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Fregatte F-215 Brandenburg 1/700 von Martin Kohring Drucken
Dienstag, 06. November 2007 um 19:37


Die Fregatten der BRANDENBURG-Klasse sind für die Hauptaufgabe Ubootjagd vorgesehen. Dieser speziellen Aufgabe dient in erster Linie der Bordhubschrauber SEA LYNX MK 88, von dem jedes Schiff zwei aufnehmen kann. Neben der Ubootjagd besitzt diese Fregattenklasse die Fähigkeit zur Abwehr von Luftzielen im Eigenschutz und zur Seezielbekämpfung. Alle Einheiten verfügen über leistungsfähige Radaranlagen zur See- und Luftraumüberwachung, zur Navigation sowie zur Feuerleitung. Sonargeräte, LINK11-Informationsübertragung und Anlagen zur elektronischen Kampfführung sowie eine fernmeldetechnische Ausrüstung, die auch Führungsschiffaufgaben zulässt, vervollständigen die Ausrüstung. So steht es auf der Webseite der Deutschen Marine über den Einsatzzweck dieser Fregattenklasse geschrieben.



Die Fregatten der Klasse 123 wurden als Ersatz für die Zerstörer der LÜTJENS-Klasse (ROMMEL, LÜTJENS, MÖLDERS) beschlossen, am 28.06.1989 wurde der Bauauftrag an das Werftenkonsortium Thyssen Nordseewerke, Blohm + Voss (Konsortialführer) und Howaldtswerke-Deutsche Werft AG vergeben und so ein wichtiger Schritt in Richtung Modernisierung der Deutschen Marine getan. Realisiert werden sollten 4 Einheiten, die nach Bundesländern benannt wurden. Die Schiffe heißen. F215 BRANDENBURG, F216 SCHLESWIG HOLSTEIN, F217 BAYERN und F218 MECKLENBURG VORPOMMERN. Die Kiellegung des ersten Schiffs war 1991, der Stapellauf erfolgte 1992 und nach einer ausgiebigen Erprobungsphase wurde sie am 14.10.1994 in Dienstgestellt. Die übrigen drei Einheiten der Klasse liefen 1994 und 1995 von Stapel und wurden 1995 bis 1997 in Dienst gestellt. Der funktionale Schiffsentwurf, der an die vorherige Fregattenklasse angelehnt war, sollte sich durch höhere Lebensqualität der Besatzung, größere Standsicherheit des Schiffs und einfachere Konstruktion durch Verwendung von Standardmodulen aus der bereits erprobten MEKO-Technologie auszeichnen.



Technische Daten:

  • Länge über alles: 138,9 m

  • Länge KWL: 126,9 m

  • Breite:16,7 m

  • Tiefgang: 6,8 m

  • Einsatzverdrängung: 4.900 t

  • Seeausdauer: 21 Tage

  • Fahrtstrecke: > 4000 sm

  • Marschfahrt: 18 kn

  • Höchstfahrt: 29 kn

  • Besatzung: 199 (27 Offiziere) + 19 fliegerisches Personal



Bewaffnung:

  • 1x 76 mm OTO-Melara Geschütz

  • 2x 20 mm Rheinmetall Marineleichtgeschütz

  • 16x NATO Sea Sparrow (Schiff-Luft-Flugkörper)

  • 4x Seezielflugkörper MM 38 EXOCET

  • 2x GDC Rolling Airframe Missile (RAM) 21 Zellen

  • 4x 324 mm Torpedos MK 32 Mod 9

  • 2 Bordhubschrauber SEA LYNX mit Tauchsonar und 2 Torpedos

Das Modell
Zum Modell gibt es auf modellmarine.de bereits einen Bausatzbesprechung: NNT - Fregatte Brandenburg


Bauphase
Zum Bau sollte man zusätzlich zum Bauplan weitere Unterlagen zu Rate ziehen. Glücklicher Weise gibt es in der IG Waterline den Clubkameraden Torben Keitel, der mir hervorragende Fotos der Fregatte BRANDENBURG im aktuellen Bauzustand zur Verfügung gestellt hatte. Der Bauzustand des Modells, wenn es direkt aus dem Kasten gebaut würde, stellt den aus 1995 dar. So hatte ich natürlich einiges umzusetzen, um den Bauzustand von 2005 zu realisieren. Dieser bezog sich vor allem auf die Radom-Landschaft auf der Brücke, den Bereich des Masts und des backbordseitigen Speedboots.


