Das Original

Der französische Bergungsschlepper Jean-Bart wurde 1956 auf der Werft Ateliers et chantiers de France in Dünkirchen gebaut. Eigner war die Reederei Société de Remorquage et de Sauvetage du Nord. Das Schiff hatte seinen Heimathafen in Boulogne-sur-Mer; seine Aufgabe war die Hilfeleistung für die Schifffahrt im Gebiet von Ärmelkanal und Pas de Calais. Zwischen 1956 und 1965 leistete das Schiff in 45 Fällen Hilfe und rettete dabei 673 Leben. Im Januar 1965 wurde das Schiff außer Dienst gestellt und an die niederländische Reederei Bureau Wijsmueller in Ijmuiden verkauft. Im Juli des gleichen Jahres wurde es unter dem Namen Utrecht wieder in Dienst gestellt. 1977 wurde das Schiff nach Griechenland verkauft und in Kriti umbenannt. 2001 schließlich wurde es in Ahli II umbenannt und in Indien abgewrackt.


1967 gehörte die Utrecht zu den Schiffen, die dem Supertanker Torrey Canyon Hilfe leisteten. Der Tanker war durch einen Navigationsfehler auf dem Seven Stones-Riff vor der Küste Cornwalls aufgelaufen. Leider waren alle Bergungsversuche vergebens, und der Tanker zerbrach. Dadurch wurde die erste verheerende Ölpest ausgelöst. Leider sollte es nicht die letzte sein. Die britischen Streitkräfte versuchten seinerzeit, die Ladung durch eine Reihe von Luftangriffen in Brand zu setzen, um die Verschmutzung zu verringern. Dazu wurden Bomben, Raketen und Napalmkanister eingesetzt. Doch das Rohöl ließ sich nicht entzünden. Seitdem hat es bedeutende Verbesserungen in der Sicherheit der Öltanker gegeben, und es gibt deutlich weniger Unglücke als in den sechziger und siebziger Jahren. Doch in einer Zeit, in der mehr und mehr alternde Schiffe unklarer Eignerschaft mit teils unklaren Absichten unterwegs sind, ist eine erneute Katastrophe nicht auszuschließen.

Der Bausatz

Nach der Datenbank von Scalemates entstammen die Formen dieses Bausatzes dem Jahr 1976. Sie scheinen sich gut gehalten zu haben. Die Teile sind  sauber und kantenscharf geformt, mit sehr feinen rechteckigen Brückenfenstern, erhabenen Strukturen an den Holzdecks, und mit einer Menge sehr ordentlich detaillierter Kleinteile. Die Rumpfteile passen sehr gut, aber die Oberfläche weist keine Plattenstruktur oder anderer Details auf. Die Teile sind in weißem Kunststoff gespritzt. Es gibt einige Auswerfermarken, auch dort, wo sie gut sichtbar sind und entfernt werden sollten. Es gibt einen guten Decalbogen und eine Ankerkette. Die farbig gedruckte Anleitung ist gut und verständlich aufgebaut und geht auf die Unterschiede zwischen Jean-Bart und Utrecht ein. Die Farbangaben beziehen sich auf Humbrolfarben. Diese „Dual Combo“ enthält zwei Bausätze und ermöglicht so den Bau des Schiffes in französischen und niederländischen Diensten. Das fertige Modell ist ca. 26 cm lang. Ich halte den Bausatz für sehr empfehlenswert!

Der Bau des Modells

Nach einer Reihe von Flugzeugen hatte ich Lust darauf, mal wieder ein Schiff zu bauen, aber kein zu kniffliges Projekt. Sondern eins, das mir etwas Beinfreiheit lassen würde. Also wählte ich diesen Bausatz aus, den ich vor nicht allzu langer Zeit als Dual Combo erstanden hatte.

Ich sah bald, dass die Teile gut passten und die Formen noch gut in Schuss waren. Ich begann mit dem Zusammenbau und versäubern der Rumpfhälften, inklusive dem Aufbohren der Bullaugen. Parallel dazu arbeitete ich am Aufbau. Ich wich von der Bauanleitung ab und hatte bald die größeren Teile zusammengesetzt und fertig zum Grundieren. So ließen sich die Nähte zwischen den einzelnen Teilen des Aufbaus besser bearbeiten. Die Auswerfermarken füllte ich mit ausgestanzten Scheiben aus dünnem Plastikplatten und verschliff sie.

