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Flugzeugträger USS Coral Sea (1/350, Eigenbau) von Frank Ilse Drucken
Montag, 16. März 2020 um 06:00

Das Original

USS Coral Sea war ein Flugzeugträger der Midway-Klasse, die in den Jahren unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs in Dienst gestellt wurden. Coral Sea war der dritte sogenannte Aircraft Carrier Large (CVB), in deren Konstruktion sowohl die im Zweiten Weltkrieg gemachten Einsatzerfahrungen als auch das heraufziehende Jet-Zeitalter mit deutlich schnelleren und schwereren Bordflugzeugen einflossen. Die Kiellegung der Coral Sea war am 10. Juli 1944 und das Schiff lief am 2. April 1946 vom Stapel. Die beiden anderen Schiffe der Klasse waren die USS Franklin D. Roosevelt und der Namensgeber der gesamten Klasse, die USS Midway. Damit waren die drei größten Kriegsschiffe, die die USA zu Beginn der 50er-Jahre hatten, – in frischer Erinnerung der Ereignisse – benannt nach der ersten Flugzeugträgerschlacht im Korallenmeer, der entscheidenden Kriegswende im Pazifik bei den Midway-Inseln und dem Präsidenten dieser Kriegsjahre.

Für die damalige Zeit waren die Schiffe mit ihren 298 Metern Länge und ihrer Aufnahmekapazität von mehr als 125 Flugzeugen wahre Riesen. Coral Sea verbrachte die frühen Jahre ihres Daseins bei der Atlantikflotte und verlegte mehrfach ins Mittelmeer.

Die drei Schiffe der Klasse ließen sich gut modernisieren und boten die Möglichkeit, auch die meisten modernen Jets der 50er- bis 70er-Jahre an Bord einzusetzen. 1957 wurde auch Coral Sea vor diesem Hintergrund grundlegend umgebaut. Nach 33 Monaten Liegezeit verließ sie den Puget Sound Naval Shipyard wieder, versehen mit einem Winkelflugdeck, drei großen Außenaufzügen, geschlossenem Bug und einer Kapazität für etwa 80 Jets. Sie hatte als einziges Schiff ihrer Klasse drei Dampfkatapulte und erreichte damit fast die Kapazität eines Trägers der Forrestal-Klasse.

Mitte der 60er-Jahre scherte der Flugzeugträger zum ersten Mal auf der berühmt, berüchtigten „Yankee Station“ vor Vietnam ein. Insgesamt brachte es die Coral Sea auf sieben Einsatztouren vor Vietnam mit 875 Einsatztagen – das war allein ein Zehntel sämtlicher Einsatztage aller Flugzeugträger vor Vietnam. Flugzeuge der Coral Sea flogen den ersten Einsatz der Operation „Rolling Thunder“ von 1965 bis 1968 und sie waren wesentlich an „Linebacker“ und „Linebacker II“ Anfang der 70er-Jahre beteiligt.

Nach Ende des Kriegs in Südostasien blieb die Coral Sea Teil der Pazifikflotte, bis sie 1983 zurück zur Atlantikflotte wechselte. 1986 nahmen die Flugzeuge des Schiffs am Einsatz gegen Libyen teil. 1990 stellte Coral Sea außer Dienst und wurde in den Jahren darauf abgewrackt. Die 44 Einsatzjahre in unterschiedlichen Epochen des Seekriegs trugen der Coral Sea ihren Ehrennamen ein: „The Ageless Warrior“ - der „zeitlose Krieger“.

Technische Daten:
Länge: 298 m
Breite: Wasserlinie 36,9 m, Flugdeck 72,5 m
Verdrängung: 63.600 t
Antrieb: 12 Dampfkessel Westinghouse mit vier Turbinen auf vier Schrauben 212.000 PS
Geschwindigkeit: 33 Knoten

Unter Modellbauern ist das Schiff vor allem durch die sehr auffälligen Staffelmarkierungen des Bordgeschwaders CVW-15 aus den späten 60er- und den 70er-Jahren bekannt. Die Jagdstaffeln VF-111 „Sundowners“ und VF-51 „Screaming Eagles“ mit ihren F-4 B Phantom II aus der Einsatzzeit von 1971 bis Herbst 1972 ragen hier noch einmal besonders heraus.

