenminensuchboote der Ariadne- und Frauenlob-Klasse waren eine Weiterentwicklung der beiden Boote Hansa und Niobe, die auch als Modell im Möwe-Verlag erhältlich sind. Die acht Boote der Ariadne-Klasse wurden im Zeitraum 1961 bis 1963, die zehn Boote der Frauenlob-Klasse von 1966 bis 1969 in Dienst gestellt. Bis Ende 1967 wurden alle Boote noch als Küstenwachboote bezeichnet. Sie trugen zuerst Rumpfnummern mit dem Buchstaben „W“ und anschließend eine Bezeichnung aus dem Buchstaben „Y“ und einer fortlaufenden vierstelligen Zahlenfolge. Daran konnte man erkennen, dass diese Boote nicht der NATO unterstellt waren. Ab 1.1.1968 wurden sie in Binnenminensuchboote umbenannt, bekamen die Beschriftung mit dem bekannten „M“ und einer fortlaufenden vierstelligen Zahlenfolge und wurden der NATO unterstellt. Die Boote der Ariadne-Klasse wurden Anfang der 90er-Jahre, die der Frauenlob-Klasse Mitte der 90er-Jahre außer Dienst gestellt. Einige Boote entgingen der Abwrackwerft und wurden der estnischen Marine überlassen. Interessant ist die Besetzung der Dienstposten der Kommandanten. Nach Indienststellung der Boote wurden diese durch erfahrene Stabsbootsmänner geführt. Nach Einführung der neuen Laufbahngruppe der Offiziere des Militärfachlichen Dienstes konnten Portepeeunteroffiziere sich zu Offizieren weiterbilden lassen, so dass die Dienstposten der Kommandanten nun als Kapitänleutnant besoldet wurden.

Wahl des Maßstabs

Das Bauen von Kartonmodellen, vorwiegend Wilhelmshavener Modelle, ist eine Leidenschaft, der ich schon seit über 40 Jahren mit großer Freude nachgehe. Vor über 10 Jahren entschloss ich mich aufgrund von Platzproblemen, meine Modelle nur noch im Maßstab 1/500 zu bauen. Es ist kein Problem, Modelle in diesem Maßstab zu erhalten, denn der Möwe-Verlag verkleinert mir meine Modelle in diesem Maßstab.

Der Bau der acht Binnenminensuchboote

Ich habe mich dafür entschieden, das 3. Minensuchgeschwader im Zustand der 1970er- und 1980er-Jahre darzustellen, das heißt mit seinen acht Binnenminensuchbooten der Ariadne-Klasse. Die Bundesmarine bezifferte diese Klasse mit 362. Das Bauen von Modellen im Maßstab 1/500 gestaltet sich nicht anders als das Bauen im Maßstab 1/250. Ich nutze sämtliche Bauteile. Und so beginnt der Bau dieser kleinen Modelle, die aufgrund des Maßstabs nun nicht mehr 15 cm sondern nur noch 7,5 cm lang sind, auch mit der Grundplatte, dem Mittelträger und den Spanten. Daran schließen sich das Hauptdeck sowie die Bordwände und das Heck an. Der Rumpf ist nunmehr geschlossen, das Boot kann vom Stapel gelaufen und an die Ausrüstungspier verlegt werden.

Weiter geht es mit den Aufbauten. Das kantige Deckshaus mit dem charakteristischen seitlichen großen Bullauge sowie den drei etwas kleineren frontseitigen Bullaugen bot der Brückenbesatzung vermutlich ein sehr eingeschränktes Sichtfeld. Es schloss sich der ebenfalls kantige Schornstein an das Deckshaus an. Oben auf den Aufbauten befand sich das Feuerleitgerät für das 40 mm-Geschütz. Interessant ist, dass der Konstrukteur Gerhardt Neubert den Modellen einen Flaggenspind, der sich vor dem Schornstein befand, spendierte. Übrigens, das Modell wurde 1968 konstruiert, also vor fast genau 50 Jahren. Zwei Rettungsinseln habe ich auf dem Deckshaus sowie jeweils eine weitere steuerbord und backbord neben dem Schornstein angebracht. Nun erfolgte das Anbringen von zwei markanten Otterkränen neben dem Deckshaus, zwei weiteren Kränen am Heck sowie dem großen Otterausleger mit dem auffälligen Otter an der Steuerbordseite. Dieser sehr große, gelbe Otter bestimmt unter anderem das charakteristische Aussehen der Boote. Übrigens wurde das Geschwader – vermutlich aufgrund der geringen Größe der Boote – im Marinejargon als Mickey-Mouse-Geschwader bezeichnet.

Nun waren die große Kabelwinde sowie die kleinere Minensuchwinde an der Reihe. Bei der kleineren Winde verzichtete ich auf das Herstellen von drei Seilführungen. Das ließ sich im Maßstab 1/500 nicht realisieren. Ich formte eine einzige durchgehende Seilführung. Ansonsten habe ich alle Teile der Winden verbaut. Vier klitzekleine Seiltrommeln, der Anker sowie die ebenfalls winzige Ankerwinde vervollständigten die Ausrüstung des Hauptdecks. Nun folgte das 40 mm-Flugabwehrgeschütz, welches mit einer Hülsenauffangwanne versehen ist. Als letztes gestaltete ich den Mast mit Radargerät und Rahen. Ein sehr filigranes Bauteil, aber auch im Maßstab 1/500 machbar. Nach dem Setzen der Funkantennen sowie dem Hissen der Bundesdienstflagge konnte das Boot in Dienst gestellt werden. Im Verlaufe mehrerer Jahre folgten dann die restlichen sieben Boote, so dass ich zum Schluss das komplette Geschwader in meinem Marinehafen an die Pier legen konnte. Zwischenzeitlich nahmen die ersten Boote schon an diversen Manövern teil und liefen unter anderem die Doppelschleuse in Bremerhaven an.

Der Bau eines kompletten Geschwaders hat mir sehr viel Freude bereitet. Immer mal wieder habe ich ein kleines Mickey-Mouse-Boot gebaut und war jedes Mal mit meinem Ergebnis zufrieden. So kann man auch mit kleinen Dingen große Freude machen.


Joachim Frerichs, Rheine