Bei der Suche nach Vorbildfotos wurde ich im Netz schnell fündig, besonders in einem französischen Forum für Freunde der Marke Heller. Nachdem ich sie mir angeschaut hatte, brachte ich ein paar kleinere Verfeinerungen an. So war der Schornstein des Modells oben geschlossen, ohne Abzug für die Rauchgase. Nach Ansicht des Modells eines französischen Modellbauers öffnete ich die Oberseite und baute ein Gitter ein. Da er angab, nach den Plänen des französischen Marinemuseums vorgegangen zu sein, hoffte ich, dass es so richtig sein sollte. Im Inneren des Schornsteins fügte ich ein völlig fiktives Teil mit drei Abgasrohren ein.

Nun versäuberte ich die zahlreichen Kleinteile und bohrte die diversen Lüfter, Suchscheinwerfer und Sirenen aus, wo ich es für sinnvoll hielt. Den Feuerlöschmonitor detaillierte ich mit Kleinteilen aus meinem Vorrat.

Der Rumpf des Originals hatte zwar eine ausgeprägte Nietenstruktur, aber ich entschied mich dagegen, diese nachzubilden. Es hätte mir zu leicht zu übertrieben ausgesehen. Stattdessen fügte ich nur einige Scheuerleisten und eine Verstärkung unter den Ankerklüsen hinzu.

Parallel dazu ließ ich meine Gedanken über die Art der Präsentation treiben. Wie in einem lange auf kleiner Flamme gekochten Eintopf tauchten Ideen an der Oberfläche auf, drehten sich träge herum, und tauchten wieder unter, um von anderen ersetzt zu werden. Bis ich schließlich wusste, was ich tun wollte.

Meine Jean-Bart sollte einem sinkenden Schiff zu Hilfe gekommen sein und die Besatzung retten. Ich wählte für die Größe der Basis eine Transportbox aus, die ich schon liegen hatte und beschloss, die Basis in zwei Hälften teilen. Diese konnte ich dann zum Ausstellen zusammensetzen. Wie ich die Naht zwischen den beiden Hälften kaschieren sollte, war allerdings eine interessante Frage.

Aber zuerst brauchte ich ein zweites Schiff, und zwar ein sinkendes.

Der Bau des sinkenden Schiffes

Hierzu spielte ich zuerst mit der Idee, einen Kartonbausatz zu kaufen, und von dem nur einen Teil zu bauen – allein aus Platzgründen. Am Ende war ich dazu dann doch zu geizig, weil ein anständiger Kartonbausatz locker das Doppelte meiner beiden Plastikbausätze gekostet hätte. Und ich nur einen Teil davon überhaupt genutzt hätte. Also suchte ich weiter nach Plänen, bis ich solche von einem Liberty-Schiff fand. Das war insofern ideal, als sehr viele Schiffe dieses Typs noch sehr lange nach dem Krieg unterwegs gewesen waren, und das Schiff nicht übermäßig groß war. Jeder Öltanker hätte buchstäblich den Rahmen gesprengt.

Meine weitere Inspiration war die herausragende Miniaturarbeit von A.A. Gillespie und seinem Team bei MGM. Und hier besonders der Film The Wreck of the Mary Deare (zu deutsch: Die den Tod nicht fürchten) von 1959. Regie führte Michael Anderson, die Hauptdarsteller waren Charlton Heston, Gary Cooper und Richard Harris. Dazu das namensgebende Schiff: Hochdetailliert im Maßstab 1/16 gebaut, mehr als zehn Meter lang und überzeugend gealtert, wurde es in einem großen Becken gefilmt, mit Windmaschinen, Wellenmaschinen und zwischen zahlreichen messerscharfen Riffen.

Laut modelshipsinthecinema.com, einer meiner Lieblings-Websites, wurde das Modell von MGM aufbewahrt und von Steven Spielberg 1979 ein zweites Mal genutzt. Etwas umgebaut und anders bemalt, tauchte es als die Cotopaxi auf, aus dem Bermuda-Dreieck zurückgekehrt und unerklärlicherweise inmitten einer Wüste gestrandet.