Bemalung
Der Rumpf wurde erst einmal mit einer Grundierung (Vallejo Grey Primer aus dem Vallejo-Air Sortiment) versehen. Dazu nahm ich mit 20% aufgehelltes Revell 57 Grau aus dem Sortiment der neuen Aqua-Color-Acrylfarben. Diese lassen sich übrigens auch mit Alkohol und nicht nur mit Wasser verdünnen, was meiner Meinung nach zu einer noch besseren Verarbeitbarkeit in Punkto Verdünnbarkeit der schon hervorragenden Farbe führt. Die Decksbereiche, auch das Helideck (anders als in der Bauanleitung, aber durch Originalfotos belegt), wurden dann mit Revell 74 Grau pinsellackiert. Vorher musste das zweigeteilte Helikopterdeck noch plangeschliffen werden, wozu ich auch meine umgebaute Zahnbürste verwendete. Der von mir dargestellte Bauzustand hat neben dem Wasserpass auch noch schwarze, trapezförmige Bereiche um die Kühlwasseraustrittsöffnungen. Beides wurde mit Tamiyatape abgeklebt und der mit Aqua-Color Schwarz airbrushlackiert. Es empfiehlt sich übrigens gleich nach dem Lackieren den Rumpf wieder vom Tape zu befreien, da es sonst möglicherweise eine unschöne Kante gibt. Moderne Schiffe verfügen immer über umfassende Markierungen, die als Decals beiliegen. Diese haben einen glänzenden Trägerfilm. Revell 57 trocknet allerdings sehr matt aus, wenn man diese Farbe mit der Airbrush aufträgt. Um zu vermeiden, dass es unter den Decals zu Lufteinschlüssen kommt, was später im Gesamterscheinungsbild sehr schlecht aussieht, sollte man eine glänzende Lackschicht aufbringen. Mit Aqua-Color Revell 01 bekommt man eine schöne glänzende Oberfläche, auf die die Decals mit Mircoset aufgebracht werden. Diese spezielle Flüssigkeit wird mit dem Pinsel auf der glänzenden Oberfläche verteilt und das Decal dort hineingelegt. Falls es doch Blasen unter dem Trägerfilm gibt, können diese noch sehr einfach mit einem Tuch oder einem Wattestäbchen sorgfältig herausgestrichen werden. Ist das Decal getrocknet, lässt eine oder mehrere weitere Schichten Glanzlack die Trägerfilmkanten verschwinden.



Ätzteile
Da bereits eine Ätzteileplatine für die wichtigsten filigranen Teile beiliegt, musste ich mich nur noch um die Frag der Relings kümmern. Die kamen aus dem Programm der Firma Saemann Ätztechnik. Aus diesem kamen die dreizügigen mit Klebekante zum Einsatz, die sich hervorragend verarbeiten lassen. Ich verwende diese immer mit Sekundenklebergel, da man dann noch genügend Zeit zum Ausrichten hat, bevor der Kleber trocknet. Zu 90% habe ich die Relings vor der Lackierungsphase aufgebracht, um einen homogeneren Gesamteindruck zu erzielen.


Sonstiges
Fummelig waren die Rettungsinseln mit ihren fotogeätzten Konsolen. Jede dieser Inseln hat zwei Befestigungskonsolen, die als Fotoätzteil vorliegen. Nachteilig ist dabei, dass die Konsolen etwas zu groß sind, was ich allerdings bei meinem Modell akzeptierte. Man sollte sorgsamer sein als ich, denn mir ging von diesen Minibauteilen einiges verloren, bis ich auf die Idee mit dem Zahnstocher kam, der an der Spitze einen Klecks UHU-Tack bekam. Dadurch konnte ich die Konsolen verlustfrei an die Inseln montieren, die wiederum durch diese Technik an die entsprechenden Aufbautenwände befestigt wurden. Dennoch sollte man vorsichtig sein, da der verwendete Sekundenkleber mit dem UHU-Tack mitunter eine merkwürdige Verbindung eingeht und die Montage erschwert.
Der Helikopter
Der Helikopter ist ein kleiner Bausatz für sich. Er besteht aus 2 Resinteilen und 2 Fotoätzteilen für die Rotoren. Bei der Farbgebung habe ich mich an die Bemalungsvorgabe aus einem Revellbausatz der Lynx in 1:72 gehalten, die Fenster wurden mit einem schwarzen Fineliner gemalt. Die schwarzen Blätter des Hauptrotors bekamen feine gelbe Linien. Der Heckrotor bekam einen rot-weiß-roten Anstrich. Das Balkenkreuz habe ich einem alten Decalbogen eines PitRoadkits entnommen, die Deutschlandflagge am Leitwerk entstand freihand.


Das Finish
Bei so einem kleinen Modell in Bezug auf größere Maßstäbe muss man natürlich die Strukturen betonen, damit das Modell nicht in einem Ton erschlagen wird und aussieht wie ein 1250er Sammlerstück. Dazu bediente ich mich verdünnter Ölfarben. Diese habe ich auf Basis eines Dunkelgraus verwendet und hochverdünnt, so dass sie wunderbar in Vertiefungen fließen kann und so eine Art Schattenwirkung am Modell erzielt. Besonders wurden so Bereiche der Leitern (im Original ist die Fläche hinter den Leitern dunkelgrau abgesetzt), der Luken und Türen und aller Lüftungsgitter betont. Mit einem abschließenden Trockenmalen aus aufgehellter Grundfarbe wurde noch einmal dezent über Kanten gewischt, bis das Ergebnis der plastischen Darstellung für mich ausreichte.



Fazit


Modelle von Schiffen der deutschen Marine sind arg rar, wenn man mal von Kartonmodellbaubögen absieht. NNT schlägt die richtige Richtung ein und wird in Zukunft weitere Einheiten der Deutschen Marine auflegen. Mir hat der Bau dieses Modells riesig Spaß gemacht und mit ca. 60 Baustunden keine Langeweile aufkommen lassen. Mein Dank gilt besonders Torben Keitel von der IG Waterline, der mir diese hervorragenden Originalfotos zur Verfügung gestellt hat sowie Norbert Thiel, der mir zeitnah mit dem Ersatz von verlorenen Rettungsinseln, verlorenen Konsolen und dem verlorenen Sicherheitsnetz aus der Patsche geholfen hat.
Martin Kohring