Modellsuche

Suchen


HMS Argonaut am 22. Mai 1982 (Umbau Airfix 1/600), Teil 2 Drucken
Samstag, 17. November 2007 um 11:09


Der Bau


Norbert hatte irgendwann einmal den Rumpf schon an der Wasserlinie abgetrennt und das Deck aufgeklebt. Ich begann damit, den Aufbau anzupassen und herauszufinden, wie ich ihn verbessern konnte. Die Modellbilder waren insofern hilfreich, als ich an ihnen bestimmte Dinge verstehen konnte, die ich auf den Vorbildfotos nicht zuordnen konnte. Es erwies sich auch als vorteilhaft, Fragen in Modellbauforen zu stellen … ;-)


Wie (leider so oft) begann ich spontan, indem ich alle angegossenen Details vom Vorderdeck entfernte und das Loch für den Geschützturm verschloss. Ich verschloss auch den Heckausschnitt und die Öffnung für den Limbo. Nach einigem Spachteln und Schleifen war ich damit soweit zufrieden. Während der unvermeidlichen Verzögerungen versäuberte ich den Aufbau, entfernte die festungsmauerartigen Splitterschilde, verlängerte den Hangar und überarbeitete die hässliche Brücke, wobei die Brückenfenster durch passendes geätztes Leitermaterial ersetzt wurden. Die Splitterschilde an den Brückennocks wurden mit einem Fissurenbohrer im Dremel ausgedünnt. Ich fügte dem Aufbau auch ein neues Deckshaus hinzu, das ich glaubte, auf den Vorbildfotos auf dem Hangar achtern des Großmasts ausmachen zu können. Für diese Umbauten verwendete ich Polystyrolplatten und –profile aus dem Hobby/Architekturbedarf.


Ich hatte schon festgestellt, dass die Exocetkanister von WEM zu groß sind, deshalb benutzte ich diejenigen von Airfix. Im übrigen soll man laut der Anleitung von Airfix einfach die vier Kanister anstelle des Geschützturms aufkleben – so einfach ging das denn doch nicht.
Ich baute gemäß den mir vorliegenden Fotos aus Polystyrol ein zusätzliches Deck vor und teils um die Raketenstarter; zuerst stellte ich mir Papierschablonen her, die ich dann in Kunststoff umsetzte. Leider vergeigte ich trotz aller vermeintlicher Bemühung mal wieder etwas dabei: Ich hatte zuerst die Raketenkanister angepasst, um die korrekte Höhe und Winkelung zu ermitteln. Mit etwas Unterfütterung sah alles schon recht gut aus, und ich leimte die Kanister mit einer Winkelung nach binnenbords auf, wie ich es am Typ 21 getan hatte. Dann baute ich das erwähnte Zusatzdeck, auf das der Sea Cat montiert werden musste (der, dessen Magazin von der einen Bombe getroffen wurde). Als ich soweit war, schickte ich – stolz, wie ich war - die Bilder an einen Freund. Er steckte mit der Nase nicht so dicht vor dem Projekt wie ich und machte mich darauf aufmerksam, dass die Raketen parallel zur Längsachse des Schiffs montiert werden mussten – er fügte sogar eine Planzeichnung bei. Nun kamen auch bei mir Zweifel auf, und plötzlich sah auch ich auf meinen Fotos, dass er absolut recht hatte. Glücklicherweise konnte ich die Teile abnehmen und gerade wieder aufkleben, ohne das Deck neu zu bauen. Und nun sah es sogar so aus, als könne man eine Exocet abfeuern, ohne dazu den Sea Cat abzumontieren. Strahlabweiser und Abdeckungen an den Raketenwerfern entstanden aus Kunststoffplatten und Ätzteilresten.