Irgendwie assoziierte ich zudem den Schiffsuntergang am Anfang von Indiana Jones und der letzte Kreuzzug. Dort geht das Schiff Coronado nahezu senkrecht unter, nachdem Indy endlich das Kreuz von Coronado (und seinen Hut) aus den Händen der Schurken gerettet hat. Zudem erinnerte ich mich an ein Foto aus dem Zweiten Weltkrieg. Dieses Bild hatte ich in einem deutschen Propagandabuch aus dem Krieg gefunden. Dort sank ein Frachter nahezu senkrecht, ähnlich wie in dem Film. Also würde ich ein nahezu senkrecht sinkendes Schiff bauen, und zwar eins bar jeder historischen Genauigkeit. Also genau meins.

Ich begann mit den frei zugänglichen Plänen des Liberty-Schiffs, die ich mir herunter lud, passend skalierte und beschnitt, wie ich sie brauchte. Den Längsschnitt und den vorderen Teil des Decks druckte ich mir aus und klebte sie auf Plastikplatten, die ich mir zuschnitt. Die beiden Teile wurden mit zusätzlichen stabilisierenden Polystyrolblöcken zusammengeklebt. Entsprechend des Spantenrisses schnitt ich mir Scheiben aus Styrodur zurecht und verklebte diese Schichten für beide Rumpfseiten zu Blöcken. Diese konnte ich nun beschleifen und mit dem Polystyrolkern verkleben. Danach wurde alles verspachtelt, mit Winsor & Newton´s Heavy Carvable Modeling Paste.

Die diversen Decksfittings entstanden aus Polystyrolprofilen und -platten, sowie fotogeätzten Handrädern von Saemann. Das machte richtig Spaß.

Ich fand zahlreiche Fotos vom Museumsschiff Jeremiah O'Brien, diese erwiesen sich als sehr hilfreich. Nachdem ich die Papierschablone vom Deck entfernt hatte, fügte ich ein Schanzkleid aus Polystyrolprofilen hinzu, und bohrte Löcher für die Kettenkoker. Die eine Ladeluke in meiner Sektion baute ich aus einem Styrodurblock, der mit Plastikplatten bekleidet wurde. Die typischen Lukenabdeckungen erstellte ich aus strukturiertem Polystyrolplatten.

Nachdem ich den Übergang zwischen meinem Rumpf und dem Schanzkleid verspachtelt hatte, begann ich, den Rumpf mit überlappenden Platten zu bekleiden. Dazu nutzte ich selbstklebende Alufolie aus dem Handwerkerbedarf. Zuerst versuchte ich, Nietenstrukturen mit einem Nietenradler zu simulieren, es sah aber für mich nicht korrekt aus. Also wiederholte ich den ganzen Vorgang.

Die Oberfläche ließ sich  gut mit Stahlwolle behandeln und versäubern. Nun konnte ich die Bugsektion und die Zurüstteile mit Stynylrez grundieren.

Jetzt ging es an die Gestaltung des Dioramas. Hierzu strukturierte ich zuerst die Oberfläche mit einem Gasbrenner, unter den erforderlichen Vorsichtsmaßnahmen. Nun legte ich Ausschnitte für den Rumpf des Schleppers und meine Bugsektion an, um sie auch im richtigen Winkel einsetzen zu können. Dabei fiel mir auf, dass zwischen den beiden Schiffen noch etwas fehlte.

Was könnte hier besser passen als eins der Beiboote des Schleppers, voll beladen mit der geretteten Besatzung des sinkenden Frachters? Also baute ich eins der beiden Beiboote um. Aus dem Kasten sind sie mit Segeltuchüberzügen abgedeckt. Diesen Teil musste ich abtrennen, von der Bordwand die angespritzten Enden der Persenning entfernen, und ein bisschen Innenleben erstellen. Wiederum machte mir das mehr Spaß als erwartet. Ich legte auch einen dritten Ausschnitt für das Boot in der Basis an.

Derweil baute ich die Davits für dieses Boot in die ausgeklappte Position um. So sollten sie darauf warten, das Boot wieder aufzunehmen. Ich ersetzte auch die eher grobschlächtig geratene Radarantenne an Backbord des Schleppers durch eine selbstgebaute, aus diversen Messingröhrchen und einem weiteren Handrad.

