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Patrol Boat River (PBR) (1:72, Mach2) von Hajo Lippke Drucken
Donnerstag, 26. Juli 2018 um 05:00

Das Original

Das Patrol Boat River (PBR) war ein 1966 bei der US Navy eingefĂŒhrtes Patrouillenboot. Es war dank des geringen Tiefgangs besonders fĂŒr den Einsatz in flachen GewĂ€ssern und auf FlĂŒssen geeignet. Der Rumpf war eine Glasfaserkonstruktion. An der BrĂŒcke und den MG gab es eine leichte Panzerung. Es wurden 140 (oder 250?) Boote gebaut, die von der US Navy und US Army im großen Umfang im Vietnamkrieg eingesetzt wurden. Sie wurden auf dem Mekong und anderen FlĂŒssen verwendet, um den dortigen Schiffsverkehr zu kontrollieren, fĂŒr AufklĂ€rung und um Einheiten, wie Seals-Teams, zu unterstĂŒtzen. Es gab zwei Versionen, Mk 1 und Mk 2. Der Wasserstrahlantrieb der ersten Version wurde zu leicht durch den dichten Bewuchs auf den vietnamesischen FlĂŒssen beeintrĂ€chtigt, weshalb die Mk 2-Version einen Antrieb mit grĂ¶ĂŸeren Durchmesser bekam. BerĂŒhmt wurde der Bootstyp durch den Film Apocalypse Now.

Ein PBR Mk I war 9,5 m lang (ein Mk II 9,8 m), 3,2 m breit (Mk II 3,5 m) und verdrĂ€ngte 7-8,9 t. Der Antrieb erfolgte ĂŒber zwei Diesel mit insgesamt 360 PS, die zwei Wasserstrahlantriebe antrieben, womit 28,5 kn erreicht wurden. Die Besatzung bestand aus vier Mann. Die Bewaffnung umfasste drei 1,27 cm MSHB 0.50-Maschinengewehre (eine Zwillingslafette vorne, eine Einzellafette achtern), zwei 0,76 cm M60-Maschinengewehre bzw. einen 4 cm Mk 19-Granatwerfer statt eines der M60-Maschinengewehre.

Das Modell

This is the end, beautiful friend
This is the end, my only friend, the end

Normalerweise beginne ich meine BeitrÀge nicht so pessimistisch, aber es handelt sich bei dem folgenden Modell um eines von Mach2....

Und da passt es, dass sowohl die QualitĂ€t des Bausatzes als auch die Filmmusik zu Apocalypse Now Anlass fĂŒr "The End" von den Doors geben. FĂŒr die ganz wenigen, die es nicht wissen sollten... So, wie Top Gun der F-14 ein filmisches Monument errichtete, wurde dem PBR - Patrol Boat River - mit Apocalypse Now ein Denkmal errichtet, denn es spielt hier eine nicht unwesentliche Rolle bei der Story um Captain Willard, der auf der Suche nach sich selbst und dem abtrĂŒnnigen Colonel Kurtz den Nung-Fluß hinauffĂ€hrt...

Es handelt sich bei dem Bausatz um das ĂŒbliche, Mach2-typische Plastik, das von Farbe und Konsistenz sehr an Gips erinnert...:

Der Guss selbst ist sehr abwechslungsreich. Mal ist zu viel Plastik dran...:

...mal zu wenig, siehe die Dreibeine unten in der Mitte:

Aber erst mal geht es ganz ordentlich. Der Bau selbst verlief erfreulich unkompliziert, weil das Plastik gut zu verarbeiten ist und man diverse Teile auch selber bauen kann. Bei meiner Recherche bin ich auch auf den Bauplan der Umsetzung des Patrol Boat River in 1/35 von Tamiya gestoßen. Das war sehr erhellend, weil diverse Details dort geschildert waren, die aus dem Bauplan von Mach2 nicht hervorgehen. Die „Übersetzung“ verlief dabei sehr direkt und problemlos, denn ein kurzer Blick auf Tamiya-Plan und Mach2-Modell ergab, dass die französische Umsetzung eine 1:1 Kopie des japanischen Bausatzes, nur eben um die HĂ€lfte verkleinert, ist.

Wer etwas mehr MĂŒhe investieren will, kann die recht groben und zu dicken Strebenkonstruktionen des Kabinendaches selber bauen, die sind nĂ€mlich viel zu dick. Ich habe mich beim Thema „Selberbauen“ lieber auf die Crew konzentriert, die man hier in Form des steuernden KapitĂ€ns und des Bug-MG-SchĂŒtzen schon sehen kann. Ach ja, schwimmen tut das gute StĂŒck natĂŒrlich auch
 ;)

Selbst ein Mach2-Bausatz kommt irgendwann zu dem Punkt, wo die Konstruktion fertig ist und mit der Lackierung begonnen werden kann:

Lackiert habe ich mit einem leicht aufgehellten Revell GrĂŒn 65, dann kamen noch diverse AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde sowie die noch fehlenden Crew-Mitglieder an Bord.

Die SchĂŒtzen selbst sind teilweise "Eigenbau". Der hellhĂ€utige zwischen den beiden M60-MGs stammt aus dem Bausatz und ist als Kopie aus dem Esci-Set „US GIs in Vietnam“ klar erkennbar. Er macht beim GeraderĂŒcken seines Helmes keine wirklich glĂŒckliche Figur, aber die Situation scheint derzeit noch entspannt zu sein.

