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Copper State Models: Aufklärer Caudron G.IV (1/48) Drucken
Freitag, 27. Juli 2018 um 05:00

Caudron G. IV Deckelbild

Modell: Caudron G. IV Hydravion
Hersteller: Copper State Models
Maßstab: 1/48
Material: Polystryrol (Spritzguss), Acetatfilm für Fenster, Fotoätzteile, Abziehbilder
Art.Nr.: CSM 1028
Preis: 71,39 €

Gut einen Monat nach dem bewundernswerten Bausatz der Caudron G.IV, legt Copper State Models die Schwimmerversion nach. Mit dem Bausatz der “Hydravion” genannten Schwimmerversion im Maßstab 1/48 bereichert uns Copper State Models mit einem weiteren wichtigen Typ der französischen Militärfliegerei des Ersten Weltkriegs. Nach dem furiosen Einstand mit der Sopwith 5F.1 Dolphin und der Caudron G.IV sehen wir mal, welche Änderungen CSM am Modell vorgenommen hat.

Das Original

"Der zweimotorige Anderthalbdecker Caudron G.IV ging auf die einmotorige G.III zurück. Beobachter und Pilot saßen hintereinander im offenen Cockpit einer kurzen Rumpfgondel, während die beiden Motoren jeweils rechts und links in eigenen Gondeln aufgehängt waren. Am Leitwerk waren vierfache Seitenruder montiert, das Fahrwerk bestand aus zwei Kufen, an denen je zwei Radpaare angebracht waren. Die Caudron G.IV erreichten ab Spätherbst 1915 die Front und waren schließlich bei 38 Staffeln der französischen Aéronautique Militaire im Einsatz. Der Antrieb durch zwei zuverlässige Motoren, die für gute Steigleistungen und Reichweite sorgten, hatte bei den Piloten einen guten Ruf. Zudem verbesserte die freie Gondel die Sicht für den Beobachter in Flugrichtung. Allerdings verfügte der Selbige wegen der großen Motorgondeln rechts und links für sein MG nur über begrenztes Schussfeld nach vorn. Mit einem zweiten über den Flügel nach hinten wirkenden MG konnte er sich gegen Verfolger verteidigen. Diese umständliche Handhabung begrenzte die Fähigkeit zum Luftkampf, weshalb sich die Bomber vorzugsweise in eng geschlossener Formation gegenseitig sicherten. Trotz nur geringer Bombentraglast wurden die G.IV insbesondere bei weitreichenden Bombereinsätzen (u.a. gegen die deutschen Zeppelin-Hallen in Belgien oder Industrieziele am Rhein) eingesetzt. Neben der zweisitzigen Bomberversion G.IVB.2 wurde die Caudron auch in der Ausführung G.IVA.2 als Aufklärer eingesetzt; eine gepanzerte Version G.4IB („Blindage“ = Panzerung) diente als Schlachtflugzeug zur direkten Luftunterstützung der Bodentruppen. 1916 wurden die G.IV bei der Aeronautique Militaire allmählich durch die verbesserte Caudron G.VI ersetzt. Steigende Verluste zwangen zum Einsatz als Nachtbomber, und schließlich wurden verbliebene Flugzeuge in Schulflugzeuge der Version G.IVE.2 (E = „Enseignement“) mit Doppelsteuer umgebaut.

Neben der französischen Armee führten auch die britische Marinefliegertruppe (R.N.A.S.) und das italienische Fliegerkorps die G.IV ein, letzteres ließ bei dem italienischen Lizenznehmer A.E.R. 51 Flugzeuge herstellen, erstere bezog bei der British Caudron Company kurzfristig zwölf Flugzeuge, bis sie diese durch schwere Handley Page O/100-Bomber ersetzen konnte. Für den Alpenflug eigneten sich die von den Italienern eingesetzten Flugzeuge insbesondere der guten Steigleistung wegen und dem Höhenflug. Selbst bei widrigen Wetterbedingungen konnten sich die Besatzungen auf ihr Fluggerät verlassen. Weitere Caudron G.IV gingen an das Rumänische Fliegerkorps, die belgische Militärluftfahrt, die kaiserlich-russische Luftflotte, die Luftstreitkräfte Finnlands, den United States Army Air Service, den portugiesischen Serviço Aeronáutico Militar sowie die Luftstreitkräfte Venezuelas und Kolumbiens."