Das Modell

Jeder, der sich mit Schiffsmodellbau beschäftigt, hat irgendwann ein Lieblingsschiff. Meines ist die Coral Sea in ihrem Aussehen Anfang der 70er-Jahre. Ein Modell dieses Schiffs gibt es in den gängigen Maßstäben 1/700 und 1/350 nicht. Seit ich Schiffsmodellbau intensiv betreibe – das sind inzwischen 20 Jahre – wollte ich dieses Schiff bauen. Also bleibt nur der Scratchbau. 2002 habe ich eine erste Version gebaut, in 1/700 (siehe Modellvorstellung). Der Rumpf war aus Balsaholz geschnitzt, hinzu kamen diverse Evergreen-Styrene-Profile sowie eine Airwing, die sich aus Flugzeugen von Fujimi und Tamiya zusammensetzte.

Und jetzt also nochmal, nur doppelt so groß, in 1/350. Ich wollte die USS Coral Sea, wie sie 1971/72 vor Vietnam unterwegs war, an Bord die Carrier Airwing 15 (CVW 15). Recherchebasis für das Modell sind Pläne vom Floating Drydock, die das Schiff in seiner Konfiguration um 1980 zeigen, zahlreiche Fotos aus dem Internet sowie eine Foto-DVD von Ray Bean, auf der er zahlreiche Bilder der Coral Sea zusammengestellt hat. Hinzu kommen Bücher wie „Tonkin Gulf Yacht Club“ von René Francillon, eine der besten Dokumentationen über US-Flugzeugträgereinsätze in Vietnam.

Der Bau des Schiffs

Für den Bau des Flugzeugträgermodells habe ich in erster Linie Polystyrolplatten unterschiedlicher Stärke verwendet. Die stärksten Platten, wie die Grundplatte, haben 4 mm, doch es gibt auch Bereiche, wie bei Schanzkleidern, wo ich mit 0,3 mm Stärke gearbeitet habe. Das Schiff ist in klassischer Weise aufgebaut: Spant und Beplankung. Wobei genau genommen die Räume zwischen den Spanten an Bug und Heck mit 2 mm Plattenstücken in Schichtbauweise aufgebaut und dann entsprechend der Spantform zurecht geschliffen worden sind. Dieser Arbeitsphase erforderte sehr viel Schleifarbeit, immer wieder anpassen, spachteln und nachschleifen.

Die seitliche Überhänge, die als Lager für die drei noch verbliebenen 12,7-cm-Geschütze dienen, wurden aus einem Balsakern gebaut, der mit 0,3-mm-Polystyrolplatte beplankt worden ist. Der seitliche Überhang für das Flugdeck entstand aus 1 mm starken Platten, die entsprechend geschnitten, verklebt und verschliffen wurden. Die Seitenwände des Hangars bis auf Flugdeckhöhe wurden aus 1,5-mm-Platten geschnitten. An den entsprechenden Stellen ließ ich Aussparungen für die Aufzüge.

Die Rumpfdetails sind in Paneelbauweise entstanden. Das hat den Vorteil, dass nicht immer der gesamte Rumpf für jedes Detail bewegt werden muss. Darüber hinaus lässt sich alles einfacher lackieren, detaillieren und altern. Die jeweiligen Segmente wurden dann einfach nur am Rumpf montiert, nachdem sie fertig waren. Details des Schiffs sind mit unterschiedlichen Polystyrol-Profilen aus dem Hause Evergreen gebaut worden. Rundstäbe, Rechtecke, Winkel, Halbrund – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Das gilt auch für die Kommandoinsel. Sie wurde ebenso wie der Rumpf aus unterschiedlichen Platten und Profilen – auch unter Einsatz von Fotoätzteilen – gebaut. So besteht allein das Prifly, der Kontrollturm für die Flugbewegungen hinten an der Insel, aus insgesamt 85 Teilen.

Das Hangardeck ist voll ausgebaut und wurde mit einer Beleuchtung aus LED-Leuchten versehen. Bei der Installation der Beleuchtung hat mir mein Modellbaufreund Torben Keitel sehr geholfen, ohne dessen Löt- und Elektrofähigkeiten wäre ich in dieser Phase schlicht aufgeschmissen gewesen. Danke Torben!