Der farbige Soldat am .50er MG ist eigentlich aus dem Esci Ground-Crew-Set, der Typ mit nacktem Oberkörper, der an irgendetwas schraubt. Ich habe ihm einen anderen Kopf verpasst (mit Helm) und außerdem eine Flak-Jacke aus Papier angezogen.

Nett ist ein kleines Detail an den M60, die Mach2 von Tamiya kopiert hat: Die GIs haben ganz gerne leere Konservendosen direkt unter dem Munitionseinlauf des M60 montiert, damit die Munitionsgurte nicht direkt an der Öffnung abknicken. Dadurch wurde verhindert, dass es zu Ladehemmungen kam. Ein entsprechendes kleines Rundteil war im Mach2-Bausatz mit dabei.

Die Munitionsgurte stammen von Aber, auch vorne am Zwillings-MG sind sie zu erkennen.

Zu der eigentlichen Crew gesellt sich noch ein vierköpfiges Team von SpezialkrĂ€ften, wie sie z.B. vom MACV (Military Assistant Command Vietnam) oft eingesetzt wurden. Grundlage fĂŒr mein Team sind die „alten“ Figuren von den Esci-Sets „Vietcong“ bzw. „US GIs in Vietnam“, hier in der Wiederauflage von Italeri.

Ich habe sie nur noch ein wenig ergĂ€nzt, so bekam die Figur ganz links statt Sandalen ordentliche Dschungelstiefel, die zweite von Links hatte vorher gerade Beine und ein Barrett auf dem Kopf, jetzt hockt sie, hat ein Kopftuch um und einen Rucksack auf. Die ĂŒbrigen beiden Figuren wurden diesbezĂŒglich nicht weiter umgebaut, sondern erhielten nur Kleinigkeiten wie eine Antenne fĂŒr das FunkgerĂ€t oder StĂŒckchen aus gezogenem Gießast als Rauchgranaten.

Die Figur ganz links ist im Original ein Vietcong, wurde von mir aber als Amerikaner „gebastelt“. Diese Verwirrtaktik nutzten die Amerikaner manchmal bei ihren Patrouillen, wozu auch die Bewaffnung mit feindlichen Waffen gehörte. Hier ist es ein RPD-Maschinengewehr in der Version mit abgesĂ€gtem Lauf. Zahlreiche SOG (Study and Observation Group)-Teams nutzten dieses ĂŒberaus gute leichte MG bei ihren Missionen. Neben seiner QualitĂ€t als Schusswaffe war es natĂŒrlich auch ein nicht unwichtiges Element der "Überraschung": Es klang eben beim Abfeuern nicht wie ein amerikanisches Gewehr, und wenn auf einem engen Dschungelpfad ein Mensch mit einer solchen Waffen auftauchte, musste man zwei Mal schauen, ob es ein GI oder ein Vietcong war. Vor allem, wenn der Mensch dann auch noch einen schwarzen Pyjama trug und damit die Illusion eines "Charlie" fĂŒr einige weitere Augenblicke aufrecht erhielt. Und "Peng", hatte man ein Loch im Kopf...

Hier noch meine kleine Evolution der Bemalung meines Teams. Ganz links der GI im Pyjama, die ĂŒbrigen Soldaten mit unterschiedlichen Tarnschemen, hauptsĂ€chlich noch unfertigen "Tiger Stripe"-Schemen. dazu habe ich relativ helles OlivgrĂŒn verpinselt, und auf die noch leicht feuchte Farbe den nĂ€chsten Farbton aufgetragen. Beim Funker hat die Hose so dunkle Flecken in Lederbraun erhalten. Den recht starken Kontrast habe ich dann durch ein, zwei wassergetrĂ€nkte Pinselstriche gebrochen, da dann die Farbe verlief.

Die anderen Klamotten haben entweder OlivgrĂŒn 46 oder GrĂŒngrau 67 als zusĂ€tzliche Flecken erhalten - da war eine nachtrĂ€gliche Kontrastminderung nicht mehr nötig. Ein paar Flecken bzw. Striche mit hellem GrĂŒn bzw. GelbgrĂŒn sorgen dann noch fĂŒr die beim Tiger Stripe typischen Aufhellungen. Gleich kommen noch die klassischen schwarzen Tigerstreifen drauf.

Am Ende der Tarnbemalung habe ich unterschiedlich stark kontrastierende schwarze Streifen fĂŒr die "Tiger Stripes" gemacht. Mit einer Nadel wurden die Striche aufgetragen, der starke Kontrast kam durch die Verwendung von Matt Schwarz 8, der geringere Kontrast bei einem selber gemixten Anthrazit, das allerdings noch ein StĂŒck heller ist als das klassische Anthrazit 9 von Revell. Kann man etwas erkennen bei meinem SchĂŒtzen ganz links, der die Stiefel in 9 lackiert bekommen hat, wĂ€hrend der Pyjama mit der selbst-gemixten Mischung entstand.

Danach fehlte nur noch Hautfarbe, Gesichtstarnung sowie die KopftĂŒcher, und jetzt sind die Jungs einsatzbereit!

Ab in die grĂŒne Hölle!

Schlussendlich wurden die MĂ€nner mit ins Boot gesetzt. Dann habe ich in meinem Garten ein kleines StĂŒck mit dem Gartenschlauch unter Wasser gesetzt und diese schöne PfĂŒtze als Fotohinter- bzw. untergrund genutzt. Das Boot nĂ€hert sich dem Flussufer, um das Spezialteam fĂŒr seinen AufklĂ€rungsauftrag im Dschungel abzusetzen.

Hajo Lippke

(Text ĂŒber Original von Lars)