Modellsuche

Suchen


Japanisches Lazarettschiff America Maru (1/700, Fairy Kikaku) von Hendrik Schütte Drucken
Montag, 12. März 2018 um 06:00

Das Original

Die America Maru (6.070 to, 126,8 m, 17 kn, 128 Mann) wurde 1898 in England von C. S. Swan & Hunter, Ltd. in Newcastle-Upon-Tyne für Toyo Kisen Kaisha gebaut. Ihre beiden Schwesterschiffe waren Nippon Maru und Hong Kong Maru, beide wurden bereits vor dem Zweiten Weltkrieg verschrottet.

Nach ihrer Fertigstellung wurde die America Maru auf der Route Hongkong-Japan-Hawaii-San Francisco eingesetzt und konnte 618 Passagiere transportieren. Im September 1901 verließ der chinesische Revolutionsführer Sun Yat-Sen China an Bord der America Maru ins Exil. Im Februar 1904 beschlagnahmte die japanische Marine das Schiff und baute es zum bewaffneten Hilfskreuzer um. In dieser Rolle nahm es ein Jahr später an der Schlacht von Tsushima teil, wo es Überlebende von versenkten russischen Schiffen aufnahm. Mitte 1905 wurde das Schiff aus dem Marinedienst entlassen und wieder als ziviler Passagier-Frachter verwendet. Von 1914-18 und in den späten 20er Jahren diente die America Maru der japanischen Armee, ab Ende 1937 wurde sie dann zum Lazarettschiff (mit entsprechenden Markierungen) umgebaut und bis 1943 vor allem in China und Korea eingesetzt. Im Laufe des Jahres wurde sie dann als regulärer Frachter reklassifiziert, bewaffnet und grau gestrichen.

Im Januar 1944 wurde die America Maru von der japanischen Marine übernommen und der Marinebasis Kure zugeteilt. Als das Schiff im März 1944 als Teil eines kleinen Konvois Zivilisten von Saipan evakuieren sollte, wurde sie auf dem Rückweg nach Japan vom U-Boot USS Nautilus (SS-168) torpediert. Zwei oder drei Torpedos trafen das Schiff auf der Backbordseite – es sank innerhalb von zwei Minuten. Von 642 Menschen an Bord (Schätzungen reichen bis 1.700 Passagiere) überlebten nur 43 die Katastrophe.

Das Modell

Der Resin-Bausatz von Fairy-Kikaku ist in der gewohnten „Qualität“ ausgeführt: dreiteiliger Rumpf, wenige – sehr grobe und zumeist unbrauchbare – Teile für Lüfter und Beiboote, handgemalte Anleitung ohne Explosionszeichnungen. Für mich als Aus-dem Kasten-Bastler sind solche Bausätze eigentlich ein Albtraum, trotzdem hat mir der Bau Spaß gemacht. Aus dem Bausatz selbst konnte ich nur sieben Teile verwenden: drei Rumpfteile, zwei Decks und die beiden Schornsteine. Alles andere kommt aus der Restekiste bzw. wurde mit Plastikstäben nachgebaut. Die Kleinteile, die dem Bausatz sonst noch beiliegen, habe ich ohne schlechtes Gewissen direkt entsorgt.

Da das Modell die America Maru im Bauzustand 1905 als Hilfskreuzer im Russisch-Japanischen Krieg vorsieht, ich das Schiff aber im Bauzustand des Zweiten Weltkriegs zeigen wollte, habe ich das Brückendeck um eine Ebene erhöht und deutlich mehr Beiboote als vorgesehen verbaut. Letztere stammen aus einem übrigen Hikawa Maru-Plastik-Bausatz. Auf das Füllen des vorderen Welldecks (wie das auf Fotos von ca. 1940 erkennbar ist) habe ich verzichtet – das hätte meine modellbauerischen Fähigkeiten wohl überstiegen und ich wollte nicht riskieren, das Modell zu „verbocken“.

Quellen

Fazit

Ein relativ günstiges Resin-Modell eines exotischen Schiffes, das allerdings außerordentlich viel Nacharbeit erfordert. Das Schiff bietet durch sein „langes Leben“ viele Möglichkeiten und kann als IJN Hilfskreuzer (1905), ziviles Handelsschiff, IJA Lazarettschiff (1938-43) oder IJN Frachter (1944) gebaut werden.

Hendrik Schütte