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Japanische Korvette Fujiyama (1/700, Fairy Kikaku) von Lars Scharff Drucken
Dienstag, 18. September 2018 um 05:00

 

18.09.1868 - 150 Jahre Boshin-Krieg

 

Heute vor 150 Jahren, am 18. September 1868, eroberte die Korvette Fujiyama der Kaiserlich Japanischen Marine die Korvette Kanrin Maru der Flotte von Enomoto Takeaki, einem Unterstützer des Shoguns (siehe Jahrestage auf Modellmarine). Japan hatte sich seit dem frühen 17. Jahrhundert abgeschottet, wurde aber in den 1850er Jahren von westlichen Großmächten gezwungen sich dem Handel zu öffnen. Darauf entwickelte sich innerhalb der japanischen herrschenden Klasse ein immer mehr gewaltsam ausgetragener Konflikt, wie man darauf reagieren sollte. Dieser mündete in dem Boshin-Krieg von 1868-69 zwischen den Regionalfürsten von Tosa, Satsuma und Chōshū, die den Kaiser unterstützten, und dem Shogun. Die schon stärker nach westlichem Vorbild modernisierten Truppen der Kaiserlichen setzten sich schließlich durch, stärkten den Kaiser und insbesondere die Macht der Zentralregierung auf Kosten des lokalen Adels und machte sich daran das Land zu modernisieren, die sogenannte Meiji-Restauration. Durch die eigenständige Entwicklung vom Feudalismus zum Kapitalismus gelang es Japan als eines der wenigen Länder, nicht von einer der westlichen Großmächte kolonialisiert zu werden, sondern selbst zu einer imperialistischen Großmacht zu werden. Beide Seiten setzten im Boshin-Krieg dampfgetriebene Kriegsschiffe ein, trotz einer Reihe von Seeschlachten wurde der Krieg im Wesentlichen an Land entschieden. Nur in der letzten Phase der Kämpfe zwischen den Kaiserlichen und den letzten verbliebenen Anhängern des Shoguns unter Enomoto Takeaki, die sich nach Hokkaido zurück gezogen und dort die Republik von Ezo ausgerufen hatten, war eine Seeschlacht entscheidend: die Schlacht von Hakodate am 10. bis 20. Juni 1869. Die Korvette Fujiyama kämpfte erst auf der Seite des Shoguns, den Rest des Kriegs aber auf der Seite der Kaiserlichen.

Das Original

Die japanische Korvette Fujiyama (富士山), auch Fujiyama Maru, Fuji und Fujisan genannt (alles Varianten des Namens des Bergs) wird auch oft als Fregatte bezeichnet, obwohl sie von ihren Charakteristika, insbesondere der Aufstellung der Bewaffnung, eindeutig eine Korvette war. Die gesamte Bewaffnung befand sich auf dem Oberdeck, während bei damaligen Fregatten diese sowohl auf dem Haupt- als auch dem Oberdeck stand. Eine alternative Klassifizierung wäre Sloop, z.B. die US Navy hätte das Schiff damals so klassifiziert und auch im japanischen Wikipedia wird sie so klassifiziert. Über das Schiff habe ich kaum Informationen gefunden, viele Details sind in der mir vorliegenden Literatur unklar. Es ist wahrscheinlich, dass das Schiff mehrfach modernisiert und umgebaut wurde.

Die Fujiyama war 63,0 m an der Wasserlinie lang, 10,3 m breit und verdrängte 1000 t. Der Antrieb erfolgte über eine 350 PS starke Dampfmaschine bzw. eine Vollschiffstakelage. Sie erreicht maximal (unter Dampf) 8 oder 13 kn (eventuell Angaben für verschiedene Maschinenanlagen). Die Besatzung bestand aus 134 Mann.

Bewaffnung
1 x 16 cm (?)
1-2 15 cm (?)
8-12 kleinere Geschütze (?)

Die Fujiyama wurde 1863-64 in New York für die Marine des Shoguns gebaut. Die USA verweigerten aber wegen des Shimonoseki-Kriegs die Auslieferung, so dass das fertige Schiff erst 1866 übergeben wurde. Sie wurde von dieser 1866 in der zweiten Expedition gegen Chōshū in den Schlachten bei Oshima und Kokuruchi eingesetzt. im April 1868 übergab Enomoto, der die Marine des Shoguns kommandierte, das Schiff an die Marine der Kaiserlichen, war also eines der wenigen Schiffe, die übergeben wurde, während der Rest der Flotte den Kern der Marine von Enomoto wurde, mit der dieser weiterhin die Kaiserlichen bekämpfte. Am 18. September 1868 (nach anderen Angaben am 11. September, 26. Oktober oder gar schon im April) eroberte Fujiyama zusammen mit der Hiryu und Musashi die zuvor in einem Sturm beschädigte Korvette Kanrin Maru der Marine von Enomoto. Sie soll danach eine neue Maschine bekommen haben – eventuell der Grund, warum Enomoto das Schiff an die Kaiserlichen übergab? 1871 wurde Fujiyama Schulschiff, 1876 stationäres Schulhulk, ab 1889 diente sie nur noch als Hulk zur Lagerung von Torpedos. Sie wurde 1896 zum Abwracken verkauft.