Zitat: Wikipedia

Der Bausatz

Nach dem Öffnen der stabilen weißen Schachtel, deren Stülpdeckel eine über einem Dampfer fliegende Maschine zeigt, suche ich zuerst die zusätzlichen Spritzrahmen für die Schwimmer. Ist dies doch der erste augenscheinliche Unterschied zur Landversion der G.IV. Zu den Rahmen A, B, und 2 x C gesellt sich der neue D-Rahmen, der ebenso doppelt vorhanden ist. Die zusammen 38 Bauteile beinhalten natürlich die zwei großen Hauptschwimmer und zwei kleine Hilfsschwimmer am Heck.

Etwas kurios anmutend ist das Erscheinungsbild der G.IV Hydravion mit der "Aufteilung" ihrer Schwimmer schon, vergleicht man diese mit heutigen oder späteren Schwimmerflugzeugen (siehe Deckelbild). Auch könnte man meinen, die Hauptschwimmer sind um 180 Grad falsch herum montiert! Zum Zweiten ist die Ätzplatine nicht einfach mit den für die Marineversion benötigten Teilen erweitert worden, sondern enthält ausschließlich für diesen Typ benötigte Teile und Beschläge. Dem geschuldet ist auch nur die Maschine auf dem Deckelbild baubar, da die Ätzteile für die Landversion fehlen. Dazu aber gleich noch mehr! Zwei neue Propeller und eine Rangierhilfe, die mit je zwei Reifen unter den beiden Hauptschwimmer angebracht werden, sind mit an Bord. So kann man eine an Land gezogene Maschinen darstellen. Dies ist eine der wenigen Optionen, die dieser Bausatz bietet. Hierfür werden zusätzlich zwei Unterstellböcke benötigt, die sich ebenso am D-Rahmen befinden. Qualitativ sind die Plastikteile was Farbe, Kunststoffbeschaffenheit und Erscheinung betrifft, mit der Landversion identisch und über jeden Zweifel erhaben. Filigran und mit sehr viel Liebe zum Detail der wiedergegebenen Texturen präsentieren sich die Bauteile der sechs Rahmen. Vergleicht man die stark hervorgehobenen Rippen der Flügel (Rahmen A) - man meint sie seien übertrieben dargestellt - mit Originalaufnahmen, hat sie CSM absolut korrekt wiedergegeben. Geradezu mit der Zunge schnalzen lassen mich die Teile der Führergondel auf dem Rahmen B. Wunderbar ausgeführte Details der Rumpfgondel, der Oberseiten der Motorgondeln, Nähte und des Funkgeräts versprechen großes Vergnügen bei der Bemalung. Der Vollständigkeit halber erwähne ich, dass je Seite der Gondel jeweils sechs schwache kreisrunde Auswerfermarken zu erkennen sind. Vier von ihnen werden durch den Cockpitboden und dem Sitz des Beobachters verdeckt. Die vorderste und hinterste Marke ist zu entfernen, was allenfalls ein Arbeitsaufwand von wenigen Minuten ist!

Sicher bin ich nicht, ob die Caudron Sitzgurte gehabt hat. Dazu konnte ich keine Info auftreiben. Gut möglich das aufgrund der Auslegung und eher behäbigen aber stabilen Flugeigenschaften von Sitzgurten abgesehen wurde! Der doppelt vorhandene Rahmen C beinhaltet die Ausleger, die beiden Umlaufmotoren Le Rhône 9C und das traumhaft gestaltete 7,7 mm Vickers MG samt Munitionstrommeln, Propellern, Streben und die Unterseite der Motorgondeln. Beide MG werden nicht benötigt. Da durch den Anbau der Schwimmer das Gewicht um weitere 95 kg erhöht wurde, setzte man die Hydravion nur als Aufklärer ein. Durch die zusätzlichen Pfunde verringerte sich die Treibstoffkapazität, was zur einer verminderten Flugzeit von 1,5 Stunden führte. Auch der neue Rahmen fügt sich nahtlos in die vorangegangene Beschreibung der Bausatzteile ein. Tip Top ist die Verarbeitung ohne erkennbaren Verzug oder von Fischhaut. Kommt man nach dem vergnüglichen Begutachten der Plastikteile zum voreiligen Entschluss eines schnellen Zusammenbaus, lehrt einem die Bauanleitung eines Besseren. Grafisch leicht verständlich führt einem die Anleitung in XIV Kapiteln durch den Zusammenbau. Ab Kapitel V auf Seite 10 erkennt man auch den phantastischen Aufbau dieses Modells. Alle Beschläge, Ösen, Verkleidungen und Verstärkungen der Ausleger werden mittels Ätzteilen dargestellt. Ein aufwändiges Bohren von Löchern oder drehen von Ösen entfällt nahezu. Selbst der Generator zur Stromerzeugung des Funkgerätes kommt nicht zu kurz. So schließt sich der Kreis und man erkennt, dass die Umsetzung vom Original zum Modell sehr gut geglückt ist.