Grundlage für die eingebauten Fotoätzteile waren ein Satz für die Tamiya-Enterprise und ein Satz für die Trumpeter-Nimitz von WEM. Auch den Aftermarket-Sektor habe ich intensiv genutzt, wobei sich das Angebot in Laufe des Projekts deutlich verbessert hat. Denn bei Beginn vor fünf Jahren waren zahlreiche Angebote noch nicht auf dem Markt: Dazu gehören Radargeräte, Deckfahrzeuge oder Bewaffnung von Flugzeugen, die erst mit dem Erscheinen der Intrepid in 1/350 auf den Markt gebracht wurden. Die rasante Entwicklung in Sachen 3-D-Druck hat sich ebenfalls sehr positiv auf das Projekt ausgewirkt. Die entsprechenden Firmen sind weiter unten aufgelistet.

Lackiert wurde das Modell mit Farben von WEM-Colourcoats, dafür habe ich eine Triplex-Airbrush benutzt.

Die Wasserfläche entstand aus einer Styrodur-Platte, aufgeleimt auf eine Pressholzplatte, umgeben mit Randleisten aus Nussbaumholz, das mit Antik-Bienenwachs behandelt wurde.

Bordgeschwader und Leben an Deck

Das Bordgeschwader ist für 1971 typisch. Zwei Staffeln F-4 B Phantom II, zwei Staffeln A-7 B Corsair II, eine Staffel A-6 A und B Intruder, RF-8 Crusader für die Aufklärung, EA-3 Skywarrior als Eloka-Flugzeuge, E-1 B Tracer als Frühwarnflugzeuge und Grumman Trader als Versorgungsflugzeug. Hinzu kommen Seaking und Seasprite als Bordhubschrauber.

Ich nutzte Trumpeter-Flugzeuge mit Fotoätz-Details von White Ensign Models (WEM), modifizierte Crusader von L'Arsenal als RF-8 sowie komplette Scratch-Bauten bei Trader und Tracer. Ich habe die Master gebaut, die Abgüsse sind von SSN Modellbau, danke dafür.

Mit Ausnahme der US-Hoheitszeichen habe ich alle Markierungen an den Flugzeugen selbst gezeichnet und gedruckt. Dafür habe ich als Grafikprogramm Corel Draw genutzt. Gedruckt wurden die Decals auf Spezialfolie vom Druckeronkel mit Hilfe meines Laserdruckers Samsung CLP-365W. Pro Flugzeug habe ich etwa 20 bis 30 Decals aufgebracht, wenn ich die Decals im Hangardeck dazu zähle, sind es etwa 1300 Decalstückchen für das gesamte Schiff. Darüber hinaus hat mir SSN Modellbau noch mit Registriernummern für das Schiff geholfen. Der ausgezeichnete SSN-Decalsatz mit Deckmarkierungen entstand durchaus auch unter dem Eindruck dieses Projekts. Coral Sea war eben zur gleichen Zeit wie Intrepid auf der Yankee-Station, da ergeben sich bei Markierungen Synergien im Modellbau.

Die Fahrzeuge für das Flugdeck und das Personal stammen von unterschiedlichen Firmen. Die Traktoren sind von Black Dog aus Tschechien, meine Exemplare stammen noch aus einer Zeit, als die Firma „Goffy“ hieß. Der Tilly-Deckkran wie auch das Feuerlöschfahrzeug sind über Shapeways im 3-D-Druck entstanden. Der Kranausleger des Tilly ist ein Fotoätzteil vom WEM-Satz für die Nimitz.

Das Deckpersonal stammt ebenfalls von „Goffy“. Ich habe die Figuren vor einigen Jahren gekauft und für dieses Projekt gehortet, heute sind sie nicht mehr zu bekommen. Die Figuren sind nicht so filigran wie aktuelle Figurensätze von Northstar oder auch SSN und sie sind nur in sechs unterschiedlichen Posen auf den Markt gekommen. Doch für die Massenbevölkerung eines Flugdecks sind sie genau richtig: Einfach zu bemalen und einzusetzen. Auf dem Deck der Coral Sea sind immerhin 400 Figuren. Dazu kommen rund 40 Figuren von Northstar, die die Kommandoinsel bevölkern.

Genutzte Firmen (Aftermarket)

  • Evergreen
  • White Ensign Models
  • GMM
  • L'Arsenal
  • SSN Modellbau
  • Northstar
  • Veteran Models
  • Black Dog (Goffy)
  • Shapeways, unterschiedliche Anbieter

Bauzeit: 5 Jahre

Frank Ilse