Trotzdem sah der Sea Cat–Starter immer noch zu groß aus, und der Eindruck verstärkte sich noch, als ich die beiden anderen Starter probeweise auf dem Hangardach aufstellte. Ich weiß noch nicht, was zutreffend ist, aber eben jene Starter, die auf dem Typ 21 korrekt ausgesehen hatten, wirkten auf der Argonaut zu groß. Da ich mich außerstande sah, selbst eine kleinere Version zu bauen, musste ich mit dem leben, was ich hatte.
Nun folgten Korrekturen an den Decks. Ich fügte Decksausbuchtungen dort hinzu, wo die 40 mm–Bofors und die Corvus–Täuschkörperwerfer angebaut werden sollten. Von den mir vorliegenden Plänen ausgehend, fügte ich fotogeätzte Schotten von WEM hinzu und bohrte Bullaugen aus.
Die Corvus-Werfer mussten selbst angefertigt werden; ich benutzte dazu gezogene Gußäste (jeweils zu zweien oder dreien verklebt und abgelängt) und Polystyrolstäbe. Ich hätte gern die klobigen Bofors aus dem Bausatz durch schöne Resinteile ersetzt, diese waren jedoch bei WEM ausverkauft – und ich wusste noch nichts von den sehr schönen Teilen, die Niko im Angebot hat. So kaufte ich nur das Ätzteilset von WEM für die Bofors. Bald wurde mir klar, dass ich komplett unfähig war, mit diesen besonders widerspenstigen mikroskopischen Teilen zu arbeiten – also griff ich zu Plan C. Die Rohre wurden durch Kanülen ersetzt, und die Lafette durch etwas Sägen und Ankleben von Kunststoffteilchen etwas aufgewertet. Die Drillings-Torpedorohre entstanden aus einer Basis aus Kunststoff und zugeschnittenen Kanülen. Die zwei Feuerleitgeräte wurden mit geätzten Handrädern, die mit Weißleim bezogen wurden, etwas optisch aufgewertet.

Die Landungsboote


Die LCU´s aus dem Airfix-Bausatz der HMS Fearless sind wirklich recht schön, abgesehen von einer mächtigen Sinkstelle an der Rückseite des Ruderhauses. Ich baute eins davon zusammen und formte es mit zahntechnischem Silikon ab. Die Form wurde mehrmals mit zahntechnischem Kunststoff ausgegossen, die Abgüsse versäubert und etwas weiter detailliert. Sie erhielten Ruderhausfenster, Schotten und Auspuffrohre. Die LCUs wurden mit Model Master Email Grundierung gespritzt und in den gleichen Farben wie das Schiff mit Acrylfarben lackiert. Zusätzlich erhielten sie die typischen schwarzen Tigerstreifen, die die LCUs der Fearless trugen. Künstlerölfarben dienten zur Alterung der Boote.

Das Diorama


Schon recht früh begann ich mit der Grundplatte; ich benutzte einen Bilderrahmen, den ich von hinten mit Gips gegen eine zerknitterte Aluminiumfolie ausgoß, die ich um die Glasscheibe des Bilderrahmens gespannt hatte. Nachdem der Gips abgebunden hatte, konnte ich die Scheibe abnehmen und die Gipsoberfläche versäubern. Nun wurden die Modelle gemäß dem Foto auf der Basis platziert, die Umrisse wurden mit Bleistift markiert und ich begann, mit einem größeren Messer Gips abzutragen. Die Fregatte sollte etwas Schlagseite haben, und die LCUs einigermaßen tief im Wasser liegen. Das vordere LCU liegt näher an der Fregatte als es beim Schleppen realistisch wäre, aber ich entschloss mich, den Moment des Anschleppens darzustellen – so würde alles auf eine kleine Basis passen.

Nachdem ich mit der Lage und Stellung der Fahrzeuge zufrieden war, bemalte ich den Gips in verschiedenen Blau- und Grüntönen, wozu ich Abtönfarbe aus dem Baumarkt um die Ecke benutzte. Generell wurde das aufgewühlte Wasser um die Schiffe heller und grünlicher als das unbewegte Wasser bemalt. Auf dem Foto sieht man, wie aus mehreren Öffnungen Wasser aus dem Schiff gepumpt wird, sogar aus den Ankerklüsen; deshalb hellte ich die Bereiche, in denen dieses Wasser auftreffen würde, zusätzlich auf. Ich ging zudem davon aus, dass die Öffnung backbords, aus der Wasser strömt, der vordere Bombentreffer war, während der achtere Treffer (mittschiffs an der Wasserlinie) von dem angelaschten Landungsboot verdeckt wurde. Nachdem ich mit der Bemalung soweit zufrieden war, wurde die matte Farbe mit mehreren großzügigen Schichten hochglänzenden Klarlacks aus einer Sprühdose (ebenfalls aus dem Baumarkt) versiegelt, wodurch der erwünschte Tiefeneffekt entstand.

