FlyHawk: HMS Legion 1941 Deluxe Edition

Modell: HMS Legion 1941 Deluxe Edition
Hersteller: FlyHawk
Maßstab: 1/700
Material: Polystyrol, Fotoätzteile
Art.Nr.: FH1103S
Preis: ca. 39 €

Das Original

Die ab 1937 in Auftrag gegebenen Zerstörer der L- und M-Klasse waren die ersten britischen Entwürfe mit geschlossenen Geschützlafetten und einer Hauptartillerie, die auch zur Luftabwehr eingesetzt werden konnte. Die maximale Rohrerhöhung von 50° erwies sich im Einsatz allerdings als viel zu gering. Der Rumpf basierte auf der vorangegangenen, sehr erfolgreichen J- und K-Klasse. Die Schiffe wurden erst während des Zweiten Weltkrieges fertiggestellt, und Produktionsengpässe bei den Geschütztürmen führten zu der Behelfslösung, dass vier Zerstörer der L-Klasse nur mit offenen 4" Zwillingsgeschützen ausgerüstet wurden.

HMS Legion (G74) wurde am 1, November 1938 in der Werft von Hawthorn Leslie and Company, Newcastle upon Tyne auf Kiel gelegt, der Stapellauf erfolgte ein Jahr später. HMS Legion wurde mit den 4" Zwillingsgeschützen ausgerüstet und als Flugabwehrzerstörer klassifiziert. Die Indienststellung erfolgte im Dezember 1940.

Die erste Einsatzzeit verbrachte der Zerstörer als Geleitschutz in den Western Approaches. Zunehmend verschob sich das Einsatzgebiet aber Richtung Mittelmeer, sie war Teil der zahlreichen Konvois nach Malta. Bei einem dieser Einsätze im November 1941 wurde der Flugzeugträger HMS Ark Royal torpediert. Legion und ihr Schwesterschiff Lightning übernahmen anschließend mehr als 1.500 Besatzungsmitglier der Ark Royal. Im Dezember 1941 nahm der Zerstörer an den Seeschlachten von Kap Bon und Sirte teil. Auch an der zweiten Seeschlacht von Sirte war die HMS Legion beteiligt.

Am 23. März 1942 wurde ihr letztlich ein Luftangriff auf einen weiteren Malta Konvoy zum Verhängnis. Ein Nahtreffer verursachte Lecks und Schäden in der Antriebsanlage. Es gelang zwar den Zerstörer nach Malta zu bringen, bei einem nachfolgenden Luftangriff erhielt die HMS Legion aber weitere Bombentreffer, die zu einer Magazinexplosion führten. Das Schiff sank im Hafen und wurde im Laufe mehrerer Jahre an Ort und Stelle abgewrackt.

Technische Daten:
Verdrängung: 1935 to (Standard), 2840 to (Einsatz)
Länge:       110,5 m
Breite:       11,2 m
Tiefgang:      3,1 m
Antriebsleistung: 48.000 shp auf zwei Wellen
Geschwindigkeit:  36 kt
Reichweite:       5.500 sm bei 15 kt
Besatzung:  220 Mann
Bewaffnung: 4 x Zwillings QF 4" Mk.XVI Geschütze, Lafette HA/LA Mk.XIX
            1 x Vierfach "Pompom" 2-Pdr, Lafette Mk.VII
            2 x Vierfach Vickers 0,5" MG AA
            2 x Vierfach Topredosätze für 21" Torpedoes Mk.IX

Quellen:
Norman Friedman, "British Destroyer&Frigates - The Second World War and After", Chatham Publ.
Wikipedia, L and M Class Destroyers

Der Bausatz

Flyhawk hat sich einen Ruf als Hersteller von absolut erstklassigen Spritzgussmodellen im Maßstab 1/700 erworben. Soviel gleich vorweg: Der Bausatz der HMS Legion bestätigt einmal mehr diesen Ruf. Alle Gussäste sind absolut perfekt abgespritzt und unglaublich filigran. Über 200(!) teilweise extrem winzige Plastikteile wollen verbaut werden.

Rumpf und Deck sind sorgfältig einzeln verpackt und vor Transportschäden geschützt. Das Unterwasserschiff liegt separat bei und ermöglicht dem Modellbauer auch ein Vollrumpfmodell. Sehr schön getroffen ist der ansteigende Deckssprung zum Bug hin. Rumpf und Deck sind wunderschön detailliert.

Ich bin ja normalerweise kein bekennender Nieten-, bzw. Bullaugenzähler, die Vielzahl an Bullaugen haben mich dann aber doch stutzig gemacht. So kenne ich das von Zeichnungen der L- und M-Klasse nicht. Meine Literatur zur Klasse allgemein zeigt auf Zeichnungen nur etwa halb so viele Bullaugen. Also die große Suchmaschine angeworfen und Fotos studiert.

Überraschung: Offenbar gab es bei der L-Klasse diesbezüglich unterschiedliche Bauausführungen! Das Typschiff HMS Laforey wurde mit deutlich weniger Bullaugen gebaut als die HMS Legion. Dieses Merkmal war in der Klasse ganz offensichtlich nicht einheitlich. Das sollte man berücksichtigen, falls man aus dem Bausatz ein Schwesterschiff bauen möchte. Flyhawk hat hier aber alles richtig gemacht.

Ich denke die Fotos der Spritzlinge sprechen für sich. Besonders angetan haben es mir die 4" Mk.XVI Geschütze nebst zugehöriger Lafette HA/LA Mk.XIX. So etwas geht in Resin nicht besser und macht auch Ätzteil-Origami überflüssig.

Die Fotoätzteile, Drehteile und Decals

In der Deluxe-Ausführung legt Flyhawk noch drei Platinen mit Fotoätzteilen, gedrehte 4" Rohre sowie gedrehte Masten bei.

Die Ätzteile werten das Modell natürlich sehr auf. Ob das Messing eher hart oder weich ist läßt sich erst beim Bau sagen. Der fortgeschrittene Modellbauer wird auf jeden Fall damit zu Recht kommen. Sehr schön sind auch die Drehteile. Die gedrehten Masten sind nicht nur schöner, sondern vor allem stabiler als die Plastikteile - ein großer Vorteil wenn man das Rigg anbringt.

Der kleine Decalbogen enthält neben dem White Ensign auch die Schiffskennungen für die L-Klasse Einheiten die mit 4" Geschützen fertig gestellt wurden:

  • HMS Legion G74
  • HMS Liveley G40
  • HMS Gurkha ex-Larne G63
  • HMS Lance G87

Die Anleitung

Die mehrfarbig gedruckte Anleitung ist klar gegliedert und auch verständlich. Aufgrund der hohen Teilezahl sollte man trotzdem genau hinsehen. Die Farbangaben - inklusive der historischen Originalbezeichnung - liegen für unterschiedliche Hersteller vor und sind sehr gut nachvollziehbar.

Für die Fotoätzteile liegt eine separate Anleitung bei. Man muss also ggf. zwischen den beiden Anleitungen hin- und herwechseln was zu Flüchtigkeitsfehlern führen kann.

Fazit

Ein toller Bausatz, der für Anfänger wegen der vielen filigranen Teile weniger geeignet ist. Für fortgeschrittene Modellbauer ist die HMS Legion von Flyhawk - vor Allem in der Deluxe Edition - aber absolut empfehlenswert.

alt sehr empfehlenswert


Stefan

Wir danken FlyHawk für das Bausatzmuster