Bevor ich weitermachte, versäuberte ich meine Basis, besonders an der Naht und verspachtelte sie daraufhin, ebenfalls mit der Paste von Winsor & Newton. Einige Tage später stieß ich zufällig auf eine günstige Aufbewahrungsbox, in die mein Diorama fast hineinpasste. Weil die Frage nach der Naht mir immer noch im Kopf herumging, entschloss ich mich, eine neue Basis zu machen, die genau in die neue Box passte. Den Mehraufwand nahm ich gerne in Kauf. Ich stellte mir auch mehrere dünne „Umrahmungen“ auf Meeresspiegelhöhe für das sinkende Schiff her. An denen wollte ich das Herstellen des aufgewühlten Wassers erproben und getrennt vom Schiff fertigstellen. Das versprach, leichter und kontrollierter durchzuführen und besser korrigierbar zu sein.

Die Bemalung

Ich begann mit dem sinkenden Schiff. Nach dem Durchtrocknen der Grundierung sprühte ich zuerst das Deck unregelmäßig und nicht ganz deckend in braun – das half gleich bei der Alterung. Dann spritzte ich den Rumpf unregelmäßig in schwarz, braun und rot für das Unterwasserschiff, um eine glaubhafte Wirkung zu erzielen. Nach Abkleben der Wasserlinie wurde nun das Überwasserschiff unregelmäßig schwarz und grau gespritzt. Nachdem auch das abgeklebt war, spritzte ich das Schanzkleid innen und außen weiß, wiederum nicht deckend, damit das Schiff benutzt und gealtert aussah. Leider löste sich die Farbe punktuell beim Entfernen des Abklebebands, aber ich konnte es leicht reparieren. Nun erhielt der Rumpf eine gute Schicht Future vor Auftragen des Namens.

Hierzu hatte ich Abreibebuchstaben mit 4 mm (16 Punkt) Schrifthöhe gekauft, aber ich befürchtete, dass der Druck beim Aufreiben meinen eher empfindlichen Rumpf beschädigen würde. Deshalb rieb ich die Buchstaben auf klares Decalmaterial auf, und versiegelte sie mit Microscale Liquid Decal Film zur besseren Stabilität. Ich hoffte, dass das so klappen würde. Alternativ würde ich den Namen mit meinem Laserdrucker in schwarz auf den durchsichtigen Decalbogen aufdrucken und dann auf das weiße Schanzkleid auftragen.

Ich war besorgt, denn erstens wusste ich nicht, wie die Abreibebuchstaben auf dem Decalfilm halten würden. Und zweitens fragte ich mich, ob der Decalfilm das Aufreiben überhaupt schadlos überstanden hatte.  Und drittens – hatte das Liquid Decal Film funktioniert? Glücklicherweise funktionierte alles gut, bis auf ein wenig silvering, und das ließ sich in den Griff kriegen. Nach einer schützenden Schicht Future und einem Mattlacküberzug war der Rumpf bereit für die Alterung.

Der Bau geht weiter

An der Basis dichtete ich die verbliebenen Spalten zum Rumpf des Schleppers mit Anschlussacryl ab, verspachtelte und verschliff, wo es erforderlich war, und trug zwei Schichten weiße Wandfarbe stippelnd auf, um die erforderliche Oberflächenstruktur zu erreichen.

Beim Zurechtschneiden der Umrahmung schnitt ich mir schön in den Finger, aber ein antiquarisches „Shrek 2“-Pflaster half. Tags darauf arbeitete ich weiter an meinen insgesamt drei Kandidaten für die endgültige Umrahmung. Ich versuchte, den Umriss möglichst natürlich hinzubekommen, also unregelmäßig und organisch. Die Oberfläche rauhte ich zuerst an, indem ich eine Kugel aus zusammengeknüllter Alufolie darüber rollte. Dann spritzte ich das Teil reinweiß, und ließ es trocknen. Es folgten diverse Versuche, eine glaubhafte Oberfläche hinzubekommen. Ich testete zuerst Microballons, wie es sie zur Verwendung mit Sekundenkleber gibt, gemischt mit hochglänzendem klarem Acrylgel. Das überzeugte mich nicht, und von da an ging es hier erst einmal nicht voran.

Stattdessen tat ich, was bekanntermaßen funktionierte. Ich spritzte die Basis unregelmäßig und nicht ganz deckend mit zwei Grüntönen. Ich alterte die Bugsektion mit Ölfarbe und Pastellkreide, ich bemalte und alterte die Decksfittings, aber meine Umrandung gefiel mir immer noch nicht. Ich testete alles, was ich noch an Materialien zur Verfügung hatte. Ich wollte eine schäumende, glänzende Oberfläche, wie ich sie in Filmen gesehen hatte. Am Ende resignierte ich und benutzte doch die Watte, die ich eigentlich hatte vermeiden wollen. Ich sprühte Future darüber, um lose Fasern einzubinden, und versuchte, Acrylgel aufzutupfen. Weiße Farbe funktionierte jedenfalls nicht über der Watte, soviel wurde mir bald klar.