Die Bemalung


Ich bemale meine Modelle schon in einem frühen Baustadium. Die Stahldecks wurden wieder mit Acrylfarbe von JPS "IJN Maizuru Grey" bemalt, was dem Dark Admiralty Grey einigermaßen nahe kommt. Die passende Emailfarbe wäre WEM Colourcoats M 16. Die senkrechten Flächen, die im Original Light Admiralty Grey (Colourcoats M 01) sind, wurden mit einer selbst angefertigten Mischung auf der Basis von RAL 7035 Lichtgrau (ebenfalls von Jens Popp JPS) bemalt. Das gesamte Schiff wurde vor Benutzung der Acrylfarben mit Model Master Grundierung auf Emailbasis lackiert. So konnte ich frühzeitig Macken entdecken und sicherstellen, dass auch die "alten" Acrylfarben von JPS gut auf dem Modell hafteten.
Diesmal versuchte ich eine neue Bemalungstechnik. Ich hatte vor kurzem mit Freunden diskutiert, wie man die oftmals sehr gut sichtbaren Unebenheiten der Außenhaut moderner Schiffe wiedergeben könnte. Diese entstehen durch Belastungen des Rumpfes und der Spannung der dünnen Beplattung auf dem Spantengerüst; sie wirken je nach Lichteinfall wie ein angewinkeltes Schachbrettmuster. Als mir dieser Effekt wieder auf dem Bild der heimkehrenden Argonaut auffiel, entschloss ich mich, einen Versuch zu wagen.
Also nahm ich ein übriggebliebenes Stück von dem Insektenvorhang unseres Schlafzimmers und fixierte es am bereits bemalten Rumpf. Daraufhin spritzte ich sachte mit einem etwas dunkleren Grau darüber, nahm das Netz ab und war überhaupt nicht zufrieden mit dem Ergebnis. Also nebelte ich die ursprüngliche Rumpffarbe über das hässliche Schachbrettmuster und schwächte es immer weiter ab, bis es mir zu gefallen begann. Ich hörte auf, als das Muster gerade sichtbar war, ohne zu sehr aufzufallen – und mir gefällt das Ergebnis.


Nun folgte einiges an Detailbemalung, die Bemalung verschiedener Anbauteile und die Bemalung der Aufbauten. Während dieser Arbeiten schnitt ich mir auch Masken und spritzte die Flugdecksmarkierungen. Die Acrylfarben ließen das alles rasch von der Hand gehen, wie sie bei mir generell die Bauzeit verkürzen. Schließlich konnte ich den Aufbau auf den Rumpf kleben.
Kniffelig waren wieder die SCOT-Radome und besonders das zusätzliche Deck für sie. Die Radome entstanden aus Spitzen von Zahnstochern, die mehrmals in Mr Surfacer getaucht und dann umgekehrt aufgehängt wurden, um die die Tropfenform zu erreichen. Die Sea Cat–Raketen sind wieder blaugrau bemalte Zahnstocherspitzen.
Die Masten moderner Kriegsschiffe sind Modelle für sich, besonders, wenn man mit einem guten Ätzteilsatz arbeitet. Ich begann damit, die Kunststoffmasten zu spachteln und zu verschleifen, dann wurden sehr langsam und methodisch Stück für Stück die extrem filigranen Ätzteile angebaut. Das ging nicht ohne einige mehr oder weniger laute, aber stets von Herzen kommende Verwünschungen ab, nicht ohne unabsichtliche Knicke an gerade angebauten Teilen, und nicht ohne Denkpausen, in denen ich versuchte, mir darüber klarzuwerden, wie genau dieses oder jenes Teil anzubauen war. Am Ende war ich damit aber auch soweit fertig.

Ich musste die sehr filigrane Radarantenne Typ 965 von WEM durch eine noch feinere in 1:700 ersetzen, nachdem Michael Potter von modelwarships.com mir gesagt hatte, dass die 1:600er Antenne zu groß war. Diese Antenne besteht aus etwa einem Dutzend Einzelteilen - wenn man sich Zeit lässt, geht der Bau aber recht gut von der Hand. Nach dem Zusammenbau wurden die Masten in Rumpffarbe gespritzt, die 965–Antenne etwas dunkler nach meinem Eindruck beim Betrachten des Devonport-Bildes.
Nun fügte sich alles endlich zusammen, und bald wirkte die Argonaut wie ein richtiges Schiff. Nach Anbau der Masten, Torpedorohre, Täuschkörperwerfer (mit Strahlabweisern), Bofors, Sea Cat-Werfern und Leitgeräten, fügte ich noch Bootsdavits aus dem Set Modern RN von WEM hinzu. Die Boote entstammen dem Bausatz. Das offene Boot erhielt eine Persenning aus Weißleim. Ich baute noch ein Schlauchboot aus Kunststoffprofilen und Weißleim, und fügte an Deck eine Anzahl von "Kästen" aus Polystyrolprofilen hinzu. Diese wurden vorher bemalt und an diversen Stellen an Deck angeklebt, besonders achtern, wo das Schiff einerseits sehr nackt aussah und ich andererseits keine Informationen aus der entsprechenden Bauphase besaß. Um das Achterschiff herum wurden Fangnetze aus dem WEM-Ätzteilesatz angebracht.
Die Rettungsinselbehälter aus dem Bausatz waren sehr klobig und nicht rund, also versuchte ich, sie besser nachzubilden. Mangels einer Drehbank spannte ich einen Zahnstocher in meinen Dremel ein und benutzte diverse Schleifpapiere, Feilen und meine Feinsäge, um das Teil auszudünnen und Rillen anzulegen, die die Illusion mehrerer nebeneinander gelagerter runder Behälter geben sollten. Das Endergebnis wurde bemalt und auf eine Ablage aus Ätzteilrahmenmaterial geklebt.
Der Sea Lynx stammt von WEM und ist in 1:700; damit ist er eher klein, aber der einzige für mich erhältliche. Er wurde versäubert, in Sea Blue von JPS bemalt, mit schwarzen Rotorblättern mit gelben Spitzen. Das geätzte Fahrwerk wurde verworfen und durch Polystyrolteile ersetzt.


