
Die Dornier Do J „Wal“ war eines der erfolgreichsten Flugboote der Zwischenkriegszeit und eine der wichtigsten Konstruktionen des Flugzeugbauers Claude Dornier. Der Prototyp absolvierte am 6. November 1922 seinen Erstflug. Wegen der Beschränkungen des Versailler Vertrags wurde die Produktion zunächst im italienischen Dornier-Zweigwerk CMASA in Marina di Pisa aufgenommen; später entstanden Wale auch in Spanien, den Niederlanden, Japan und Deutschland. Der Wal erwies sich als robustes und vielseitig einsetzbares Flugboot und wurde sowohl im militärischen Bereich als auch im zivilen Luftverkehr eingesetzt. Zu seinen Aufgaben gehörten unter anderem der Post- und Passagiertransport, Aufklärungs-, Rekord- und Expeditionsflüge sowie militärische Einsätze. Allein im Februar 1925 stellte ein Dornier Wal 20 internationale Rekorde für Seeflugzeuge auf. Insgesamt wurden nach Angaben des Dornier Museums 300 Flugboote der Baureihe von 1922 bis 1936 gebaut.
Die im Dornier Museum Friedrichshafen ausgestellte Maschine ist ein originalgetreuer Nachbau des für Roald Amundsens Nordpolexpedition eingesetzten Wal N25. Der Wal ist 17,3 m lang und besitzt eine Spannweite von 22,5 m. Sein maximales Startgewicht beziehungsweise Fluggewicht beträgt 5.700 kg. Als Antrieb dienen zwei Rolls-Royce Eagle IX mit einer Leistung von je 390 PS, also insgesamt 780 PS. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 185 km/h beziehungsweise rund 100 kn. Die reguläre Besatzungsstärke wird mit drei Personen angegeben.
Der Wal N25 wurde von Roald Amundsen für die gemeinsam mit Lincoln Ellsworth geplante Nordpolexpedition eingesetzt. Am 21. Mai 1925 starteten die beiden Flugboote N24 und N25 von Spitzbergen in Richtung Nordpol. Etwa 250 bis 255 km vor dem Ziel mussten beide Maschinen auf dem Packeis landen. Die N24 wurde dabei so stark beschädigt, dass sie aufgegeben werden musste. Die Besatzung der N25 hingegen machte die Maschine wieder startbereit und legte über mehrere Wochen eine Startbahn im Eis an. Am 15. Juni gelang Hjalmar Riiser-Larsen der Start der überladenen N25 mit allen sechs Expeditionsteilnehmern; die Maschine erreichte die Küste Spitzbergens und wurde schließlich von einem Robbenfänger nach Ny-Ålesund geschleppt. Nach ihrer Rückkehr wurde die N25 für weitere Vorhaben verwendet und 1927 für einen Nordatlantik-Überquerungsversuch von Frank Courtney umgerüstet, der jedoch scheiterte. Später erhielt die Maschine die Kennung D-1422 und wurde mit BMW-VI-Motoren ausgerüstet. 1930 überquerte Wolfgang von Gronau mit ihr den Atlantik von Ost nach West auf der Route über Island, Grönland und Labrador nach New York. 1932 gelangte der ehemalige N25-Wal in das Deutsche Museum in München, wo er 1944/45 durch Kriegseinwirkungen zerstört wurde. Im Dornier Museum Friedrichshafen ist heute ein 1:1-Nachbau zu sehen. Er wurde nach Originalplänen ab 2010 in Ungarn gefertigt und 2012 in die Ausstellung übernommen.
Hier Fotos des Nachbaus der N25 im Dornier Museum in Friedrichshafen, die im August 2026 während der DO DAYS gemacht wurden:




















Weitere Fotos des Dornier Wal:
Holger Siegel (Fotos), Lars (Text)