Abweichend zur Landversion widmet sich Kapitel VII mit dem Zusammenbau der Schwimmer. Sinngemäß entfällt das Kapitel für die Montage der Bewaffnung und wird durch die Anleitung zum Bau der Trolleys und Stützen getauscht. Der Ernst beginnt auf Seite 18! Gleich fünf Seiten widmet sich die Bauanleitung der Verspannung. Mittels nochmaliger Vergrößerung der Motorgondeln, Tragflächen und Auslegern erleichtert Sie die Verspannung enorm, zudem die fünfte Seite nochmals für Klärung der Steuerungskabel sorgt. Keinesfalls schmälert sie aber den großen zu betreibenden Aufwand. Überdies würde ich sehr sorgfältig den Verspannungsplan studieren, da beim Zusammenbau der Führergondel nicht direkt auf die Steuerseile und Ansteuerung der Gashebel eingegangen wird, sondern man deren Verlauf in Eigeninitiative nachvollziehen muss. Ein kleiner Fleck auf der ansonsten weißen Weste der Anleitung.

Die letzte Seite widmet sich der einzigen optisch darstellbaren Maschine. Unterschiede gibt es nur in den drei möglichen Seriennummern. Die in naturbelassenen Farben gehaltene Maschine ist mit der französischen Trikolore am Seitenleitwerk und den Hoheitsabzeichen an den Flügeln ein außerordentlicher Blickfang (vorausgesetzt die Verspannung klappt).

Die hervorragend umgesetzte, farbige Bau- und Lackieranleitung lässt absolut keine Fragen offen. Auch der Verspannungsplan ist eindeutig, mit verschiedenen Blickwinkeln umgesetzt. Alle Baustufen sind in angenehmer Größe gedruckt und sorgen, mit gezielter farblicher Darstellung, für einen schnellen Baufortschritt und ganz einfach Spaß bei der Arbeit. Die Farbangaben beziehen sich auf keinen speziellen Hersteller, sind also allgemein gehalten.

Bleiben noch die Abziehbilder. Fast schon selbstverständlich, dass sie aus dem Hause Cartograf stammen. Perfekt in Farbe und Register gedruckt sind auch noch vier kleine ca. 1,5 mm Durchmesser große Propellerlabels vorhanden. Im unteren Halbkreis kann ich eindeutig Paris Lyon lesen. Oben würde ich Garmond lesen! Ein Beweis für die Top-Qualität der Abziehbilder. Jetzt suche ich fast schon verzweifelt nach einen Schwachpunkt. Wenn es überhaupt etwas zu kritisieren gibt, sollte man auf Seite 9 die Stoßstangen des Ventiltriebs der 9 Zylinder-Motoren Le Rhône 9C mit 0,25 mm Starken Draht darstellen. Oder aber hervorragenden Ersatz bei smallstuffmodels.com ordern.

Fazit

Ich zitiere aus originalundmodell Ausgabe 12: “Bis zum heutigen Tag habe ich noch keinen Flieger im Maßstab 1/48 aus der Militärfliegerei des Ersten Weltkriegs begutachtet, der eigentlich ohne irgendeinem Mangel auf dem Basteltisch landete. Mit diesem Bausatz hat CSM die Latte für alle anderen aber definitiv ein gehöriges Stück höher gelegt und einen Anwärter für das beste Modell des Jahres produziert. Voll des Lobes und des mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eines leichten Zusammenbaus des Grundmodells, empfehle ich dieses Modell nur dem erfahrenen Modellbauer. Die Verarbeitung der Ätzteile und die Verspannung fordern ihren Tribut! Schade nur, dass ich nicht gleich mit dem Bau aus Zeitgründen anfangen kann. So verbleibe ich mit " SEHR EMPFEHLENSWERT" als Urteil für die Caudron G.IV von CSM.”

alt sehr empfehlenswert

Guido Veik (Text), Thomas Schneider (Fotos)

Wir danken Glow2B für das Bausatzmuster