Nun folgte der Anbau beachtlicher Mengen fotogeätzter Relings und einiger Niedergänge – nicht immer stressfrei, aber irgendwann erledigt. Nach dem üblichen Versäubern und Korrekturen fügte ich eine Anzahl 1:700er geätzter Figuren von Lion Roar hinzu, takelte das Schiff mit gezogenem schwarzem Gussastmaterial; aus dem gleichen Material entstanden die zahlreichen Peitschenantennen. Schließlich wurde alles mit Mattlack versiegelt. Zu guter Letzt wurde das Schiff dezent mit verdünnter Acrylfarbe von Vallejo gealtert.
Nach der Trocknungszeit wurden alle vier Fahrzeuge mit Acrylgel auf der Basis befestigt; die Wasserstrahlen wurden aus gezogenem klarem Gussastmaterial hergestellt, das mit Acrylgel beschichtet und später mit weißer Ölfarbe bemalt wurde. Die Schleppleine wurde aus gezogenem Gussast hergestellt, und nach einigen kleineren Korrekturen erklärte ich die Arbeiten für beendet.
Dieses Projekt entstand vom 25. September bis zum 6. Oktober, während einer Urlaubswoche, in der ansonsten nicht viel lief. Es machte alles in allem weniger Spaß als der Typ 21, den ich vorher gebaut hatte, weil der Bausatz schlechter ist und ich nicht genug Informationen über das Vorbild hatte. Trotzdem hat es Spaß gemacht und mir gefällt der eher ungewöhnliche Anblick einer von LCUs geschleppten Fregatte. Die Technik der Außenhautschattierung werde ich bei meinen weiteren modernen Kriegsschiffen einsetzen, ich empfinde sie als willkommene Bereicherung.

Quellen


  • en.wikipedia.org/wiki/HMS_Argonaut

  • en.wikipedia.org/wiki/Leander_Class

  • Devenport-Bild der Argonaut

  • Southby-Tailyour, Ewen: HMS Fearless, Barnsley 2006; ISBN 1-84415-054-2
  • Friedman, Norman: British Destroyers and Frigates; London 2006; ISBN 1 86176 137 6
  • Brown, David: The Royal Navy and the Falklands War; London 1989 (paperback); ISBN 0 09 957390 3
  • Woodward, Sandy (with Patrick Robinson): One hundred days; Paperback edition with new preface by the author, Annapolis 1997; ISBN 1 55750 652 3


Benutzte Materialien


  • WEM 1:600 resin Seacat Launchers (zur Zeit nicht erhältlich)
  • WEM 1:700 resin Westland Lynx (AS 7056)
  • WEM 1:600 "Ultimate" Post War RN Set 1 and 2 (PE 624 and 625)
  • WEM 1:700 General Post War RN Set PE 700 (davits)
  • WEM 1:700 Post War RN Radars PE 701 (Type 956 Radar)



Danksagungen


  • John Snyder und Peter Hall von WEM für ihre Hilfe mit den Tarnschemen
  • Michael Potter für seine Tips hinsichtlich VDS, Bewaffnungen und Radargeräte
  • Lars Scharff für Quellenmaterial und stets konstruktive Kritik
  • Norbert und Nadja Thiel vom NNT – Versand für den Bausatz und blitzschnelle Nothilfe mit dringend benötigten Teilen
  • Burkhardt Masch und Rainer Michalek für die Überlassung ihrer umfassenden Bildersammlung von ihrem Besuch in England


Frank Spahr, IG Waterline / VMF-06 German Gamblers