Nun tat ich auch wieder etwas am Schlepper, den ich länger vernachlässigt hatte. Ich ging die beiden Masten an; sie waren mir einerseits nicht stabil genug, und andererseits hatten sie störende und schwer zu entfernende Auswerfermarken. Ich fand noch ein rechteckiges Messingprofil von 1x2 mm, wovon ich passende Stücke zusägte, zurechtbog und verlötete. Die Löcher für die Rahen bohrte ich mit einem 0,6 mm Bohrer in meinem Akkuhandstück unter Hilfe von Bohröl.

Nachdem alle Baugruppen vorbereitet waren, ich aber immer noch nicht glücklich mit meinem aufgewühlten Wasser war, trat eine Baupause ein. Es wurde auch garstig kalt im Bastelkeller zu dieser Jahreszeit.

Bis ich denn doch irgendwann das Handtuch warf und mich entschloss, mit der Umrandung so weiterzumachen, wie sie war. Ich hatte einfach keine Ahnung, wie ich es besser machen sollte. Also schob ich sie über die Bugsektion, verklebte sie mit Acrylgel auf der Basis und sicherte sie mit Stecknadeln. Dann nahm ich die Bugsektion wieder ab, um das Wasser getrennt vom Schiff weiter behandeln zu können.

Über die nächsten paar Tage grundierte ich die Bauteile des Schleppers und trug mehrere weitere Schichten glänzenden Acrylgels am Rand meiner Umrandung und drumherum auf. Ich wollte den Bereich in die Basis einblenden und vielleicht auch etwas mehr Tiefenwirkung erreichen. Nach dem Durchtrocknen tupfte ich jeweils unregelmäßig weiße Ölfarbe mit einem Schwämmchen auf. Letztendlich trug ich auch noch mehr Gel auf der Watte auf, und nutzte zusätzlich weiße Farbe und Future. Es war dann sozusagen Wasser mit Allem. Das führte ich fort, bis ich das Gefühl hatte, es nicht mehr verbessern zu können. Die Basis als solche wurde wie gewohnt in mehreren Schichten mit Future geglänzt, kombiniert mit ein paar Akzenten aus Acrylgel und Betonungen mit aufgetupfter weißer Ölfarbe.

Am Schlepper ging es nun an das Abkleben und Lackieren des Rumpfes, der Decks und der Aufbauten. Leider löste sich die Farbe teilweise vom Rumpf ab, trotz vermeintlich ausreichender Vorbehandlung. Aber vielleicht waren doch noch Reste der isolierenden Vaseline am Rumpf zurückgeblieben. Am Schornstein hatte ich das gleiche Problem, obwohl hier sicherlich keine Vaseline im Spiel gewesen war. Mysteriös. Ich musste die Farbe entfernen und die Flächen etwas anschleifen, damit die Farbe nun endlich haftete.

Es war dann etwas knifflig, die weißen Zierstreifen am Rumpf abzukleben, aber am Ende klappte es. Ich hielt mich nicht sklavisch an die Bemalungsanleitung, sondern schaute auch auf die Vorbildfotos und folgte teils auch dem, was mir persönlich gefiel.

Die Holzdecks wurden hellbeige gespritzt und nachher mit brauner Ölfarbe trockengemalt, das Resultat sah für mich glaubhaft aus. An den Aufbauten war dazu jede Menge Abklebens erforderlich, aber ich hatte das Gefühl, dass der Aufwand sich lohnte.

Schließlich war ich in der Lage, die Hauptkomponenten zusammenzubauen. Die Passung war sehr überzeugend – die Entwickler bei Heller haben damals sehr gute Arbeit geleistet. Lediglich an den achterlichen Stützen des Oberdecks musste ich etwas anpassen.