Das Modell

Das Modell der japanischen Korvette Fujiyama habe ich aus dem "Boshin War"-Bausatz von Fairy Kikaku gebaut. Dieser Bausatz enthält Teile für drei Schiffe: Fujiyama, die Korvette Kanrin Maru und das Transportschiff Hiryu. Das Modell der Fujiyama hat eine gewisse Ähnlichkeit zu den mir bekannten Abbildungen. Die Kanrin Maru scheint mir von den Propertionen problematisch, z.B. in Bezug auf die Höhe des Schanzkleids. Es gibt über dieses Schiff relativ viel Material, u.a. kann man die Pläne des in den Niederlanden gebauten, ersten japanischen Kriegsschiffs mit Schraubenantrieb im Internet finden (z.B. hier). Dessen Bau habe ich zumindest temporär eingestellt. Das Transportschiff Hiryu (ex S/S Promise) passt nicht in meine Sammlung, weshalb ich nicht viel über es recherchiert habe.

Die Informationen, die ich über die Fujiyama gefunden habe, sind extrem limitiert und oft widersprüchlich. Die Anleitung enthält ein paar Informationen, allerdings nur auf Japanisch, und eine einfache Zeichnung, die in Bezug auf die Takelage aber von den Propertionen her vollkommen unrealistisch ist. Praktisch gibt es nur eine Abbildung, die das Schiff in den 1880ern zeigt, die man in verschiedenen Varianten - Schwarz-Weiß-Foto, nachkoloriertes Foto, daraus gezeichnetes Bild - findet (siehe Links unten). Die Zeichnung in Warships of the Imperial Japanese Navy, 1869-1945 ähnelt diesem Schiff praktisch gar nicht, aber da findet man auch die sehr wahrscheinlich falsche Information, dass das Schiff ursprünglich einen Schaufelradantrieb hatte (die Zeichnung zeigt aber ein Schiff mit Schraubenantrieb). Die Angaben über die Bewaffnung widersprechen sich. Das Schiff scheint mindestens 18 Stückpforten gehabt haben, so auch im Bausatz. Laut der Anleitung des Bausatzes hatte es acht Kanonen, laut dem japanischen Wikipedia waren es zwölf, laut military.sakura.ne.jp waren es zwei schwerere Geschütze plus eine undinierte Anzahl anderer Kanonen. Alle westlichen Quellen schreiben 13 Kanonen - und in keinem Fall gibt es Angaben, wie diese aufgestellt waren.

Wie bei Fairy Kikaku üblich, wurde das Urmodell des Rumpfs in mehrere Teile zerbrochen und dann abgegossen. Zusätzlich sind nur wenige Teile enthalten: Back- und Poopdeck, acht Kanonen, ein Schornstein und Davits.

Da die Gussqualität nicht optimal ist, ist es etwas schwierig die Rumpfteile wieder zusammen zu fügen. Ich habe den Rumpf verstärkt, in dem ich die Vertiefungen auf der Unterseite verbunden habe und in diese eine dicke Plastikplatte eingeklebt habe. Die Details am Rumpf sind nicht besonders gut und der Guss macht sie nicht besser. Die Stückpforten muss man versäubern. Den beigelegten Schornstein habe ich durch ein Rohr von Albion Alloys ersetzt. Die Brücke ist in der Anleitung zu sehen, muss aber selbst ergänzt werden. Bei der Bewaffnung entschied ich mich für zehn Geschütze: ich fügte zwei selbst gebaute Geschütze auf Pivotlafetten hinzu, die ich vor und hinter dem Schornstein aufstellte, da dies die einzigen Stellen waren, die für solche Lafetten etwas Platz boten. Dazu kamen die acht Geschütze aus dem Bausatz. Es bleiben so sechs Stückpforten frei. Die Aufstellung, die ich gewählt habe, ist vollkommen fiktiv. Die Beiboote sind von Modelkrak, die Davits von BJ-Modellbau. Die Anker sind aus Plastikteilen gebaut.

Bei den Masten orientierte ich mich an einer Zeichnung der ähnlich großen und ähnlich alten britischen Korvette Orpheus der Jason-Klasse in All the World's Fighting Ships 1860-1905. Ein US-amerikanisches Schiff wäre wohl die bessere Wahl gewesen, da die Fujiyama in den USA gebaut wurde, aber ich fand keinen passenden Plan. Dazu machte ich den Fehler, dass ich fälschlicherweise annahm, dass die Pläne in All the World's Fighting Ships 1860-1905 einen bestimmten Maßstab hätten (wie in den Folgebänden). Dies ist aber nicht der Fall, was dazu führte, dass ich die Masten korrigieren musste, was deren Propertionen zum Teil etwas seltsam machte. Das Bugspriet, die Untermasten, Spieren, Rahe, Gaffeln und der Gaffelbaum sind aus Metallstäben von Albion Alloys gebaut. Die eingeholten Segel sind mit Weißleim angedeutet. Die Takelung erfolgte mit Black Lycra Rigging (40 denier) von Infini Models und schwarzen 20 Denier Faden von UNI-Caenis.

Bemalt habe ich die Fujiyama mit Farben von Vallejo Model Color. Rumpf, Schornstein, Geschützrohre, Davits und Masten sind mit 167 (995) Anthrazitgrau gestrichen und die Decks und Innenseiten der Beiboote mit 110 (986) Achatgrau. Die Rümpfe der Beiboote und die Innenseiten des Schanzkleids sind mit 4 (820) Cremeweiss bemalt. Die eingeholten Segel sind mit etwas Grau abgedunkelten Cremeweiss, die Geschützlafetten mit 136 (818) Rotes Leder und diverse Details an Deck mit 139 (846) Mahagonibraun bemalt.

Links noch ein Vergleich mit dem italienischen Schaufelradaviso Esploratore von 1865 und dem Geschützten Kreuzer USS Raleigh von 1894. Rechts ein Größenvergleich mit dem japanischen Leichten Kreuzer Kiso von 1921 und dem Lenkwaffenzerstörer Sawakaze von 1983.

Quellen

Lars