Nachdem alles getrocknet war, sprühte ich das Modell mit Future ein, und brachte danach die Decals an. Sie wurden wiederum mit Future versiegelt, woraufhin das ganze Modell einen Überzug mit Mattlack erhielt. Nun bereitete ich die zahlreichen Anbauteile für die Montage vor. Ich kümmerte mich auch um die Relings und Niedergänge. Vor mehr als zwanzig Jahren hatte ich einen Ätzteilbogen von Scheuer & Strüver in 1/250 mit Details für ihre Kartonmodelle gekauft. Den gibt es leider nicht mehr, aber ich konnte daraus die erforderlichen Niedergänge noch zusammen bekommen, ebenso wie einen Teil der Relings. Der Rest stammt von Saemann. Die zwei achterlichsten Niedergänge waren etwas zu kurz, aber ich schummelte mit kleinen untergelegten Kunststoffblöckchen. Alle diese Ätzteile wurden zuerst zurechtgebogen und dann lackiert.

Für die Besatzung hatte ich nach längerer Suche mangels Alternativen ebenso trübselige wie billige generische Figuren in 1/200 erstanden, von denen ich einen Teil verwenden konnte. Insbesondere brauchte ich hier einige sitzende Gestalten für das Beiboot. Diese wurden versäubert und zur Bemalung an Gussästen festgeklebt. Ein dunkler Wash und etwas trockenmalen brachte die fehlende Schönheit so richtig zur Geltung.

Die Endmontage

Nun baute ich die diversen Suchscheinwerfer, Kompasse und Maschinentelegraphen an. Aus dünnem Lötzinn stellte ich mir ein paar Sprachrohre für die Brücke her.

Jetzt erledigte ich den Hauptteil der Alterung, vorerst nur mit Ölfarben. Ganz zum Schluss arbeitete ich auch etwas mit Pastellkreide. Am Rumpf nutzte ich grau und rostrot, an den Aufbauten einen dunklen Wash, und an den Decks Washes in rot, braun und schwarz. Nun brachte ich auch die Ankerketten an, nachdem ich sie vorher geschwärzt hatte.

Jetzt konnte ich die vorbereiteten Relings anbringen; hätte ich es früher getan, hätten sie mir den Zugang erschwert, und es wäre mit Sicherheit zu Kollateralschäden gekommen. Nachdem sie angebracht waren, wurden noch bestehende Spalten mit Weißleim ausgefüllt und die Bemalung dann ergänzt. Jetzt brachte ich auch das Rahmenwerk für die Sonnensegel an den Nocken an, das ich auf den Vorbildfotos gesehen hatte.

Nachdem all das erledigt war (nicht ohne Stimmungsschwankungen nach unten hin), brachte ich die vorbereiteten Figuren an, und das steuerbordseitige Boot an seinen Davits. Jetzt konnte ich die beiden fertig bemalten Masten verkleben, und danach beginnen zu takeln.

Ich benutzte schwarzen Faden von UNI für die Stage und den Hebebaum, die dünneren Leinen entstanden aus Modelkasten Nitinoldraht und UNI Caenis. Als Kleber nutzte ich Sekundenkleber. Der brauchte hier einiges an Trocknungszeit, aber das kam mir entgegen, weil ich diesen Teil der Arbeit nun so gar nicht mag. Also erledigte ich jeweils nur einige Leinen und pausierte dann, im Sinne einer Rigging-Life-Balance. Die Flagge stammt aus dem Decalbogen, aufgeklebt auf Alufolie.

Nachdem das alles erledigt war, konnte ich die allerletzten Teile anbringen, also Tauwerk auf dem Achterdeck und  dergleichen. Ein paar letzte Farbkorrekturen wurden gefolgt von meinem üblichen Mattlacküberzug des Vergessens. Jetzt wurden die Brückenfenster mit dünnem Weißleim verglast. Nun platzierte ich alle drei Modelle auf der Basis, nur beim Beiboot war hierzu etwas Acrylgel erforderlich. Die um den Schlepper noch verbliebenen Spalten sind unter dem überhängenden Achterschiff versteckt.

Schlussbetrachtung

Es war tatsächlich Jim Baumann, der mich nach den ganzen Flugzeugen zu diesem Projekt motiviert hat. Ich bin ihm dankbar dafür, denn es war ein Projekt ganz nach meinem Geschmack. Ich konnte ein wenig mit Eigenbau etwas größerer Objekte herumspielen, das war eine neue Herausforderung, und dazu meine Lieblingsbeschäftigung: Sehen, was ich aus einem alten Bausatz so machen kann. Was könnte schöner sein?

Quellen


Frank Spahr